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Graf Johann von Tserclaes Tilly

Sein Tod, seine Person

In der Schlacht bei Rain am Lech wurde der kaiserliche General Johann von Tserclaes Tilly schwer verwundet. Er wurde ins Hospital nach Ingolstadt gebracht, wo er dann im April 1632 seinen Verletzungen erlag. Der Verstorbene hatte 50 Jahre seines Lebens nahezu ununterbrochen im Felde verbracht. Dutzende Male hatte er dem Tod ins Auge gesehen und sich dabei im Kampf zahlreiche Narben und Blessuren zugezogen. Sein Mut, seine Geradlinigkeit und auch seine große Auffassungsgabe waren bei seinen Soldaten legendär und er genoss bei ihnen eine hohe Autorität.

Johann von Tserclaes Tilly konnte weder durch sein Auftreten noch durch seinen Wuchs beeindrucken. Er war nur mittelgroß und auch keine anziehende Persönlichkeit. Seine Gesichtszüge, nicht schön, seine Ausdrucksweise streng und grob. Sein Lebensstil war nüchtern und zurückgezogen, er hatte keinen Sinn für Luxus und er vermied jegliche Repräsentation. Er galt als „Frauenhasser“, soll heißen, sich mit Frauen in irgendeiner Form zu beschäftigen war ihm zuwider. Wahrscheinlich war er homosexuell veranlagt. Denen die ihm vorwarfen, er sei schlecht gekleidet, antwortete er, er ziehe sich nach seinen Vorstellungen an und nicht nach der Mode anderer. Zuwendungen, Belohnungen seiner Kriegsherren verschmähte er. So hinterließ er nach seinem Tod kein Vermögen von Bedeutung. Er war nicht verheiratet und er hatte keine Nachkommen.

Graf Johann von Tserclaes Tilly

Graf Johann von Tserclaes Tilly

Bei den anderen Militärs galt Tilly als erfahrener und listenreicher, aber auch als grausamer Feldherr, der über großes Organisationstalent verfügte und seine Unternehmungen methodisch vorbereitete. In den 20 Jahren im Dienste der katholischen Liga heftete er 36 Siege an seine Fahnen, erlitt aber auch schwere Niederlagen. Tilly verteidigte mit Nachdruck den Katholizismus, einer Religion, der er völlig und mit Überzeugung anhing. Er wurde im Jesuiten-Kloster aufgezogen, seine besondere Verehrung brachte er der heiligen Mutter Gottes von Altötting entgegen. Deren Bildnis befand sich auf allen Standarten seiner in den Kampf ziehenden Soldaten.

Wer war nun eigentlich dieser berühmte Heerführer?

Johann von Tserclaes Tilly wurde im Februar 1559 südlich von Brüssel im Schloss Tilly in Brabant geboren. Er war der 2. Sohn des Martin von Tserclaes und seiner Gattin Dorothea von Schierstaedt. Der Vater war Erb-Seneschall (mächtigster Beamter der Krone) der Grafschaft Namur und nahm an der Adelsverschwörung gegen das Regime Philipp II von Spanien teil. Deswegen wurde er 1568 verbannt, der Herzog von Alba zog alle Güter des Gedemütigten ein.

Der zehnjährige Tilly wurde damals in das Jesuitenkolleg in Châtelet aufgenommen, später setzte er seine Studien in Köln fort. Manche behaupten er spielte während seiner Studienzeit mit dem Gedanken der Gesellschaft Jesu beizutreten. Unbestritten sind jedoch nur seine Beziehungen zu dieser Vereinigung. Er selbst schreibt die Heilung von einer schweren Infektionskrankheit der Auflegung von Reliquien des hl. Ignaz von Loyola zu. Während seines gesamten Lebens blieb die Verbindung zum Orden der Jesuiten bestehen. Es ist der Orden der sich mit dem Beinamen (sj)= societas Jesus schmückt. Marc Guenin (sj) ein Mitglied des Ordens war ständiger Begleiter des Grafen Johann vom Tserclaes Tilly. Er war bei allen Schlachten an seiner Seite und bei seinem Tod in Ingolstadt hat er ihm auch die letzte Ölung verliehen. Marc Guenin war für den Feldherrn nicht nur Wegbegleiter, sondern auch Beichtvater und Ratgeber zugleich. Die enge Verbindung zu den Jesuiten macht sich auch am Hauptsymbol der Kriegsflagge Tillys bemerkbar. Neben dem Bildnis der heiligen Maria trägt die Fahne die Buchstaben IHS = Iesum Habemus Socium (Wir haben Jesus als Gefährten).

