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Archiv der Kategorie: Romantik

Rothenburg ob der Tauber als Stadt der Stille

In den Tagen bis Ostern kitzelt die Frühjahrssonne Rothenburg wach. Ich schiebe mein Rad durch die Rödergasse. Autos gibt es hier kaum. Der Storch hat sein  Nest bezogen. Heute habe ich etwas Zeit und kann der Internetgemeinde meine Lieblingsplätze in Rothenburg zeigen. An manchen Orten in Rothenburg fühle ich mich besonders wohl. Dort geht mein Blick ins Weite und ich kann die Stille besonders genießen, und aufatmen.

Der Burggarten

Die grüne Lunge Rothenburgs ist der Burggarten. Jetzt, Mitte März, schaut noch kaum Grün hervor. Beide Seiten des Bergsporns, auf dem die alte Stauferburg einmal stand, gewähren einen weiten Blick ins Taubertal nach Süden und nach Norden. Einige genießen die ersten Sonnenstrahlen im Garten der Natur.

Frühjahr im Burggarten

Inspirierende Orte

Wenn man den südlichen Ausgang des Burggartens wählt und ein paar Schritte dem Muschelzeichen in Richtung Jakobsweg nach Tübingen/Rottenburg oder Speyer geht, kommt man durch parkähnliche Anlagen und durch den Weinberg der Familie Thürauf an der sogenannten „Riviera“ mit stillen verwunschenen Wegen. Gleich zu Beginn, an der Georg-Pirner-Anlage, taucht ein winziges kleines gelbes Sommerhäuschen auf.

Häuschen

Auch wenn es mir natürlich nicht gehört, stellt es für mich doch ein schönes und stilles Refugium dar mit nur wenig Quadratmetern Fläche und einem phänomenalen Blick über das Taubertal hinweg. Es steht in einem grünen Garten voller Schneeglöckchen. Ich stelle mir vor, dass ein Schriftsteller, fern abgeschieden von aller Welt, hier seine Inspirationen zu Papier bringt.

Die Sonne malt Bilder in  der Franziskanerkirche

Zurück in der Altstadt, in die Herrngasse: Eine der schönsten Kirche mit einem Innenraum von geradezu faszinierender Ausstrahlung ist die Franziskanerkirche. Ich mag es gerne, hier still zu sitzen und der Sonne zuzusehen, wie sie die Wände mit Licht bemalt. Doch davon habe ich schon in einem anderen Blogbeitrag geschrieben. Leider ist die Kirche bis kurz vor Ostern wegen Renovierungsarbeiten geschlossen, aber dann öffnet sie ihre Geheimnisse wieder.

Franziskanerkirche Engel

Am höchsten  Punkt der Stadt Rothenburg

Auch ein schöner Ort, aber nicht öffentlich zugänglich: die Türme der St.-Jakobs-Kirche. Wenn schönes Wetter ist, sitze ich manchmal hoch dort oben auf dem Südturm. All die Geräusche der Stadt, Unterhaltungen, Rufen, Hupen, Musik – all das bleibt ferne und leise unter mir als ob mich diese Welt nichts anginge. Dort oben komme ich auf die besten Gedanken.

Blick auf Franziskanerkirche

Den romantischen englischen Maler Arthur Wasse hat die pittoreske Weltabgeschiedenheit der Jakobstürme dazu inspiriert, seine Frau Fanny zu malen, wie sie dort Dohlen füttert. Im Hintergrund ist das Dorf Detwang zu sehen – und alles sieht heute fast genauso aus wie damals, obwohl über hundert Jahre seitdem verstrichen sind. Das mystisch anmutende Gemälde kann man übrigens noch bei einem Besuch des Reichsstadtmuseums im Original betrachten und dann noch viel mehr Details entdecken.

wasse St  St. Jakob Südturm

 

Die Nacht in  Rothenburg. Ein Wispern

Etwas ganz Besonderes aber ist die Stille in der Rothenburger Altstadt, wenn die Nacht angebrochen ist. Die Geräusche sind dann nämlich völlig andere als am Tag. Ruhe ist eingekehrt, die Stadt birgt sich in der Stille. Bisweilen hört man den gedämpften Glockenschlag eines Uhrwerkes. Ein Käuzchen ruft aus dem Taubertal. Mir kommen Verse aus Matthias Claudius’ Abendlied in den Sinn:

Wie ist die Welt so stille,
Und in der Dämmrung Hülle
So traulich und so hold!
Als eine stille Kammer,
Wo ihr des Tages Jammer
Verschlafen und vergessen sollt.

Seht ihr den Mond dort stehen?
Er ist nur halb zu sehen,
Und ist doch rund und schön!
So sind wohl manche Sachen,
Die wir getrost belachen,
Weil unsre Augen sie nicht sehn.

Wenn ich bei Dunkelheit auf den Gassen der Rothenburger Altstadt unterwegs bin, unterhalte ich mich gerne nur mit gedämpfter Stimme, nur um diese Stille nicht zu stören, und ich möchte mich am Liebsten nur auf Zehenspitzen fortbewegen.

Mit etwas Glück kann man dann auch hören, dass es an manchen Stellen eine zweite Welt hinter diesen ehrwürdigen Steinen gibt! Dann hört man es nämlich ganz leise rascheln und piepsen. Zum Beispiel am Treppenaufgang im Norden von St. Jakob. Dort zwischen den Steinritzen erzählen sich die Kirchenmäuse ihre Gutenacht-Geschichten. Doch um sie zu verstehen, muss man selbst ganz, ganz still sein. Nur lauschen.

Stufen St

Oliver Gußmann

In Rothenburg bin ich Touristen- und Pilgerpfarrer an St. Jakob. Das ist die große, an Kunstschätzen reiche evangelische Kirche mit den Doppeltürmen mitten in Rothenburg! Meine Aufgabe ist es, die Kirchen Rothenburgs Gästen und Touristen aus der ganzen Welt bekannt zu machen. Die zahlreichen Gotteshäuser des gotischen Rothenburgs erzählen mit Bildern und Symbolen vom Glauben, der Liebe und der Hoffnung unserer Vorfahren; sie berichten vom Sterben und Auferstehen, von Hingabe und Erlösung. Bei meiner Arbeit hilft mir ein Kirchenführer-Team. Außerdem traue ich Hochzeitspaare, mache Nachtkirchenführungen und vieles mehr. Gerne führe ich durch das jüdische Rothenburg oder biete für Kinder und Jugendliche kirchenpädagogische Führungen an. Für die Jakobuswege, von denen sich einige in Rothenburg kreuzen, bin ich der Ansprechpartner. Mir liegt eine gesunde Umwelt am Herzen. Darum fahre ich ein "Velomobil" - eine Mischung zwischen Seifenkiste und Rennauto. Wenn Sie so etwas in Rothenburg stehen sehen, bin ich sicher nicht weit entfernt! Mehr über meine Arbeit: www.rothenburgtauber-evangelisch.de/tourismus

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Darf es noch etwas mehr sein? – Rothenburger Sehenswürdigkeiten auf den dritten Blick

Die Fortsetzung von  Rothenburg auf die Schnelle und Rothenburger Sehenswürdigkeiten für Fortgeschrittene.

Dieses beschauliche Städtchen hat mehr zu bieten als die meisten denken. Nun ist die Altstadt von Rothenburg zwar nur 15 Minuten lang und 10 Min breit. Zumindest wenn man die reine Gehzeit von Nord nach Süd und von Ost nach West rechnet. Genauer gesagt hat die Altstadt eine Länge von etwas über 1000 Meter und an der breitesten Stelle sind es nicht ganz 700 Meter. Aber es erstaunt mich selbst immer wieder, wie viel es innerhalb dieser alten Mauern zu entdecken gibt. Das reicht leicht für einen Wochenendausflug und dann gibt es immer noch genug für einen zweiten, dritten und vierten Besuch.

Rothenburg ob der Tauber

Rothenburg ob der Tauber. Bild: W.Pfitzinger

Es gibt viel zu wissen – Der Verein Alt-Rothenburg

Nun führe ich seit über 20 Jahren Gäste über dieses Pflaster und beschäftige mich ebenso lange schon mit der Geschichte der Stadt. Innerhalb dieser langen Zeit habe ich viel gelernt, aber vor allem ist mir bewusst geworden, dass es noch viel viel mehr zu wissen gibt. Oder wie ein großer griechischer Philosoph einmal sagte: “Ich weiß, dass ich nichts weiß. Aber ich weiß mehr als die anderen wissen, denn die wissen nicht, dass sie nichts wissen.“

Ein Quell der Information für Einheimische und Gäste ist der Verein Alt Rothenburg. Sowohl mit seiner Internetseite als auch mit seinen Publikationen und Veranstaltungen trägt er sehr zur Wissensvermittlung über die Geschichte der Stadt bei. Vor allem die Vorträge des Vereins im Rahmen der Rothenburger Diskurse sind wirklich hochkarätig. Die aktuellen Termine finden Sie auf der vereinsinternen Seite ebenso wie unter den Veranstaltungstipps der Stadt Rothenburg ob der Tauber. Geben Sie dort einfach den Begriff „Diskurse“ ein. Dann erhalten Sie die Termine und Themen für die nächsten geplanten Vorträge.

Über den Dächern von Rothenburg – Der Röderturm

Röderturm

Röderturm

Leider hat nicht jeder die Möglichkeit, seinen Besuch in Rothenburg nach Vorträgen des Vereins Alt-Rothenburg zu planen. Zum Glück gibt es eine Art Zweigstelle mit relativ regelmäßigen Öffnungszeiten, die nicht nur interessante Informationen zur Zerstörung der Altstadt in den letzten Kriegstagen für den Besucher bereit hält, sondern auch noch einen fantastischen Blick über die Dächer von Rothenburg ermöglicht. Der Torturm des Rödertors (Östliches Stadttor) ist ein geradezu perfekter Platz für diesen Ausstellungsraum. Der Zugang erfolgt über die Stadtmauer. Also erst auf die Stadtmauer und dann auf der nördlichen Seite des Röderturms prüfen ob der Turmzugang möglich ist. Der Eintritt wird ebenso wie beim Rathausturm fällig, wenn man oben angekommen ist. Man ist dann zwar noch nicht über den Wolken, aber doch schon ganz schön weit oben.

