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Alle Jahre wieder – Weltgästeführertag 2017 in Rothenburg o.d.T.

Alle Jahre wieder – Weltgästeführertag 2017 in Rothenburg o.d.T.

5 einmalige Sonderführungen zum WGFT (Weltgästeführertag) 2017.

Wie immer um den 21. Februar eines Jahres gibt es im gesamten Bundesgebiet zahlreiche Veranstaltungen. Die Mitglieder des Bundesverband der Deutschen Gästeführer (BVGD) haben sich zum 500. Jubiläum des Thesenanschlages ein entsprechendes Thema als bundesweites Motto gewählt. Weitere Informationen zum WGFT finden sich auf der Internetseite des BVGD. (http://www.bvgd.org/weltgaestefuehrertag/)

Reform – Zeit für Veränderung

Am Samstag 18. und  Sonntag 19. Februar  bieten wir vom Verein der Rothenburger Gästeführer zum 9. Mal in Folge einmalige Sonderführungen an. In diesem Jahr zu dem Thema „Reform – Zeit für Veränderung“. Die Teilnahme ist kostenlos und jeder ist ohne Anmeldung herzlich willkommen. Spenden für einen guten lokalen Zweck sind allerdings gerne gesehen.

 

Seit 2009 erfreut sich diese Veranstaltung einem ständig wachsenden Interesse. In 8 Jahren haben wir inzwischen 109 Führungen angeboten die von fast 5400 Personen besucht wurden. Dadurch waren wir in der Lage 8295,- Euro an Spenden für unterschiedliche Projekte zu sammeln.

St.-Jakobs-Kirche - ©Rothenburg Tourismus Service

St.-Jakobs-Kirche – ©Rothenburg Tourismus Service

Das Programm 2017

Ein Quiz als Auftaktveranstaltung

Am Sa. den 18.02. geht es um 13:00 Uhr mit einer Fragen-Rallye zum Thema los.

Uhrzeit: 13:00 Uhr

Treffpunkt: St.-Jakobs-Kirche

Rothenburger Gästeführer werden Sie in das diesjährige Programm einstimmen. Danach können Sie ihr Wissen in einer Rallye testen. Bis zum Beginn der ersten Führung des Tages können Sie alleine oder in Gruppen die Fragen beantworten. Natürlich gibt es auch etwas zu gewinnen.

Um 14:00 Uhr ist es dann soweit. Die Führungen beginnen. Anders als in den Jahren zuvor wird jede Führung nur einmal angeboten und dauert jeweils ca. eine Stunde.

©Rothenburg Tourismus Service

Foto: ©Rothenburg Tourismus Service

Reformation und Renaissance

Treffpunkt: Marktplatz am Sa. 18.2. um 14:00 Uhr

Gästeführer: Frau Antonia Nakamura und Frau Jutta Rohn

Kurzbeschreibung

Wie kommt es, dass Rothenburg so eng mit der Reformation verbunden ist? Rothenburg lag verkehrsgünstig an einem Knotenpunkt großer Handels- und Pilgerwege. Die damaligen Kommunikationskanäle und die Vervielfältigungsmöglichkeiten durch den Buchdruck erlaubten, dass sich Informationen schnell verbreiteten. Dabei verloren die innerstädtischen Klöster zusehends ihren Einfluss. Als Zeichen dieses neuen Bewusstseins entstanden in der Stadt große Bauten im Renaissancestil wie der neue Rathausvorbau.

 

©Rothenburg Tourismus Service

Foto: ©Rothenburg Tourismus Service

Der Weinbau ist wieder da

Treffpunkt: Hotel Glocke am Sa. 18.2. um 15:30 Uhr

Gästeführer: Herr Albert Thürauf

 

Kurzbeschreibung

Im 16. Jahrhundert wurde aus dem Bayerischen Weinland ein Bierland. In den 1970 er Jahren wurde im Taubertal wieder Wein angebaut. Die Thüraufs warben schon früh für den hochwertigen Anbau von Wein im Taubertal und setzten damit Maßstäbe. Ein historischer Streifzug zur Ampelographie früher und heute. Lassen Sie sich von Herrn Thürauf erklären was es damit auf sich hat.

 

Den Tag können Sie dann in einem der vielen schönen Lokalen in Rothenburg bei einem Schoppen Wein ausklingen lassen. Am kommenden Sonntag stehen dann drei weitere interessante Themenführungen auf dem Programm. Wir starten auch nicht ganz so zeitig, um jedem die Möglichkeit zu geben ganz nach persönlichem Gusto dem Kirchgang oder Sonntagsfrühstück zu frönen.

Foto: ©Rothenburg Tourismus Service

Foto: ©Rothenburg Tourismus Service

Foto: ©Rothenburg Tourismus Service

Touristen statt Schornsteine

Treffpunkt: An der Eich am So. 19.2. um 11:30 Uhr

Gästeführer: Frau Hannelore Schultze

 

Kurzbeschreibung

Die Bahnverbindung kommt 1873. Das Postkutschen-Zeitalter ist vorbei. Rothenburg erkennt seine Chance in den „Fremden“, die da langsam zahlreicher werden – und reagiert: Hotels werden erweitert oder neu errichtet, Licht und fließendes Wasser kommen, Events werden gezielt kreiert, das „Stadtbild“ spielt jetzt eine große Rolle. „Die Gartenlaube“ berichtet oft über Rothenburg – weltweit. „Alles für die Touristen“. Dem trägt man mit vielen Maßnahmen Rechnung. Selbst auf einer Weltausstellung wird Rothenburgs Rathaus zum „Deutschen Haus“.

 

Der Wandel im Sport, Ernährung, Lebensstil

Treffpunkt: Im Rathaus (2. Stock) am So. 19.2. um 13:30 Uhr

Gästeführer: Frau Karin Bierstedt, Herr Baur, Herr Weber

 

Kurzbeschreibung

Unter dem Begriff „Sport“ werden verschiedene Bewegungs-, Spiel- und Wettkampfformen zusammengefasst, die meist im Zusammenhang mit körperlichen Aktivitäten des Menschen stehen. Am Beispiel des Patrizierfestes und des VTR 1861 wird die Entwicklung in Rothenburg aufgezeigt. Die Sportler kamen viel rum. Wie hat sich der Breitensport verändert. Das Körperbewusstsein und die Einstellung zur Ernährung haben sich angepasst. Vom Klappmesser zum Sit up – machen Sie mit.

 

Foto: ©Rothenburg Tourismus Service

Foto: ©Rothenburg Tourismus Service

Foto: ©Rothenburg Tourismus Service

Foto: ©Rothenburg Tourismus Service

Die Veränderung in der St.-Jakobs-Kirche

Treffpunkt: St.-Jakobs-Kirche  am So. 19.2. um 14:30 Uhr

Gästeführer: Herr Peter Noack und Herr Dr. Oliver Gußmann

 

Kurzbeschreibung

Die gotische St.-Jakobs-Kirche wurde zu einer Zeit erbaut als man von Martin Luther noch nichts ahnte. Nachdem in Rothenburg o.d.T. die Reformation eingeführt worden war, veränderte sich der Innenraum: Altäre wurden im Raum verschoben, Heiligenfiguren versteckt, unbequeme Bilder übermalt, Kanzeln gebaut und Bänke in den Raum gestellt. In der Führung geht es um die Veränderungen, die der reformatorische Glaube mit sich brachte.

 

Das Ende der Rallye

Am Ende der fünften Führung des Wochenendes und zum Abschluss der Veranstaltung werden dann die Ergebnisse des Quiz bekannt gegeben. Es lohnt sich also bis ganz zum Schluss dabei zu bleiben. Denn auch dabei wird sich vermutlich noch einmal für viele Anwesende etwas verändern, und zwar in kurzer Zeit ihr Wissensstand über Rothenburg ob der Tauber.  Es ist ja schließlich die Zeit für Veränderungen.

 

Harald Ernst

Bin ich ein Rothenburger? JAIN! Meine Wurzeln liegen nur 15 km von Rothenburg entfernt. Brettheim, früher ein Teil des Stadtgebietes der Reichsstadt mit ca. 180 Dörfern, liegt heute in einem anderen Bundesland (BW). Das erklärt, weshalb ich mich als Rothenburger fühle, inzwischen auch in der Altstadt lebe, aber nicht wie ein Rothenburger klinge. Ich bin ein Hohenloher mit entsprechendem Dialekt (wenn ich will oder darf) und habe mich während meines Zivildienstes (1990/91) in der Jugendherberge in die Stadt verliebt. Außerdem habe ich mich durch die Gäste aus aller Welt inspirieren lassen und das Reisen für mich entdeckt. Menschen, Länder, Abenteuer lassen mich immer wieder meine Koffer packen. Doch genauso gerne kehre ich immer wieder zurück in diese besonders schöne Stadt. Aus Hobby wurde Beruf. Bereits 1993 kam ich zur Gästeführerei. Im Jahr 2000 habe ich mit einem Freund ein Reiseunternehmen gegründet und bin seit dem selbstständiger Stadtführer, Reiseleiter und Driverguide für Gäste aus aller Welt im In- und Ausland. Doch mein Schwerpunkt ist und bleibt Rothenburg ob der Tauber. Hier kenne ich mich am besten aus. Hier bin ich Zuhause.

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Darf es noch etwas mehr sein? – Rothenburger Sehenswürdigkeiten auf den dritten Blick

Die Fortsetzung von  Rothenburg auf die Schnelle und Rothenburger Sehenswürdigkeiten für Fortgeschrittene.

Dieses beschauliche Städtchen hat mehr zu bieten als die meisten denken. Nun ist die Altstadt von Rothenburg zwar nur 15 Minuten lang und 10 Min breit. Zumindest wenn man die reine Gehzeit von Nord nach Süd und von Ost nach West rechnet. Genauer gesagt hat die Altstadt eine Länge von etwas über 1000 Meter und an der breitesten Stelle sind es nicht ganz 700 Meter. Aber es erstaunt mich selbst immer wieder, wie viel es innerhalb dieser alten Mauern zu entdecken gibt. Das reicht leicht für einen Wochenendausflug und dann gibt es immer noch genug für einen zweiten, dritten und vierten Besuch.

Rothenburg ob der Tauber

Rothenburg ob der Tauber. Bild: W.Pfitzinger

Es gibt viel zu wissen – Der Verein Alt-Rothenburg

Nun führe ich seit über 20 Jahren Gäste über dieses Pflaster und beschäftige mich ebenso lange schon mit der Geschichte der Stadt. Innerhalb dieser langen Zeit habe ich viel gelernt, aber vor allem ist mir bewusst geworden, dass es noch viel viel mehr zu wissen gibt. Oder wie ein großer griechischer Philosoph einmal sagte: “Ich weiß, dass ich nichts weiß. Aber ich weiß mehr als die anderen wissen, denn die wissen nicht, dass sie nichts wissen.“

Ein Quell der Information für Einheimische und Gäste ist der Verein Alt Rothenburg. Sowohl mit seiner Internetseite als auch mit seinen Publikationen und Veranstaltungen trägt er sehr zur Wissensvermittlung über die Geschichte der Stadt bei. Vor allem die Vorträge des Vereins im Rahmen der Rothenburger Diskurse sind wirklich hochkarätig. Die aktuellen Termine finden Sie auf der vereinsinternen Seite ebenso wie unter den Veranstaltungstipps der Stadt Rothenburg ob der Tauber. Geben Sie dort einfach den Begriff „Diskurse“ ein. Dann erhalten Sie die Termine und Themen für die nächsten geplanten Vorträge.

Über den Dächern von Rothenburg – Der Röderturm

Röderturm

Röderturm

Leider hat nicht jeder die Möglichkeit, seinen Besuch in Rothenburg nach Vorträgen des Vereins Alt-Rothenburg zu planen. Zum Glück gibt es eine Art Zweigstelle mit relativ regelmäßigen Öffnungszeiten, die nicht nur interessante Informationen zur Zerstörung der Altstadt in den letzten Kriegstagen für den Besucher bereit hält, sondern auch noch einen fantastischen Blick über die Dächer von Rothenburg ermöglicht. Der Torturm des Rödertors (Östliches Stadttor) ist ein geradezu perfekter Platz für diesen Ausstellungsraum. Der Zugang erfolgt über die Stadtmauer. Also erst auf die Stadtmauer und dann auf der nördlichen Seite des Röderturms prüfen ob der Turmzugang möglich ist. Der Eintritt wird ebenso wie beim Rathausturm fällig, wenn man oben angekommen ist. Man ist dann zwar noch nicht über den Wolken, aber doch schon ganz schön weit oben.

Eine Etage tiefer – Das Historiengewölbe

Historiengewölbe

Historiengewölbe

Eine weitere Dependance eines Städtischen Vereines ist das Historiengewölbe im gotischen (weißen) Teil des Rathauses. Hier erwarten viele den Zugang zum Rathausturm, der direkt darüber liegt. Aber anstatt hoch hinaus geht es hier eher abwärts. Was in diesem Fall aber gar nicht negativ ist. Zumindest heute nicht mehr. In den ebenerdigen Räumlichkeiten hat der Verein „Historisches Festspiel – Der Meistertrunk“ eine Vielzahl von originalen Ausstellungsstücken aus der Zeit des 30- jährigen Krieges zusammen getragen. Bei der Gelegenheit sollte man es auf keinen Fall verpassen, auch einen Blick in das reichsstädtische Verlies zu werfen. Ganz in der Nähe der Kasse geht es in einem Nebenraum über eine enge und steile Stiege in den Untergrund. Der erste Raum hat schon etwas Bedrückendes, dabei war dieser für das Wachpersonal vorgesehen. Über einen langen, schmalen Gang geht es dann zu den eigentlichen Gefängniszellen.