 

Militärische Laufbahn

Seinem älteren Bruder Jakob folgend, hat sich Johann von Tserclaes schon in sehr jungen Jahren für das Waffenhandwerk entschieden. Er trat zunächst in die Dienste des Alexander Fernèse im Regiment Octavio von Mansfeld. Es war eine harte Schule unter fähigen Kommandeuren. So eröffnete sich ihm die Laufbahn eines echten Troupiers (altgedienter, erfahrener Soldat), der seine Kraft und seine Intelligenz in den Dienst jeder annehmbar erscheinenden Sache stellte. Ohne zu zögern durchzog er, den jeweiligen Ereignissen folgend, das von Kriegen zerrüttete Europa der Reformation und der Gegenreformation. Die Stationen der militärischen Laufbahn Tillys präzise aufzuzeigen hieße, ihm in eine endlose Reihe von Feldzügen, von Belagerungen und Schlachten zu folgen. Der Kaiser, auf die Verdienste des jungen Kommandeurs aufmerksam geworden, vertraute ihm 1605 die Aufstellung eines Regiments von 3000 Wallonen an. Kurz darauf ernannte er ihn zum General der Kavallerie und anschließend zum Feldmarschall.

Fünf Jahre später verzichtete Tilly auf sein Kommando und zog es vor auf Bitten Maximilians von Bayern den Oberbefehl über die bayerische Armee zu übernehmen und diese zu reorganisieren. Maximilians Armee vereinigte sich mit dem Heer des Kaisers. Beide Heeressäulen marschierten nach Prag, wo der Kurfürst Friedrich V. von der Pfalz in der Schlacht am Weißen Berg 1620 geschlagen wurde. Tilly führte danach die siegreichen Bayern in die Rheinpfalz deren Eroberung 1622 mit der Einnahme Heidelbergs abgeschlossen wurde. Die katholische Liga, die kaiserliche Armee von Kaiser Ferdinand und das bayerische Heer Maximilians schlossen sich zu einer Armee zusammen.

Am 3. Juni 1625 wurde Tilly dann zum Feldmarschall des Reiches ernannt. Die kaiserliche Armee musste in Hessen, das sich gegen den Kaiser erhoben hatte, eingreifen, dann auch in Sachsen, das mit den Schweden gemeinsame Sache machte. Dieser Feldzug brachte die Belagerung und Zerstörung der von den Protestanten gehaltenen Stadt Magdeburgs. Es war eine der bedeutendsten militärischen Unternehmungen Tillys, wurde aber auch zur verhängnisvollsten Episode seiner Feldzüge. Der Eroberung Magdeburgs am 20. Mai 1631 folgten nicht nur die Plünderung und völlige Brandschatzung der Stadt, sondern es geschahen auch schreckliche Gräueltaten gegen die Garnison und die Bevölkerung.

Die Schlacht um Magdeburg ging als eigentliches Massaker des 30jährigen Krieges in die Geschichte ein. Anfang 1631 hatte Magdeburg noch 35.000 Einwohner, am 20. Mai 1631 nur noch zwischen 5.000 und 10.000. Die kaiserlichen Truppen unter dem Feldherrn Tilly und seinem General Pappenheim wüteten mehrere Tage in der Stadt, so dass fast alle Männer, Frauen und Kinder Opfer von Mord, Raubzügen oder Misshandlungen wurden. Nur sehr reiche Bürger konnten sich freikaufen und unter dem Schutz der Soldaten die Stadt verlassen. Einige Hundert sollen im Magdeburger Dom Schutz gesucht und überlebt haben. Die gänzlich aus der Kontrolle ihres Generals Pappenheim geratenen kroatischen und wallonischen Truppenteile taten sich dabei besonders hervor. Selbst Feldherr Tilly soll über die Brutalität seiner Soldaten erschrocken gewesen sein. Erst durch sein persönliches Eingreifen gelang es das Massaker zu beenden.