Eine Etage tiefer – Das Historiengewölbe

Historiengewölbe

Historiengewölbe

Eine weitere Dependance eines Städtischen Vereines ist das Historiengewölbe im gotischen (weißen) Teil des Rathauses. Hier erwarten viele den Zugang zum Rathausturm, der direkt darüber liegt. Aber anstatt hoch hinaus geht es hier eher abwärts. Was in diesem Fall aber gar nicht negativ ist. Zumindest heute nicht mehr. In den ebenerdigen Räumlichkeiten hat der Verein „Historisches Festspiel – Der Meistertrunk“ eine Vielzahl von originalen Ausstellungsstücken aus der Zeit des 30- jährigen Krieges zusammen getragen. Bei der Gelegenheit sollte man es auf keinen Fall verpassen, auch einen Blick in das reichsstädtische Verlies zu werfen. Ganz in der Nähe der Kasse geht es in einem Nebenraum über eine enge und steile Stiege in den Untergrund. Der erste Raum hat schon etwas Bedrückendes, dabei war dieser für das Wachpersonal vorgesehen. Über einen langen, schmalen Gang geht es dann zu den eigentlichen Gefängniszellen.

Verlies im Historiengewölbe

Verlies im Historiengewölbe

Drei Stück an der Zahl, wobei bei einer davon sogar die Tür unverschlossen ist. Man kann, muss aber nicht, eintreten, denn dieses dunkle Loch ist selbst heute noch alles andere als einladend. Auf jeden Fall ein Erlebnis der besonderen Art und ein absoluter Geheimtipp zum Abkühlen an den ganz heißen Sommertagen. Das Rothenburger Staatsverlies ist auch ohne Klimaanlage eine coole Adresse und garantiert einen erfrischenden Aufenthalt.

Hat man sowas schon gesehen – Die Schäferkirche

Nicht weniger erfrischend, sowohl für den Geist als auch für den Körper, ist die Schäferkirche Sankt Wolfgang.  Im nördlichsten der sechs Stadttore ist diese Kirche in die Torbastei integriert. Auf all meinen Reisen habe ich schon viel gesehen, aber sowas, nein, so etwas kenne ich nur von Rothenburg ob der Tauber. Eine Kirche mit Persönlichkeitsspaltung. Als ob dieses Bauwerk nicht so recht wusste was es werden sollte. Gotteshaus oder Wehranlage.

Schäferkirche - St. Wolfgang

Schäferkirche – St. Wolfgang

Wie kam es dazu? Früher durften Schäfer, denn man hatte unter anderem Angst sie würden Krankheiten von ihren Tieren übertragen, nicht immer in die Stadt und so entwickelte sich ein Betplatz just an jener besonderen Stelle direkt vor dem Stadttor. An diesem Platz zum Beten ist diese Kirche, welche von der Bruderschaft der Schäfer eigens für ihre, für Rothenburg so wichtige, Berufsgruppe errichtet worden. Deshalb Schäferkirche, welche ihrem Schutzpatron, dem Heiligen Wolfgang, geweiht ist.

St. Wolfgang - Altar

St. Wolfgang – Altar

St. Wolfgang - Kasematten

St. Wolfgang – Kasematten

Gleichzeitig wurde der Bau genutzt, um den Zugang zur Stadt zu sichern. So legte man Geschützstände, so genannte Kasematten, bei den Fundamentierungsarbeiten der Kirche an, welche heute noch zugänglich sind. Weitere Geschützstände im Obergeschoss und das ehemalige Torwärterhäuschen, mit einer kleinen Ausstellungsfläche der Schäfer, sind ebenfalls zu besichtigen. Definitiv eine der meist unterschätzten Sehenswürdigkeiten in unserem fränkischen Schatzkästchen. Selbst wenn die Kirche geschlossen sein sollte, lohnt sich ein kurzer Abstecher um das Gebäude, um sich von diesem so seltsamen Bauwerk verzaubern zu lassen.

Klein aber fein – Das Alt-Rothenburger Handwerkerhaus

Apropos verzaubern lassen. Da komme ich doch gleich auf ein weiteres Schwergewicht unserer Sehenswürdigkeiten, auch wenn dies wohl niemand unter dem unscheinbaren Namen „Alt-Rothenburger Handwerkerhaus“ vermuten würde.

Handwerkerhaus - Alter Stadtgraben

Handwerkerhaus – Alter Stadtgraben

Für mich ist dieses kleine Museum sogar die meist unterschätzte Sehenswürdigkeit unserer Stadt. Etwas abseits der Haupttouristenströme, im Alten Stadtgraben gelegen, fällt es nicht auf und selbst wenn man direkt davor steht ist kaum zu vermuten, was in diesem Haus steckt.

Alt Rothenburger Handwerkerhaus

Alt Rothenburger Handwerkerhaus

Geschichte pur. Geschichte, die man mit den unterschiedlichsten Sinnen ganz direkt erfahren kann. Bereits beim Betreten des Gebäudes fällt mir jedes Mal der besondere Geruch von Jahrhunderten auf. Dann dieses dämmrige Licht und die niedrige Deckenhöhe. Ein Erlebnis für alle Sinne. Dazu kommen jede Menge Ausstellungsstücke aus dem Bereich Handwerk und Haushalt. Dieses Haus hat inzwischen fast 750 Jahre auf dem Buckel. Wahrhaftig ein Methusalem an seinem originalen Bauplatz. Also nicht in einem der vielen Freilandmuseen, sondern wirklich da wo es hingehört, mitten in die Altstadt von Rothenburg ob der Tauber.

Darf es noch etwas mehr sein?

Wieviel Zeit man für die einzelnen Sehenswürdigkeiten benötigt habe ich bewusst offen gelassen, denn für manche darf es etwas mehr und plötzlich sind ein bis zwei Stunden wie im Fluge vergangen. Andere sind unter Umständen nach zwanzig bis dreißig Minuten schon wieder auf dem Sprung zur nächsten Attraktion. Eines ist jedoch sicher. Bei uns ist für jeden was dabei und ich bin mit meiner Reihe von touristischen Möglichkeiten immer noch nicht fertig. Mindestens einen Beitrag zu dem Thema wartet noch darauf, niedergeschrieben zu werden. Am besten gleich den Blog abonnieren, dann verpassen Sie meinen Beitrag auf keinen Fall. Die anderen Beiträge der Rothenburger Blogger übrigens auch nicht. Es gibt eben so viel Wissenswertes, und das nicht nur über Erlangen 😉 .(eine kleine Hommage an die Kenner und Liebhaber der NDW / Link: https://www.youtube.com/watch?v=G_k20C8hOEs)

Harald Ernst

Bin ich ein Rothenburger? JAIN! Meine Wurzeln liegen nur 15 km von Rothenburg entfernt. Brettheim, früher ein Teil des Stadtgebietes der Reichsstadt mit ca. 180 Dörfern, liegt heute in einem anderen Bundesland (BW). Das erklärt, weshalb ich mich als Rothenburger fühle, inzwischen auch in der Altstadt lebe, aber nicht wie ein Rothenburger klinge. Ich bin ein Hohenloher mit entsprechendem Dialekt (wenn ich will oder darf) und habe mich während meines Zivildienstes (1990/91) in der Jugendherberge in die Stadt verliebt. Außerdem habe ich mich durch die Gäste aus aller Welt inspirieren lassen und das Reisen für mich entdeckt. Menschen, Länder, Abenteuer lassen mich immer wieder meine Koffer packen. Doch genauso gerne kehre ich immer wieder zurück in diese besonders schöne Stadt. Aus Hobby wurde Beruf. Bereits 1993 kam ich zur Gästeführerei. Im Jahr 2000 habe ich mit einem Freund ein Reiseunternehmen gegründet und bin seit dem selbstständiger Stadtführer, Reiseleiter und Driverguide für Gäste aus aller Welt im In- und Ausland. Doch mein Schwerpunkt ist und bleibt Rothenburg ob der Tauber. Hier kenne ich mich am besten aus. Hier bin ich Zuhause.

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Rothenburg – fast schon absurd pittoresk

Rothenburg gilt gemeinhin als eine der romantischsten Städte Deutschlands. Das „romantische Taubertal“ zu Füßen, durch welches sich die ebenso „romantische Straße“ (nebenbei bemerkt: Deutschlands bekannteste und beliebteste Ferienstraße) schlängelt und geradewegs durch die Stadt hindurch, weiter Richtung Alpen führt.

Die Stadt selbst, speziell natürlich die geradezu absurd pittoreske Altstadt (eine Formulierung, die ich übrigens erst heute Vormittag als Kommentar auf folgendes Instagram von mir geerntet hatte ;-)), IMG_2411 blogmit verwinkelten Gassen und Gässchen, Nischen und Nischchen, Fachwerkhäusern und -häuschen, Plätzen und Plätzchen, Brunnen und Brünnchen. Eben all diesen großen und kleinen Dingen, die es sich in dieser schönen Stadt zu entdecken lohnt.

rothenburg - sonnenuntergang vom burggarten aus gesehen

Zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Prächtiger Sonnenuntergang vom Burggarten aus gesehen.

Beste Voraussetzungen auch für einen romantischen Kurztrip. Noch dazu, wenn dieser abseits der touristischen Hochsaison und dem ganzen damit verbundenen Trubel erlebt werden kann.

Das dachten sich vor drei Jahren auch ein paar kreative Köpfe unter der Regie des Stadtmarketing. Auf der Suche nach Ideen, wie die „stade“ Zeit, wie das im Bayerischen eben so heißt, belebt werden könnte, fiel der Blick auf den 14. Februar. Valentinstag. Ein Termin, genau in der Mitte dieser – für Rothenburger Verhältnisse – recht ruhigen Zeit.

Gastronomen, Hoteliers, Einzelhändler und Dienstleister entwickelten die Idee der „Romanze an Valentin“, jenem kleinen und feinen touristischen Package, aus speziellen Übernachtungsangeboten, Veranstaltungen, Verwöhnprogramm, kulinarischen Highlights. So wie man sich das eben für ein kuscheliges Wochenende zu zweit wünscht.