Verlies im Historiengewölbe

Verlies im Historiengewölbe

Drei Stück an der Zahl, wobei bei einer davon sogar die Tür unverschlossen ist. Man kann, muss aber nicht, eintreten, denn dieses dunkle Loch ist selbst heute noch alles andere als einladend. Auf jeden Fall ein Erlebnis der besonderen Art und ein absoluter Geheimtipp zum Abkühlen an den ganz heißen Sommertagen. Das Rothenburger Staatsverlies ist auch ohne Klimaanlage eine coole Adresse und garantiert einen erfrischenden Aufenthalt.

Hat man sowas schon gesehen – Die Schäferkirche

Nicht weniger erfrischend, sowohl für den Geist als auch für den Körper, ist die Schäferkirche Sankt Wolfgang.  Im nördlichsten der sechs Stadttore ist diese Kirche in die Torbastei integriert. Auf all meinen Reisen habe ich schon viel gesehen, aber sowas, nein, so etwas kenne ich nur von Rothenburg ob der Tauber. Eine Kirche mit Persönlichkeitsspaltung. Als ob dieses Bauwerk nicht so recht wusste was es werden sollte. Gotteshaus oder Wehranlage.

Schäferkirche - St. Wolfgang

Schäferkirche – St. Wolfgang

Wie kam es dazu? Früher durften Schäfer, denn man hatte unter anderem Angst sie würden Krankheiten von ihren Tieren übertragen, nicht immer in die Stadt und so entwickelte sich ein Betplatz just an jener besonderen Stelle direkt vor dem Stadttor. An diesem Platz zum Beten ist diese Kirche, welche von der Bruderschaft der Schäfer eigens für ihre, für Rothenburg so wichtige, Berufsgruppe errichtet worden. Deshalb Schäferkirche, welche ihrem Schutzpatron, dem Heiligen Wolfgang, geweiht ist.

St. Wolfgang - Altar

St. Wolfgang – Altar

St. Wolfgang - Kasematten

St. Wolfgang – Kasematten

Gleichzeitig wurde der Bau genutzt, um den Zugang zur Stadt zu sichern. So legte man Geschützstände, so genannte Kasematten, bei den Fundamentierungsarbeiten der Kirche an, welche heute noch zugänglich sind. Weitere Geschützstände im Obergeschoss und das ehemalige Torwärterhäuschen, mit einer kleinen Ausstellungsfläche der Schäfer, sind ebenfalls zu besichtigen. Definitiv eine der meist unterschätzten Sehenswürdigkeiten in unserem fränkischen Schatzkästchen. Selbst wenn die Kirche geschlossen sein sollte, lohnt sich ein kurzer Abstecher um das Gebäude, um sich von diesem so seltsamen Bauwerk verzaubern zu lassen.

Klein aber fein – Das Alt-Rothenburger Handwerkerhaus

Apropos verzaubern lassen. Da komme ich doch gleich auf ein weiteres Schwergewicht unserer Sehenswürdigkeiten, auch wenn dies wohl niemand unter dem unscheinbaren Namen „Alt-Rothenburger Handwerkerhaus“ vermuten würde.

Handwerkerhaus - Alter Stadtgraben

Handwerkerhaus – Alter Stadtgraben

Für mich ist dieses kleine Museum sogar die meist unterschätzte Sehenswürdigkeit unserer Stadt. Etwas abseits der Haupttouristenströme, im Alten Stadtgraben gelegen, fällt es nicht auf und selbst wenn man direkt davor steht ist kaum zu vermuten, was in diesem Haus steckt.

Alt Rothenburger Handwerkerhaus

Alt Rothenburger Handwerkerhaus

Geschichte pur. Geschichte, die man mit den unterschiedlichsten Sinnen ganz direkt erfahren kann. Bereits beim Betreten des Gebäudes fällt mir jedes Mal der besondere Geruch von Jahrhunderten auf. Dann dieses dämmrige Licht und die niedrige Deckenhöhe. Ein Erlebnis für alle Sinne. Dazu kommen jede Menge Ausstellungsstücke aus dem Bereich Handwerk und Haushalt. Dieses Haus hat inzwischen fast 750 Jahre auf dem Buckel. Wahrhaftig ein Methusalem an seinem originalen Bauplatz. Also nicht in einem der vielen Freilandmuseen, sondern wirklich da wo es hingehört, mitten in die Altstadt von Rothenburg ob der Tauber.

Darf es noch etwas mehr sein?

Wieviel Zeit man für die einzelnen Sehenswürdigkeiten benötigt habe ich bewusst offen gelassen, denn für manche darf es etwas mehr und plötzlich sind ein bis zwei Stunden wie im Fluge vergangen. Andere sind unter Umständen nach zwanzig bis dreißig Minuten schon wieder auf dem Sprung zur nächsten Attraktion. Eines ist jedoch sicher. Bei uns ist für jeden was dabei und ich bin mit meiner Reihe von touristischen Möglichkeiten immer noch nicht fertig. Mindestens einen Beitrag zu dem Thema wartet noch darauf, niedergeschrieben zu werden. Am besten gleich den Blog abonnieren, dann verpassen Sie meinen Beitrag auf keinen Fall. Die anderen Beiträge der Rothenburger Blogger übrigens auch nicht. Es gibt eben so viel Wissenswertes, und das nicht nur über Erlangen 😉 .(eine kleine Hommage an die Kenner und Liebhaber der NDW / Link: https://www.youtube.com/watch?v=G_k20C8hOEs)

Harald Ernst

Bin ich ein Rothenburger? JAIN! Meine Wurzeln liegen nur 15 km von Rothenburg entfernt. Brettheim, früher ein Teil des Stadtgebietes der Reichsstadt mit ca. 180 Dörfern, liegt heute in einem anderen Bundesland (BW). Das erklärt, weshalb ich mich als Rothenburger fühle, inzwischen auch in der Altstadt lebe, aber nicht wie ein Rothenburger klinge. Ich bin ein Hohenloher mit entsprechendem Dialekt (wenn ich will oder darf) und habe mich während meines Zivildienstes (1990/91) in der Jugendherberge in die Stadt verliebt. Außerdem habe ich mich durch die Gäste aus aller Welt inspirieren lassen und das Reisen für mich entdeckt. Menschen, Länder, Abenteuer lassen mich immer wieder meine Koffer packen. Doch genauso gerne kehre ich immer wieder zurück in diese besonders schöne Stadt. Aus Hobby wurde Beruf. Bereits 1993 kam ich zur Gästeführerei. Im Jahr 2000 habe ich mit einem Freund ein Reiseunternehmen gegründet und bin seit dem selbstständiger Stadtführer, Reiseleiter und Driverguide für Gäste aus aller Welt im In- und Ausland. Doch mein Schwerpunkt ist und bleibt Rothenburg ob der Tauber. Hier kenne ich mich am besten aus. Hier bin ich Zuhause.

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Rothenburger Stolpersteine – Ein ganz besonderes Pflaster oder Auf diese Steine sollten Sie schauen!

Die eher unbekannte Seite unserer wunderschönen fränkischen Kleinstadt.

Zum Schwan in der Oberen Schmiedgasse 15 / Foto: H.Ernst

Zum Schwan in der Oberen Schmiedgasse 15 / Foto: H.Ernst

Wenn ich vom Plönlein in Richtung Marktplatz auf der Unteren und Oberen Schmiedgasse gehe, erfreue ich mich nicht nur an den Geschäften und dem erst vor wenigen Jahren neu gemachten Pflaster, sondern vor allem an dem einen, kleinen Pflasterstein vor dem Gasthof Zum Schwan. Er fällt kaum auf und doch schaue ich immer mal wieder drauf. Denn ich war dabei als genau dieser Stein dort seinen Platz und seine Bestimmung fand. Leuchten und funkeln sollte er, wie ein Ewiges Licht zum Gedenken an was mal war.

Ach wenn diese Mauern doch sprechen könnten! Was hätten sie nicht alles zu erzählen.

GZSZ – Gute Zeiten / Schlechte Zeiten

Heute schlendern Menschen aus allen Herren Ländern friedlich durch die beschaulichen Gassen. Es ist aber noch gar nicht so lange her, da hämmerten schwere Stiefelsohlen über das Pflaster und zerrten Menschen aus ihren Häusern. Plötzlich wurden aus Mitbürgern Menschen zweiter Klasse. Nachbarn, im besten Fall hilflose Freunde, meist stumme Zeugen, manchmal sogar Täter.

Franken war ganz schön „Braun“. Die NSDAP konnte auch hier große Wahlerfolge verzeichnen und unser schönes mittelalterliches Städtchen war auch schon damals sehr beliebt. Die ganzen großen Namen, sie waren alle da.

Zum Glück vorbei!

Rudolf Hess, Hermann Göring, Heinrich Himmler und Adolf Hitler standen alle schon mal auf unserem Marktplatz. Sind vermutlich auch am Schwanen vorbei gekommen. Was würden die Besucher von damals heute wohl zu Rothenburg sagen? Diese heute so weltoffene Stadt, die sich immer mehr der braunen Flecken ihrer Geschichte erinnert und auch deutliche Zeichen dagegen setzt.

(weitere Infos: Rothenburg unterm Hakenkreuz)

Steine gegen das Vergessen

Wenn ich auf Führungen auf dieses Thema zu sprechen komme, leite ich es gerne mit einem Zitat aus dem Talmud ein, das der Erfinder der Stolpersteine auch auf seiner Internetseite www.stolpersteine.de verwendet. „Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist“. Es geht um Steine gegen das Vergessen. Es geht darum zumindest mal für einen Moment im Geistigen Sinne zu stolpern und aus dem Tritt des Alltags zu geraten.

Seit 2013 gibt es sie nun auch bei uns in der Altstadt von Rothenburg ob der Tauber. Die immer wieder kontrovers diskutierten Stolpersteine.

Am 26. April war Gunter Demnig bei uns und hat an fünf Stellen insgesamt zehn seiner Steine selbst gesetzt, so wie er das bis auf wenige Ausnahmen immer tut.

Vier Stolpersteine befinden sich bei der Herrngasse 21. Hier war die Gebetsstube der letzten jüdischen Gemeinde von Rothenburg eingerichtet.

Jeweils zwei wurden bei der Judengasse 22 und der Neugasse 36 gesetzt. Die letzten beiden sind zum einen in der Kirchgasse vor dem Haus Nr. 1 und eben in der Oberen Schmiedgasse Nr. 15 zu finden.

Judengasse Nr. 24 / Foto: H. Ernst

Judengasse Nr. 22 / Foto: H. Ernst

Kirchgasse Nr. 1 / Foto: H.Ernst

Kirchgasse Nr. 1 / Foto: H.Ernst

Herrngasse Nr. 21 / Foto: H.Ernst

Herrngasse Nr. 21 / Foto: H.Ernst

Die Bedeutung der Stolpersteine

Wenn ich auf meinen Führungen auf diese 9,6 x 9,6 cm kleinen, mit einer Messingtafel versehenen Pflastersteine hinweise, hatte ich noch nie negative Reaktionen oder kontroverse Diskussionen. Ganz im Gegenteil. Inländische Gäste verbinden mit diesen Mahnmalen zwar meist den Holocaust, also nur die jüdischen Opfer, und da ergänze ich gerne das Wissen. Es geht hier um alle Opfer der Nationalsozialisten und die Liste ist lang. Sinti / Roma, Zeugen Jehovas, Behinderte, Homosexuelle, Kommunisten und so weiter und so fort. Es war nicht schwer ein Opfer zu werden!

2 Stolpersteine in der Neugasse

2 Stolpersteine in der Neugasse Nr. 36

Gerade Gäste aus dem Ausland sind dann ganz besonders interessierte Zuhörer. Nach meiner Erklärung, dass diese kleinen Gedenktafeln an das Schicksal der Menschen erinnern, die in der NS-Zeit verfolgt, ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden, wird von Gästen aus dem Ausland immer wieder die Kamera gezückt und darüber gesprochen.

Die Verbreitung der Stolpersteine

Länder mit verlegten und geplanten Stolper­steinen, Weißrussland und Litauen folgen 2016 - By Cirdan [CC BY-SA 4.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)], via Wikimedia Commons

Länder mit verlegten und geplanten Stolper­steinen, Weißrussland und Litauen folgen 2016 – By Cirdan [CC BY-SA 4.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)], via Wikimedia Commons

Aus dieser Reaktion schließe ich, dass dieses Kunstprojekt von Gunter Demnig im Ausland noch nicht so bekannt ist. Dabei sind die 57.000 Stolpersteine und inzwischen auch 17 Stolperschwellen (Foto: Wikipedia) bereits in 20 Nationen zu finden sind. In der Regel vor dem letzten frei gewählten Wohnhaus. Voraussichtlich in diesem Jahr wird mit Weissrussland noch ein weiteres Land dazu kommen. Die Tore ins Baltikum stehen dem mehrfach ausgezeichneten Künstler (zum Beispiel 2005 Bundesverdienstkreuz) auch auf. So hat er mir auf meine aktuelle Anfrage auch von Kontakten nach Litauen und Riga in Lettland berichtet.