Magdeburg im Jahr 1631

Magdeburg im Jahr 1631

 

Die Einnahme Magdeburgs war so grausam, dass rund 205 Flugschriften und 41 illustrierte Flugblätter im ganzen Land und Europa darüber berichteten. Nur der regierende Papst Urban VIII. bekundete in einem Schreiben vom 24. Juni 1631 seine Freude über die Vernichtung des Ketzernestes (Ketzer = Andersgläubige). Am 25. Mai 1632 wurde im Magdeburger Dom ein katholischer Gottesdienst gefeiert, als Triumph der Katholiken über die Protestanten. Trotzdem ließ Johann von Tserclaes auch die Stadt Magdeburg noch an sieben Ecken anzünden.

Diese besondere Form der Brandschatzung von eroberten Städten war ein besonderes Merkmal seiner Kriegsführung. Man glaubt heute dafür auch eine Erklärung gefunden zu haben. Wahrscheinlich, so die Meinung, war Tilly auch ein Anhänger, ein Freund der Zahl sieben.

Die Zahl 7:

Schon immer gilt die Zahl 7 als „die besondere Zahl“. Dafür gibt es zahlreiche Beispiele: Im Märchen ist es das tapfere Schneiderlein, das 7 Fliegen auf einen Streich erschlägt. Allen bekannt, Schneewittchen wohnte bei den 7 Zwergen und wie könnte es anders sein, natürlich auch noch hinter den 7 Bergen. Im weltlichen Bereich gibt es die 7 Todsünden, man spricht von den 7 Weltmeeren und wir alle wissen, die Woche hat 7 Tage. Verliebte befinden sich im 7. Himmel, und der britische Geheimagent James Bond ist natürlich die 007. Die Zahl sieben hat also eine besondere Bedeutung. Dafür hat man eine Erklärung gefunden. Die Zahl 7 setzt sich bekanntlich aus der Summe der Zahlen 3+4 zusammen. Drei ist im Christentum die göttliche Zahl. Wir kennen die heilige Dreieinigkeit, Gott Vater, Sohn und heiliger Geist. Man sagt Jesus ist nach 3 Tagen wieder auferstanden. Somit symbolisiert die Zahl 3 das Göttliche. Die Zahl 4 hingegen steht für grundsätzliche weltliche Zusammenhänge, für perfekte Harmonie. Erwähnt seien die 4 Himmelsrichtung, die 4 Gezeiten und die 4 Elemente. Daraus folgt, in der Zahl 7 vereinigt sich das Göttliche und das Weltliche. Somit steht die Zahl 7 für göttliche Vollkommenheit und Perfektion. Man kann es nicht beweisen, aber vielleicht waren es solche Gedanken, die Tilly zum Anhänger dieser Zahl 7 machten!?

 

Nach seinem Tod in Ingolstadt wurde der Feldmarschallvorübergehend in der dortigen Jesuitenkirche bestattet. 20 Jahre Jahre später wurde seine sterbliche Hülle nach Altötting überführt. Unter den Steinplatten des Fußbodens der achteckigen Gnadenkapelle Altöttings wurde das Herz Tillys beigesetzt. Die Gebeine Johann von Tserclaes Tilly bettete man in einen Bronzesarg. Eine verglaste Öffnung gewährt Einblicke in das Innere. Der Sarkophag steht in der früheren Peters-Kapelle von Altötting, die heute Tilly-Kapelle genannt wird. Über ihm erhebt sich eine Nachbildung jenes Banners, das den General in alle Schlachten begleitet hat und dessen von den Schweden erobertes Original sich in Stockholm befindet

 

Tilly Gruft in Altötting/ Mattes

Tilly Gruft in Altötting/ Mattes

 

Harald Krasser

Ich bin in Rothenburg geboren und lebe auch hier. Ich liebe diese Stadt und das sie umgebende Frankenland. Besonders freut mich der weltweite Bekanntheitsgrad dieses mittelalterlichen Kleinods. Sagen zu können, hier in meiner Heimatstadt ist die Welt zu Gast, macht mich auch ein klein wenig stolz. Ich bin seit 1968 Mitglied im Historischen Festspiel „Der Meistertrunk“ und leite nun diesen Verein seit 1992 als 1. Vorsitzender. Natürlich möchte ich mich in einigen meiner Themen mit diesem Verein, seinen Aktivitäten und seiner reichhaltigen Geschichte beschäftigen.

