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Rothenburg auf die Schnelle – Die größten Sehenswürdigkeiten

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Top 1-4 in 3-4 Stunden

Ankunft um 11:00 – Abfahrt um 14:30

Ausfahrt Rothenburg ob der Tauber an der A 7. Mal eben einen Kaffee am Marktplatz, etwas die Beine vertreten und dann geht es wieder weiter.

Schwer zu sagen wie lange die durchschnittliche Aufenthaltsdauer unserer Gäste ist. Eines ist sicher. Vielen bleibt nicht viel Zeit. Immer wieder erlebe ich wie Gruppen die übliche Stadtführungsdauer von 90 – 120 Minuten kürzen um wenigsten noch etwas Freizeit zu haben bevor die Reise weiter geht. „Hop on – Hop off“ durch Europa. Doch was sollte man sehen um Rothenburg gesehen zu haben? In einer kleinen Serie von Blogbeiträgen möchte ich die verschiedenen Sehenswürdigkeiten meiner Stadt vorstellen. Stück für Stück immer tiefer in das Herz dieser Perle des Mittelalters, oder in die Zeitmaschine Mittelalter, so wie ich die Altstadt von Rothenburg bezeichne.

Eine Begegnung der besonderen Art!

Vor ca. 2 Wochen war es mal wieder soweit. Eine Begegnung der besonderen Art.

Für eine große Reisegruppe mit über 100 Gästen aus Südostasien waren 3 x 2-stündige Stadtführungen bestellt. Ein Besuch des mittelalterlichen Kleinods an der Romantischen Straße incl. Mittagessen und das auf dem Weg von Füssen / Schloss Neuschwanstein nach Frankfurt a. M. Solch eine Reiseplanung ist üblich, wenn auch ambitioniert. Oder anders gesagt, für Viehtransporte durch Europa herrschen strengere Vorschriften. Vor allem wer schon einmal mit Gästen aus Südostasien zu tun hatte, die Uhren gehen dort etwas anders, wird sich nicht wundern wenn ich sagen, dass die Gruppe ca. 1 Stunde zu spät kam. Zum Ausgleich dafür wollten Sie aber wieder früher los, denn es war Freitagnachmittag und entsprechend viel Verkehr auf deutschen Autobahnen. Oh Wunder 😉 wer hatte das gedacht. So kam der Zeitplan etwas durcheinander und es musste etwas schneller gehen.

Auf dem Programm stand ein Besuch der St. Jakobskirche mit Besichtigung des Heiligblutaltares und was im Reiseprogramm steht wird auch gemacht. Das Reiserecht kennt da keine Gnade. Durch Streichung der 20-minütigen Freizeit für die Gäste, blieben für die Führung durch Rothenburg incl. Fußweg zum Busparkplatz und Toilettenpause 40 Minuten. Das ist schon ein recht sportliches Vorhaben wenn man alleine in der Stadt unterwegs ist, aber mit 35 Asiaten im Schlepptau eine echte Herausforderung. Erschwerend kam hinzu, dass nur die Hälfte Englisch verstand und alles noch auf Chinesisch übersetzt werden musste. Da heißt es ruhig zu bleiben und nur nicht stressen lassen.

Aber die Gäste waren in Rothenburg ob der Tauber!

Was muss man gesehen haben?

Wenn ich Menschen, die Rothenburg nicht kennen, die Empfehlung ausspreche, die Stadt einmal zu besuchen, dann kommt verständlicherweise die Frage was es dort zu sehen gibt. „Na die Stadt“ sage ich dann, auf was meist „Wie die Stadt?“ als irritierte Erwiderung folgt. Aber tatsächlich ist die Altstadt von Rothenburg bei Tripadvisor.de mit 1285 Topbewertungen die unangefochtene Nummer 1 von 37 Sehenswürdigkeiten in der Stadt. Auf Rang 2 kommt mit weniger als der Hälfte von Bewertungen die Stadtmauer. (Stand Nov. 2014) Die meisten anderen Sehenswürdigkeiten bringen es aktuell auf weniger als 100 Bewertungen. Wobei streng genommen würde ich die Stadtmauer als Teil der Altstadt sehen. Aber ich möchte hier nicht päpstlicher als der Papst sein und spreche deshalb die dringende Empfehlung aus. Nicht nur anschauen, sondern

Stadtmauer Stadtmauer_2

„Rauf auf die Mauer“!