Ein Ende mit Schrecken

Das Grauen kam zurück. Der Terror, von den Nazis in die Welt exportiert, hat am Ende nicht nur seine Geistigen Väter eingeholt, sondern ganz Deutschland.

Zerstörter Stadtteil 1945

Zerstörter Stadtteil 1945

Die Bilder sind allen bekannt und leider wurde auch unser mittelalterliches Kleinod nicht verschont. Am 31.März jährt sich der verheerende Bombenangriff auf Rothenburg zum 71. Mal.

Aber damit war es immer noch nicht vorbei. Es kam noch zu weiteren tragischen Vorfällen und gerade solche Einzelschicksale führen mir das Grauen besonders deutlich vor Augen.

Die Männer von Brettheim & Rothenburger Opfer

Mit der Geschichte aus meinem Heimatdorf im April ´45 bin ich groß geworden. Die Ereignisse sind ausgezeichnet dokumentiert und veröffentlicht, unter anderem in der Erinnerungsstätte im Brettheimer Rathaus.

Die Gräber der Opfer des Bombenangriffes sind mit anderen Opfern der letzten Kriegstage in einem speziellen Bereich unseres Friedhofes zu finden. Unweit davon entfernt hängt seit dem 7. April 2015 eine Tafel für den dort 70 Jahre zuvor exekutierten Johann Rößler.

Friedhof Rothenburg / Foto: H.Ernst

Friedhof Rothenburg / Foto: H.Ernst

Gedenktafel J. Rößler / Foto: H. Ernst

Gedenktafel J. Rößler / Foto: H. Ernst

Auf dessen Geschichte bin ich erst während meiner Recherche für diesen Blogbeitrag aufmerksam geworden. Ausführlichere Informationen finden sich auf der ausgezeichneten Internetseite „Rothenburg unterm Hakenkreuz“ Link. Hier gleich der Link zu dem Artikel über J. Rößler.

 

 

Vergangenheit – Gegenwart – ??? und was lernen wir daraus?

Bei all diesen Geschichten, die durch Projekte wie die Stolpersteine oder „Rothenburg unterm Hakenkreuz“ aus dem Nebel der Vergangenheit ins Licht der Gegenwart gehoben werden, stellen sich mir zwei Fragen.

  • Wie viele Tragödien haben sich im Laufe der Geschichte hinter diesen Mauern ereignet, von denen wir (noch) nichts wissen?
  • Was lernen wir daraus?

Diese Zeiten sind gute Zeiten zumindest hier und trotz aller aktuellen Herausforderungen ist dieses Land und diese Stadt ein sehr guter Ort zum Leben. Groß ist Rothenburg mit seinen 11.000 Einwohnern zwar nicht, aber definitiv international und kosmopolitisch. Das wäre auch ein gutes Thema für einen meiner nächsten Beiträge. Aber eines ist heute schon sicher.

Rothenburg ob der Tauber ist ebenso lebens- wie liebenswert und hier ist die Welt zu Gast!

Harald Ernst

Bin ich ein Rothenburger? JAIN! Meine Wurzeln liegen nur 15 km von Rothenburg entfernt. Brettheim, früher ein Teil des Stadtgebietes der Reichsstadt mit ca. 180 Dörfern, liegt heute in einem anderen Bundesland (BW). Das erklärt, weshalb ich mich als Rothenburger fühle, inzwischen auch in der Altstadt lebe, aber nicht wie ein Rothenburger klinge. Ich bin ein Hohenloher mit entsprechendem Dialekt (wenn ich will oder darf) und habe mich während meines Zivildienstes (1990/91) in der Jugendherberge in die Stadt verliebt. Außerdem habe ich mich durch die Gäste aus aller Welt inspirieren lassen und das Reisen für mich entdeckt. Menschen, Länder, Abenteuer lassen mich immer wieder meine Koffer packen. Doch genauso gerne kehre ich immer wieder zurück in diese besonders schöne Stadt. Aus Hobby wurde Beruf. Bereits 1993 kam ich zur Gästeführerei. Im Jahr 2000 habe ich mit einem Freund ein Reiseunternehmen gegründet und bin seit dem selbstständiger Stadtführer, Reiseleiter und Driverguide für Gäste aus aller Welt im In- und Ausland. Doch mein Schwerpunkt ist und bleibt Rothenburg ob der Tauber. Hier kenne ich mich am besten aus. Hier bin ich Zuhause.

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Rothenburger Sehenswürdigkeiten für Fortgeschrittene – Die Altstadt auf den zweiten Blick

Die Fortsetzung von Rothenburg auf die Schnelle.

Nachdem ich mich in einem meiner letzten Beiträge darauf konzentriert habe, was während eines kurzen Aufenthaltes in der mittelalterlichen Altstadt in 3-4 Stunden zu schaffen ist, möchte ich nun tiefer einsteigen und hier etwas zeitintensivere Sehenswürdigkeiten vorstellen. Von dem Motto „In der Kürze liegt die Würze“ hin zu „Eile mit Weile“.

Bietet diese fränkische Kleinstadt genug für einen Tagesausflug oder gar eine mehrtägige Städtereise?

Die Antwort ist eindeutig „JA“, denn für die folgenden Sehenswürdigkeiten sollten Sie jeweils 1-2 Stunden, oder im Falle der Museen bei großem Interesse sogar mehr einplanen.

Ob Regen oder Sonnenschein, diese Attraktionen können Sie bei jedem Wetter besuchen. Allerdings gilt es die Öffnungszeiten bzw. Führungszeiten zu beachten. Diese finden Sie auf den jeweiligen Internetseiten, die ich im Text verlinkt habe.

Die größte Sehenswürdigkeit – Nicht nur was für Kirchgänger!

St.-Jakobs-Kirche und Rathausturm - ©Rothenburg Tourismus Service

St.-Jakobs-Kirche und Rathausturm – ©Rothenburg Tourismus Service

Die St.-Jakobs-Kirche befindet sich mitten in der Altstadt, in direkter Nachbarschaft zum Marktplatz mit dem Rathaus und dessen markantem schlanken weißen Turm. Die mächtigen Kirchtürme, mit den elegant durchbrochenen Turmspitzen, sind nicht zu übersehen und prägen nun schon seit über 600 Jahren das Erscheinungsbild des Fränkischen Jerusalems, wie Rothenburg ob der Tauber auch genannt wurde.  Im Mittelalter war diese Kirche, mit der darin befindlichen Heiligblut-Reliquie, von großer Bedeutung für unzählige Pilger. Heute ziehen eher der Bau selbst und der für die Reliquie geschaffene Heilig-Blut-Altar von Tilman Riemenschneider die Besucher an.

Heilig-Blut-Altar in der St.-Jakobs-Kirche

Heilig-Blut-Altar in der St.-Jakobs-Kirche

Diese komplett im gotischen Baustil errichtete Kathedrale ist für mich auch immer wieder sehr beeindruckend und nicht allein der Ausmaße wegen eine der Sehenswürdigkeiten der Stadt, vielleicht auch die Größte. Alleine die blanken Zahlen flößen mir tiefen Respekt ein.

Bauzeit: Baubeginn 1311 / Weihe 1485 = 174 Jahre

Höhe der Türme: 58,20 (Nordturm) / 55,80 (Südturm) Meter – Länge: 80,75 Meter – Breite: 22 Meter

Zahlende Besucher pro Jahr: ca. 140.000 (Stand 2014)

Ja, Sie haben richtig gelesen. „Zahlende Besucher“. Die Besichtigung kostet Eintritt. Dieser Umstand, übrigens seit 1906, ist für viele erst einmal irritierend und leider häufig auch Grund genug, sich die Sankt Jakobs Kirche nicht genauer anzusehen. Allerdings sind die Unterhaltskosten enorm hoch und die Zahl der Gemeindemitglieder sowie die finanziellen Mittel im Vergleich dazu recht überschaubar. Daher diese ungewöhnliche Entscheidung der Kirchengemeinde eine Besichtigungsgebühr zu verlangen. Doch Sie bekommen auch jede Menge für Ihr Geld. Nicht nur jede Menge Kultur, sondern auch noch während der Saison täglich zwei Kirchenführungen.

Herlin Altar in der St. Jakobs Kriche ©Rothenburg-Tourismus-Service

Herlin Altar in der St. Jakobs Kriche ©Rothenburg-Tourismus-Service

Um 11:00 und 14:30 werden die verschiedenen Sehenswürdigkeiten während der ca. einstündigen Führung kompetent erklärt. Das ist absolut empfehlenswert, denn sonst entgehen einem leicht die vielen Details und Hintergründe. Es gibt einfach viel zu erzählen und auch Anekdoten zu schreiben. So hat einer meiner Kollegen seine Erlebnisse als Kirchenführer in einem Buch mit dem Titel „Wo geht es denn hier zum Romy Schneider Altar“ veröffentlicht. Kaum zu glauben, aber wahr. Da hat mal jemand Tilman Riemenschneider mit der Schauspielerin verwechselt. Außerhalb der Führungszeiten können Sie sich einen Audioguide an der Kasse leihen und sich intensiv mit St. Jakob beschäftigen. Für die ganz Eiligen gibt es einen kostenlosen Kurzführer, doch wird Ihnen dann wahrscheinlich eine der ältesten Darstellungen nördlich der Alpen im Hauptalter ebenso entgehen wie der versteckte zwölfte Jünger im Heilig-Blut-Altar.

Etwas mehr Zeit sollten Sie einplanen wenn Sie beim Mittelalterlichen Kriminalmuseum vorbeischauen wollen.

„Rothenburger Folterkammer“ – Ganz weit vorn in Deutschland!

Innenhof des Mittelalterlichen Kriminalmuseums in Rothenburg

Innenhof des Mittelalterlichen Kriminalmuseums in Rothenburg

Da sind Sie in 30 Minuten nicht durch. Wie auch, wo es doch um einen umfassenden Einblick in die Entwicklung unseres Rechts- und Justizsystems geht. Mindestens eine Stunde empfehle ich als Besuchszeit, wenn Sie sich nur einen Überblick verschaffen wollen. Sie können aber auch viele Stunden in der Ausstellung zubringen. Schließlich handelt es sich um eines der bedeutendsten Rechtskundemuseen in ganz Europa. Manche nennen diese Sammlung mit ca. 50.000 Exponaten auch einfach nur kurz „Foltermuseum“.

Zeichnung der Nürnberger Folterkellerausstellung aus dem 19. Jh. - im Hintergrund die Eiserne Jungfrau

Zeichnung der Nürnberger Folterkellerausstellung aus dem 19. Jh. – im Hintergrund die Eiserne Jungfrau

Vielleicht, weil die Ausstellung der Folterinstrumente und die damit verbundene Vorstellung besonders einprägsam ist. So sehr, dass es ein unvergessliches Erlebnis wird, von dem viele noch Jahrzehnte später erzählen, wenn sie mal wieder nach Rothenburg kommen. Oder weil das Mittelalterliche Kriminalmuseum seinen Anfang als private Sammlung mit dem Namen „Rothenburger Folterkammer“ nahm. Damals befand sich die Ausstellung allerdings noch im heutigen Burghotel. Erst seit 1977 befindet es sich im ehemaligen Johanniterkloster in der Burggasse 3.

Ehemaliges Johanniterkloster - Garten und Außenanlagen - Copyright: Markus Hirte

Ehemaliges Johanniterkloster – Garten und Außenanlagen – Copyright: Markus Hirte

Zugegeben, dieses Thema und die Ausstellungsstücke sind keine leichte Kost, trotzdem ist es das meistbesuchte Museum in Rothenburg. Aber es gibt ja zum Glück genügend Alternativen für Gäste, die es lieber etwas romantischer mögen.

Es weihnachtet sehr – auch bei 30 Grad im Schatten!

Copyright:  Deutsches Weihnachtsmuseum Rothenburg ob der Tauber

Copyright: Deutsches Weihnachtsmuseum Rothenburg ob der Tauber

Eine dieser Alternativen befindet sich nur zwei Ecken weiter. In der Gunst des Publikums ist auch dieses Museum ganz weit oben und das ganz zu Recht. Wenn auch noch relativ neu in der Liste der Sehenswürdigkeiten der mittelalterlichen Stadt, so ist es doch seit seiner Eröffnung im Jahre 2000 zu einer festen Größe unter den Attraktionen geworden. Nicht nur während der Adventszeit, sondern das ganze Jahr hindurch ist Weihnachten ein Thema in Rothenburg ob der Tauber. Dafür hat die Firma Käthe Wohlfahrt mit ihren weltberühmten Weihnachtsläden gesorgt. In einem dieser Weihnachtsläden und zwar dem größten, dem Weihnachtsdorf in der Herrngasse, befindet sich im Obergeschoss das Deutsche Weihnachtsmuseum.