Weitere Beiträge

Das Historische Festspiel „Der Meistertrunk“ und seine Kroaten zu Pferde

Nach dem Fest ist vor dem Fest, diese alte Weisheit gilt natürlich auch für unser Festspiel und heißt hier: nach Pfingsten ist vor Pfingsten! In unserem Verein mit seinen ca. 1000 Mitgliedern, aufgeteilt in 26 verschiedene Gruppierungen, laufen die Vorbereitungen auf die alljährlichen Pfingstfeiertage ganz unterschiedlich ab. Viele Gruppen können relativ entspannt, auch natürlich versehen mit der nötigen Routine, die vorbereitenden Arbeiten angehen.

Andere müssen eine sehr frühzeitige Planung erstellen, so wie es bei den Kroaten zu Pferd der Fall ist, von denen ich erzählen möchte:

Die Kroaten zu Pferde sind eine wild aussehende Gruppierung mit 17 Reitern, die von einem Hauptmann angeführt werden. Bei uns im Verein sind sie eine sehr attraktive Truppe, die schon alleine durch ihr Auftreten, als auch durch ihre Kunststücke auf den Rücken der Pferde die erstaunten Blicke der Gäste auf sich ziehen.

Zu meiner Erzählung gehört natürlich auch ein kurzer geschichtlicher Rückblick:

Historisch gesehen waren die Kroaten oder auch die Kroatische Reiterei ein im 30jährigen Krieg aufgekommener Sammelbegriff für irreguläre Einheiten der leichten Kavallerie, die aus ost- oder südosteuropäischen Söldnern gebildet wurden. Diese kroatischen Reiter wurden als gesonderte Waffengattung betrachtet. Sie kämpften im 30jährigen Krieg unter Wallenstein und dem Grafen Johann v. Tserclaes Tilly in den Reihen der kaiserlichen Armee.

 

Nun aber wieder zur Gegenwart:

Chef und Hauptmann der Kroaten in unserem Verein ist Josef Baumann, der an seinem Wohnort in Preuntsfelden, einer Ortschaft ca. 15 km von Rothenburg entfernt, ein Gestüt mit 60 Pferden besitzt. Die Pferde von ihm sind von der Rasse her Knabstrupper. Nahezu jedermann kennt die Pferde aus den Filmen der Pippi Langstrumpf. Von ihr wird der Apfelschimmel liebevoll „Kleiner Onkel“ genannt.

Hauptmann der Kroaten

Der Hauptmann der Kroaten

Die Knabstrupper sind aus der Rasse der Frederiksborger hervorgegangen, die als die älteste dänische Pferderasse gilt. Diese wiederum ist entstanden aus dem dänischen Warmblut, vorwiegend von Stuten, und einigen spanischen Hengsten. König Frederik II. gründete Mitte des 15. Jahrhunderts das Gestüt Frederiksborg. In dieser Epoche erblühte die Zucht solcher Pferde. Die „Tigerschecken“, wie sie auch genannt wurden, erlebten ihren Höhepunkt in der Barocke, da diese Pferde bei den Adligen sehr beliebt waren. Es war damals etwas besonderes ein solch getigertes Pferd zu besitzen, andererseits war der Knabstrupper mit seinem guten Charakter und Exterieur ein ganz hervorragendes Kriegspferd, da es im Kampf sehr wendig und nervenstark war.

Während der napoleonischen Kriege zu Beginn des 18. Jahrhunderts verkaufte der Adjutant eines spanischen Infanterie-Bataillons eine Stute an einen gewissen Major Villans Lunn aus Haverdgard (Knabstrupp). Das Gut Knabstrupp von Major Villans Lunn wurde zur Zuchtstätte der getigerten Pferde in Dänemark und war der Namensgeber dieser Knabstrupper Pferderasse.

