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Darf es noch etwas mehr sein? – Rothenburger Sehenswürdigkeiten auf den dritten Blick

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Die Fortsetzung von  Rothenburg auf die Schnelle und Rothenburger Sehenswürdigkeiten für Fortgeschrittene.

Dieses beschauliche Städtchen hat mehr zu bieten als die meisten denken. Nun ist die Altstadt von Rothenburg zwar nur 15 Minuten lang und 10 Min breit. Zumindest wenn man die reine Gehzeit von Nord nach Süd und von Ost nach West rechnet. Genauer gesagt hat die Altstadt eine Länge von etwas über 1000 Meter und an der breitesten Stelle sind es nicht ganz 700 Meter. Aber es erstaunt mich selbst immer wieder, wie viel es innerhalb dieser alten Mauern zu entdecken gibt. Das reicht leicht für einen Wochenendausflug und dann gibt es immer noch genug für einen zweiten, dritten und vierten Besuch.

Rothenburg ob der Tauber

Rothenburg ob der Tauber. Bild: W.Pfitzinger

Es gibt viel zu wissen – Der Verein Alt-Rothenburg

Nun führe ich seit über 20 Jahren Gäste über dieses Pflaster und beschäftige mich ebenso lange schon mit der Geschichte der Stadt. Innerhalb dieser langen Zeit habe ich viel gelernt, aber vor allem ist mir bewusst geworden, dass es noch viel viel mehr zu wissen gibt. Oder wie ein großer griechischer Philosoph einmal sagte: “Ich weiß, dass ich nichts weiß. Aber ich weiß mehr als die anderen wissen, denn die wissen nicht, dass sie nichts wissen.“

Ein Quell der Information für Einheimische und Gäste ist der Verein Alt Rothenburg. Sowohl mit seiner Internetseite als auch mit seinen Publikationen und Veranstaltungen trägt er sehr zur Wissensvermittlung über die Geschichte der Stadt bei. Vor allem die Vorträge des Vereins im Rahmen der Rothenburger Diskurse sind wirklich hochkarätig. Die aktuellen Termine finden Sie auf der vereinsinternen Seite ebenso wie unter den Veranstaltungstipps der Stadt Rothenburg ob der Tauber. Geben Sie dort einfach den Begriff „Diskurse“ ein. Dann erhalten Sie die Termine und Themen für die nächsten geplanten Vorträge.

Über den Dächern von Rothenburg – Der Röderturm

Röderturm

Röderturm

Leider hat nicht jeder die Möglichkeit, seinen Besuch in Rothenburg nach Vorträgen des Vereins Alt-Rothenburg zu planen. Zum Glück gibt es eine Art Zweigstelle mit relativ regelmäßigen Öffnungszeiten, die nicht nur interessante Informationen zur Zerstörung der Altstadt in den letzten Kriegstagen für den Besucher bereit hält, sondern auch noch einen fantastischen Blick über die Dächer von Rothenburg ermöglicht. Der Torturm des Rödertors (Östliches Stadttor) ist ein geradezu perfekter Platz für diesen Ausstellungsraum. Der Zugang erfolgt über die Stadtmauer. Also erst auf die Stadtmauer und dann auf der nördlichen Seite des Röderturms prüfen ob der Turmzugang möglich ist. Der Eintritt wird ebenso wie beim Rathausturm fällig, wenn man oben angekommen ist. Man ist dann zwar noch nicht über den Wolken, aber doch schon ganz schön weit oben.

Eine Etage tiefer – Das Historiengewölbe

Historiengewölbe

Historiengewölbe

Eine weitere Dependance eines Städtischen Vereines ist das Historiengewölbe im gotischen (weißen) Teil des Rathauses. Hier erwarten viele den Zugang zum Rathausturm, der direkt darüber liegt. Aber anstatt hoch hinaus geht es hier eher abwärts. Was in diesem Fall aber gar nicht negativ ist. Zumindest heute nicht mehr. In den ebenerdigen Räumlichkeiten hat der Verein „Historisches Festspiel – Der Meistertrunk“ eine Vielzahl von originalen Ausstellungsstücken aus der Zeit des 30- jährigen Krieges zusammen getragen. Bei der Gelegenheit sollte man es auf keinen Fall verpassen, auch einen Blick in das reichsstädtische Verlies zu werfen. Ganz in der Nähe der Kasse geht es in einem Nebenraum über eine enge und steile Stiege in den Untergrund. Der erste Raum hat schon etwas Bedrückendes, dabei war dieser für das Wachpersonal vorgesehen. Über einen langen, schmalen Gang geht es dann zu den eigentlichen Gefängniszellen.

Verlies im Historiengewölbe

Verlies im Historiengewölbe

Drei Stück an der Zahl, wobei bei einer davon sogar die Tür unverschlossen ist. Man kann, muss aber nicht, eintreten, denn dieses dunkle Loch ist selbst heute noch alles andere als einladend. Auf jeden Fall ein Erlebnis der besonderen Art und ein absoluter Geheimtipp zum Abkühlen an den ganz heißen Sommertagen. Das Rothenburger Staatsverlies ist auch ohne Klimaanlage eine coole Adresse und garantiert einen erfrischenden Aufenthalt.

Hat man sowas schon gesehen – Die Schäferkirche

Nicht weniger erfrischend, sowohl für den Geist als auch für den Körper, ist die Schäferkirche Sankt Wolfgang.  Im nördlichsten der sechs Stadttore ist diese Kirche in die Torbastei integriert. Auf all meinen Reisen habe ich schon viel gesehen, aber sowas, nein, so etwas kenne ich nur von Rothenburg ob der Tauber. Eine Kirche mit Persönlichkeitsspaltung. Als ob dieses Bauwerk nicht so recht wusste was es werden sollte. Gotteshaus oder Wehranlage.