Sich die Mauer nur anzuschauen ist keine Leistung, denn man kann unmöglich die Altstadt besuchen ohne die Mauer zu sehen. Schließlich geht diese auf einer Länge von ca. 3,5 Kilometer einmal komplett um die Stadt herum. Auf 60-70 % ist ein begehbarer Wehrgang, mit Zugängen an und zwischen den Stadttoren. Also ca. alle 200-300 Meter kommt man rauf oder runter. Der Aufstieg auf die Stadtmauer ist jederzeit kostenfrei möglich, erfolgt allerdings auf eigene Verantwortung. Die Mauer ist schließlich nicht für Touristen gebaut worden und auch nicht vom TÜV abgenommen. Seit diesem Jahr gibt es auch sehr gelungene Erklärungen entlang der Mauer. Der Turmweg ist im Frühjahr 2014 eröffnet worden und war bereits einmal Thema für einen Beitrag von mir. Siehe „Lohnende Umwege oder der neue Rothenburger Turmweg“

Stadtmauer am Dominikanerinnenkloster - Rothenburg o.d.T. - Foto: H. Ernst

Stadtmauer am Dominikanerinnenkloster – Rothenburg o.d.T. – Foto: H. Ernst

Alle Wege führen nach Rom!

So wie das Straßensystem im römischen Imperium auf das Zentrum ausgelegt war, funktionieren viele mittelalterliche Städte. Die Gassen von den Toren führen ins Zentrum.

In Rothenburg liegt zentral im Herzen der Altstadt der wunderschöne Marktplatz mit unserem beeindruckenden Rathaus. Übrigens ist dies an 4. Stelle der Sehenswürdigkeiten bei Tripadvisor. So viele Menschen können nicht irren. Wobei ich mich gerade frage, wie viele von denen, die das Rothenburger Rathaus als eine Topsehenswürdigkeit bewertet haben, wirklich in seiner gesamten Pracht und Vielfalt erfahren haben? Nicht nur, dass unser Rathaus schon alleine durch seine Größe für eine Stadt mit weniger als 11.000 Einwohnern sehr beeindruckend ist. Nein, es fügen sich auch noch drei bedeutende Baustiele zu einem Gesamtkunstwerk zusammen. Gotik – Renaissance – Barock.

Dieses Gebäude ist vielversprechend und hält noch mehr. So etwas findet man nicht so leicht.

Ein Gebäude das mehr hält als es verspricht!

Gerade wenn die Zeit knapp ist gibt es eine ausgezeichnete Möglichkeit die gesamte Altstadt zu sehen.

Rauf auf den Rathausturm!

Ein echtes Erlebnis, das mit einem fantastischen Blick über die Stadt, das Taubertal und weite Teile des Umlandes belohnt wird. Zugegeben, die ca. 220 Stufen setzen eine gewisse Fitness voraus und nicht nur das. Im oberen Teil geht es recht steil und eng zu, denn auch dieser Turm wurde ursprünglich nicht für Touristen gebaut. Sehr wohl aber als Aussichtsturm. Aus diesem Grund war er auch ständig von zwei Türmern besetzt. Die waren sicherlich sehr beweglich, denn es galt ja nicht nur auf den Turm zu kommen, sondern auch noch auf die umlaufende Plattform zu kommen und dazu sind schon leichte Gymnastische Übungen notwendig. Damit möchte ich sagen, dass der Rathausturm, so lohnend die Aussicht ist, nichts für Menschen mit Gehbehinderung oder Höhenangst ist. Für alle anderen schon. Allerdings gilt es zuvor den Zugang zum Turm zu finden. Dieser ist nicht wie man annehmen könnte direkt unter dem Turm, sondern im Dachstuhl des weißen gotischen Teils des Rathauses. Dort regelt ein Drehkreuz die Zahl der Turmbesteiger. Bevor dies vor ein paar Jahren angebracht wurde kam es regelmäßig zu Verstopfung. Es strebten ständig Menschen nach oben, ohne eine extra eingerichtete Ampelanlage zu beachten und behinderten damit den Abstieg der gehenden Gäste. Dann ging nichts mehr. In der Enge der Turmtreppe müssen sich verrückte Szenen abgespielt haben. Zum Glück sind diese Zeiten vorbei.