Auf den Spuren der Liebe

Speziell für Verliebte: Stadtführung mit Schwerpunkt auf Liebe und Romantik.

Seit dieser Zeit wird das Paket jedes Jahr aufs neue geschnürt. Mit nach wie vor steigender Resonanz.

Neben einer bewährten „Kernmannschaft“ der Romanze, aus Gastronomie, Hotellerie und Handel, sind in diesem Jahr auch wieder drei neue Teilnehmer mit speziellen Angeboten dabei. Hierüber freuen wir uns vom Stadtmarketing ganz besonders!

So geht dieses Wochenende voller Highlights für verliebte Paare, an dem wohl jeder seine ganz persönliche „Romanze an Valentin“ erleben kann, in diesem Jahr in die dritte Runde.

Mehr über die „Romanze an Valentin“ finden Sie auf der offiziellen Rothenburg-Website, den Flyer zum Angebot können Sie hier herunterladen.

Alexander Baß

Ich bin gebürtiger Rothenburger und habe nach dem Besuch des Reichsstadt-Gymnasiums an einer Außenstelle der Hochschule Offenburg, untergebracht im ehemaligen Benediktinerkloster im schönen Gengenbach, zunächst Wirtschaftsingenieurwesen und dann technische Betriebswirtschaft studiert. Das Studium und der damit verbundene erste Kontakt mit dem damals noch sehr jungen Internet, führte mich unmittelbar in die Selbständigkeit mit einer Agentur für Internet, Multimedia und Werbung, die ich seit nunmehr 20 Jahren betreibe. Wieder hier in Rothenburg. Die Verbundenheit zu unserer schönen Stadt, sowie mein unternehmerischer Hintergrund, haben mich 2011 dazu bewegt, mich mit einigen Mitstreitern der Gründung des Stadtmarketing Rothenburg ob der Tauber e.V. zu widmen, dessen Geschicke ich auch bis heute aktiv begleite. Momentan sitze ich als 2. Vorsitzender im Vorstand und in dieser Funktion möchte ich hier von Zeit zu Zeit über die Aktivitäten des Stadtmarketing berichten.

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Der „Eisenhut“: Das wirklich Kostbare

Begeben wir uns in Gedanken in das „Erste Haus“ in einer beliebigen Stadt in Deutschland. Werden wir in diesem Hotelzimmer, auf den Fluren dieses Hauses, im Frühstücksraum oder in der Halle erkennen können, in welcher Stadt wir sind? Auch die sogenannten großen Hotels in unseren Städten sind so austauschbar geworden, wie die Filialgeschäfte in ihren Fußgängerzonen. Viele Vier-Sterne-Hotels sind in Ihrer Anmutung einem IKEA-Einrichtungshaus bedrohlich nahe.

Die Reise nach Rothenburg ob der Tauber hingegen ist stets auch eine Zeitreise in die Vergangenheit. Und diese Zeitreise wird von einem ganz besonderen Hotel in unvergleichbarer Weise unterstützt. Der „Eisenhut“ ist das Erste Haus in dieser Stadt. Als Einheimischer betrachtet man das Haus mit Hochachtung und Ehrfurcht. Es gibt alte Rothenburger, die davon erzählen, dass ihre Eltern oder Großeltern aus Respekt vor dem Eingangsbereich und den hochnoblen Gästen des Eisenhuts in der Herrngasse stets die Straßenseite gewechselt haben. Solchen Respekt kennen wir heute nicht mehr, Schwellenangst ist uns fremd und auch Erste Häuser werden demokratisiert. Und so wird die Halle des „Eisenhuts“ von Rothenburgbesuchern ebenso begutachtet wie die im „Adlon“ in Berlin oder im „Bayerischen Hof“ in München.

Hinter dieser Fassade wartet ehrwürdige Behaglichkeit.

Hinter dieser Fassade wartet ehrwürdige Behaglichkeit.

Das Kostbare an diesem Hotel ist das, was nicht verändert wurde. Und doch wird es am ehesten in den 1990er Jahren wohl manche modernistisch orientierte Besucher gegeben haben, die den Mangel an Veränderung beklagt haben werden. Die vielen Winkel und Ecken und die unterschiedlich breiten Flure verbreiten ein nostalgisches Grundgefühl. Ganz persönliche Erinnerungen an die selbst erlebte Zeit, die heute als die „gute alte“ gilt, werden wach. Mit jedem Schritt erwacht noch mehr Lust am Überlieferten, Geschichtsträchtigen und Geheimnisvollen. In diesen dicken Mauern entsteht das wohlig-warme Gefühl von Beschütztsein. Bei diesem Ausflug in die Vergangenheit kann man sich in diesem Hotel, das vier Patrizierhäuser in sich vereint, schon auch einmal verlaufen. Auf dem Weg zu meinem Zimmer Nr. 349 im dritten Stock mit Blick auf die Herrngasse, nehme ich den Aufzug. Wenn ich hinuntergehe am liebsten die Treppe. Denn die verwinkelten Treppenhäuser mit ihren antiken Möbeln und dem dickflorigen Teppichboden mit dem Blumenmuster lassen einen an Alfred Hitchcock denken – der „Mord im Orient Express“ hätte doch auch ein „Mord im Eisenhut“ sein können. Na ja, wenigstens ein „Franken-Tatort“ könnte 2016 ja noch draus werden.

Eine besondere Begrüßung ist das handgeschriebene Willkommens-Kärtchen mit Unterschrift der Hoteldirektorin

Eine besondere Begrüßung ist das handgeschriebene Willkommens-Kärtchen mit Unterschrift der Hoteldirektorin (Foto: privat)

Wenn ich alleine reise, gönne ich mir gerne den kleinen Luxus eines „Doppelzimmer zur Einzelnutzung“. Und das Zimmer 349, wie auch die anderen Zimmer, die ich bisher kennenlernte, halten, was das Hotel mit seiner großen Geschichte verspricht. Da ist das Dreier-Sofa, das an die gehobene Adenauer-Bürgerlichkeit der 1960er Jahre erinnert und hochwertig neu aufgepolstert wurde. Es ist viel Platz in diesem Zimmer und die Badewanne erlaubt auch einem 1,95 Meter-Mann, sich plantschend hineinzulegen und nicht nur ein Sitzbad einzunehmen.

Zimmer Nr. 349

Zimmer Nr. 349 (Foto: privat)

Ich hoffe, dass die Hoteliers hier nicht davon träumen, mit viel Geld den sterilen Chic eines Hilton oder Hyatt zu installieren. Ich bitte darum, dass die vielen elektronischen Geräte und „smarten Technologien“ aus den neuzeitlichen Hotelzimmern der Metropolen den Eisenhutgästen noch lange erspart bleiben. Es ist einfach gut so, wie es ist. Und dass beim Hinuntergehen die Holztreppe unter dem Teppichboden knarzt, gehört dazu, wie die Patina auf den Büffelleder-Sesseln im Treppenhaus.

Der historischer Treppenaufgang im Eisenhut gefällt vielen Gästen besser als ein moderner Aufzug

Der historischer Treppenaufgang im Eisenhut gefällt vielen Gästen besser als ein moderner Aufzug (Foto: privat)

Unten gehe ich ins Restaurant. Meine Verabredung wartet schon auf mich. Wir wählen zuerst die Weine – ich entscheide mich für den fränkischen Weißburgunder. Der Kellner serviert den Wein in einer Karaffe, lässt mich probieren. „Ich mag Weißburgunder“, antworte ich dem erwartungsvollen Blick des Servicemitarbeiters und füge hinzu „Weißburgunder trinke ich sonst immer im Speisewagen der Bahn. Dieser hier schmeckt auch gut“. Darauf der Kellner freundlich grinsend: „Das ehrt uns aber, dass wir da mithalten können“. Gast und Kellner lachen. Das „Eis“ war gebrochen, ohne dass es deshalb zur Verbrüderung kommt. Es bleibt die gehobene Restaurantkultur, die Korrektheit im Service. Und doch ist das hier nie steif, das ist die ungezwungene Vornehmheit der Moderne. Die Kellnerinnen und Kellner im Eisenhut bleiben bei ihrer Arbeit vornehm zurückhaltend. Der klassischen Eleganz eines vornehmen Restaurants entspricht auch das Anrichten meines Tellergerichts – Rehmedaillons mit verschiedenen Gemüsen. „So wunderschön können Gemüse sein!“, entfährt es mir beim ersten Anblick. Die zwei großen Stücke vom Rehrücken sind perfekt gebraten, der Kellner reicht nach einigen Minuten zusätzliche Soße. Wildfleisch in Deutschland stammt meist aus Neuseeland – dort werden riesige Herden in großen Gehegen gehalten, geschlachtet und in alle Welt verkauft. Doch dieses Reh wurde vom Jäger Bernhard Moll in den Wäldern um Rothenburg geschossen und vom Küchenchef Christian Weinhold gekonnt zubereitet.

Das Reh wurde in den Wäldern um Rothenburg geschossen

Das Reh wurde in den Wäldern um Rothenburg geschossen (Foto: privat)

Ich finde die 32 Euro für dieses Gericht angemessen, die 9,50 Euro für das Dessert aus warmen Schokoladenkuchen mit Kirschenkompott geradezu günstig. Wir bestellen zum Abschluss zwei doppelte Espressi, mit denen auf einer kleinen Etagere vier Pralinen geliefert werden.

Ich hätte mich reinlegen können - warmer Schokoladenkuchen und Kirschenkompott

Ich hätte mich reinlegen können – warmer Schokoladenkuchen und Kirschenkompott (Foto: privat)

Etwas später erwarte ich noch einen Besucher zu einer Besprechung. Wir setzen uns auf die Sonnenterasse und bestellen je einen Cappuccino. Bei dieser kleinen Zeche bleibt es trotz einer langen Unterredung. Das Warmgetränk soll hier nicht gewürdigt werden; dass es liebenswürdigen Service schon bei einer Bestellung mit einem Gesamtwert von 5,80 Euro und für Gäste gibt, die sich zwei Stunden an einem Getränke „festhalten“, aber sehr wohl.