 Der Museumseingang - Copyright: : Deutsches Weihnachtsmuseum

Der Museumseingang – Copyright: : Deutsches Weihnachtsmuseum

Der Eingang zum Museum befindet sich innerhalb des Weihnachtsdorfes und ist sehr leicht zu finden, wenn man denn will. Allerdings vermute ich, dass einige die nach dem Museum fragen gar nicht ins Museum wollen, sondern es eher um den Laden geht. „Ich möchte unbedingt noch ins Weihnachtsmuseum.“ hört sich einfach besser an als „Ich möchte unbedingt noch in den Weihnachtsladen“.

Das halte ich jedoch für einen Fehler, denn um das „Fest der Liebe“, das Christkind, den Weihnachtsmann, Sankt Nikolaus, den Weihnachtsbaum samt des gesamten Schmucks und Brauchtums gibt es so viel Wissenswertes. Schon allein die Frage seit wann wir Weihnachten Ende Dezember feiern und warum, können wahrscheinlich die wenigsten beantworten. Diese und noch viele andere Fragen werden im Museum beantwortet. Übrigens ist ein Besuch im Deutschen Weihnachtsmuseum bei 30 Grad im Schatten gar keine so schlechte Idee wie es sich vielleicht anhört. Denn erstens gibt es natürlich eine Klimaanlage und zweitens ist es bei weitem nicht so voll wie während der Adventszeit. Es ist also zu jeder Jahreszeit einen Besuch wert.

Weihnachtsmann - Copyright: Deutsches Weihnachtsmuseum

Weihnachtsmann – Copyright: Deutsches Weihnachtsmuseum

Übrigens hat das Museum den Antrag gestellt, die Weihnachtlichen Gabenbringer als immaterielles Kulturerbe in Deutschland in das Verzeichnis der UNESCO aufzunehmen. Bei Interesse können Sie den Antrag auf der Internetseite www.weihnachtsmuseum.de unterstützen.

 

Wenn Sie jetzt denken, „Das ist ja alles an einem Tag gar nicht zu schaffen“ haben Sie absolut Recht. Aber auch dafür ist gesorgt und gibt es in Rothenburg natürlich jede Menge ausgezeichnete Hotels, Pensionen, Ferienwohnungen, eine Jugendherberge und ein Online-Buchungssystem der Stadt. Übrigens liegen nicht nur sehr viele dieser Unterkünfte in bzw. um die Altstadt, sondern haben auch ausgezeichnete Bewertungen auf den verschiedenen Buchungsportalen.

Nun hat unsere romantische mittelalterliche Altstadt nicht annähernd eine solche Bar- und Nachtclubdichte wie Ibiza oder Ballermann zu bieten, trotzdem ist natürlich auch am Abend etwas in der Stadt geboten.

Ein Grund etwas länger zu bleiben!

Eine der Institutionen in unserer schönen Stadt ist der Rothenburger NachtwächterRothenburger Nachtwächter, Portrait An (fast) jedem Abend findet ein öffentlicher Rundgang statt, bei dem sich jeder anschließen darf. Natürlich wird dafür ein kleiner Obolus (6,- Euro) fällig, denn auch Nachtwächter leben nicht von Luft und Liebe alleine. Am besten findet man sich bis um 21:30 (auf Englisch um 20:00) Uhr am Marktplatz ein, denn dort beginnt der Rundgang. Auf unterhaltsame und gleichzeitig informative Art wird sowohl die Stadtgeschichte, als auch dieser unehrbare Beruf vorgestellt. Wie in der (nicht so) guten alten Zeit geht der Nachtwächter seine Runde bei jedem Wind & Wetter. Dann allerdings mit weit weniger Gästen als an schönen Abenden. Da sind es nicht selten 100 Gäste oder mehr die dem nächtlichen Rufer lauschen. Das funktioniert übrigens erstaunlich gut, denn der Lärm und Verkehr ist dann fast gänzlich verschwunden. Ein gemütlicher Spaziergang durch die stimmungsvoll beleuchteten Gassen der Altstadt sind für mich die schönsten Stunden, die man in Rothenburg verbringen kann. So ist es auch nicht verwunderlich, dass diese Aktivität bei Tripadvisor direkt nach Altstadt und Stadtmauer an dritter Stelle kommt (Stand: Sep. 2015).

Nachtwächter - ©Rothenburg Tourismus Service, W. Pfitzinger, Exkl

Nachtwächter – ©Rothenburg Tourismus Service, W. Pfitzinger, Exkl

Das Ganze noch garniert mit einem Gläschen Frankenwein in einer unserer gemütlichen Weinstuben krönt den Besuch und schon fühlt man sich wie Gott in FRANKEN.

Klein kann ganz schön groß sein!

„Der Schein trügt!“ zumindest im Falle von Rothenburg ob der Tauber. Unsere im Vergleich zu anderen Städten, so kleine Stadt mit gerademal ca. 11.000 Einwohnern hat viel mehr zu bieten als die Meisten denken. Es ist auch bei weitem nicht so überlaufen wie angenommen wird. Vor allem nicht abseits des Marktplatzes wie zum Beispiel entlang des Turmweges, an den Orten der Stille und am Abend. Was mich an dieser Stadt so begeistert ist, die enorme Dichte und Vielfalt von großen und kleinen Sehenswürdigkeiten auf einer relativ geringen Fläche. Klein kann manchmal ganz schön groß sein.

Vielleicht sehen wir uns ja mal auf einem meiner abendlichen Gänge durch die Stadt als Nachtwächter. Allerdings bin ich zumeist mit kleinen privaten Gruppen unterwegs, das ist romantischer. Kommen Sie doch mal vorbei, wenn Ihnen der Sinn danach steht.

Rothenburger Nachtwächter - H.Ernst Copyright: H.Ernst

Rothenburger Nachtwächter – H.Ernst
Copyright: H.Ernst

Harald Ernst

Bin ich ein Rothenburger? JAIN! Meine Wurzeln liegen nur 15 km von Rothenburg entfernt. Brettheim, früher ein Teil des Stadtgebietes der Reichsstadt mit ca. 180 Dörfern, liegt heute in einem anderen Bundesland (BW). Das erklärt, weshalb ich mich als Rothenburger fühle, inzwischen auch in der Altstadt lebe, aber nicht wie ein Rothenburger klinge. Ich bin ein Hohenloher mit entsprechendem Dialekt (wenn ich will oder darf) und habe mich während meines Zivildienstes (1990/91) in der Jugendherberge in die Stadt verliebt. Außerdem habe ich mich durch die Gäste aus aller Welt inspirieren lassen und das Reisen für mich entdeckt. Menschen, Länder, Abenteuer lassen mich immer wieder meine Koffer packen. Doch genauso gerne kehre ich immer wieder zurück in diese besonders schöne Stadt. Aus Hobby wurde Beruf. Bereits 1993 kam ich zur Gästeführerei. Im Jahr 2000 habe ich mit einem Freund ein Reiseunternehmen gegründet und bin seit dem selbstständiger Stadtführer, Reiseleiter und Driverguide für Gäste aus aller Welt im In- und Ausland. Doch mein Schwerpunkt ist und bleibt Rothenburg ob der Tauber. Hier kenne ich mich am besten aus. Hier bin ich Zuhause.

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Orte der Stille und „Stille Örtchen“ in Rothenburg ob der Tauber

Was braucht der Mensch zum glücklich sein?

Diese Frage kann wohl nur jeder für sich selbst beantworten. Ich für meinen Teil mag sowohl das Laute als auch das Leise. Den Trubel ebenso wie die Stille. Alles zu seiner Zeit. Aber eins sollte auf jeden Fall immer in der Nähe sein und zwar ein stilles Örtchen. Was hilft mir die schönste Stadt, wenn ich sie nicht genießen kann, weil ich mit etwas ganz anderem beschäftigt bin. Oder wie ich vor Führungen zu sagen pflege: Wenn es unten drückt, kann man oben schlecht zuhören. Deshalb möchte ich mich in diesem Beitrag mit zwei wichtigen Orten in Rothenburg beschäftigen. Orte der Stille und „Stille Örtchen“.

Oasen der Ruhe

Am verlängerten Pfingstwochenende war in Rothenburg mal wieder richtig was los. Das Festspiel „Der Meistertrunk“  zog Gäste aus nah und fern in unser wunderschönes mittelalterliches Städtchen. 55.000 Besucher sollen es gewesen sein. Wirklich beeindruckend und das bei nicht optimalem Ausflugs- und Feierwetter. Da war für alle was dabei. Für ALLE, die es gerne haben wenn was los ist. Aber hat Rothenburg ob der Tauber, eines der touristischen Schwergewichte in Deutschland, auch an solchen Tagen was für Menschen zu bieten, die Ruhe und Romantik suchen? Die Antwort lautet ganz eindeutig: JA!

Obwohl es sich viele nicht vorstellen können, die nur kurz in der Stadt sind oder extra zu solchen Großveranstaltungen kommen, gibt es jede Menge Oasen der Ruhe. Um diese zu finden bedarf es noch nicht einmal weiter Wege, oder besonderer Anstrengungen. Häufig genügen ein aufmerksamer Blick und ein paar Schritte in ein schmales Gässchen. Es gibt so viele davon, in und um die Altstadt verteilt, dass ich hier gar nicht alle erwähnen kann. Aber meine derzeitigen Favoriten möchte ich nun kurz vorstellen und lade herzlich dazu ein, diese zu besuchen.

Warum in die Ferne schweifen, wenn …

Häufig eine meiner ersten Stationen auf meinen Führungen und ein Gässchen das nun wirklich jeder ganz leicht finden kann, führt direkt auf den Marktplatz von Rothenburg. Zentraler geht es nicht. Trotzdem sucht man vergeblich nach der Gasse im Straßenverzeichnis der Stadt, denn dieses so malerische Gässchen hat keinen Namen. Parallel zur Hafengasse führt diese Gasse neben dem Restaurant „Ratsstube“ in Richtung Kapellenplatz. Etwa auf halber Strecke lädt seit 2014 ein kleines Bänkchen zum Verweilen ein. Manchmal, aber wirklich nur manchmal, huscht ein Rothenburger durch das Gässchen ohne Namen, oder findet ein Gast den ganz besonderen Blick auf Marktplatz, Rathaus und Rathausturm. Dieses so genannte „Junge Schar Bängler“  hat übrigens seine ganz eigene Geschichte, wie mir der Spender B. Babel an Ort und Stelle berichtete.

Harmonie hinter Mauern

Keine 3 Minuten geht man vom Marktplatz, vorbei an Sankt Jakob, zum ehemaligen Dominikanerinnenkloster. Es gilt nur den Beschilderungen für unser Reichsstadtmuseum  zu folgen, denn dieses ist heute in dem ehemaligen Kloster untergebracht. Direkt an das Museum angeschlossen liegt der Klostergarten, welcher hinter Mauern versteckt von April bis November tagsüber durch ein großes Tor in der Klostergasse oder eine Tür vom Klosterhof aus betreten werden kann. An keinem anderen Ort in der Stadt, außer vielleicht im Burggarten, findet sich eine schönere Harmonie von Kultur und Natur einerseits sowie Gästen und Rothenburgern andererseits. Immer wieder finden Einheimische den Weg in den Klostergarten und genießen die Stille auf einer der vielen Bänke. Selbst die gelegentlichen Gruppen, die von Gästeführern durch dieses Kleinod geführt werden, stören nicht die Ruhe. Ganz im Gegenteil. Ich selbst lausche gelegentlich den Erklärungen meiner Kolleginnen und Kollegen zum klösterlichen Leben und dem angelegten Heilkräutergarten.  Ganz besonders zu empfehlen ist ein Besuch im Juni, wenn die vielen Rosen im Klosterhof und Klostergarten blühen.

Der kleine Unterschied

Jeder Gast der Stadt kommt auf den Marktplatz. Die allermeisten finden auch noch das bekannte „Weihnachtsdorf“ der Firma Käthe Wohlfahrt  in der Herrngasse. Schon weitaus weniger schaffen es bis an das Ende der Herrngasse, ganz im Westen der Stadt und durch das Burgtor in den Burggarten. Wer dann noch weiter in dieser Richtung geht, findet auf der linken Seite, hinter einem orangenen Gartenhaus versteckt, eine weitere Insel der Ruhe und gehört damit zur absoluten Crème de la Crème der Besucher Rothenburgs. Nach meiner Schätzung finden gerade mal 1-2 Prozent das Barockgärtchen mit einem der schönsten Blicke von der Stadt auf die Stadt. Hier kann man im Sommer stundenlang ungestört sitzen und sich auf der Mauer mit Blick über das Taubertal auf die südliche Altstadt in seinen Träumen ganz verlieren. Gerade diese Lage der historischen Stadt, angeschmiegt an das Tal der Tauber, macht für mich den kleinen, aber feinen Unterschied zu anderen wunderschönen historischen Städten entlang der Romantischen Straße aus.