 

Weiter geht es mit einem kleinen Grundkurs in Sachen Pferde:

Wussten Sie eigentlich schon, dass……….

– Die Tragzeit bei Pferden 11 Monate beträgt

– Pferde alle 19-21 Tage befruchtungsfähig (rossig) sind

– Die sog. Rosse 6-8 Tage dauert

– Die normale Deckzeit bei Pferden im Februar bis Mitte April liegt?

 

Welche Maßnahmen müssen erfolgen, um Pferde für Umzüge fit zu machen?

Was ist erforderlich Pferde an Menschenmassen zu gewöhnen und sie nicht durch Überreaktionen zu einem Sicherheitsrisiko werden zu lassen?

In der Familie von Josef Baumann gibt es drei geübte Reiter, die die Pferde auch für das anstehende Pfingstfest ausbilden. Junge Pferde müssen der Reihe nach zunächst an den Sattel und das Zaumzeug gewöhnt werden. Anschließend erfolgt die Gewöhnung an das Gewicht eines Reiters und an die verschiedenen Gangarten, die auf Befehl des Reiters erfolgen müssen, was auch erlernt werden muss. Diese Gewöhnung erfolgt zunächst in einer Halle, später dann auch durch erfahrene Reiter im Gelände. Wenn die Pferde dann sattelfest sind, erfolgt die Gewöhnung an Autos, Traktoren und an die unterschiedlichsten Umweltgeräusche. Darauf folgt die Umgewöhnung an andere Reiter und an andere Personen, die das Pferd nicht kennt. Sind diese Fähigkeiten bei den Pferden gefestigt, erfolgt der Einsatz bei den ersten Umzügen, zunächst allerdings noch mit sehr erfahrenen Reitern. Erst wesentlich später können die Pferde dann auch durch unerfahrenere Reiter genutzt werden.

Die 17 Reiter der Gruppierung „Kroaten zu Pferd“ sind nicht alle hervorragende Reiter und müssen deshalb während des Jahres auch entsprechende Reitstunden absolvieren. Dies ist wichtig, um den Umgang mit Pferden zu erlernen, aber auch, um bereits erworbene Kenntnisse zu vertiefen. Angeleitet werden sie dabei durch die Reiter der Familie Baumann. Mindestens 10 Termine a 2 Stunden stehen für jeden Reiter, für jeden Kroaten an. Dazu gehört aber nicht nur das Reiten selbst, sondern vielmehr auch der Umgang mit den Pferden, deren Pflege und das korrekte Satteln.

Einzug der Kroaten

Einzug der Kroaten

Was heißt eigentlich „Pfingsten in Rothenburg“?

An den alljährlich stattfindenden Pfingstfeiertagen ist es der Verein Historisches Festspiel „Der Meistertrunk“, der zurück erinnert an das Jahr 1631, als der Altbürgermeister Georg Nusch mit seinem legendären Meistertrunk die Stadt vor der Vernichtung bewahrte. Er soll auf Geheiß des katholischen Feldherrn Johann v. Tserclaes Tilly einen Humpen mit 3 1/4l Wein in einem Zug geleert haben.

Der Verein Historisches Festspiel „Der Meistertrunk“ wurde 1881 gegründet und umfasst heute ca. 1000 Mitglieder, die allesamt gewandet sind in Uniformen aus der Zeit des 30jährigen Kriegs (1618-48). Der Verein hat 26 verschiedene Gruppierungen, die Kroaten zu Pferd sind eine davon. Haupttag für alle Festspieler ist der Pfingstsonntag mit dem Umherziehen der Truppen in der Altstadt vom frühen Morgen an, dem Heereszug am Nachmittag und dem sich dann anschließenden historischem Feldlager. Denn auch für dieses Feldlager müssen entsprechende Vorbereitungen getroffen werden.