Der Aufenthalt im Eisenhut ist das ideale Umfeld für ein ungetrübtes Rothenburg-Erlebnis. Eisenhut bedeutet Rothenburg „Ton in Ton“ zu erleben – da passt dann einfach alles zusammen. Dieses Haus erfüllt die teils sehr hohe Erwartungshaltung, die viele Gäste an dieses altehrwürdige Hotel richten. Neben der Anerkennung durch die Gäste gibt es auch eine offizielle: Der Eisenhut wurde als „Sightsleeping-Hotel“ durch die Bayern Tourismus Marketing GmbH anerkannt.

Bei der Abreise blicke ich aus dem Taxifenster zurück zum Eingangsportal. Jetzt ist es nicht der Glanz der Hotelsterne oder Auszeichnungen, der wirkt. Es ist der leicht wehmütige Blick auf die Dinge, die wirklich kostbar sind.

 

Fritz Gempel

Mein Name ist Fritz Gempel, ich wurde 1963 in Ansbach geboren und entdeckte Rothenburg früh als Lieblingsstadt in meiner fränkischen Heimat. Seit 20 Jahren bin ich selbständig als Unternehmensberater und Fachbuchautor tätig; die meisten meiner Kunden haben mit Lebensmitteln zu tun. Rothenburg sehe ich nicht nur als kulturelle, sondern auch als kulinarische Destination.

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Rothenburger Sehenswürdigkeiten für Fortgeschrittene – Die Altstadt auf den zweiten Blick

Die Fortsetzung von Rothenburg auf die Schnelle.

Nachdem ich mich in einem meiner letzten Beiträge darauf konzentriert habe, was während eines kurzen Aufenthaltes in der mittelalterlichen Altstadt in 3-4 Stunden zu schaffen ist, möchte ich nun tiefer einsteigen und hier etwas zeitintensivere Sehenswürdigkeiten vorstellen. Von dem Motto „In der Kürze liegt die Würze“ hin zu „Eile mit Weile“.

Bietet diese fränkische Kleinstadt genug für einen Tagesausflug oder gar eine mehrtägige Städtereise?

Die Antwort ist eindeutig „JA“, denn für die folgenden Sehenswürdigkeiten sollten Sie jeweils 1-2 Stunden, oder im Falle der Museen bei großem Interesse sogar mehr einplanen.

Ob Regen oder Sonnenschein, diese Attraktionen können Sie bei jedem Wetter besuchen. Allerdings gilt es die Öffnungszeiten bzw. Führungszeiten zu beachten. Diese finden Sie auf den jeweiligen Internetseiten, die ich im Text verlinkt habe.

Die größte Sehenswürdigkeit – Nicht nur was für Kirchgänger!

St.-Jakobs-Kirche und Rathausturm - ©Rothenburg Tourismus Service

St.-Jakobs-Kirche und Rathausturm – ©Rothenburg Tourismus Service

Die St.-Jakobs-Kirche befindet sich mitten in der Altstadt, in direkter Nachbarschaft zum Marktplatz mit dem Rathaus und dessen markantem schlanken weißen Turm. Die mächtigen Kirchtürme, mit den elegant durchbrochenen Turmspitzen, sind nicht zu übersehen und prägen nun schon seit über 600 Jahren das Erscheinungsbild des Fränkischen Jerusalems, wie Rothenburg ob der Tauber auch genannt wurde.  Im Mittelalter war diese Kirche, mit der darin befindlichen Heiligblut-Reliquie, von großer Bedeutung für unzählige Pilger. Heute ziehen eher der Bau selbst und der für die Reliquie geschaffene Heilig-Blut-Altar von Tilman Riemenschneider die Besucher an.

Heilig-Blut-Altar in der St.-Jakobs-Kirche

Heilig-Blut-Altar in der St.-Jakobs-Kirche

Diese komplett im gotischen Baustil errichtete Kathedrale ist für mich auch immer wieder sehr beeindruckend und nicht allein der Ausmaße wegen eine der Sehenswürdigkeiten der Stadt, vielleicht auch die Größte. Alleine die blanken Zahlen flößen mir tiefen Respekt ein.

Bauzeit: Baubeginn 1311 / Weihe 1485 = 174 Jahre

Höhe der Türme: 58,20 (Nordturm) / 55,80 (Südturm) Meter – Länge: 80,75 Meter – Breite: 22 Meter

Zahlende Besucher pro Jahr: ca. 140.000 (Stand 2014)

Ja, Sie haben richtig gelesen. „Zahlende Besucher“. Die Besichtigung kostet Eintritt. Dieser Umstand, übrigens seit 1906, ist für viele erst einmal irritierend und leider häufig auch Grund genug, sich die Sankt Jakobs Kirche nicht genauer anzusehen. Allerdings sind die Unterhaltskosten enorm hoch und die Zahl der Gemeindemitglieder sowie die finanziellen Mittel im Vergleich dazu recht überschaubar. Daher diese ungewöhnliche Entscheidung der Kirchengemeinde eine Besichtigungsgebühr zu verlangen. Doch Sie bekommen auch jede Menge für Ihr Geld. Nicht nur jede Menge Kultur, sondern auch noch während der Saison täglich zwei Kirchenführungen.

Herlin Altar in der St. Jakobs Kriche ©Rothenburg-Tourismus-Service

Herlin Altar in der St. Jakobs Kriche ©Rothenburg-Tourismus-Service

Um 11:00 und 14:30 werden die verschiedenen Sehenswürdigkeiten während der ca. einstündigen Führung kompetent erklärt. Das ist absolut empfehlenswert, denn sonst entgehen einem leicht die vielen Details und Hintergründe. Es gibt einfach viel zu erzählen und auch Anekdoten zu schreiben. So hat einer meiner Kollegen seine Erlebnisse als Kirchenführer in einem Buch mit dem Titel „Wo geht es denn hier zum Romy Schneider Altar“ veröffentlicht. Kaum zu glauben, aber wahr. Da hat mal jemand Tilman Riemenschneider mit der Schauspielerin verwechselt. Außerhalb der Führungszeiten können Sie sich einen Audioguide an der Kasse leihen und sich intensiv mit St. Jakob beschäftigen. Für die ganz Eiligen gibt es einen kostenlosen Kurzführer, doch wird Ihnen dann wahrscheinlich eine der ältesten Darstellungen nördlich der Alpen im Hauptalter ebenso entgehen wie der versteckte zwölfte Jünger im Heilig-Blut-Altar.

Etwas mehr Zeit sollten Sie einplanen wenn Sie beim Mittelalterlichen Kriminalmuseum vorbeischauen wollen.

„Rothenburger Folterkammer“ – Ganz weit vorn in Deutschland!

Innenhof des Mittelalterlichen Kriminalmuseums in Rothenburg

Innenhof des Mittelalterlichen Kriminalmuseums in Rothenburg

Da sind Sie in 30 Minuten nicht durch. Wie auch, wo es doch um einen umfassenden Einblick in die Entwicklung unseres Rechts- und Justizsystems geht. Mindestens eine Stunde empfehle ich als Besuchszeit, wenn Sie sich nur einen Überblick verschaffen wollen. Sie können aber auch viele Stunden in der Ausstellung zubringen. Schließlich handelt es sich um eines der bedeutendsten Rechtskundemuseen in ganz Europa. Manche nennen diese Sammlung mit ca. 50.000 Exponaten auch einfach nur kurz „Foltermuseum“.

Zeichnung der Nürnberger Folterkellerausstellung aus dem 19. Jh. - im Hintergrund die Eiserne Jungfrau

Zeichnung der Nürnberger Folterkellerausstellung aus dem 19. Jh. – im Hintergrund die Eiserne Jungfrau

Vielleicht, weil die Ausstellung der Folterinstrumente und die damit verbundene Vorstellung besonders einprägsam ist. So sehr, dass es ein unvergessliches Erlebnis wird, von dem viele noch Jahrzehnte später erzählen, wenn sie mal wieder nach Rothenburg kommen. Oder weil das Mittelalterliche Kriminalmuseum seinen Anfang als private Sammlung mit dem Namen „Rothenburger Folterkammer“ nahm. Damals befand sich die Ausstellung allerdings noch im heutigen Burghotel. Erst seit 1977 befindet es sich im ehemaligen Johanniterkloster in der Burggasse 3.

Ehemaliges Johanniterkloster - Garten und Außenanlagen - Copyright: Markus Hirte

Ehemaliges Johanniterkloster – Garten und Außenanlagen – Copyright: Markus Hirte

Zugegeben, dieses Thema und die Ausstellungsstücke sind keine leichte Kost, trotzdem ist es das meistbesuchte Museum in Rothenburg. Aber es gibt ja zum Glück genügend Alternativen für Gäste, die es lieber etwas romantischer mögen.

Es weihnachtet sehr – auch bei 30 Grad im Schatten!

Copyright:  Deutsches Weihnachtsmuseum Rothenburg ob der Tauber

Copyright: Deutsches Weihnachtsmuseum Rothenburg ob der Tauber

Eine dieser Alternativen befindet sich nur zwei Ecken weiter. In der Gunst des Publikums ist auch dieses Museum ganz weit oben und das ganz zu Recht. Wenn auch noch relativ neu in der Liste der Sehenswürdigkeiten der mittelalterlichen Stadt, so ist es doch seit seiner Eröffnung im Jahre 2000 zu einer festen Größe unter den Attraktionen geworden. Nicht nur während der Adventszeit, sondern das ganze Jahr hindurch ist Weihnachten ein Thema in Rothenburg ob der Tauber. Dafür hat die Firma Käthe Wohlfahrt mit ihren weltberühmten Weihnachtsläden gesorgt. In einem dieser Weihnachtsläden und zwar dem größten, dem Weihnachtsdorf in der Herrngasse, befindet sich im Obergeschoss das Deutsche Weihnachtsmuseum.