 

Der Stadtbote (H. Ernst) im Burggarten (copyright: H. Ernst / E. Schmitz)

Der Stadtbote (H. Ernst) im Burggarten (copyright: H. Ernst / E. Schmitz)

Der perfekte Übergang

Viel schöner als an dieser Stelle im Burggarten geht es für mich nicht in Rothenburg. Aber irgendwann heißt es Abschied nehmen von dieser Oase der Ruhe. Da die meisten unserer Gäste mit Bus oder Pkw anreisen geht es für viele von hier aus über die  Schmiedgasse zum Großparkplatz P1. Dieser Weg führt nochmals ein einem wunderbaren Plätzchen in der Altstadt vorbei. Dies ist nicht nur ein wunderbarer Übergang von der Städtereise zurück in den Alltag, sondern auch von dem einen Thema zum Anderen.

Das Maß ist voll

Die Gasse „An der Eich“ liegt direkt südlich vom ehemaligen Johanniterkloster, in dem inzwischen das Mittelalterliche Kriminalmuseum untergebracht ist und der Kirche St. Johannis. Vor allem das Museum zieht sehr viele Besucher an. Übrigens ganz zu Recht, denn es ist das Größte seiner Art in ganz Deutschland. Die Gasse ist sehr zentral und leicht zu finden. Von Süden auf der „unteren Schmiedgasse“ kommend, eine der touristischen Hauptachsen in Rothenburg, biegt man direkt vor der Kirche mit ihrem vorgelagerten Brunnen links ab. Oder vom Marktplatz auf der „oberen Schmiedgasse“ kommend nach dem Brunnen rechts. Sofort wird der Trubel weniger und der Blick kann über das Taubertal schweifen. Im Sommer ist das Plätschern vom Brunnen zu hören. Aber nicht nur das. Erst 2014 wurde eine Freifläche unterhalb des Brunnens umgestaltet und in eine dieser Oase geschaffen. Bänke laden die Großen zum Ausruhen und ein kleiner Wasserlauf die Kleinen zum Spielen ein. Ganz in der Nähe gibt es eine Quelle, die sehr viel Wasser spendet. Diese Quelle liegt heute unzugänglich im Keller eines Hauses im Alten Stadtgraben Nr. 10. Vielleicht ist diese wasserreiche Quelle der Grund weshalb früher in der Gasse „An der Eich“ die Bier- und Weinfässer geeicht wurden. Zumindest trägt diese Gasse deshalb ihren Namen. Hier wurde also schon früher viel Wasser gelassen. Ein Platz mit Tradition für ein Hundeklo. Wir Menschen müssen allerdings noch etwas weiter gehen.

Ein stilles Örtchen für Hunde. An der Eich.

Ein stilles Örtchen für Hunde. An der Eich.

„Stille Örtchen“ in Rothenburg ob der Tauber

Eine gute Nachricht gleich zu Anfang. Die öffentlichen Toiletten in Rothenburg sind kostenlos. Ein toller Service der Stadt, wie ich finde. Allerdings sind die Bedürfnisanstalten nicht immer leicht zu finden. Zum Glück haben wir Informationtafeln mit Stadtplänen und entsprechenden Hinweisen, wo man sich erleichtern kann.

Stadtplan mit öffentlichen Toiletten

Stadtplan mit öffentlichen Toiletten

Innerhalb der Stadtmauer gibt es die Gelegenheit zum Wasserlassen nur am Grünen Markt, zwischen Rathaus und St. Jakob, sowie am Schrannenplatz (Nördliche Altstadt). Dazu kommen natürlich Toilettenhäuschen an allen großen Parkplätzen. Die allerdings manchmal leider etwas überlastet sind. Vor allem wenn mehrere Busse gleichzeitig ankommen. Dies kann immer mal wieder am P1 vorkommen. Dagegen ist das Stille Örtchen im Burggarten immer eine gute Adresse.

Wenn es mal schnell gehen muss, sind auch die meisten Restaurants, auf freundliche Nachfrage bereit, einem den Weg zu den hauseigenen  Einrichtungen zu weisen. In einem solchen Fall fände ich es dann ganz nett die Dankbarkeit durch einen geringen Geldbetrag auszudrücken.

Die Krönung

ist es natürlich, wenn jemand beides direkt vor der Haustür hat. Einen Ort der Stille mitten in der Altstadt von Rothenburg und ein Stilles Örtchen. Zu diesen Glücklichen zähle ich. Nicht nur, dass alle beschrieben Oasen der Ruhe von meiner Wohnung in maximal 5 Minuten zu Fuß zu erreichen sind. Es geht noch besser. Der Hinterhof vom Kirchplatz 2 ist, seit sich meine Freundin darum kümmert, unser kleines persönliches Paradies der Stille. Was für ein Glückspilz ich doch bin!

Mein Hinterhof und privater Ort der Stille

Mein Hinterhof und privater Ort der Stille

Harald Ernst

Bin ich ein Rothenburger? JAIN! Meine Wurzeln liegen nur 15 km von Rothenburg entfernt. Brettheim, früher ein Teil des Stadtgebietes der Reichsstadt mit ca. 180 Dörfern, liegt heute in einem anderen Bundesland (BW). Das erklärt, weshalb ich mich als Rothenburger fühle, inzwischen auch in der Altstadt lebe, aber nicht wie ein Rothenburger klinge. Ich bin ein Hohenloher mit entsprechendem Dialekt (wenn ich will oder darf) und habe mich während meines Zivildienstes (1990/91) in der Jugendherberge in die Stadt verliebt. Außerdem habe ich mich durch die Gäste aus aller Welt inspirieren lassen und das Reisen für mich entdeckt. Menschen, Länder, Abenteuer lassen mich immer wieder meine Koffer packen. Doch genauso gerne kehre ich immer wieder zurück in diese besonders schöne Stadt. Aus Hobby wurde Beruf. Bereits 1993 kam ich zur Gästeführerei. Im Jahr 2000 habe ich mit einem Freund ein Reiseunternehmen gegründet und bin seit dem selbstständiger Stadtführer, Reiseleiter und Driverguide für Gäste aus aller Welt im In- und Ausland. Doch mein Schwerpunkt ist und bleibt Rothenburg ob der Tauber. Hier kenne ich mich am besten aus. Hier bin ich Zuhause.

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In der ruhigen Zeit ist ganz schön was los im Fränkischen Kleinod.

19 Sonderführungen zum Weltgästeführertag 2015 in Rothenburg ob der Tauber.

Am Wochenende 21. + 22. Februar ist es wieder soweit. Wir vom Verein der Rothenburger Gästeführer bieten zahlreiche einmalige Sonderführungen unter dem gemeinsamen Motto „Steine“ an. Die Angebote richten sich an Einheimische ebenso wie Besucher. Die Teilnahme ist kostenlos und jeder ist ohne Anmeldung herzlich willkommen. Auch in diesem Jahr ist es uns wieder gelungen nicht nur sehr interessante Themen zu finden, sondern auch Türen zu öffnen die sonst für die meisten verschlossen bleiben. Dazu mehr bei den einzelnen Programmpunkten.

Seit 2009 erfreut sich diese Veranstaltung einem ständig wachsenden Interesse. Auf bisher 83 Veranstaltungen wurden über 6200,- Euro gesammelt. So bitten wir auch in diesem Jahr wieder um Spenden für einen guten Zweck.

 

5 der Aktiven des WGFT 2015 in Rothenburg o.d.T.

5 der Aktiven des WGFT 2015 in Rothenburg o.d.T.

Das Programm

Die Auftaktveranstaltung

Bereits am Samstag, den 21. Februar um 14.00 Uhr findet als Auftaktveranstaltung eine Wanderung unter dem Motto „Stein und Wein“ im Rothenburger Weinberg durch die Familie Thürauf statt. Was haben Steine und der Boden für einen Einfluss auf den Wein?

Treffpunkt: Blasiuskapelle im Burggarten

Dauer: ca. 1 Stunde  Strecke: ca. 1 Kilometer

Gästeführer: Herr Thürauf

Der Weinbau in Rothenburg ob der Tauber kann auf eine sehr lange Geschichte zurückblicken – war doch der Wein in früheren Zeiten das einzige Getränk, das man unbedenklich zu sich nehmen konnte.

So wird berichtet, dass die Nonnen im Dominikanerinnenkloster täglich mehrere Liter tranken. Nach langer Pause und einem mühseligen Weg durch die Instanzen durfte die Winzerfamilie Thürauf  an der Riviera wieder Wein, als Hauptsorten Johanniter und Regent, anpflanzen. Nur ein paar Schritte vom Burggarten entfernt wandert man über einen Weinlehrpfad mit einer Vielzahl von Steinen und mit sehr seltenen Rebsorten – der richtige Einstieg, den guten Frankenwein später selbst zu kosten.

 

3,5 x 5 Führungen am Sonntag 22.02.

Die Hauptveranstaltung findet mit 3,5 x 5 Führungen am Sonntag statt.

Jeweils um 12:00; 13:00; 14:00 und 15:00 Uhr werden vier der fünf Führungen angeboten. Die Bauhütte der St. Jakobskirche wird um 14:00 und 15:00 zu besichtigen sein.

 

Der Mensch als Stein – Die Philosophie der Freimaurer

Treffpunkt:        Altes Spital, Eingang Spitalgasse 48

Gästeführer:     Herr Harald Ernst

Erfahren Sie, wie sich aus den mittelalterlichen Bauhütten in der Zeit der Aufklärung die Freimauerei entwickelte, was Freimauerei ist und was die Rothenburger Loge in der Gegenwart macht.
Dies und mehr erwartet Sie im Schäfersaal, einem der schönsten Säle Rothenburgs der sonst nicht öffentlich zugänglich ist. Dieser Saal ist der Ort, an dem sich die Brüder der Loge zu den 3 Türmen  regelmäßig für ihre rituellen Arbeiten versammeln.

 

 

Die steinernen Neidköpfe, Schutzgeister und Symbolfiguren

Treffpunkt:        Heilig Geist Kirche, Spitalgasse

Gästeführer:     Frau Ruth Pianka, Frau Marianne Gröschel

Die vielen in Rothenburg vorhandenen Neidköpfe sind Ihnen vielleicht noch gar nicht bewusst aufgefallen. Aber es gibt sie in allen Stadtteilen – Figuren, Köpfe und Masken auf den Gebäuden und an den Wänden. Was bedeuten die Neidköpfe und wo sind sie überall zu finden?

 

Steinreich

Treffpunkt:        Marktplatz Rathausportal

Gästeführer:     Frau Claudia Koller-Lindner

Rothenburg ist reich an Steinbauten. Was bedeutet „steinreich“? Was bedeutet dagegen „unter Dach und Fach“. Statussymbole früher und heute – was hat sich geändert – was ist gleich geblieben. Ein kurzer Weg entlang  steinerner Statussymbole in der Herrngasse bis zum WALTHERSCHEN HAUS – heute  Hotel Eisenhut. Auch dort werden sich Türen öffnen, um Einblicke hinter die Steinmauern in Wohnbereiche freizugeben, die sonst für die meisten verschlossen sind.

Stein + Reich = Steinreich

Stein + Reich = Steinreich

Die Geschichte der Vermessung und die Rolle der Grenzsteine

Treffpunkt:        Eingang Kriminalmuseum

Gästeführer:     Frau Karin Bierstedt, Herr Andreas Baur

Die Grenzsteinsetzung der Siebener war ein feierlicher Akt. Eine Ohrfeige zur Erinnerung an den Standort des Steines und andere Bräuche sind heute nicht mehr üblich. Wie wurde früher der Besitz „abgesteckt“? Wie hat sich das im Laufe der Zeit geändert. Ein interessanter Blick in die Geschichte und die Bayerischen Karten zeigt Details, die es heute teilweise nicht mehr gibt. Wie wird heute digital vermessen und was kann man mit geodätischen Messpunkten machen?

 

„Die Bauhütte der St. Jakobskirche“.

Zeiten:                Nur 14:00 und 15:00 Uhr!!!

Treffpunkt:        Eingang St.-Jakobs-Kirche

Gästeführer:     Herr Dr. Oliver Gußmann, Herr Thomas Ehrlinger

Die Bauhütten entwickelten sich aus dem romanischen Kirchenbau durch Mönche hin zum organisierten Bauablauf gotischer Kathedralen, der unterschiedlichste Handwerke umfasste. Eine Besonderheit bildete die Organisationsform der Steinmetze in der Steinmetzbruderschaft, weil sich die Meister der anderen Gewerke lediglich in den Zünften und die Gesellen gesondert organisierten. Deshalb ist grundsätzlich zwischen Bauhütte, Steinmetzbruderschaft und Zunft zu unterscheiden.

Von besonderer Bedeutung war die qualifizierte Ausbildung der gotischen Bauhütte, die in Lehrlinge, Gesellen und Wandergesellen, Kunstdiener, Laubhauer, Parliere, Steinbildhauer und Meister unterschied.

 

In der Bauhütte von St. Jakob.

In der Bauhütte von St. Jakob.

 

Zu schade, dass ich die Angebote am 22.02. verpassen werde. Bin ich doch selbst voll eingespannt. Deshalb steht es noch in den Sternen, ob ich danach über die Veranstaltung berichten werde. Meine Empfehlung ist also – selber teilnehmen. Allerdings ist da schon eine gute Kondition gefragt, denn in der ruhigen Zeit ist zumindest an diesem Wochenende ganz schön was los in dem romantischen Rothenburg ob der Tauber. Eine Stadt die mehr ist als nur schön anzuschauen.