Schäferkirche - St. Wolfgang

Schäferkirche – St. Wolfgang

Wie kam es dazu? Früher durften Schäfer, denn man hatte unter anderem Angst sie würden Krankheiten von ihren Tieren übertragen, nicht immer in die Stadt und so entwickelte sich ein Betplatz just an jener besonderen Stelle direkt vor dem Stadttor. An diesem Platz zum Beten ist diese Kirche, welche von der Bruderschaft der Schäfer eigens für ihre, für Rothenburg so wichtige, Berufsgruppe errichtet worden. Deshalb Schäferkirche, welche ihrem Schutzpatron, dem Heiligen Wolfgang, geweiht ist.

St. Wolfgang - Altar

St. Wolfgang – Altar

St. Wolfgang - Kasematten

St. Wolfgang – Kasematten

Gleichzeitig wurde der Bau genutzt, um den Zugang zur Stadt zu sichern. So legte man Geschützstände, so genannte Kasematten, bei den Fundamentierungsarbeiten der Kirche an, welche heute noch zugänglich sind. Weitere Geschützstände im Obergeschoss und das ehemalige Torwärterhäuschen, mit einer kleinen Ausstellungsfläche der Schäfer, sind ebenfalls zu besichtigen. Definitiv eine der meist unterschätzten Sehenswürdigkeiten in unserem fränkischen Schatzkästchen. Selbst wenn die Kirche geschlossen sein sollte, lohnt sich ein kurzer Abstecher um das Gebäude, um sich von diesem so seltsamen Bauwerk verzaubern zu lassen.

Klein aber fein – Das Alt-Rothenburger Handwerkerhaus

Apropos verzaubern lassen. Da komme ich doch gleich auf ein weiteres Schwergewicht unserer Sehenswürdigkeiten, auch wenn dies wohl niemand unter dem unscheinbaren Namen „Alt-Rothenburger Handwerkerhaus“ vermuten würde.

Handwerkerhaus - Alter Stadtgraben

Handwerkerhaus – Alter Stadtgraben

Für mich ist dieses kleine Museum sogar die meist unterschätzte Sehenswürdigkeit unserer Stadt. Etwas abseits der Haupttouristenströme, im Alten Stadtgraben gelegen, fällt es nicht auf und selbst wenn man direkt davor steht ist kaum zu vermuten, was in diesem Haus steckt.

Alt Rothenburger Handwerkerhaus

Alt Rothenburger Handwerkerhaus

Geschichte pur. Geschichte, die man mit den unterschiedlichsten Sinnen ganz direkt erfahren kann. Bereits beim Betreten des Gebäudes fällt mir jedes Mal der besondere Geruch von Jahrhunderten auf. Dann dieses dämmrige Licht und die niedrige Deckenhöhe. Ein Erlebnis für alle Sinne. Dazu kommen jede Menge Ausstellungsstücke aus dem Bereich Handwerk und Haushalt. Dieses Haus hat inzwischen fast 750 Jahre auf dem Buckel. Wahrhaftig ein Methusalem an seinem originalen Bauplatz. Also nicht in einem der vielen Freilandmuseen, sondern wirklich da wo es hingehört, mitten in die Altstadt von Rothenburg ob der Tauber.

Darf es noch etwas mehr sein?

Wieviel Zeit man für die einzelnen Sehenswürdigkeiten benötigt habe ich bewusst offen gelassen, denn für manche darf es etwas mehr und plötzlich sind ein bis zwei Stunden wie im Fluge vergangen. Andere sind unter Umständen nach zwanzig bis dreißig Minuten schon wieder auf dem Sprung zur nächsten Attraktion. Eines ist jedoch sicher. Bei uns ist für jeden was dabei und ich bin mit meiner Reihe von touristischen Möglichkeiten immer noch nicht fertig. Mindestens einen Beitrag zu dem Thema wartet noch darauf, niedergeschrieben zu werden. Am besten gleich den Blog abonnieren, dann verpassen Sie meinen Beitrag auf keinen Fall. Die anderen Beiträge der Rothenburger Blogger übrigens auch nicht. Es gibt eben so viel Wissenswertes, und das nicht nur über Erlangen 😉 .(eine kleine Hommage an die Kenner und Liebhaber der NDW / Link: https://www.youtube.com/watch?v=G_k20C8hOEs)

Harald Ernst

Bin ich ein Rothenburger? JAIN! Meine Wurzeln liegen nur 15 km von Rothenburg entfernt. Brettheim, früher ein Teil des Stadtgebietes der Reichsstadt mit ca. 180 Dörfern, liegt heute in einem anderen Bundesland (BW). Das erklärt, weshalb ich mich als Rothenburger fühle, inzwischen auch in der Altstadt lebe, aber nicht wie ein Rothenburger klinge. Ich bin ein Hohenloher mit entsprechendem Dialekt (wenn ich will oder darf) und habe mich während meines Zivildienstes (1990/91) in der Jugendherberge in die Stadt verliebt. Außerdem habe ich mich durch die Gäste aus aller Welt inspirieren lassen und das Reisen für mich entdeckt. Menschen, Länder, Abenteuer lassen mich immer wieder meine Koffer packen. Doch genauso gerne kehre ich immer wieder zurück in diese besonders schöne Stadt. Aus Hobby wurde Beruf. Bereits 1993 kam ich zur Gästeführerei. Im Jahr 2000 habe ich mit einem Freund ein Reiseunternehmen gegründet und bin seit dem selbstständiger Stadtführer, Reiseleiter und Driverguide für Gäste aus aller Welt im In- und Ausland. Doch mein Schwerpunkt ist und bleibt Rothenburg ob der Tauber. Hier kenne ich mich am besten aus. Hier bin ich Zuhause.

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