Blog abonnieren

Archive

Gebete der Stille in der Franziskanerkirche in Rothenburg ob der Tauber

Die Franziskanerkirche in Rothenburg ob der Tauber

Franziskanerkirche in der Herngasse

Meine Lieblingskirche in Rothenburg ob der Tauber ist die Fanziskanerkirche. Ganz unscheinbar, wie eine franziskanische Kirche eben sein sollte, schmiegt sie sich an die Herrngasse. Ehrenamtliche Kirchenöffner halten sie dankenswerterweise vormittags und nachmittags für jeweils zwei Stunden offen. Flaneure, die vom geschäftigen Marktplatz kommen, bemerken erst im letzten Augenblick, dass die enge Pforte der Kirche offen steht und wagen einen neugierigen Schritt ins Innere. Die Stille der Kirche umhüllt die Eintretenden und neugierig blicken sie  umher: Schon viele Menschen sind über den rauen Sandstein im Inneren gelaufen, ihre Schuhe haben die Stufen abgewetzt und ausgewellt. Das verleiht der Kirche einen besonderen Charme.

Der Lettner der Franziskanerkirche

Hauptschiff der Franziskanerkirchee

Hauptschiff der Franziskanerkirche

Als eine der wenigen Kirchen besitzt diese (heute evangelische) Kirche noch einen Lettner, eine ungewöhnliche Trennwand, die quer durchs Kirchenschiff verläuft. Von dort oben lasen einst die Barfüßer-Mönche die Worte der Heiligen Schrift, schmetterten Bußrufe auf die versammelte Christenschar, präsentierten an Festtagen Reliquien oder zeigten die Rothenburger Passionsbilder des Malermönchs Martin Schwarz. (Diese befinden sich heute in einem der Säle des Reichsstadtmuseums). Unter der Lettnerwand sieht man fünf Spitzbögen. Fast alle Altartische sind leer und ohne Bilder. Acht Altäre soll diese Kirche einmal besessen haben, nur noch einer ist vorhanden.

Die Gebetsecke

Altar in der Franziskanerkirche

Altar in der Franziskanerkirche

Ganz rechts hinten brennen zwei Kerzen auf dem steinernen Altar. Davor ein grünes Seidentuch auf einem rauen Teppich, übersät von Zetteln. Ich komme näher. Auf den Zetteln kann man die Gebete lesen, die Besucher hier gelassen haben. In der Stille des Gotteshauses haben sie die richtigen Worte gefunden, um bei Gott abzuladen, was sie auf dem Herzen haben. Denn dazu wird man durch ein Schild ja auch aufgefordert:

„Hier ist ein Ort zum Schweigen und Beten.

Wenn Sie angeschlagen sind oder jubeln möchten,

wenn Sie eine Klagemauer suchen oder Mitbeter,

wenn Sie einfach nur wollen,

dass Ihr Gebet eine Zeit lang in Gottes Haus bleibt –

Schreiben Sie es auf,

nehmen Sie ein anderes Gebet mit

und machen es zu Ihrem Gebet.“

 

Wer weiß, wieviele schon hier ihren Hoffnungen und Wünschen Ausdruck verliehen haben? Wer weiß, wieviele Gebete dieser anonymen Tauschbörse schon mitgenommen und weitergebetet wurden?

Gebete in der Stille

Gebetsecke in der Franziskanerkirche

Gebetsecke in der Franziskanerkirche

Ich bücke mich und schaue mir einige Zettel an. Gebete in vielen Sprachen sind da zu sehen. Deshalb verstehe ich auch manche nicht – aber ich bin mir sicher, sie kommen dort an, wo sie ankommen sollen. Einige Beter sind einfach nur dankbar:

„Lieber Gott, wir danken Dir. Wir haben 12 tolle Tage verbracht in einer wunderschönen Gegend. Hilf uns, dass wir K. u. M. und unsere Familie viele viele Jahre genießen können bei bester Gesundheit!!“

Und manches sind  Stoßgebete:

„Herr, befreie mich von meinen Schmerzen. M.J.“

 

Besonders häufig finde ich Gebete für die Familie und für die Gesundheit von Verwandten oder Freunden:

„Ich hoffe, dass mein Gebet eine Zeit lang in Gottes Haus bleibt, und meine Familie und meine Nachbarin gesund wird und bleibt! Danke! C.E.“

Auch die Verletzlichkeit des Lebens klingt an:

„Gebe Gott, dass wir immer eine glückliche Familie bleiben und dass wir uns noch lange haben. Danke – lieber Gott.“

*

Ich zünde noch eine Gebetskerze am Leuchter an und bitte Gott, dass er all diese Gebete dieser Menschen höre. Dann gehe ich durch den Mittelgang wieder hinaus auf die Straße. Sonnenschein empfängt mich. Mein Gebet lasse ich hier. Die Ruhe der Kirche nehme ich im Herzen mit.