 Der Museumseingang - Copyright: : Deutsches Weihnachtsmuseum

Der Museumseingang – Copyright: : Deutsches Weihnachtsmuseum

Der Eingang zum Museum befindet sich innerhalb des Weihnachtsdorfes und ist sehr leicht zu finden, wenn man denn will. Allerdings vermute ich, dass einige die nach dem Museum fragen gar nicht ins Museum wollen, sondern es eher um den Laden geht. „Ich möchte unbedingt noch ins Weihnachtsmuseum.“ hört sich einfach besser an als „Ich möchte unbedingt noch in den Weihnachtsladen“.

Das halte ich jedoch für einen Fehler, denn um das „Fest der Liebe“, das Christkind, den Weihnachtsmann, Sankt Nikolaus, den Weihnachtsbaum samt des gesamten Schmucks und Brauchtums gibt es so viel Wissenswertes. Schon allein die Frage seit wann wir Weihnachten Ende Dezember feiern und warum, können wahrscheinlich die wenigsten beantworten. Diese und noch viele andere Fragen werden im Museum beantwortet. Übrigens ist ein Besuch im Deutschen Weihnachtsmuseum bei 30 Grad im Schatten gar keine so schlechte Idee wie es sich vielleicht anhört. Denn erstens gibt es natürlich eine Klimaanlage und zweitens ist es bei weitem nicht so voll wie während der Adventszeit. Es ist also zu jeder Jahreszeit einen Besuch wert.

Weihnachtsmann - Copyright: Deutsches Weihnachtsmuseum

Weihnachtsmann – Copyright: Deutsches Weihnachtsmuseum

Übrigens hat das Museum den Antrag gestellt, die Weihnachtlichen Gabenbringer als immaterielles Kulturerbe in Deutschland in das Verzeichnis der UNESCO aufzunehmen. Bei Interesse können Sie den Antrag auf der Internetseite www.weihnachtsmuseum.de unterstützen.

 

Wenn Sie jetzt denken, „Das ist ja alles an einem Tag gar nicht zu schaffen“ haben Sie absolut Recht. Aber auch dafür ist gesorgt und gibt es in Rothenburg natürlich jede Menge ausgezeichnete Hotels, Pensionen, Ferienwohnungen, eine Jugendherberge und ein Online-Buchungssystem der Stadt. Übrigens liegen nicht nur sehr viele dieser Unterkünfte in bzw. um die Altstadt, sondern haben auch ausgezeichnete Bewertungen auf den verschiedenen Buchungsportalen.

Nun hat unsere romantische mittelalterliche Altstadt nicht annähernd eine solche Bar- und Nachtclubdichte wie Ibiza oder Ballermann zu bieten, trotzdem ist natürlich auch am Abend etwas in der Stadt geboten.

Ein Grund etwas länger zu bleiben!

Eine der Institutionen in unserer schönen Stadt ist der Rothenburger NachtwächterRothenburger Nachtwächter, Portrait An (fast) jedem Abend findet ein öffentlicher Rundgang statt, bei dem sich jeder anschließen darf. Natürlich wird dafür ein kleiner Obolus (6,- Euro) fällig, denn auch Nachtwächter leben nicht von Luft und Liebe alleine. Am besten findet man sich bis um 21:30 (auf Englisch um 20:00) Uhr am Marktplatz ein, denn dort beginnt der Rundgang. Auf unterhaltsame und gleichzeitig informative Art wird sowohl die Stadtgeschichte, als auch dieser unehrbare Beruf vorgestellt. Wie in der (nicht so) guten alten Zeit geht der Nachtwächter seine Runde bei jedem Wind & Wetter. Dann allerdings mit weit weniger Gästen als an schönen Abenden. Da sind es nicht selten 100 Gäste oder mehr die dem nächtlichen Rufer lauschen. Das funktioniert übrigens erstaunlich gut, denn der Lärm und Verkehr ist dann fast gänzlich verschwunden. Ein gemütlicher Spaziergang durch die stimmungsvoll beleuchteten Gassen der Altstadt sind für mich die schönsten Stunden, die man in Rothenburg verbringen kann. So ist es auch nicht verwunderlich, dass diese Aktivität bei Tripadvisor direkt nach Altstadt und Stadtmauer an dritter Stelle kommt (Stand: Sep. 2015).

Nachtwächter - ©Rothenburg Tourismus Service, W. Pfitzinger, Exkl

Nachtwächter – ©Rothenburg Tourismus Service, W. Pfitzinger, Exkl

Das Ganze noch garniert mit einem Gläschen Frankenwein in einer unserer gemütlichen Weinstuben krönt den Besuch und schon fühlt man sich wie Gott in FRANKEN.

Klein kann ganz schön groß sein!

„Der Schein trügt!“ zumindest im Falle von Rothenburg ob der Tauber. Unsere im Vergleich zu anderen Städten, so kleine Stadt mit gerademal ca. 11.000 Einwohnern hat viel mehr zu bieten als die Meisten denken. Es ist auch bei weitem nicht so überlaufen wie angenommen wird. Vor allem nicht abseits des Marktplatzes wie zum Beispiel entlang des Turmweges, an den Orten der Stille und am Abend. Was mich an dieser Stadt so begeistert ist, die enorme Dichte und Vielfalt von großen und kleinen Sehenswürdigkeiten auf einer relativ geringen Fläche. Klein kann manchmal ganz schön groß sein.

Vielleicht sehen wir uns ja mal auf einem meiner abendlichen Gänge durch die Stadt als Nachtwächter. Allerdings bin ich zumeist mit kleinen privaten Gruppen unterwegs, das ist romantischer. Kommen Sie doch mal vorbei, wenn Ihnen der Sinn danach steht.

Rothenburger Nachtwächter - H.Ernst Copyright: H.Ernst

Rothenburger Nachtwächter – H.Ernst
Copyright: H.Ernst

Harald Ernst

Bin ich ein Rothenburger? JAIN! Meine Wurzeln liegen nur 15 km von Rothenburg entfernt. Brettheim, früher ein Teil des Stadtgebietes der Reichsstadt mit ca. 180 Dörfern, liegt heute in einem anderen Bundesland (BW). Das erklärt, weshalb ich mich als Rothenburger fühle, inzwischen auch in der Altstadt lebe, aber nicht wie ein Rothenburger klinge. Ich bin ein Hohenloher mit entsprechendem Dialekt (wenn ich will oder darf) und habe mich während meines Zivildienstes (1990/91) in der Jugendherberge in die Stadt verliebt. Außerdem habe ich mich durch die Gäste aus aller Welt inspirieren lassen und das Reisen für mich entdeckt. Menschen, Länder, Abenteuer lassen mich immer wieder meine Koffer packen. Doch genauso gerne kehre ich immer wieder zurück in diese besonders schöne Stadt. Aus Hobby wurde Beruf. Bereits 1993 kam ich zur Gästeführerei. Im Jahr 2000 habe ich mit einem Freund ein Reiseunternehmen gegründet und bin seit dem selbstständiger Stadtführer, Reiseleiter und Driverguide für Gäste aus aller Welt im In- und Ausland. Doch mein Schwerpunkt ist und bleibt Rothenburg ob der Tauber. Hier kenne ich mich am besten aus. Hier bin ich Zuhause.

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Orte der Stille und „Stille Örtchen“ in Rothenburg ob der Tauber

Was braucht der Mensch zum glücklich sein?

Diese Frage kann wohl nur jeder für sich selbst beantworten. Ich für meinen Teil mag sowohl das Laute als auch das Leise. Den Trubel ebenso wie die Stille. Alles zu seiner Zeit. Aber eins sollte auf jeden Fall immer in der Nähe sein und zwar ein stilles Örtchen. Was hilft mir die schönste Stadt, wenn ich sie nicht genießen kann, weil ich mit etwas ganz anderem beschäftigt bin. Oder wie ich vor Führungen zu sagen pflege: Wenn es unten drückt, kann man oben schlecht zuhören. Deshalb möchte ich mich in diesem Beitrag mit zwei wichtigen Orten in Rothenburg beschäftigen. Orte der Stille und „Stille Örtchen“.

Oasen der Ruhe

Am verlängerten Pfingstwochenende war in Rothenburg mal wieder richtig was los. Das Festspiel „Der Meistertrunk“  zog Gäste aus nah und fern in unser wunderschönes mittelalterliches Städtchen. 55.000 Besucher sollen es gewesen sein. Wirklich beeindruckend und das bei nicht optimalem Ausflugs- und Feierwetter. Da war für alle was dabei. Für ALLE, die es gerne haben wenn was los ist. Aber hat Rothenburg ob der Tauber, eines der touristischen Schwergewichte in Deutschland, auch an solchen Tagen was für Menschen zu bieten, die Ruhe und Romantik suchen? Die Antwort lautet ganz eindeutig: JA!

Obwohl es sich viele nicht vorstellen können, die nur kurz in der Stadt sind oder extra zu solchen Großveranstaltungen kommen, gibt es jede Menge Oasen der Ruhe. Um diese zu finden bedarf es noch nicht einmal weiter Wege, oder besonderer Anstrengungen. Häufig genügen ein aufmerksamer Blick und ein paar Schritte in ein schmales Gässchen. Es gibt so viele davon, in und um die Altstadt verteilt, dass ich hier gar nicht alle erwähnen kann. Aber meine derzeitigen Favoriten möchte ich nun kurz vorstellen und lade herzlich dazu ein, diese zu besuchen.

Warum in die Ferne schweifen, wenn …

Häufig eine meiner ersten Stationen auf meinen Führungen und ein Gässchen das nun wirklich jeder ganz leicht finden kann, führt direkt auf den Marktplatz von Rothenburg. Zentraler geht es nicht. Trotzdem sucht man vergeblich nach der Gasse im Straßenverzeichnis der Stadt, denn dieses so malerische Gässchen hat keinen Namen. Parallel zur Hafengasse führt diese Gasse neben dem Restaurant „Ratsstube“ in Richtung Kapellenplatz. Etwa auf halber Strecke lädt seit 2014 ein kleines Bänkchen zum Verweilen ein. Manchmal, aber wirklich nur manchmal, huscht ein Rothenburger durch das Gässchen ohne Namen, oder findet ein Gast den ganz besonderen Blick auf Marktplatz, Rathaus und Rathausturm. Dieses so genannte „Junge Schar Bängler“  hat übrigens seine ganz eigene Geschichte, wie mir der Spender B. Babel an Ort und Stelle berichtete.