Stellt sich nur noch die Frage wie man bis zu diesem Drehkreuz kommt. Das ist relativ einfach. Über die wunderschöne Wendeltreppe des Renaissanceteils des Rathauses. Also einfach direkt vom Marktplatz den angesetzten Treppenturm betreten und dann bis ganz nach oben. Dann durch die einzige Tür und schon sieht man das Drehkreuz und hoffentlich sonst niemanden. Denn je mehr dort stehen umso länger ist die Wartezeit. 30 Minuten sollte man für die ganze Aktion mindestens einplanen. Also für die 100 Asiaten wäre das nichts gewesen.

Übrigens gibt es da noch zwei sinnvolle Dinge zu beachten bevor man den Gang nach oben antritt. Erstens empfehle ich mit einem Blick auf die Informationstafel am Beginn der Wendeltreppe zu prüfen, ob der Turm überhaupt geöffnet ist. Denn sonst ist nach der Hälfte des Weges Schluss und das wäre ärgerlich. Aber noch ärgerlicher und damit sind wir bei Zweitens, auf jeden Fall prüfen ob das Geld in der Tasche auch für den Eintritt reicht. Es ist nicht teuer, aber wird man kurz vor dem Ziel vom Türmer in seiner Turmstube wieder nach unten geschickt ohne auf die Aussichtsplattform zu kommen. Also ich würde mich über so etwas richtig ärgern.

Rathausturm Rothenburg o.d.T. ©Harald Ernst

Rathausturm Rothenburg o.d.T. ©Harald Ernst

Ein besonderer Anblick!

Nun noch zu etwas was Rothenburg-Kenner und Blogleser von den übrigen Besuchern unterscheidet. Ein Geheimtipp. Der Blick durch das Zentrum der Wendeltreppe ist wirklich etwas Besonderes. Es fasziniert mich immer wieder, mit welcher Genauigkeit die Steinmetze früher schon arbeiten konnten. Solch eine Demonstration der Kunstfertigkeit ist die Wendeltreppe des Rathauses. Wie das Innere eines perfekt geformten Schneckenhauses windet sich die Treppe Stufe für Stufe nach oben. Der Blick reicht bis hinauf zu der reich verzierten Decke des Treppenturms und zeigt dort das Zeichen der Macht. Wer Augen wie ein Adler hat kann es vielleicht schon von ganz unten erkennen, ansonsten empfehle ich einen Blick zur Decke wenn man oben angekommen ist.

Wendeltreppe Rathaus Rothenburg o.d.T. - Foto: H. Ernst

Wendeltreppe Rathaus Rothenburg o.d.T. – Foto: H. Ernst

Das Rathaus hat noch mehr zu bieten, aber wer Rothenburg nur mal auf die Schnelle besuchen möchte, hat eben nicht für alles Zeit.

Zum Abschluss!

Den Abschluss oder den Anfang, ganz wie man will, bildet der Burggarten. Auch hier gibt es einiges zu entdecken, mal ganz davon abgesehen, dass sich fantastische Ausblicke ins Taubertal und auf die Stadt bieten. Dieser Teil der Altstadt ist dann auch aktuell auf Platz 3 der Gästegunst bei Tripadvisor und damit ist ein erster Eindruck gelungen.

Anbieten würde sich natürlich auch noch etwas die besondere Atmosphäre innerhalb des Mauerrings auf sich wirken zu lassen. Dafür gibt es reichlich Gelegenheit in einem der Cafés am Marktplatz oder entlang der Hauptgassen. Eine Stimmung die weder hektisch noch ruhig zu nennen ist. Entspannt würde ich sagen, begegnen und bewegen sich die Menschen aus aller Welt an diesem so besonderen Ort. Irgendwie gehen die Uhren in Rothenburg ob der Tauber anders. Als würden die alten Gemäuer beruhigend auf die Menschen wirken und sich alles in einer anderen Geschwindigkeit innerhalb einer Zeitblase bewegt.