Harald Ernst

Bin ich ein Rothenburger? JAIN! Meine Wurzeln liegen nur 15 km von Rothenburg entfernt. Brettheim, früher ein Teil des Stadtgebietes der Reichsstadt mit ca. 180 Dörfern, liegt heute in einem anderen Bundesland (BW). Das erklärt, weshalb ich mich als Rothenburger fühle, inzwischen auch in der Altstadt lebe, aber nicht wie ein Rothenburger klinge. Ich bin ein Hohenloher mit entsprechendem Dialekt (wenn ich will oder darf) und habe mich während meines Zivildienstes (1990/91) in der Jugendherberge in die Stadt verliebt. Außerdem habe ich mich durch die Gäste aus aller Welt inspirieren lassen und das Reisen für mich entdeckt. Menschen, Länder, Abenteuer lassen mich immer wieder meine Koffer packen. Doch genauso gerne kehre ich immer wieder zurück in diese besonders schöne Stadt. Aus Hobby wurde Beruf. Bereits 1993 kam ich zur Gästeführerei. Im Jahr 2000 habe ich mit einem Freund ein Reiseunternehmen gegründet und bin seit dem selbstständiger Stadtführer, Reiseleiter und Driverguide für Gäste aus aller Welt im In- und Ausland. Doch mein Schwerpunkt ist und bleibt Rothenburg ob der Tauber. Hier kenne ich mich am besten aus. Hier bin ich Zuhause.

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Rothenburg auf die Schnelle – Die größten Sehenswürdigkeiten

Top 1-4 in 3-4 Stunden

Ankunft um 11:00 – Abfahrt um 14:30

Ausfahrt Rothenburg ob der Tauber an der A 7. Mal eben einen Kaffee am Marktplatz, etwas die Beine vertreten und dann geht es wieder weiter.

Schwer zu sagen wie lange die durchschnittliche Aufenthaltsdauer unserer Gäste ist. Eines ist sicher. Vielen bleibt nicht viel Zeit. Immer wieder erlebe ich wie Gruppen die übliche Stadtführungsdauer von 90 – 120 Minuten kürzen um wenigsten noch etwas Freizeit zu haben bevor die Reise weiter geht. „Hop on – Hop off“ durch Europa. Doch was sollte man sehen um Rothenburg gesehen zu haben? In einer kleinen Serie von Blogbeiträgen möchte ich die verschiedenen Sehenswürdigkeiten meiner Stadt vorstellen. Stück für Stück immer tiefer in das Herz dieser Perle des Mittelalters, oder in die Zeitmaschine Mittelalter, so wie ich die Altstadt von Rothenburg bezeichne.

Eine Begegnung der besonderen Art!

Vor ca. 2 Wochen war es mal wieder soweit. Eine Begegnung der besonderen Art.

Für eine große Reisegruppe mit über 100 Gästen aus Südostasien waren 3 x 2-stündige Stadtführungen bestellt. Ein Besuch des mittelalterlichen Kleinods an der Romantischen Straße incl. Mittagessen und das auf dem Weg von Füssen / Schloss Neuschwanstein nach Frankfurt a. M. Solch eine Reiseplanung ist üblich, wenn auch ambitioniert. Oder anders gesagt, für Viehtransporte durch Europa herrschen strengere Vorschriften. Vor allem wer schon einmal mit Gästen aus Südostasien zu tun hatte, die Uhren gehen dort etwas anders, wird sich nicht wundern wenn ich sagen, dass die Gruppe ca. 1 Stunde zu spät kam. Zum Ausgleich dafür wollten Sie aber wieder früher los, denn es war Freitagnachmittag und entsprechend viel Verkehr auf deutschen Autobahnen. Oh Wunder 😉 wer hatte das gedacht. So kam der Zeitplan etwas durcheinander und es musste etwas schneller gehen.

Auf dem Programm stand ein Besuch der St. Jakobskirche mit Besichtigung des Heiligblutaltares und was im Reiseprogramm steht wird auch gemacht. Das Reiserecht kennt da keine Gnade. Durch Streichung der 20-minütigen Freizeit für die Gäste, blieben für die Führung durch Rothenburg incl. Fußweg zum Busparkplatz und Toilettenpause 40 Minuten. Das ist schon ein recht sportliches Vorhaben wenn man alleine in der Stadt unterwegs ist, aber mit 35 Asiaten im Schlepptau eine echte Herausforderung. Erschwerend kam hinzu, dass nur die Hälfte Englisch verstand und alles noch auf Chinesisch übersetzt werden musste. Da heißt es ruhig zu bleiben und nur nicht stressen lassen.

Aber die Gäste waren in Rothenburg ob der Tauber!

Was muss man gesehen haben?

Wenn ich Menschen, die Rothenburg nicht kennen, die Empfehlung ausspreche, die Stadt einmal zu besuchen, dann kommt verständlicherweise die Frage was es dort zu sehen gibt. „Na die Stadt“ sage ich dann, auf was meist „Wie die Stadt?“ als irritierte Erwiderung folgt. Aber tatsächlich ist die Altstadt von Rothenburg bei Tripadvisor.de mit 1285 Topbewertungen die unangefochtene Nummer 1 von 37 Sehenswürdigkeiten in der Stadt. Auf Rang 2 kommt mit weniger als der Hälfte von Bewertungen die Stadtmauer. (Stand Nov. 2014) Die meisten anderen Sehenswürdigkeiten bringen es aktuell auf weniger als 100 Bewertungen. Wobei streng genommen würde ich die Stadtmauer als Teil der Altstadt sehen. Aber ich möchte hier nicht päpstlicher als der Papst sein und spreche deshalb die dringende Empfehlung aus. Nicht nur anschauen, sondern

Stadtmauer Stadtmauer_2

„Rauf auf die Mauer“!

Sich die Mauer nur anzuschauen ist keine Leistung, denn man kann unmöglich die Altstadt besuchen ohne die Mauer zu sehen. Schließlich geht diese auf einer Länge von ca. 3,5 Kilometer einmal komplett um die Stadt herum. Auf 60-70 % ist ein begehbarer Wehrgang, mit Zugängen an und zwischen den Stadttoren. Also ca. alle 200-300 Meter kommt man rauf oder runter. Der Aufstieg auf die Stadtmauer ist jederzeit kostenfrei möglich, erfolgt allerdings auf eigene Verantwortung. Die Mauer ist schließlich nicht für Touristen gebaut worden und auch nicht vom TÜV abgenommen. Seit diesem Jahr gibt es auch sehr gelungene Erklärungen entlang der Mauer. Der Turmweg ist im Frühjahr 2014 eröffnet worden und war bereits einmal Thema für einen Beitrag von mir. Siehe „Lohnende Umwege oder der neue Rothenburger Turmweg“

Stadtmauer am Dominikanerinnenkloster - Rothenburg o.d.T. - Foto: H. Ernst

Stadtmauer am Dominikanerinnenkloster – Rothenburg o.d.T. – Foto: H. Ernst

Alle Wege führen nach Rom!

So wie das Straßensystem im römischen Imperium auf das Zentrum ausgelegt war, funktionieren viele mittelalterliche Städte. Die Gassen von den Toren führen ins Zentrum.

In Rothenburg liegt zentral im Herzen der Altstadt der wunderschöne Marktplatz mit unserem beeindruckenden Rathaus. Übrigens ist dies an 4. Stelle der Sehenswürdigkeiten bei Tripadvisor. So viele Menschen können nicht irren. Wobei ich mich gerade frage, wie viele von denen, die das Rothenburger Rathaus als eine Topsehenswürdigkeit bewertet haben, wirklich in seiner gesamten Pracht und Vielfalt erfahren haben? Nicht nur, dass unser Rathaus schon alleine durch seine Größe für eine Stadt mit weniger als 11.000 Einwohnern sehr beeindruckend ist. Nein, es fügen sich auch noch drei bedeutende Baustiele zu einem Gesamtkunstwerk zusammen. Gotik – Renaissance – Barock.

Dieses Gebäude ist vielversprechend und hält noch mehr. So etwas findet man nicht so leicht.

Ein Gebäude das mehr hält als es verspricht!

Gerade wenn die Zeit knapp ist gibt es eine ausgezeichnete Möglichkeit die gesamte Altstadt zu sehen.

Rauf auf den Rathausturm!

Ein echtes Erlebnis, das mit einem fantastischen Blick über die Stadt, das Taubertal und weite Teile des Umlandes belohnt wird. Zugegeben, die ca. 220 Stufen setzen eine gewisse Fitness voraus und nicht nur das. Im oberen Teil geht es recht steil und eng zu, denn auch dieser Turm wurde ursprünglich nicht für Touristen gebaut. Sehr wohl aber als Aussichtsturm. Aus diesem Grund war er auch ständig von zwei Türmern besetzt. Die waren sicherlich sehr beweglich, denn es galt ja nicht nur auf den Turm zu kommen, sondern auch noch auf die umlaufende Plattform zu kommen und dazu sind schon leichte Gymnastische Übungen notwendig. Damit möchte ich sagen, dass der Rathausturm, so lohnend die Aussicht ist, nichts für Menschen mit Gehbehinderung oder Höhenangst ist. Für alle anderen schon. Allerdings gilt es zuvor den Zugang zum Turm zu finden. Dieser ist nicht wie man annehmen könnte direkt unter dem Turm, sondern im Dachstuhl des weißen gotischen Teils des Rathauses. Dort regelt ein Drehkreuz die Zahl der Turmbesteiger. Bevor dies vor ein paar Jahren angebracht wurde kam es regelmäßig zu Verstopfung. Es strebten ständig Menschen nach oben, ohne eine extra eingerichtete Ampelanlage zu beachten und behinderten damit den Abstieg der gehenden Gäste. Dann ging nichts mehr. In der Enge der Turmtreppe müssen sich verrückte Szenen abgespielt haben. Zum Glück sind diese Zeiten vorbei.

Stellt sich nur noch die Frage wie man bis zu diesem Drehkreuz kommt. Das ist relativ einfach. Über die wunderschöne Wendeltreppe des Renaissanceteils des Rathauses. Also einfach direkt vom Marktplatz den angesetzten Treppenturm betreten und dann bis ganz nach oben. Dann durch die einzige Tür und schon sieht man das Drehkreuz und hoffentlich sonst niemanden. Denn je mehr dort stehen umso länger ist die Wartezeit. 30 Minuten sollte man für die ganze Aktion mindestens einplanen. Also für die 100 Asiaten wäre das nichts gewesen.

Übrigens gibt es da noch zwei sinnvolle Dinge zu beachten bevor man den Gang nach oben antritt. Erstens empfehle ich mit einem Blick auf die Informationstafel am Beginn der Wendeltreppe zu prüfen, ob der Turm überhaupt geöffnet ist. Denn sonst ist nach der Hälfte des Weges Schluss und das wäre ärgerlich. Aber noch ärgerlicher und damit sind wir bei Zweitens, auf jeden Fall prüfen ob das Geld in der Tasche auch für den Eintritt reicht. Es ist nicht teuer, aber wird man kurz vor dem Ziel vom Türmer in seiner Turmstube wieder nach unten geschickt ohne auf die Aussichtsplattform zu kommen. Also ich würde mich über so etwas richtig ärgern.

Rathausturm Rothenburg o.d.T. ©Harald Ernst

Rathausturm Rothenburg o.d.T. ©Harald Ernst

Ein besonderer Anblick!

Nun noch zu etwas was Rothenburg-Kenner und Blogleser von den übrigen Besuchern unterscheidet. Ein Geheimtipp. Der Blick durch das Zentrum der Wendeltreppe ist wirklich etwas Besonderes. Es fasziniert mich immer wieder, mit welcher Genauigkeit die Steinmetze früher schon arbeiten konnten. Solch eine Demonstration der Kunstfertigkeit ist die Wendeltreppe des Rathauses. Wie das Innere eines perfekt geformten Schneckenhauses windet sich die Treppe Stufe für Stufe nach oben. Der Blick reicht bis hinauf zu der reich verzierten Decke des Treppenturms und zeigt dort das Zeichen der Macht. Wer Augen wie ein Adler hat kann es vielleicht schon von ganz unten erkennen, ansonsten empfehle ich einen Blick zur Decke wenn man oben angekommen ist.

Wendeltreppe Rathaus Rothenburg o.d.T. - Foto: H. Ernst

Wendeltreppe Rathaus Rothenburg o.d.T. – Foto: H. Ernst

Das Rathaus hat noch mehr zu bieten, aber wer Rothenburg nur mal auf die Schnelle besuchen möchte, hat eben nicht für alles Zeit.

Zum Abschluss!

Den Abschluss oder den Anfang, ganz wie man will, bildet der Burggarten. Auch hier gibt es einiges zu entdecken, mal ganz davon abgesehen, dass sich fantastische Ausblicke ins Taubertal und auf die Stadt bieten. Dieser Teil der Altstadt ist dann auch aktuell auf Platz 3 der Gästegunst bei Tripadvisor und damit ist ein erster Eindruck gelungen.

