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Orte der Stille und „Stille Örtchen“ in Rothenburg ob der Tauber

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Was braucht der Mensch zum glücklich sein?

Diese Frage kann wohl nur jeder für sich selbst beantworten. Ich für meinen Teil mag sowohl das Laute als auch das Leise. Den Trubel ebenso wie die Stille. Alles zu seiner Zeit. Aber eins sollte auf jeden Fall immer in der Nähe sein und zwar ein stilles Örtchen. Was hilft mir die schönste Stadt, wenn ich sie nicht genießen kann, weil ich mit etwas ganz anderem beschäftigt bin. Oder wie ich vor Führungen zu sagen pflege: Wenn es unten drückt, kann man oben schlecht zuhören. Deshalb möchte ich mich in diesem Beitrag mit zwei wichtigen Orten in Rothenburg beschäftigen. Orte der Stille und „Stille Örtchen“.

Oasen der Ruhe

Am verlängerten Pfingstwochenende war in Rothenburg mal wieder richtig was los. Das Festspiel „Der Meistertrunk“  zog Gäste aus nah und fern in unser wunderschönes mittelalterliches Städtchen. 55.000 Besucher sollen es gewesen sein. Wirklich beeindruckend und das bei nicht optimalem Ausflugs- und Feierwetter. Da war für alle was dabei. Für ALLE, die es gerne haben wenn was los ist. Aber hat Rothenburg ob der Tauber, eines der touristischen Schwergewichte in Deutschland, auch an solchen Tagen was für Menschen zu bieten, die Ruhe und Romantik suchen? Die Antwort lautet ganz eindeutig: JA!

Obwohl es sich viele nicht vorstellen können, die nur kurz in der Stadt sind oder extra zu solchen Großveranstaltungen kommen, gibt es jede Menge Oasen der Ruhe. Um diese zu finden bedarf es noch nicht einmal weiter Wege, oder besonderer Anstrengungen. Häufig genügen ein aufmerksamer Blick und ein paar Schritte in ein schmales Gässchen. Es gibt so viele davon, in und um die Altstadt verteilt, dass ich hier gar nicht alle erwähnen kann. Aber meine derzeitigen Favoriten möchte ich nun kurz vorstellen und lade herzlich dazu ein, diese zu besuchen.

Warum in die Ferne schweifen, wenn …

Häufig eine meiner ersten Stationen auf meinen Führungen und ein Gässchen das nun wirklich jeder ganz leicht finden kann, führt direkt auf den Marktplatz von Rothenburg. Zentraler geht es nicht. Trotzdem sucht man vergeblich nach der Gasse im Straßenverzeichnis der Stadt, denn dieses so malerische Gässchen hat keinen Namen. Parallel zur Hafengasse führt diese Gasse neben dem Restaurant „Ratsstube“ in Richtung Kapellenplatz. Etwa auf halber Strecke lädt seit 2014 ein kleines Bänkchen zum Verweilen ein. Manchmal, aber wirklich nur manchmal, huscht ein Rothenburger durch das Gässchen ohne Namen, oder findet ein Gast den ganz besonderen Blick auf Marktplatz, Rathaus und Rathausturm. Dieses so genannte „Junge Schar Bängler“  hat übrigens seine ganz eigene Geschichte, wie mir der Spender B. Babel an Ort und Stelle berichtete.

Harmonie hinter Mauern

Keine 3 Minuten geht man vom Marktplatz, vorbei an Sankt Jakob, zum ehemaligen Dominikanerinnenkloster. Es gilt nur den Beschilderungen für unser Reichsstadtmuseum  zu folgen, denn dieses ist heute in dem ehemaligen Kloster untergebracht. Direkt an das Museum angeschlossen liegt der Klostergarten, welcher hinter Mauern versteckt von April bis November tagsüber durch ein großes Tor in der Klostergasse oder eine Tür vom Klosterhof aus betreten werden kann. An keinem anderen Ort in der Stadt, außer vielleicht im Burggarten, findet sich eine schönere Harmonie von Kultur und Natur einerseits sowie Gästen und Rothenburgern andererseits. Immer wieder finden Einheimische den Weg in den Klostergarten und genießen die Stille auf einer der vielen Bänke. Selbst die gelegentlichen Gruppen, die von Gästeführern durch dieses Kleinod geführt werden, stören nicht die Ruhe. Ganz im Gegenteil. Ich selbst lausche gelegentlich den Erklärungen meiner Kolleginnen und Kollegen zum klösterlichen Leben und dem angelegten Heilkräutergarten.  Ganz besonders zu empfehlen ist ein Besuch im Juni, wenn die vielen Rosen im Klosterhof und Klostergarten blühen.