Wer etwas mehr Zeit als 2 Stunden zwischen Neuschwanstein und Frankfurt am Main mitbringt, sollte sich nicht wundern, wenn er etwas angerührt von diesem Hauch der Geschichte, für einen Moment zur Ruhe kommt und die Seele baumeln lassen kann.

Vielleicht sehen wir uns ja mal oder kommen bei einem Cappuccino im Cafe am Markt bzw. einer Feuerzangenbowle während des Weihnachtsmarktes ins Gespräch. Ich würde mich freuen zu hören, was Ihnen beim Anblick dieser schönen Häuser und Gassen so in den Sinn kommt.

Harald Ernst

Bin ich ein Rothenburger? JAIN! Meine Wurzeln liegen nur 15 km von Rothenburg entfernt. Brettheim, früher ein Teil des Stadtgebietes der Reichsstadt mit ca. 180 Dörfern, liegt heute in einem anderen Bundesland (BW). Das erklärt, weshalb ich mich als Rothenburger fühle, inzwischen auch in der Altstadt lebe, aber nicht wie ein Rothenburger klinge. Ich bin ein Hohenloher mit entsprechendem Dialekt (wenn ich will oder darf) und habe mich während meines Zivildienstes (1990/91) in der Jugendherberge in die Stadt verliebt. Außerdem habe ich mich durch die Gäste aus aller Welt inspirieren lassen und das Reisen für mich entdeckt. Menschen, Länder, Abenteuer lassen mich immer wieder meine Koffer packen. Doch genauso gerne kehre ich immer wieder zurück in diese besonders schöne Stadt. Aus Hobby wurde Beruf. Bereits 1993 kam ich zur Gästeführerei. Im Jahr 2000 habe ich mit einem Freund ein Reiseunternehmen gegründet und bin seit dem selbstständiger Stadtführer, Reiseleiter und Driverguide für Gäste aus aller Welt im In- und Ausland. Doch mein Schwerpunkt ist und bleibt Rothenburg ob der Tauber. Hier kenne ich mich am besten aus. Hier bin ich Zuhause.

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4 Kommentare

  1. […] Fortsetzung von  Rothenburg auf die Schnelle und Rothenburger Sehenswürdigkeiten für […]

  2. […] Harald Ernst bei Rothenburg auf die Schnelle – Die größten Sehenswürdigkeiten […]

  3. Thomas Heier sagt:

    Hallo,
    vielen Dank zu den Tipps für diese schöne Tour durch Rotenburg. Ich habe mir den Ort schon auf meine Reiseziele für ein langes WE 2015 aufgeschrieben und plane bereits, da sind solche infos hilfreich. gruß thomas

    • Harald Ernst sagt:

      Hallo Herr Heier,

      entschuldigen Sie meine späte Reaktion auf ihren Kommentar, aber während der Adventszeit und den anschließenden Feiertagen hatte ich keine Zeit mich um den Blog zu kümmern. Ihr netter Kommentar ist mir erst jetzt bei der Vorbereitung meines nächsten Beitrages aufgefallen. Das wäre übrigens schon ein möglicher Termin für einen Besuch. Der 21. und 22.2. Die Stadt ist in der Zeit von Januar bis März sehr ruhig. Auch das hat was. Für mich ist die Zeit zum Beginn der Saison von Mitte April bis Anfang Juni sehr reizvoll. Vor allem wegen der vielen unterschiedlich blühenden Bäume im Burggarten und Taubertal. Aber auch die Sommerabende sind wunderschön oder wenn Sie es gerne lebhaft mögen, kommen Sie zu Pfingsten oder am 1. Septemberwochenende zu den Reichsstadttagen. Allerdings gilt es da frühzeitig Zimmer zu reservieren. Egal wann Sie kommen, ich wünsche Ihnen einen fantastischen Aufenthalt und hoffe Sie werden von der Stadt ebenso verzaubert, wie ich es bin.
      Gruß Harald Ernst

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