Die Pfingstwoche:

In dieser Woche beginnen die Arbeiten, die unmittelbar in Zusammenhang mit den Pfingstfeiertagen stehen. Es stehen nochmals für alle Reiter intensive Trainingseinheiten an, die dann auch in der Gemeinschaft durchgeführt werden. Dies ist wichtig, damit die Pferde sich noch besser aneinander gewöhnen können. Am Mittwoch und Donnerstag vor dem Pfingstwochenende steht der kosmetische Teil an, soll heißen, die Pferde müssen entsprechend hergerichtet werden. Zunächst werden die Hufe sauber geraspelt, einige der Pferde müssen für die Pfingstfeiertage auch extra beschlagen werden. Im heimischen Gestüt sind die Pferde nicht beschlagen, wegen des weichen Bodens führt dies auch zu keinerlei Problemen. Dazu muss man wissen, Pferde treten nicht mit dem hornigen Teil ihrer Füße, der Tragewand auf, sondern vielmehr mit dem weichen Ballen, der auch als Gefühlsteil bezeichnet wird. Da in der Altstadt Rothenburg alle Gasse gepflastert sind, ist dies für die Pferde eine hohe Belastung. Manche Pferde vertragen es nicht 2-3 Tagen auf dem Gefühlsteil zu laufen und müssen daher beschlagen werden. Nach Pfingsten können dann die Hufeisen wieder entfernt werden.

Pflege der Pferde

Pflege der Pferde

Am Pfingstfreitag steht dann ganztägig Pferdewaschen auf dem Programm. Alle Mitglieder der Gruppe müssen hier mithelfen. Dieses Mithelfen aller Kroaten geht am nächsten Tag weiter und der Tag beginnt für alle am frühen Morgen um 5.00 Uhr, denn bevor die Pferde am Pfingstsamstag auf die Pferdeanhänger verladen werden, müssen sie alle nochmals nachgepflegt werden. Dazu zählt auch das Herrichten und das Nachfetten des Sattelzeugs. Die Trensen und die Hufe werden mit einem speziellen Balsam eingestrichen, die Hufe selbst müssen nochmals gründlich ausgekratzt werden. Und natürlich werden die Pferde gestriegelt.

Anschließend werden alle Tiere in die Anhänger verladen und nach Rothenburg gefahren.

Der Pfingstsonntag:

Bereits um 3 Uhr in der Nacht beginnen die ersten Vorbereitungen mit dem Säubern und Herrichten der Pferde. Dann um 6 Uhr werden die Tiere, nebst dem gesamten Zaumzeug, den Sätteln und allem was sonst noch nötig ist, in die Anhänger verladen.

Unmittelbar nach der Ankunft in Rothenburg müssen zunächst alle Pferde von einem Tierarzt untersucht werden. Das ist sehr wichtig, denn am Pfingstsonntag werden insgesamt über 130 Pferde angeliefert, die beim Heereszug mit dabei sind. Bei dieser Untersuchung soll festgestellt werden, ob die Tiere gesund sind, oder sie eventuell an einer ansteckenden Krankheit leiden. Sollte dies der Fall sein, dürfen sie unter keinen Umständen mit anderen Pferden aus anderen Stallung in Verbindung kommen und können an der Veranstaltung nicht teilnehmen, um eine Übertragung der Krankheit zu verhindern.

Bei der Untersuchung wird aber auch die äußere Form des Pferd betrachtet. Es wird, wie die Tierärzte sagen, ein klinischer Blick auf die Tiere geworfen. Diese klinische Einschätzung soll dem Arzt Aufschluss darüber geben, ob ein Pferd die entsprechende körperliche und psychische Konstitution besitzt, an so einem anstrengenden Tag auch teilnehmen zu können. Die richtige Beurteilung der Psyche eines Tieres ist äußerst wichtig, denn bei der Teilnahme an so einem Tag muss ein Pferd die zahlreichen Menschen sowie die anderen Tiere verkraften können, ohne dadurch Schaden zu nehmen oder durch unkontrollierte Kurzschlusshandlungen seinen Reiter, die Zuschauer oder auch andere Tiere zu gefährden.