Anbieten würde sich natürlich auch noch etwas die besondere Atmosphäre innerhalb des Mauerrings auf sich wirken zu lassen. Dafür gibt es reichlich Gelegenheit in einem der Cafés am Marktplatz oder entlang der Hauptgassen. Eine Stimmung die weder hektisch noch ruhig zu nennen ist. Entspannt würde ich sagen, begegnen und bewegen sich die Menschen aus aller Welt an diesem so besonderen Ort. Irgendwie gehen die Uhren in Rothenburg ob der Tauber anders. Als würden die alten Gemäuer beruhigend auf die Menschen wirken und sich alles in einer anderen Geschwindigkeit innerhalb einer Zeitblase bewegt.

Wer etwas mehr Zeit als 2 Stunden zwischen Neuschwanstein und Frankfurt am Main mitbringt, sollte sich nicht wundern, wenn er etwas angerührt von diesem Hauch der Geschichte, für einen Moment zur Ruhe kommt und die Seele baumeln lassen kann.

Vielleicht sehen wir uns ja mal oder kommen bei einem Cappuccino im Cafe am Markt bzw. einer Feuerzangenbowle während des Weihnachtsmarktes ins Gespräch. Ich würde mich freuen zu hören, was Ihnen beim Anblick dieser schönen Häuser und Gassen so in den Sinn kommt.

Harald Ernst

Bin ich ein Rothenburger? JAIN! Meine Wurzeln liegen nur 15 km von Rothenburg entfernt. Brettheim, früher ein Teil des Stadtgebietes der Reichsstadt mit ca. 180 Dörfern, liegt heute in einem anderen Bundesland (BW). Das erklärt, weshalb ich mich als Rothenburger fühle, inzwischen auch in der Altstadt lebe, aber nicht wie ein Rothenburger klinge. Ich bin ein Hohenloher mit entsprechendem Dialekt (wenn ich will oder darf) und habe mich während meines Zivildienstes (1990/91) in der Jugendherberge in die Stadt verliebt. Außerdem habe ich mich durch die Gäste aus aller Welt inspirieren lassen und das Reisen für mich entdeckt. Menschen, Länder, Abenteuer lassen mich immer wieder meine Koffer packen. Doch genauso gerne kehre ich immer wieder zurück in diese besonders schöne Stadt. Aus Hobby wurde Beruf. Bereits 1993 kam ich zur Gästeführerei. Im Jahr 2000 habe ich mit einem Freund ein Reiseunternehmen gegründet und bin seit dem selbstständiger Stadtführer, Reiseleiter und Driverguide für Gäste aus aller Welt im In- und Ausland. Doch mein Schwerpunkt ist und bleibt Rothenburg ob der Tauber. Hier kenne ich mich am besten aus. Hier bin ich Zuhause.

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Der Jahrhundertrundgang an den Rothenburger Reichsstadttagen 2014

Der Klassiker

Das Oktoberfest gibt es seit 1810, die Reichsstadttage seit 1974 und den Jahrhundertrundgang seit 2007.  Alle drei Veranstaltungen können mit gutem Recht als Klassiker bezeichnet werden, auch wenn Geschichte und Besucherzahlen sich sehr unterscheiden. Während es von den zwei großen Veranstaltungen nur grobe Schätzungen bezüglich der Besucherzahlen gibt, ist die Teilnehmerzahl der Jahrhundertrundgänge 2014 absolut gesichert. Ich habe sie selbst gezählt. Mit 40 Teilnehmern am Samstag und der Hälfte am Sonntag waren es ideale Gruppengrößen für diese besondere Stadtführung. Es soll ja jeder alles sehen und hören können, sonst leidet die Qualität. Eine Qualität, die bisher offensichtlich immer gut war, sonst hätten nicht auch in diesem Jahr Gäste wiederholt teilgenommen. Das empfinde ich übrigens als ganz großes Kompliment und bin sehr dankbar dafür. Bei der Gelegenheit möchte ich mich ganz herzlich bei allen Teilnehmern bedanken, aber natürlich ganz besonders bei den Wiederholern.

Die Aufklärung

Die ganze Idee der Führung dreht sich um zwei wichtige Punkte. Unterhaltung und Wissen. Die Reichsstadttage sollen nicht nur ein Fest der Freude sein, sondern auch etwas über die Geschichte der Stadt Rothenburg vermitteln. Also etwas Aufklärung betreiben und dazu gilt es erst einmal Konzept und Begriffe zu erklären. Was ist überhaupt eine Reichsstadt, von wann bis wann waren wir eine solche und welche Bedeutung hatte das für die Stadt? Übrigens kann ich hier einen Bogen zum Oktoberfest schlagen. Die Hochzeitsfeier vom Bayrischen Kronprinzen Ludwig mit seiner Theresia (daher auch Theresienwiese) sollte unter anderem dazu dienen, ein Gemeinschaftsgefühl in dem neu entstandenen Königreich Bayern entstehen zu lassen, zu dem 1810 auch Rothenburg ob der Tauber seit kurzem gehörte. Aber das nur nebenbei.

Die Blütezeit

Wie reich und wohlhabend die Stadt einst war, lässt sich noch wunderbar an dem beeindruckenden Rathaus ersehen, vor dessen imposanten Giebeln wir den Rundgang durch die Jahrhunderte begannen. Wohlstand der sowohl von den Händlern kam, deren mächtige Häuser die Herrengasse säumen, als auch von den Bauern aus der Landwehr. Dieses städtische Gebiet, mit ca. 180 Dörfern auf etwa 400 Quadratkilometern, stellt(e) zumindest flächenmäßig solche Fürstentümer wie Lichtenstein mit seinen 160 qkm, locker in den Schatten. Von dieser Blütezeit, die vor allem die ersten Jahrhunderte (ca. 1300 – 1550) der Reichsfreiheit prägten, war die Rede und konnte sich jeder auf dem Weg vom Marktplatz über die Herrengasse bis zur 1. Gruppe ein Bild machen.

Die Reformation

Der Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit um 1500 brachte viele Veränderungen sowohl in der Welt, als auch in unserem damals noch großen Rothenburg. Als Martin Luther seine Thesen an die Wittenberger Schlosskirche nagelte, hallten die Schläge noch Jahre später in Form von Bauernaufständen durch das ganze Land. Auch die Landwehr wurde erfasst und unter der Führung von Männern wie Florian Geyer oder dem Götz von Berlichingen machten sich die Bauern unter dem Zeichen des Bundschuhs auf, um für ihre Rechte zu kämpfen. Viele der Bauern um Rothenburg erhoben sich und dafür stehen exemplarisch der Schillingsfürster Bauernhaufen sowie die Schwarze Schar aus Ohrenbach, die ihr Lager vor der Franziskanerkirche aufgeschlagen haben. Einfach ist die Kleidung, einfach das angebotene Essen. Aber alles sehr passend und lehrreich. Was da nicht alles stand. Ein transportabler Brotbackofen bei den Schillingsfürstern und jede Menge Werkzeuge bei den Ohrenbachern. So konnten wir einen Schmied bei seiner Arbeit beobachten und dann wurde auch noch extra für uns ein Seil gedreht. Zum Abschied gab es noch zwei Lieder aus der Zeit der Bauernkriege, denn mit Musik marschiert sich besser.

Der Niedergang

Die Kaiserpfalz, aus der Rothenburg einst entstanden ist, fiel den Jahrhunderten ebenso zum Opfer wie die verschiedenen Klöster der Stadt. Ob Zufall oder Absicht, Glück oder Unglück, Fakt ist, wo einst Burg und Klosterkirche stand ist jetzt Platz für Grünflächen und Geschichte. Eine Geschichte, die uns auf unserem Gang durch die Jahrhunderte, vorbei am Burggarten und dem Klostergarten des ehemaligen Dominikanerinnenklosters bis vor die imposante Kirche St. Jakob führte. Im Mittelalter gab es hier eine wahrscheinlich recht einträgliche Wallfahrt zum Heiligen Blut. Einer Reliquie vom Blute Jesu Christi, die aber die Kaiserliche-katholischen Truppen unter Führung von General Tilly im 30-jährigen Krieg ebenso wenig aufhalten konnte, wie unsere Stadtmauer. Das „Fränkische Jerusalem“, wie Rothenburg auch genannt wird, wurde eingenommen und obgleich vor der Zerstörung durch den Meistertrunk gerettet, in eine Zeit der Bedeutungslosigkeit katapultiert. Gerettet vor der Zerstörung und doch gebrochen, diesen Zwiespalt stellen die vielen Gruppen aus der Zeit um 1631, dem Jahr der 1. Einnahme der Stadt, dar. Eine dieser Gruppen liefen wir auf unserem Jahrhundertrundgang, rein zufällig ;-), vor St. Jakob über den Weg. Die „BeutelschneiderInnen“ gaben für uns zwei Lieder zum Besten. Denn, wie wir bereits wissen: Mit Musik, da marschiert sich besser!

Der Abschluss

Es ging noch einmal zurück zum Marktplatz, denn die Rothenburger Münzer hatten dort einiges aufgeboten. Das Münzrecht war nur eines von vielen Privilegien, die sich in der wechselvollen Geschichte der Reichsstadt Rothenburg in unserem Besitz befanden. Während einer beeindruckenden Vorführung konnten wir so vieles über das Münzrecht erfahren und das hat sicher nicht nur bei mir einen prägenden Eindruck hinterlassen.

 

Vielleicht ebenso prägend wie die Erklärung der imposanten Verteidigungsanlagen an der nordöstlichen Seite der Altstadt, mit der Möglichkeit einen sonst verschlossenen Gang unter dem Stadtgraben hindurch zu begehen. Ein äußerst seltenes, wenn auch zweifelhaftes Vergnügen. Denn als komfortabel ist die Begehung eines mittelalterlichen Verteidigungsganges sicherlich nicht zu bezeichnen. Dafür aber umso anschaulicher und genau darum geht es ja auf dem Jahrhundertrundgang.

 

Nach dieser beeindruckenden Station machten wir uns auf den Weg die Runde im Ritterlager vor dem Rödertor zu beenden. Ein würdiger Abschluss, in dem größten Lager der Reichsstadttage, mit Besichtigung und kompetenter Erklärung der Waffen eines Ritters aus der Zeit um 1274. Dem Jahr, in dem Rothenburg ob der Tauber zur Reichsstadt wurde. Damit endete der Gang durch die Jahrhunderte nach über 2,5 Stunden in der Zeit, in der alles begann.

Eine runde Sache die auch für 2015 wieder geplant ist.

Ein ganz besonderer Dank gilt all den beteiligten Gruppen, die alle ehrenamtlich, mit viel Einsatz und Liebe zum Detail dieses wunderschöne Fest erst möglich machen.

Harald Ernst

Bin ich ein Rothenburger? JAIN! Meine Wurzeln liegen nur 15 km von Rothenburg entfernt. Brettheim, früher ein Teil des Stadtgebietes der Reichsstadt mit ca. 180 Dörfern, liegt heute in einem anderen Bundesland (BW). Das erklärt, weshalb ich mich als Rothenburger fühle, inzwischen auch in der Altstadt lebe, aber nicht wie ein Rothenburger klinge. Ich bin ein Hohenloher mit entsprechendem Dialekt (wenn ich will oder darf) und habe mich während meines Zivildienstes (1990/91) in der Jugendherberge in die Stadt verliebt. Außerdem habe ich mich durch die Gäste aus aller Welt inspirieren lassen und das Reisen für mich entdeckt. Menschen, Länder, Abenteuer lassen mich immer wieder meine Koffer packen. Doch genauso gerne kehre ich immer wieder zurück in diese besonders schöne Stadt. Aus Hobby wurde Beruf. Bereits 1993 kam ich zur Gästeführerei. Im Jahr 2000 habe ich mit einem Freund ein Reiseunternehmen gegründet und bin seit dem selbstständiger Stadtführer, Reiseleiter und Driverguide für Gäste aus aller Welt im In- und Ausland. Doch mein Schwerpunkt ist und bleibt Rothenburg ob der Tauber. Hier kenne ich mich am besten aus. Hier bin ich Zuhause.

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Fest und Freude – Die Rothenburger Reichsstadttage

Hochfeuerwerk - Stadtbeschießung (Samstag Nacht)

Oktoberfest – Cannstatter Wasen – Reichsstadttage

Der September ist der Monat der großen Feste. Ok, mit den beiden größten Volksfesten in Deutschland können unsere Reichstadttage nicht mithalten. Aber das wollen wir auch gar nicht.

Ursprünglich, 1974, war es als Fest von den Rothenburgern für die Rothenburger gedacht. Aber natürlich auch, um unseren Gästen aus aller Welt die spannende Geschichte der Stadt näher zu bringen.

Lange bevor Mittelaltermärkte wie Pilze aus dem Boden zu sprießen begannen, wurde in unserem mittelfränkischen Kleinod die Geschichte lebendig gemacht. Mit dem historischen Festspiel „Der Meistertrunk“ http://www.meistertrunk.de haben wir eines der ältesten historischen Spektakel in ganz Deutschland. Bereits seit über 130 Jahren wird unsere sehenswerte Stadt jedes Jahr zu Pfingsten zurück in die Zeit des 30-jährigen Krieges versetzt. Diese Festtage bekamen dann vor 40 Jahren eine Ergänzung.