Oliver Gußmann

 

Hinweis: Die Franziskanerkirche in der Herrngasse ist in der Regel geöffnet von 10–12 und von 14–16 Uhr. Am Sonntag nur nachmittags. Im Sommer gibt es  in  der Franziskanerkirche viele Chorkonzerte, auf die ein Internet-Kalender hinweist. Am Samstag um 18 Uhr stimmt eine Andacht in den Abend ein. Die Kirche ist besuchenswert wegen der Riemenschneider-Altäre, wegen der modernen Glasfenstern zum Sonnengesang des Franz von Assisi und wegen  des Lettners.

Oliver Gußmann

In Rothenburg bin ich Touristen- und Pilgerpfarrer an St. Jakob. Das ist die große, an Kunstschätzen reiche evangelische Kirche mit den Doppeltürmen mitten in Rothenburg! Meine Aufgabe ist es, die Kirchen Rothenburgs Gästen und Touristen aus der ganzen Welt bekannt zu machen. Die zahlreichen Gotteshäuser des gotischen Rothenburgs erzählen mit Bildern und Symbolen vom Glauben, der Liebe und der Hoffnung unserer Vorfahren; sie berichten vom Sterben und Auferstehen, von Hingabe und Erlösung. Bei meiner Arbeit hilft mir ein Kirchenführer-Team. Außerdem traue ich Hochzeitspaare, mache Nachtkirchenführungen und vieles mehr. Gerne führe ich durch das jüdische Rothenburg oder biete für Kinder und Jugendliche kirchenpädagogische Führungen an. Für die Jakobuswege, von denen sich einige in Rothenburg kreuzen, bin ich der Ansprechpartner. Mir liegt eine gesunde Umwelt am Herzen. Darum fahre ich ein "Velomobil" - eine Mischung zwischen Seifenkiste und Rennauto. Wenn Sie so etwas in Rothenburg stehen sehen, bin ich sicher nicht weit entfernt! Mehr über meine Arbeit: www.rothenburgtauber-evangelisch.de/tourismus

Weitere Beiträge

Das Historische Festspiel „Der Meistertrunk“ und seine Kroaten zu Pferde

Nach dem Fest ist vor dem Fest, diese alte Weisheit gilt natürlich auch für unser Festspiel und heißt hier: nach Pfingsten ist vor Pfingsten! In unserem Verein mit seinen ca. 1000 Mitgliedern, aufgeteilt in 26 verschiedene Gruppierungen, laufen die Vorbereitungen auf die alljährlichen Pfingstfeiertage ganz unterschiedlich ab. Viele Gruppen können relativ entspannt, auch natürlich versehen mit der nötigen Routine, die vorbereitenden Arbeiten angehen.

Andere müssen eine sehr frühzeitige Planung erstellen, so wie es bei den Kroaten zu Pferd der Fall ist, von denen ich erzählen möchte:

Die Kroaten zu Pferde sind eine wild aussehende Gruppierung mit 17 Reitern, die von einem Hauptmann angeführt werden. Bei uns im Verein sind sie eine sehr attraktive Truppe, die schon alleine durch ihr Auftreten, als auch durch ihre Kunststücke auf den Rücken der Pferde die erstaunten Blicke der Gäste auf sich ziehen.

Zu meiner Erzählung gehört natürlich auch ein kurzer geschichtlicher Rückblick:

Historisch gesehen waren die Kroaten oder auch die Kroatische Reiterei ein im 30jährigen Krieg aufgekommener Sammelbegriff für irreguläre Einheiten der leichten Kavallerie, die aus ost- oder südosteuropäischen Söldnern gebildet wurden. Diese kroatischen Reiter wurden als gesonderte Waffengattung betrachtet. Sie kämpften im 30jährigen Krieg unter Wallenstein und dem Grafen Johann v. Tserclaes Tilly in den Reihen der kaiserlichen Armee.

 

Nun aber wieder zur Gegenwart:

Chef und Hauptmann der Kroaten in unserem Verein ist Josef Baumann, der an seinem Wohnort in Preuntsfelden, einer Ortschaft ca. 15 km von Rothenburg entfernt, ein Gestüt mit 60 Pferden besitzt. Die Pferde von ihm sind von der Rasse her Knabstrupper. Nahezu jedermann kennt die Pferde aus den Filmen der Pippi Langstrumpf. Von ihr wird der Apfelschimmel liebevoll „Kleiner Onkel“ genannt.

Hauptmann der Kroaten

Der Hauptmann der Kroaten

Die Knabstrupper sind aus der Rasse der Frederiksborger hervorgegangen, die als die älteste dänische Pferderasse gilt. Diese wiederum ist entstanden aus dem dänischen Warmblut, vorwiegend von Stuten, und einigen spanischen Hengsten. König Frederik II. gründete Mitte des 15. Jahrhunderts das Gestüt Frederiksborg. In dieser Epoche erblühte die Zucht solcher Pferde. Die „Tigerschecken“, wie sie auch genannt wurden, erlebten ihren Höhepunkt in der Barocke, da diese Pferde bei den Adligen sehr beliebt waren. Es war damals etwas besonderes ein solch getigertes Pferd zu besitzen, andererseits war der Knabstrupper mit seinem guten Charakter und Exterieur ein ganz hervorragendes Kriegspferd, da es im Kampf sehr wendig und nervenstark war.