Die Kroaten auf dem Rothenburger Marktplatz

Die Kroaten auf dem Rothenburger Marktplatz

Nach der Untersuchung gegen 7.30 Uhr bis ca. 16 Uhr ist dann die gesamte Gruppe der Kroaten in der Stadt unterwegs. Mit ihren farbenprächtigen Uniformen, mit ihren Knabstruppern, mit ihren Kunststücken auf den Pferden begeistern sie die Zuschauer. Sie hinterlassen bei vielen den Eindruck einer wilden, Angst einflößenden Horde aus längst vergangenen Zeiten.

Erst nach dem Heereszug werden die Pferde wieder verladen und in die heimatlichen Stallungen zurückgebracht. Ein Großteil der Gruppe muss bei diesem Rücktransport dabei sein, denn vor Ort müssen die Pferde und das gesamte Zaumzeug, die Sättel ausgeladen, die Tiere versorgt werden. Erst nach verrichteter Arbeit können dann diese Kroaten auch ins historische Feldlager zurückkehren, wo ihre Kollegen in der Zwischenzeit schon für Speis und Trank gesorgt haben.

Wie man gesehen hat ist also sehr viel Fleiß und Engagement erforderlich um dieses Pfingstwochenende dabei zu sein. Der Verein jedenfalls ist stolz auf diese tolle Gruppierung. Die Kroaten sind eine Attraktivität unseres Festspiels, sie sind ein Aushängeschild unseres Vereins.

Die Kroaten auf dem historischen Umzug

Die Kroaten auf dem historischen Umzug

Harald Krasser

Ich bin in Rothenburg geboren und lebe auch hier. Ich liebe diese Stadt und das sie umgebende Frankenland. Besonders freut mich der weltweite Bekanntheitsgrad dieses mittelalterlichen Kleinods. Sagen zu können, hier in meiner Heimatstadt ist die Welt zu Gast, macht mich auch ein klein wenig stolz. Ich bin seit 1968 Mitglied im Historischen Festspiel „Der Meistertrunk“ und leite nun diesen Verein seit 1992 als 1. Vorsitzender. Natürlich möchte ich mich in einigen meiner Themen mit diesem Verein, seinen Aktivitäten und seiner reichhaltigen Geschichte beschäftigen.

Weitere Beiträge

Der Festspieldichter Adam Hörber und die Entstehung des Historischen Festspiels „Der Meistertrunk“

Die Stadt Rothenburg ob der Tauber wurde 1274 durch König Rudolf von Habsburg zur Freien Reichsstadt ernannt. Diese Ernennung war für die Stadt mit zahlreichen Privilegien verbunden. In der Folge wuchs Rothenburg sehr schnell zu einem politischen und wirtschaftlichen Machtzentrum heran.

Rothenburg ob der Tauber

Rothenburg ob der Tauber

Mit dem Reichsdeputationshauptschluss vom 27.4.1803,  dem letzten bedeutenden Gesetz des Heiligen Römischen Reiches, verlor die Stadt ihre Reichsfreiheit, die westlichen Ländereien der Stadt fielen an Württemberg, die Stadt selbst wurde in das Königreich Bayern eingegliedert. Damit war die Blütezeit der Stadt gebrochen, sie wurde bedeutungslos. Die Bürger der Stadt überlegten nach Möglichkeiten, um den Verlust der Reichsfreiheit zu kompensieren und wieder an alte Zeiten anknüpfen zu können.Erst um 1875 formierte sich eine Bürgergruppierung um den Rothenburger Glasermeister Adam Hörber, der die Anschauung vertrat, die Ereignisse des Jahres 1631 in einem Volksschauspiel darzustellen und dieses Stück in Rothenburg ob der Tauber zur Aufführung zu bringen. Inhalt der Geschichte sollte die Errettung der Stadt durch den legendären Meistertrunk des Altbürgermeisters Georg Nusch sein.

Adam Hörber konnte sich mit seiner Idee durchsetzen, 1881 fand die Premiere des „Meistertrunks“ im Kaisersaal des Rathauses statt, zu der zahlreiche Gäste aus dem In- und Ausland in Rothenburg zu Gast waren. Die Stadt hatte dadurch wieder an Bedeutung gewonnen.