Harmonie hinter Mauern

Keine 3 Minuten geht man vom Marktplatz, vorbei an Sankt Jakob, zum ehemaligen Dominikanerinnenkloster. Es gilt nur den Beschilderungen für unser Reichsstadtmuseum  zu folgen, denn dieses ist heute in dem ehemaligen Kloster untergebracht. Direkt an das Museum angeschlossen liegt der Klostergarten, welcher hinter Mauern versteckt von April bis November tagsüber durch ein großes Tor in der Klostergasse oder eine Tür vom Klosterhof aus betreten werden kann. An keinem anderen Ort in der Stadt, außer vielleicht im Burggarten, findet sich eine schönere Harmonie von Kultur und Natur einerseits sowie Gästen und Rothenburgern andererseits. Immer wieder finden Einheimische den Weg in den Klostergarten und genießen die Stille auf einer der vielen Bänke. Selbst die gelegentlichen Gruppen, die von Gästeführern durch dieses Kleinod geführt werden, stören nicht die Ruhe. Ganz im Gegenteil. Ich selbst lausche gelegentlich den Erklärungen meiner Kolleginnen und Kollegen zum klösterlichen Leben und dem angelegten Heilkräutergarten.  Ganz besonders zu empfehlen ist ein Besuch im Juni, wenn die vielen Rosen im Klosterhof und Klostergarten blühen.

Der kleine Unterschied

Jeder Gast der Stadt kommt auf den Marktplatz. Die allermeisten finden auch noch das bekannte „Weihnachtsdorf“ der Firma Käthe Wohlfahrt  in der Herrngasse. Schon weitaus weniger schaffen es bis an das Ende der Herrngasse, ganz im Westen der Stadt und durch das Burgtor in den Burggarten. Wer dann noch weiter in dieser Richtung geht, findet auf der linken Seite, hinter einem orangenen Gartenhaus versteckt, eine weitere Insel der Ruhe und gehört damit zur absoluten Crème de la Crème der Besucher Rothenburgs. Nach meiner Schätzung finden gerade mal 1-2 Prozent das Barockgärtchen mit einem der schönsten Blicke von der Stadt auf die Stadt. Hier kann man im Sommer stundenlang ungestört sitzen und sich auf der Mauer mit Blick über das Taubertal auf die südliche Altstadt in seinen Träumen ganz verlieren. Gerade diese Lage der historischen Stadt, angeschmiegt an das Tal der Tauber, macht für mich den kleinen, aber feinen Unterschied zu anderen wunderschönen historischen Städten entlang der Romantischen Straße aus.

 

Der Stadtbote (H. Ernst) im Burggarten (copyright: H. Ernst / E. Schmitz)

Der Stadtbote (H. Ernst) im Burggarten (copyright: H. Ernst / E. Schmitz)

Der perfekte Übergang

Viel schöner als an dieser Stelle im Burggarten geht es für mich nicht in Rothenburg. Aber irgendwann heißt es Abschied nehmen von dieser Oase der Ruhe. Da die meisten unserer Gäste mit Bus oder Pkw anreisen geht es für viele von hier aus über die  Schmiedgasse zum Großparkplatz P1. Dieser Weg führt nochmals ein einem wunderbaren Plätzchen in der Altstadt vorbei. Dies ist nicht nur ein wunderbarer Übergang von der Städtereise zurück in den Alltag, sondern auch von dem einen Thema zum Anderen.

Das Maß ist voll

Die Gasse „An der Eich“ liegt direkt südlich vom ehemaligen Johanniterkloster, in dem inzwischen das Mittelalterliche Kriminalmuseum untergebracht ist und der Kirche St. Johannis. Vor allem das Museum zieht sehr viele Besucher an. Übrigens ganz zu Recht, denn es ist das Größte seiner Art in ganz Deutschland. Die Gasse ist sehr zentral und leicht zu finden. Von Süden auf der „unteren Schmiedgasse“ kommend, eine der touristischen Hauptachsen in Rothenburg, biegt man direkt vor der Kirche mit ihrem vorgelagerten Brunnen links ab. Oder vom Marktplatz auf der „oberen Schmiedgasse“ kommend nach dem Brunnen rechts. Sofort wird der Trubel weniger und der Blick kann über das Taubertal schweifen. Im Sommer ist das Plätschern vom Brunnen zu hören. Aber nicht nur das. Erst 2014 wurde eine Freifläche unterhalb des Brunnens umgestaltet und in eine dieser Oase geschaffen. Bänke laden die Großen zum Ausruhen und ein kleiner Wasserlauf die Kleinen zum Spielen ein. Ganz in der Nähe gibt es eine Quelle, die sehr viel Wasser spendet. Diese Quelle liegt heute unzugänglich im Keller eines Hauses im Alten Stadtgraben Nr. 10. Vielleicht ist diese wasserreiche Quelle der Grund weshalb früher in der Gasse „An der Eich“ die Bier- und Weinfässer geeicht wurden. Zumindest trägt diese Gasse deshalb ihren Namen. Hier wurde also schon früher viel Wasser gelassen. Ein Platz mit Tradition für ein Hundeklo. Wir Menschen müssen allerdings noch etwas weiter gehen.

Ein stilles Örtchen für Hunde. An der Eich.

Ein stilles Örtchen für Hunde. An der Eich.

„Stille Örtchen“ in Rothenburg ob der Tauber

Eine gute Nachricht gleich zu Anfang. Die öffentlichen Toiletten in Rothenburg sind kostenlos. Ein toller Service der Stadt, wie ich finde. Allerdings sind die Bedürfnisanstalten nicht immer leicht zu finden. Zum Glück haben wir Informationtafeln mit Stadtplänen und entsprechenden Hinweisen, wo man sich erleichtern kann.

Stadtplan mit öffentlichen Toiletten

Stadtplan mit öffentlichen Toiletten

Innerhalb der Stadtmauer gibt es die Gelegenheit zum Wasserlassen nur am Grünen Markt, zwischen Rathaus und St. Jakob, sowie am Schrannenplatz (Nördliche Altstadt). Dazu kommen natürlich Toilettenhäuschen an allen großen Parkplätzen. Die allerdings manchmal leider etwas überlastet sind. Vor allem wenn mehrere Busse gleichzeitig ankommen. Dies kann immer mal wieder am P1 vorkommen. Dagegen ist das Stille Örtchen im Burggarten immer eine gute Adresse.

Wenn es mal schnell gehen muss, sind auch die meisten Restaurants, auf freundliche Nachfrage bereit, einem den Weg zu den hauseigenen  Einrichtungen zu weisen. In einem solchen Fall fände ich es dann ganz nett die Dankbarkeit durch einen geringen Geldbetrag auszudrücken.

Die Krönung

ist es natürlich, wenn jemand beides direkt vor der Haustür hat. Einen Ort der Stille mitten in der Altstadt von Rothenburg und ein Stilles Örtchen. Zu diesen Glücklichen zähle ich. Nicht nur, dass alle beschrieben Oasen der Ruhe von meiner Wohnung in maximal 5 Minuten zu Fuß zu erreichen sind. Es geht noch besser. Der Hinterhof vom Kirchplatz 2 ist, seit sich meine Freundin darum kümmert, unser kleines persönliches Paradies der Stille. Was für ein Glückspilz ich doch bin!

Mein Hinterhof und privater Ort der Stille

Mein Hinterhof und privater Ort der Stille

Harald Ernst

Bin ich ein Rothenburger? JAIN! Meine Wurzeln liegen nur 15 km von Rothenburg entfernt. Brettheim, früher ein Teil des Stadtgebietes der Reichsstadt mit ca. 180 Dörfern, liegt heute in einem anderen Bundesland (BW). Das erklärt, weshalb ich mich als Rothenburger fühle, inzwischen auch in der Altstadt lebe, aber nicht wie ein Rothenburger klinge. Ich bin ein Hohenloher mit entsprechendem Dialekt (wenn ich will oder darf) und habe mich während meines Zivildienstes (1990/91) in der Jugendherberge in die Stadt verliebt. Außerdem habe ich mich durch die Gäste aus aller Welt inspirieren lassen und das Reisen für mich entdeckt. Menschen, Länder, Abenteuer lassen mich immer wieder meine Koffer packen. Doch genauso gerne kehre ich immer wieder zurück in diese besonders schöne Stadt. Aus Hobby wurde Beruf. Bereits 1993 kam ich zur Gästeführerei. Im Jahr 2000 habe ich mit einem Freund ein Reiseunternehmen gegründet und bin seit dem selbstständiger Stadtführer, Reiseleiter und Driverguide für Gäste aus aller Welt im In- und Ausland. Doch mein Schwerpunkt ist und bleibt Rothenburg ob der Tauber. Hier kenne ich mich am besten aus. Hier bin ich Zuhause.

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Valentin 2015 – Ein romantisches Wochenende

An Valentinstag stellt sich oft die Frage: Was schenke ich, was meine Partnerin oder mein Partner nicht schon hat und was machen wir an diesem besonderen Tag der Liebe überhaupt? Wer nicht wieder ins gleiche Restaurant um die Ecke gehen will und seiner Liebsten oder seinem Liebsten ein besonderes Erlebnis schenken möchte, entscheidet sich für einen romantischen Kurzurlaub zu zweit. Gerade in diesem Jahr bietet sich ein Urlaub wunderbar an, denn der  Valentinstag fällt auf einen Samstag. Bleibt also nur noch die Frage nach einem geeigneten Ziel. Denkt man an romantische Kurzurlaube kommen einem schnell Ziele wie Paris, Venedig oder Rom in den Sinn. Wem solche Städte aber viel zu groß und voll sind wird eine Reise dorthin selten als romantisch empfinden und sucht eher nach alternativen  Zielen für das Wochenende.