500 Jahre Reichsstadt

Rothenburg war über 500 Jahre eine Reichsstadt. Also eine Stadt mit weitgehenden Freiheiten. Nicht ganz wie eine „Freie Stadt“, von denen es heute mit Hamburg und Bremen noch zwei gibt. Aber doch etwas Besonderes, denn es gab nur ca. 80 Freie und Reichsstädte im ganzen HRRDN (Heiligen Römischen Reich deutscher Nation). Ganz nebenbei: Wer also von einer Stadt als „Freier Reichsstadt“ spricht liegt damit zumindest historisch betrachtet Falsch. Denn entweder war eine Stadt eine Freie Stadt, oder eine Reichsstadt.

Aber was feiern wir denn nun genau, und vor allem wie?

Die Reichsstadttage

Unsere glorreiche Zeit als Reichsstadt ist nun schon über 200 Jahre Vergangenheit. Aber wir erinnern uns gerne daran und nur so kann man Rothenburg ob der Tauber verstehen. Die Jahre von 1274 bis 1802 hatten viel Gutes, aber auch Schattenseiten. Doch eines waren sie mit Sicherheit nicht: Langweilig. Wir möchten also an den Festtagen an jedem 1. Wochenende im September an all dies erinnern. So finden sich dieses Jahr wieder 25 Gruppen mit Hunderten von Teilnehmern zusammen, um an diesen Teil unserer Geschichte zu erinnern.

Das wird ein Fest!

Mit einem Fackelzug durch die historische Stadt und einem Fassadenfeuerwerk am Marktplatz geht es am Freitagabend los.

Über den gesamten Samstag und Sonntag gibt es an unzählige Stationen in und um die Altstadt historische Gruppen zu bestaunen sowie ein vielfältiges Programm zu erleben.

Da ich mir selber nicht alles merken kann, bin ich sehr froh über einen Prospekt, auf dem zumindest die wichtigsten Aktionen zusammen gefasst sind. Dieses finden sie hier als pdf. http://www.tourismus.rothenburg.de/uploads/media/Reichsstadttage_2014_dt.pdf

Der Jahrhundertrundgang

All diese Angebote sind fantastisch, ABER da kann einem leicht der Überblick zwischen all den Jahrhunderten und Gruppen verloren gehen. Zum Glück gibt es seit Jahren den Jahrhundertrundgang. Eine Sonderführung durch die Stadt, ihre Geschichte und zu einzelnen Gruppen, die nur an den Reichsstadttagen angeboten wird. Auf dem 2-2,5 stündigen Gang wird die Geschichte nicht nur lebendig, sondern auch verständlich. Welche Gruppe stellt was genau dar, aus welcher Zeit stammt sie und für welchen Teil von Rothenburgs abwechslungsreicher Geschichte steht sie. Neben diesen Informationen bieten die Gruppen auch noch Aktionen.

Mit der Führung möchten wir das Eis zwischen Besuchern und Gruppen brechen. Sie sollen wenn möglich Teil unserer Geschichte werden und mit uns Rothenburgern feiern.

Der Stadtbote von Rothenburg o.d.T.

Der Stadtbote von Rothenburg o.d.T.

Der Klassiker und die Ritterrunde

Da der Jahrhundertrundgang bereits Stammgäste hat, quasi Wiederholungstäter, wird zum 40. Jubiläum der Reichsstadttage erstmals eine ganz neue Runde angeboten. Es gibt also zwei ganz unterschiedliche Rundgänge. Der Klassiker (Sa. 6.9 um 12:30 und So. 7.9. um 13:30) geht eine bewährte Runde durch die nördliche und östliche Altstadt und stellt dabei ein umfassendes Bild der gesamten Reichsstädtischen Geschichte dar.

Die Ritterrunde (Sa. 6.9 um 15:30 und So. 7.9. um 10:30)  hingegen ist ganz neu gestaltet und konzentriert sich auf das ausgehende Mittelalter, die südliche Altstadt und eben die spannende Geschichte der Ritter. Aber natürlich erfährt jeder Teilnehmer auch auf diesem Rundgang alles Wesentliche zu Rothenburgs Entwicklung zu einer der besterhaltensten Historischen Städte Deutschlands.

Der Treffpunkt für diese beiden ganz besonderen Stadtführungen ist übrigens immer der Marktplatz. Einfach auf das entsprechende Schild achten.

Es würde mich sehr freuen Sie auf einem der Jahrhundertrundgänge begrüßen zu dürfen. Über meine Erfahrungen an dem Wochenende möchte ich dann in meinem nächsten Beitrag berichten.

Bis bald.

Harald Ernst

Bin ich ein Rothenburger? JAIN! Meine Wurzeln liegen nur 15 km von Rothenburg entfernt. Brettheim, früher ein Teil des Stadtgebietes der Reichsstadt mit ca. 180 Dörfern, liegt heute in einem anderen Bundesland (BW). Das erklärt, weshalb ich mich als Rothenburger fühle, inzwischen auch in der Altstadt lebe, aber nicht wie ein Rothenburger klinge. Ich bin ein Hohenloher mit entsprechendem Dialekt (wenn ich will oder darf) und habe mich während meines Zivildienstes (1990/91) in der Jugendherberge in die Stadt verliebt. Außerdem habe ich mich durch die Gäste aus aller Welt inspirieren lassen und das Reisen für mich entdeckt. Menschen, Länder, Abenteuer lassen mich immer wieder meine Koffer packen. Doch genauso gerne kehre ich immer wieder zurück in diese besonders schöne Stadt. Aus Hobby wurde Beruf. Bereits 1993 kam ich zur Gästeführerei. Im Jahr 2000 habe ich mit einem Freund ein Reiseunternehmen gegründet und bin seit dem selbstständiger Stadtführer, Reiseleiter und Driverguide für Gäste aus aller Welt im In- und Ausland. Doch mein Schwerpunkt ist und bleibt Rothenburg ob der Tauber. Hier kenne ich mich am besten aus. Hier bin ich Zuhause.

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Von Schlangen und Fledermäusen – Tod und Schrecken in Rothenburg ob der Tauber

Gute und schlechte Nachrichten

Schlechte Nachrichten werden nicht besser wenn diese spät oder gar nicht berichtet werden. Deshalb hier gleich die traurige Nachricht über unseren Storchennachwuchs. Drei von vermutlich sechs der in diesem Jahr in den beiden neuen Storchennestern innerhalb der Rothenburger Altstadt zur Welt gekommenen Störche haben es wohl nicht geschafft. Laut einem Zeitungsartikel im Fränkischen Anzeiger ist das aber leider normal. Ein Fachmann berichtet dort von ca. 50 % Überlebenschancen der Jungvögel.

Zum Glück darf ich auch gute Nachrichten verkünden.

Vor 10 Tagen habe ich meinen 1. Kommentar auf einen meiner Blogbeiträge bekommen und dann auch gleich einen wunderschönen.  Der oder die Biber leben noch!!!!! Am 12. Juli hat ein Gast des Wildbades eben dort einen Biber in der Tauber zu Gesicht bekommen. Leider ging es der Dame so wie mir damals. Das Tier wollte nicht so lange warten bis eine geeignete Kamera zur Hand war. Schade!

Schrecken im Taubertal

Natürlich war es ein Schreck für mich von dem Tod der Störche zu hören. Aber das meinte ich gar nicht als ich von Tod und Schrecken in Rothenburg schrieb. Bei meinen Recherchen für diesen Blogbeitrag bin ich im Hotel Markusturm auf eine ganz andere Geschichte gestoßen.

Gäste des Hotels gingen im Lieblichen Taubertal spazieren. Ein Fleckchen Erde, so beschaulich und romantisch, dass es für manche schon wieder fast langweilig ist. Dabei kam plötzlich an der Barbarossabrücke ein riesiger Vogel angeschwebt, vermutlich einer der Störche und zog die Aufmerksamkeit des australischen Pärchens auf sich. Ausgerechnet ein Paar aus Australien, dem Kontinent mit der wohl höchsten Konzentration an Giftschlangen.

Was war das für ein Schreck, als der Herr beim Blick nach oben unten auf etwas Weiches trat. Sie können es sich denken. Er ist auf eine Schlange getreten. Pech für die Schlange. Glück für ihn und uns. Denn erstens war wohl auch die Schlange so sehr von dieser Begegnung überrascht, dass sie ihn nicht gebissen hat und zweitens hatte das Paar einen Fotoapparat dabei.

 

Schlange im Taubertal

Schlange im Taubertal

 

Schlangenexperte gesucht

Bleibt nur die Frage wie gefährlich diese Situation wirklich war. Leider konnte ich die Getretene auf dem Foto nicht identifizieren. Entweder Ringelnatter oder Kreuzotter. Zumindest sind dies die beiden bekanntesten und am häufigsten vorkommenden Schlangen in Deutschland. Wobei es mehr Ringelnattern gibt und diese auch in der Nähe von Gewässern leben. Das würde also zu der Fundstelle an der Tauber passen. Außerdem ist die Ringelnatter nicht giftig und beißt wohl auch nicht.

Nicht so die Kreuzotter. Aber Australier sind da anderes gewöhnt.

 Die blaue Stunde der Fledermäuse in Rothenburg ob der Tauber

Nun können wir in Rothenburg zwar beim Thema Schlangen mit Australien nicht konkurrieren, aber dafür haben wir jede Menge Fledermäuse. Von einer Begegnung der besonderen Art habe ich ja bereits in meinem letzten Beitrag berichtet. Auf Grunde dessen habe ich mal bei einem Spezialisten des Landesbunds für Vogelschutz  nach diesen faszinierenden Flugtieren erkundigt. Herr Zacharias von der Kreisgruppe Ansbach war so nett und hat mir einige hoch interessante Informationen geschrieben. Ich zitiere:

Rothenburg ist eines der interessantesten Hotspots der Fledermäuse im LK Ansbach. Wir haben dort nicht nur die größte Mausohrwochenstube mit knapp 800 Tieren, sondern auch die größten Winterquartiere des Landkreises. Insgesamt haben wir im Rothenburger Raum 13 Fledermausarten von den 24 in Deutschland vorkommenden Arten gefunden. Darunter auch seltene Arten wie die Zweifarbfledermaus und die Mopsfledermaus. Von der letzteren haben wir auch den einzigen Winterquartiernachweis in Rothenburg für den gesamten Landkreis.

Im Altstadtbereich haben wir sehr große Kolonien von Zwerg- und Breitflügelfledermäusen, die vor allem die zahlreichen Spaltenquartieren an den Fachwerken nutzen.

Genaue Standorte der Quartiere darf ich leider für Veröffentlichungen nicht bekannt geben, da die Quartiere streng geschützt sind. Allerdings gibt es für Natur- und Tierinteressierte jeden Sommerabend die Möglichkeit, jagende Fledermäuse im den zahlreichen Parks, Alleen, Stadtgräben oder direkt an der Tauber kurz nach Sonnenuntergang zu beobachten. Wenn die letzten Mauersegler sich in Ihren Ritzen versteckt haben, beginnt die blaue Stunde der Fledermäuse.

Artenliste für Rothenburg:

Braunes Langohr, Graues Langohr, Bechsteinfledermaus, Fransenfledermaus, Wasserfledermaus, Kleine Bartfledermaus, Großes Mausohr, Breitflügelfledermaus, Zweifarbfledermaus, Zwergfledermaus, Mopsfledermaus, Großer Abendsegler, Kleiner Abendsegler

Beeindruckend!!!

Was diese kleine fränkische Weltstadt so alles zu bieten hat.

Harald Ernst

Bin ich ein Rothenburger? JAIN! Meine Wurzeln liegen nur 15 km von Rothenburg entfernt. Brettheim, früher ein Teil des Stadtgebietes der Reichsstadt mit ca. 180 Dörfern, liegt heute in einem anderen Bundesland (BW). Das erklärt, weshalb ich mich als Rothenburger fühle, inzwischen auch in der Altstadt lebe, aber nicht wie ein Rothenburger klinge. Ich bin ein Hohenloher mit entsprechendem Dialekt (wenn ich will oder darf) und habe mich während meines Zivildienstes (1990/91) in der Jugendherberge in die Stadt verliebt. Außerdem habe ich mich durch die Gäste aus aller Welt inspirieren lassen und das Reisen für mich entdeckt. Menschen, Länder, Abenteuer lassen mich immer wieder meine Koffer packen. Doch genauso gerne kehre ich immer wieder zurück in diese besonders schöne Stadt. Aus Hobby wurde Beruf. Bereits 1993 kam ich zur Gästeführerei. Im Jahr 2000 habe ich mit einem Freund ein Reiseunternehmen gegründet und bin seit dem selbstständiger Stadtführer, Reiseleiter und Driverguide für Gäste aus aller Welt im In- und Ausland. Doch mein Schwerpunkt ist und bleibt Rothenburg ob der Tauber. Hier kenne ich mich am besten aus. Hier bin ich Zuhause.

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