 

Das Leben und Werk Adam Hörbers

Am 30. Juni 1827 geboren und auf den Namen Johann Adam getauft, wuchs der kleine Adam Hörber als Sohn des Webemeisters Hörber unter ärmlichen Verhältnissen auf. Ein mühseliges Leben führten die alten Webersleute in dem damals schon baufälligen Häuschen. In der damaligen Zeit bestimmte das Klipp-Klapp des Webstuhls den Lebensrhythmus. Bei den dürftigen Verhältnissen der Weberzunft sollte der junge Adam nach dem Besuch der Gewerbeschule ein ehrsames Handwerk erlernen, und so kam der junge Bursche als Lehrling in die Glaserei des Vetters Stürmer. Mit 17 Jahren hatte Adam ausgelernt, machte seine Gesellenprüfung und nun begann eine entbehrungsreiche Zeit, die ihn aber für sein späteres Leben prägte.

Ansbach, Coburg, Leipzig und Eilenburg, die damalige Hochburg der Glaserei, waren die ersten Stationen seiner Wanderschaft. Es ging weiter nach Torgau, Halle, Naumburg, über Gotha, Weimar, Basel und zuletzt nach Blaubeuren. Seine Wanderwege hatten ihn an Stätten geführt, die schon einen berühmten Namen hatten, sei es durch ihre malerische Lage, die Architektur oder durch große Geister der Literatur. Es war ein karges Leben, das er auf der Wanderschaft führte.

Aber lieber hungerte Adam Hörber, als dass er sich ein besonders schönes Theaterstück, etwa am Hof in Coburg oder den Besuch der Leipziger Messe, entgehen ließ.

In den 6 Jahren seiner Militärzeit bei den königlich bayerischen Cheveaulegers in Dillingen waren die Lebensverhältnisse auch nicht besser, dennoch war er ein begeisterter Soldat und lernte perfekt das Reiten. Darüber hinaus war er auch ein guter Turner und Schwimmer. Besondere Freude bereitete ihm aber die Sangeskunst. In Blaubeuren dirigierte er einen von ihm gegründeten Männerchor, schrieb selbst die Partituren und die einzelnen Stimmen.

Nach 12 Jahren in der Fremde legt Hörber seine Meisterprüfung ab und ließ sich in Rothenburg nieder. Erst nachdem sein Geschäft florierte und er sein eigenes Haus kaufen konnte, heiratete er nach 9jähriger Verlobungszeit Susanne Breininger.

Im Stadtregiment wurde man allmählich aufmerksam auf den jungen Meister. Er wurde 1862 in den Magistrat gewählt, dem er über 30 Jahre angehörte. Ein besonderer Vertrauensbeweis war seine Wahl in den Mittelfränkischen Landtag, wo er 22 Jahre die Stadt Rothenburg vertrat.

Den größten Verdienst erwarb er sich jedoch durch sein Festspiel „Der Meistertrunk“. Dies war auch mit der Hauptgrund, dass ihm seine Vaterstadt 1897 das Ehrenbürgerrecht verlieh. Auch das bayerische Königshaus erkannte sein verdienstvolles Wirken an und verlieh ihm im Jahr 1902 die goldene Medaille für Kunst und Wissenschaft.

Adam Hörber
Adam Hörber

Der Verein Historisches Festspiel „Der Meistertrunk“ wurde auch im Jahre 1881 gegründet und hat heute ca. 1000 Mitglieder. Der Verein sieht es als seine Hauptaufgabe an, alljährlich während der Pfingstfeiertage die Ereignisse des Jahres 1631 in Rothenburg wieder aufleben zu lassen.

 

 

 

 

 

 

 

 

Harald Krasser

Ich bin in Rothenburg geboren und lebe auch hier. Ich liebe diese Stadt und das sie umgebende Frankenland. Besonders freut mich der weltweite Bekanntheitsgrad dieses mittelalterlichen Kleinods. Sagen zu können, hier in meiner Heimatstadt ist die Welt zu Gast, macht mich auch ein klein wenig stolz. Ich bin seit 1968 Mitglied im Historischen Festspiel „Der Meistertrunk“ und leite nun diesen Verein seit 1992 als 1. Vorsitzender. Natürlich möchte ich mich in einigen meiner Themen mit diesem Verein, seinen Aktivitäten und seiner reichhaltigen Geschichte beschäftigen.

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