Rothenburg mit seiner historischen Altstadt oberhalb des wunderschönen Taubertals ist zu jeder Jahreszeit eine Reise wert. So lädt die Stadt immer zu einem schönen Spaziergang durch die Gassen der Altstadt oder die Natur rund um die Stadt ein. Wer aber am Valentinswochenende nach Rothenburg kommt, dem bietet die Stadt ein paar ganz besondere Momente und Highlights.

Dies beginnt schon bei der Unterkunft für das gemeinsame Wochenende. Einige Hotels bieten ihren Gästen ein besonderes Valentinspaket an. So erwartet die Gäste auf ihren Zimmern Rosen, ein leckerer Kuchen in Herzform oder eine persönliche Liebesbotschaft. Am Abend gibt es natürlich den Klassiker: ein Mehrgänge Candle Light Dinner. Viele Romantiker kommen hier bereits voll auf ihre Kosten. Wem das aber nicht reicht kann über die Angebote der Hotels hinaus noch einiges mehr entdecken.

Da Liebe bekanntlich durch den Magen geht können Paare sich auch selbst am Herd betätigen und einen Kochkurs besuchen. Gemeinsam wird ein Menü für Turteltauben gekocht und anschließend natürlich auch gemeinsam verspeist. Sinn und Sinnlichkeit kann aber auch bei einem dreistündigen Paarmassagekurs erlebt werden.

Für aktive Romantiker gibt es die Möglichkeit, sich bei heißen Rhythmen während eines Tanzkurses näher zu kommen oder auf den Spuren der Liebe durch die Stadt geführt zu werden. Dabei erkundet man nicht nur Rothenburgs historische Altstadt sondern erfährt auch mehr über die Liebe in den verschiedenen Jahrhunderten.

Auf den Spuren der Liebe
Ebenfalls an der frischen Luft aber mit weniger eigener Betätigung ist die romantische Fahrt im Zweispänner – bei Schnee sogar im Pferdeschlitten- und damit keiner bei kalten Temperaturen frieren muss bekommen die Gäste nicht nur eine Decke unter der man sich zusammen kuscheln kann sondern auch einen wärmenden Picknick-Korb.

Zweispänner für einen romantischen Ausflug

Aber was wäre ein Kurzurlaub ohne einen Einkaufsbummel durch die Geschäfte? Auf jeden Fall nur halb so schön. Denn auch hier haben sich einige Einzelhändler etwas ganz besonderes einfallen lassen. So wird die Möglichkeit geboten den Ehering aufzupolieren oder eine extra angefertigte Valentinspraline für die Liebste oder den Liebsten zu kaufen.

Original Rothenburger Valentinspraline

Ein Wochenende voller Highlights für verliebte Paare, an dem wohl jeder seine ganz persönliche „Romanze an Valentin“ erleben kann!

 

Rothenburg ob der Tauber: Die Märchenstadt

 

Als Stadt an der „Romantischen Straße“ wirbt Rothenburg, das fränkisch mittelalterliche Kleinod, seit langem für Romantik als etwas Wunderbares.

Rothenburg liegt zwar fernab der deutschen Märchenstraße, aber die neu eingeführte Veranstaltungsreihe Rothenburger Märchenzauber gewinnt immer mehr Zuspruch. Für meine Begriffe zu Recht, kann man sich so manches Märchen doch in den Rothenburger Gassen authentisch vorstellen, auch weil viele Märchen im Mittelalter ihren Ursprung haben. So wundere ich mich, dass meine zauberhafte Stadt oberhalb der Tauber nicht viel früher das Thema Märchen aufgegriffen hat.

Märchenzauber 2

Gerade die oft mystische Novemberstimmung vermittelt in den kopfsteingepflasterten Gassen und Gässlein mit den vielen Türmen und Türmchen und der prächtig erhaltenen Stadtmauer ein eindrucksvolles Märchengefühl. Die Bezeichnung Märchenfeeling verkneife ich mir an dieser Stelle.

Seit nunmehr drei Jahren wird immer Anfang November für etwa zehn Tage ein bunter Märchenreigen inszeniert. So gibt es tägliche Märchen“ver“führungen zum Beispiel in die Kellerräume des Reichstadtmuseum oder in die Heiltumskammer der Jakobskirche. Neben der Märchenstube im Hegereiterhaus darf man sich über märchenhafte Familienführungen freuen ebenso wie über musikalische Lesungen oder Märchenstunden für Kindergartengruppen oder Schulklassen. Gespensterbackaktionen, Schattentheater, Dichterwettstreite (Poetry Slam) und Stummfilmmärchen mit Live Musikbegleitung ergänzen den Märchenzauber.

Märchenzauber 4

Die Rothenburger Gastronomiebetriebe, der Einzelhandel und der Stadtmarketingverein runden den Märchenbummel durch Märchenrätselgewinnspiele und kulinarische Stadtrundgänge ab.

So wird Rothenburg als Märchenstadt zu Recht immer mehr zum Erlebnis für die ganze Familie: nicht nur für Besucher, nicht nur an Weihnachten, sondern auch für die einheimische Bevölkerung, wer es mag das ganze Jahr über, besonders intensiv und märchenhaft immer in der ersten Novemberdekade.

Märchenzauber 1

 

Märchenstadt Rothenburg bei Youtube

Georg Reifferscheid

Mein Name ist Georg Reifferscheid. Ich bin passionierter Ballonfahrer und veranstalte in Rothenburg ob der Tauber tägliche Ballonstarts aus dem Taubertal. Seit 1987 bin ich Hobbyballonfahrer, seit 1991 Ballonlehrer und seit 1993 hauptberuflicher Ballonpilot. Im Jahr zuvor, Ende 1992, gründete ich mit „Happy Ballooning“ das erste Luftfahrtunternehmen mit Ballonen in Nordbayern. Unser Startplatz in Rothenburg befindet sich direkt unterhalb der Altstadt an der Tauber. Bevor ich mein Hobby zum Beruf machte, war ich nach Abschluss meines Studiums an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung als Kriminalbeamter bei einer Spezialeinheit, einem Mobilem Einsatzkommando in Köln tätig. Anschließend als Sachbearbeiter für Raub und Fahndung bei der Kripo in Bonn. Am Ballonfahren reizt mich vor allem, im Luftmeer lautlos einem unbekannten Ziel entgegen zu gleiten. Mich fasziniert die Freiheit, über den Dingen zu schweben. Am liebsten bin ich ganz nah dran an der Altstadt von Rothenburg und der abwechslungsreichen Landschaft des Taubertals, der Frankenhöhe, der Hohenloher Ebene, des Aischtals, des Vorbachs oder des Jagst- und Kochertals. In jeder Himmelsrichtung ein neues Abenteuer! Dabei hat jede Jahreszeit ihren eigenen Reiz und lädt zum Fotografieren ein.

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Der „Rad’sherr“ im Taubergrund – Historie im Zeichen des Fortschritts.

Inmitten des Taubermühlenweges im Taubergrund und seiner Nebenbäche, der sich auf wenige Kilometer von Wettringen bis Tauberzell an der Grenze zu Baden-Württemberg gelegen erstreckt, kann man im mittleren Abschnitt des Rothenburger Mühlenwegs zwei Dutzend Mühlen wie die Roßmühle, die Steinmühle und die Herrnmühle entdecken.

Ich möchte Euch heute die Untere Walkmühle im romantischen Rothenburger Ortsteil Detwang etwas näher bringen. Deren Eigentümer und Betreiber ist Familie Uwe Schubert. Unsere Familie Schubert ist auch bekannt durch ihr langjähriges erfolgreiches Mitwirken in der historischen Gruppe “Die Feldschmiede“ im Rothenburger Verein das Historische Festspiel „Der Meistertrunk“.

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Bei dem Mühlengebäude handelt sich um ein anerkanntes Baudenkmal, welches im Kern im 15./16. Jahrhundert errichtet und im 18. Jahrhundert umgebaut wurde. Ursprünglich wurde sie tatsächlich als Walkmühle betrieben, was bedeutet, dass die Mühle bereits seit dem Hochmittelalter als Vorrichtung zur Bearbeitung, Verdichtung und Veredelung von Geweben eingesetzt wurde. Die Gewässerbenutzung ist dort somit bereits seit mehreren Jahrhunderten nachgewiesen.
Bei der Unteren Walkmühle handelt es sich um ein sogenanntes Ausleitungskraftwerk, d. h. die Tauber wird mittels einer Wehranlage aufgestaut. Von dieser Anlage zweigt dann der Mühlbach (teilweise durch Gewölbe getunnelt) ab, welcher das Kraftwerk mit Wasser versorgt, um anschließend wieder im ursprünglichen Flusslauf zu münden.

Heute wird die Mühle als Wasserkraftanlage für die sinnvolle und umweltverträgliche saubere Nutzung der natürlichen Wasserkraft betrieben. (Thema: Energiewende).

Uwe erzählt weiter dazu:
In „historischen Tagen“ war ein wichtiger Wirtschaftsfaktor Rothenburgs die damals bestehende Mühlendichte im Taubertal. Fast zeitgleich mit der Katastrophe in Fukushima, welche die deutsche Energiewende ja maßgeblich beschleunigt hat, hatten wir uns entschlossen, die Triebwerksanlage unserer Mühle grundlegend zu modernisieren und für das zeitgemäße Erzeugnis erneuerbarer Energie zu nutzen. Hierbei haben wir hauptsächlich in Eigenregie in einer 15monatigen Bauphase die traditionelle Mühlentechnik in Form eines “Wasserrads“ mit zeitgemäßen Materialien und modernster technischer Steuerung und Mechanik verbunden. Somit ist wie beim Festspiel die Traditionspflege und moderne Weiterentwicklung vereint.

Freundschaft unter Festspielern; Bezug zur Festspielgruppe:

Da das Wasserrad komplett in Metallbauweise errichtet wurde, besteht auch hier ein Zusammenhang zur Metallverarbeitung bei der Feldschmiede.

Das Projekt wäre ohne die Hilfe befreundeter Festspieler nicht möglich gewesen. Mein Schilligsfürster Schmiedekollege Volker Mahl und Andreas Kaiser aus Detwang (Spielmannszug) waren maßgeblich aus Verbundenheit zur Tradition und dem Erhalt der lebendigen Geschichte des Rothenburger Taubergrundes an den Arbeiten beteiligt. Somit: Festspiel vereint in Uniform und Zivil.