Der kleine Unterschied

Jeder Gast der Stadt kommt auf den Marktplatz. Die allermeisten finden auch noch das bekannte „Weihnachtsdorf“ der Firma Käthe Wohlfahrt  in der Herrngasse. Schon weitaus weniger schaffen es bis an das Ende der Herrngasse, ganz im Westen der Stadt und durch das Burgtor in den Burggarten. Wer dann noch weiter in dieser Richtung geht, findet auf der linken Seite, hinter einem orangenen Gartenhaus versteckt, eine weitere Insel der Ruhe und gehört damit zur absoluten Crème de la Crème der Besucher Rothenburgs. Nach meiner Schätzung finden gerade mal 1-2 Prozent das Barockgärtchen mit einem der schönsten Blicke von der Stadt auf die Stadt. Hier kann man im Sommer stundenlang ungestört sitzen und sich auf der Mauer mit Blick über das Taubertal auf die südliche Altstadt in seinen Träumen ganz verlieren. Gerade diese Lage der historischen Stadt, angeschmiegt an das Tal der Tauber, macht für mich den kleinen, aber feinen Unterschied zu anderen wunderschönen historischen Städten entlang der Romantischen Straße aus.

 

Der Stadtbote (H. Ernst) im Burggarten (copyright: H. Ernst / E. Schmitz)

Der Stadtbote (H. Ernst) im Burggarten (copyright: H. Ernst / E. Schmitz)

Der perfekte Übergang

Viel schöner als an dieser Stelle im Burggarten geht es für mich nicht in Rothenburg. Aber irgendwann heißt es Abschied nehmen von dieser Oase der Ruhe. Da die meisten unserer Gäste mit Bus oder Pkw anreisen geht es für viele von hier aus über die  Schmiedgasse zum Großparkplatz P1. Dieser Weg führt nochmals ein einem wunderbaren Plätzchen in der Altstadt vorbei. Dies ist nicht nur ein wunderbarer Übergang von der Städtereise zurück in den Alltag, sondern auch von dem einen Thema zum Anderen.

Das Maß ist voll

Die Gasse „An der Eich“ liegt direkt südlich vom ehemaligen Johanniterkloster, in dem inzwischen das Mittelalterliche Kriminalmuseum untergebracht ist und der Kirche St. Johannis. Vor allem das Museum zieht sehr viele Besucher an. Übrigens ganz zu Recht, denn es ist das Größte seiner Art in ganz Deutschland. Die Gasse ist sehr zentral und leicht zu finden. Von Süden auf der „unteren Schmiedgasse“ kommend, eine der touristischen Hauptachsen in Rothenburg, biegt man direkt vor der Kirche mit ihrem vorgelagerten Brunnen links ab. Oder vom Marktplatz auf der „oberen Schmiedgasse“ kommend nach dem Brunnen rechts. Sofort wird der Trubel weniger und der Blick kann über das Taubertal schweifen. Im Sommer ist das Plätschern vom Brunnen zu hören. Aber nicht nur das. Erst 2014 wurde eine Freifläche unterhalb des Brunnens umgestaltet und in eine dieser Oase geschaffen. Bänke laden die Großen zum Ausruhen und ein kleiner Wasserlauf die Kleinen zum Spielen ein. Ganz in der Nähe gibt es eine Quelle, die sehr viel Wasser spendet. Diese Quelle liegt heute unzugänglich im Keller eines Hauses im Alten Stadtgraben Nr. 10. Vielleicht ist diese wasserreiche Quelle der Grund weshalb früher in der Gasse „An der Eich“ die Bier- und Weinfässer geeicht wurden. Zumindest trägt diese Gasse deshalb ihren Namen. Hier wurde also schon früher viel Wasser gelassen. Ein Platz mit Tradition für ein Hundeklo. Wir Menschen müssen allerdings noch etwas weiter gehen.