Das Wasserkraftwerk ist zwischenzeitlich fertiggestellt. Über die Homepage der Unteren Walkmühle, sowie Aufnahmen auf Youtube hat sich ein internationales Interesse an der Anlage ergeben. Familie Schubert hatte bisher Führungen für Ingenieure, Schulklassen und sogar Entwicklungshelfer.

Die Untere Walkmühle ein sehenswertes und interessantes Objekt im schönen Taubertal bei Rothenburg ob der Tauber. Schaut’s Euch an!

FWEingang1

FWHaus1

FWMuehlbach1

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Benjamin Babel

Mein Name ist Benjamin Babel. Ich wurde 1962 in Rothenburg ob der Tauber geboren. Nach der Schulzeit und der Ausbildung führten mich meine Wege als Journalist in alle Welt. Doch das Herz schlägt nun mal in der Heimat und so blieb ich mit meinem Rothenburg auch in der Ferne stets verbunden. Seit 2011 lebe ich wieder in Rothenburg ob der Tauber, direkt am Marktplatz. Vielleicht hat mich der ein oder andere Besucher übrigens schon einmal in den Medien gesehen.

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Storch trifft Biber – Flora und Fauna, die neuesten Sehenswürdigkeiten in Rothenburg ob der Tauber

Überraschung im Taubertal

Vor ein paar Wochen, so Anfang Mai, hatte ich eine Begegung, die ich nicht so schnell vergessen werde. Mein Freund Frank-Martin aus Hamburg ist ein seltener Gast, dem ich gerne besonders schöne Bereiche von Rothenburg zeige, um ihn häufiger in die Stadt zu locken. Wir machten deshalb einen Spaziergang durch das märchenhafte Gelände des so genannten Wildbades, hinunter zur Tauber. Ich bin so schon immer ganz verzaubert von der Magie dieses Platzes, abseits des Trubels, aber als dann plötzlich auch noch ein Biber auftauchte, war es um mich geschehen. Was diese fränkische Kleinstadt alles zu bieten hat fasziniert mich immer wieder. Natur & Kultur in direkter Nachbarschaft.

Biber in Franken gesucht und gesichtet

Meister Bockert, wie der Biber als Fabelwesen genannt wird, symbolisiert „Fleiß“ und so war er auch nicht lang zu sehen, sondern bald wieder im Uferbewuchs verschwunden. Einige Tage später haben Bekannte ihn noch einmal in der Nähe der Schmelzmühle / Schandtauber gesichtet. Seit dem ist er verschollen. Bei meinen Recherchen wurde mir von einem Biber erzählt, der im Taubertal wohl unter die Räder gekommen ist. Das wäre sehr schade, ist aber zum Glück nicht sicher, oder wir haben mehr als einen Neurothenburger. Sollte jemand von Ihnen, geschätzte Leser, mehr wissen oder einen Biber in der Nähe von Rothenburg sichten, würde ich mich sehr über eine Nachricht freuen.

Störche beziehen Penthouse in der Mittelalterlichen Stadt

Aber nicht nur Biber haben von dieser sehenswerten Stadt in Franken gehört. Nach vielen Jahren,  bis in die Siebziger Jahre waren immer wieder Paare hier, haben sich erneut Störche in der Altstadt angesiedelt. Bereits im letzten Jahr hatte sich ein Storchenpaar bei einem Kurzurlaub in Rothenburg ob der Tauber nach einer geeigneten Unterkunft umgesehen und wurde dabei auf dem Glockenturm der Franziskanerkirche fotografiert

Ob dies der Auslöser war für den Bau von gleich zwei geeigneten Nistplätzen innerhalb der Altstadt in diesem Jahr konnte ich leider nicht herausfinden. Fakt ist, dass die beiden neu gebauten Penthäuser sofort bezogen wurden. Um eines der Nester sollen sich sogar 3 Storchenpaare gleichzeitig beworben haben. Dabei ist sonst der Wohnungsmarkt im Zentrum unserer historischen Stadt relativ entspannt. Aber Wohnungen mit besonderer Aussicht sind eben besonders gefragt.

 Zimmer mit Aussicht – Der Markusturm

Der Markusturm, inzwischen Sitz unseres Stadtarchives, ist als Teil der 1. Stadtmauer und ehemaliges Stadttor ohnehin eine der Sehenswürdigkeiten Rothenburgs. Doch nachdem Anfang des Jahres Mitarbeiter der Stadt den Traum einer Storchenwohnung auf den Dachfirst gebaut haben, zieht der Turm noch mehr Blicke auf sich. Ende März / Anfang April wurde das Nest bezogen und das Ehepaar Adebar hat sich offensichtlich in ihrem Zimmer mit Aussicht sehr wohl gefühlt. Inzwischen ist das Familienglück anscheinend mit Drillingen gesegnet worden. Ganz sicher ist diese Information jedoch nicht. Mal wird mir von Zwei, mal von angeblich vier Jungvögeln erzählt. Bilden Sie sich selbst eine Meinung. Herr Reifferscheid von Happy Ballooning hat diese wunderschönen Fotos erst kürzlich aufgenommen.

Taubertalblick

Das zweite Nest in der Altstadt befindet sich auf einem Wohnhaus an der Südseite der Franziskanerkirche und dürfte einen traumhaften Blick ins Taubertal bieten. Auf der Spitze des östlichen Giebels, des so genannten „Teichert-Hauses“, ist das Storchennest relativ gut zu sehen, wenn man sich in westlicher Richtung (vom Kriminalmuseum kommend) auf der Burggasse nähert. Auch in dem von Herrn H. Wohlfahrt privat finanzierten Vogelheim haben Jungstörche das Licht der Welt erblickt. Es sollen Zwei sein und damit stehen die Aussichten sehr gut, auch in den kommenden Jahren diese beeindruckenden Tiere immer wieder in Rothenburg o.d.T. und der Region begrüßen zu dürfen.

foto. hernst Storch

Über den Dächern von Rothenburg o.d.T.

Die Stadt hat aber noch viel mehr für Ornithologen oder Freunde von Flugtieren zu bieten. Die vielen Türme und Dachstühle bieten ausgezeichnete Nistgelegenheiten für Turmdohlen und Turmfalken. Auch Mauersegler soll es in Rothenburg geben. Ganz zu schweigen von den einzigen fliegenden Säugetieren, den Fledermäusen, die immer wieder zu sehen sind. Manchmal sogar besser als einem lieb ist. So bot sich mir zum Beispiel an einem Sommerabend vor 2 Jahren, als ich nach einer Nachtwächterführung in meine Wohnung kam, ein ganz besonderes Schauspiel. Ich hatte die Fenster offen gelassen und dies empfanden ein wildes Dutzend Fledermäuse als tolle Gelegenheit mir einen Besuch abzustatten. Es hat ihnen anscheinend sehr gut gefallen, denn ich hatte noch tagelang damit zu tun sie wieder aus meiner Wohnung zu entfernen. Da beobachte ich doch lieber die Tauben, wenn sie an einem der vielen Brunnen von Rothenburg ihren Durst stillen.

Natur in der Stadt

Es ist aber nicht nur die Fauna, die ich als Sehenswürdigkeit empfinde und die unsere ohnehin schon schöne Stadt noch sehenswerter macht. Immer wieder höre ich wie sehr Besucher von der Blumenpracht in der Altstadt begeistert sind. So gibt es zum Beispiel eine Vielzahl von wunderschönen Rosenbüschen die überall in der Stadt zu finden sind. Hier nur eine kleine Auswahl davon.

Dann sind da noch jede Menge Gärten und Blumenkästen die zum großen Teil privat gepflegt werden. Dazu kommen noch die sehr engagierten Rothenburger Stadtgärtner, allen voran Herr Kühn, der uns Rothenburger Stadtführern nicht nur sehr kompetent die Flora des östlichen Teils des Burggartens näher brachte, sondern mich auch auf einige sonstige Raritäten aufmerksam machte. Unter anderem sind da ein Judasbaum und ein Blauglockenbaum zu nennen. Am besten hat mir aber, zumindest dem Namen nach, die Mädchenhaaresche im Burggarten gefallen.

Nun bin ich zwar viel mehr Historiker als Botaniker und meist komplett hilflos wenn ich nach dem Namen von dieser Blume und jenem Baum, womöglich auch noch auf Englisch, gefragt werde, aber genießen kann ich die Schönheiten der Flora und Fauna trotzdem und möchte abschließend noch eine alte Lebensweisheit loswerden.

Lieber ein Storch auf dem Dach, als Fledermäuse im Wohnzimmer.

Harald Ernst

Bin ich ein Rothenburger? JAIN! Meine Wurzeln liegen nur 15 km von Rothenburg entfernt. Brettheim, früher ein Teil des Stadtgebietes der Reichsstadt mit ca. 180 Dörfern, liegt heute in einem anderen Bundesland (BW). Das erklärt, weshalb ich mich als Rothenburger fühle, inzwischen auch in der Altstadt lebe, aber nicht wie ein Rothenburger klinge. Ich bin ein Hohenloher mit entsprechendem Dialekt (wenn ich will oder darf) und habe mich während meines Zivildienstes (1990/91) in der Jugendherberge in die Stadt verliebt. Außerdem habe ich mich durch die Gäste aus aller Welt inspirieren lassen und das Reisen für mich entdeckt. Menschen, Länder, Abenteuer lassen mich immer wieder meine Koffer packen. Doch genauso gerne kehre ich immer wieder zurück in diese besonders schöne Stadt. Aus Hobby wurde Beruf. Bereits 1993 kam ich zur Gästeführerei. Im Jahr 2000 habe ich mit einem Freund ein Reiseunternehmen gegründet und bin seit dem selbstständiger Stadtführer, Reiseleiter und Driverguide für Gäste aus aller Welt im In- und Ausland. Doch mein Schwerpunkt ist und bleibt Rothenburg ob der Tauber. Hier kenne ich mich am besten aus. Hier bin ich Zuhause.

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