Ein stilles Örtchen für Hunde. An der Eich.

Ein stilles Örtchen für Hunde. An der Eich.

„Stille Örtchen“ in Rothenburg ob der Tauber

Eine gute Nachricht gleich zu Anfang. Die öffentlichen Toiletten in Rothenburg sind kostenlos. Ein toller Service der Stadt, wie ich finde. Allerdings sind die Bedürfnisanstalten nicht immer leicht zu finden. Zum Glück haben wir Informationtafeln mit Stadtplänen und entsprechenden Hinweisen, wo man sich erleichtern kann.

Stadtplan mit öffentlichen Toiletten

Stadtplan mit öffentlichen Toiletten

Innerhalb der Stadtmauer gibt es die Gelegenheit zum Wasserlassen nur am Grünen Markt, zwischen Rathaus und St. Jakob, sowie am Schrannenplatz (Nördliche Altstadt). Dazu kommen natürlich Toilettenhäuschen an allen großen Parkplätzen. Die allerdings manchmal leider etwas überlastet sind. Vor allem wenn mehrere Busse gleichzeitig ankommen. Dies kann immer mal wieder am P1 vorkommen. Dagegen ist das Stille Örtchen im Burggarten immer eine gute Adresse.

Wenn es mal schnell gehen muss, sind auch die meisten Restaurants, auf freundliche Nachfrage bereit, einem den Weg zu den hauseigenen  Einrichtungen zu weisen. In einem solchen Fall fände ich es dann ganz nett die Dankbarkeit durch einen geringen Geldbetrag auszudrücken.

Die Krönung

ist es natürlich, wenn jemand beides direkt vor der Haustür hat. Einen Ort der Stille mitten in der Altstadt von Rothenburg und ein Stilles Örtchen. Zu diesen Glücklichen zähle ich. Nicht nur, dass alle beschrieben Oasen der Ruhe von meiner Wohnung in maximal 5 Minuten zu Fuß zu erreichen sind. Es geht noch besser. Der Hinterhof vom Kirchplatz 2 ist, seit sich meine Freundin darum kümmert, unser kleines persönliches Paradies der Stille. Was für ein Glückspilz ich doch bin!

Mein Hinterhof und privater Ort der Stille

Mein Hinterhof und privater Ort der Stille

Harald Ernst

Bin ich ein Rothenburger? JAIN! Meine Wurzeln liegen nur 15 km von Rothenburg entfernt. Brettheim, früher ein Teil des Stadtgebietes der Reichsstadt mit ca. 180 Dörfern, liegt heute in einem anderen Bundesland (BW). Das erklärt, weshalb ich mich als Rothenburger fühle, inzwischen auch in der Altstadt lebe, aber nicht wie ein Rothenburger klinge. Ich bin ein Hohenloher mit entsprechendem Dialekt (wenn ich will oder darf) und habe mich während meines Zivildienstes (1990/91) in der Jugendherberge in die Stadt verliebt. Außerdem habe ich mich durch die Gäste aus aller Welt inspirieren lassen und das Reisen für mich entdeckt. Menschen, Länder, Abenteuer lassen mich immer wieder meine Koffer packen. Doch genauso gerne kehre ich immer wieder zurück in diese besonders schöne Stadt. Aus Hobby wurde Beruf. Bereits 1993 kam ich zur Gästeführerei. Im Jahr 2000 habe ich mit einem Freund ein Reiseunternehmen gegründet und bin seit dem selbstständiger Stadtführer, Reiseleiter und Driverguide für Gäste aus aller Welt im In- und Ausland. Doch mein Schwerpunkt ist und bleibt Rothenburg ob der Tauber. Hier kenne ich mich am besten aus. Hier bin ich Zuhause.

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3 Kommentare

  1. Rothenburg Tourismus Service sagt:

    Vielen Dank, und wir wünschen Ihnen einen schönen Aufenthalt während unserer Reichsstadt-Festtage!

  2. Becker-El-Sarout sagt:

    Hallo,
    nett und mit Liebe geschrieben und deshalb gut zu lesen. Ich freue mich am Wochenende zum Mittelalterfest zu kommen und dann noch ein paar Tage zu bleiben.

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