Während der napoleonischen Kriege zu Beginn des 18. Jahrhunderts verkaufte der Adjutant eines spanischen Infanterie-Bataillons eine Stute an einen gewissen Major Villans Lunn aus Haverdgard (Knabstrupp). Das Gut Knabstrupp von Major Villans Lunn wurde zur Zuchtstätte der getigerten Pferde in Dänemark und war der Namensgeber dieser Knabstrupper Pferderasse.

 

Weiter geht es mit einem kleinen Grundkurs in Sachen Pferde:

Wussten Sie eigentlich schon, dass……….

– Die Tragzeit bei Pferden 11 Monate beträgt

– Pferde alle 19-21 Tage befruchtungsfähig (rossig) sind

– Die sog. Rosse 6-8 Tage dauert

– Die normale Deckzeit bei Pferden im Februar bis Mitte April liegt?

 

Welche Maßnahmen müssen erfolgen, um Pferde für Umzüge fit zu machen?

Was ist erforderlich Pferde an Menschenmassen zu gewöhnen und sie nicht durch Überreaktionen zu einem Sicherheitsrisiko werden zu lassen?

In der Familie von Josef Baumann gibt es drei geübte Reiter, die die Pferde auch für das anstehende Pfingstfest ausbilden. Junge Pferde müssen der Reihe nach zunächst an den Sattel und das Zaumzeug gewöhnt werden. Anschließend erfolgt die Gewöhnung an das Gewicht eines Reiters und an die verschiedenen Gangarten, die auf Befehl des Reiters erfolgen müssen, was auch erlernt werden muss. Diese Gewöhnung erfolgt zunächst in einer Halle, später dann auch durch erfahrene Reiter im Gelände. Wenn die Pferde dann sattelfest sind, erfolgt die Gewöhnung an Autos, Traktoren und an die unterschiedlichsten Umweltgeräusche. Darauf folgt die Umgewöhnung an andere Reiter und an andere Personen, die das Pferd nicht kennt. Sind diese Fähigkeiten bei den Pferden gefestigt, erfolgt der Einsatz bei den ersten Umzügen, zunächst allerdings noch mit sehr erfahrenen Reitern. Erst wesentlich später können die Pferde dann auch durch unerfahrenere Reiter genutzt werden.

Die 17 Reiter der Gruppierung „Kroaten zu Pferd“ sind nicht alle hervorragende Reiter und müssen deshalb während des Jahres auch entsprechende Reitstunden absolvieren. Dies ist wichtig, um den Umgang mit Pferden zu erlernen, aber auch, um bereits erworbene Kenntnisse zu vertiefen. Angeleitet werden sie dabei durch die Reiter der Familie Baumann. Mindestens 10 Termine a 2 Stunden stehen für jeden Reiter, für jeden Kroaten an. Dazu gehört aber nicht nur das Reiten selbst, sondern vielmehr auch der Umgang mit den Pferden, deren Pflege und das korrekte Satteln.

Einzug der Kroaten

Einzug der Kroaten

Was heißt eigentlich „Pfingsten in Rothenburg“?

An den alljährlich stattfindenden Pfingstfeiertagen ist es der Verein Historisches Festspiel „Der Meistertrunk“, der zurück erinnert an das Jahr 1631, als der Altbürgermeister Georg Nusch mit seinem legendären Meistertrunk die Stadt vor der Vernichtung bewahrte. Er soll auf Geheiß des katholischen Feldherrn Johann v. Tserclaes Tilly einen Humpen mit 3 1/4l Wein in einem Zug geleert haben.

Der Verein Historisches Festspiel „Der Meistertrunk“ wurde 1881 gegründet und umfasst heute ca. 1000 Mitglieder, die allesamt gewandet sind in Uniformen aus der Zeit des 30jährigen Kriegs (1618-48). Der Verein hat 26 verschiedene Gruppierungen, die Kroaten zu Pferd sind eine davon. Haupttag für alle Festspieler ist der Pfingstsonntag mit dem Umherziehen der Truppen in der Altstadt vom frühen Morgen an, dem Heereszug am Nachmittag und dem sich dann anschließenden historischem Feldlager. Denn auch für dieses Feldlager müssen entsprechende Vorbereitungen getroffen werden.

Die Pfingstwoche:

In dieser Woche beginnen die Arbeiten, die unmittelbar in Zusammenhang mit den Pfingstfeiertagen stehen. Es stehen nochmals für alle Reiter intensive Trainingseinheiten an, die dann auch in der Gemeinschaft durchgeführt werden. Dies ist wichtig, damit die Pferde sich noch besser aneinander gewöhnen können. Am Mittwoch und Donnerstag vor dem Pfingstwochenende steht der kosmetische Teil an, soll heißen, die Pferde müssen entsprechend hergerichtet werden. Zunächst werden die Hufe sauber geraspelt, einige der Pferde müssen für die Pfingstfeiertage auch extra beschlagen werden. Im heimischen Gestüt sind die Pferde nicht beschlagen, wegen des weichen Bodens führt dies auch zu keinerlei Problemen. Dazu muss man wissen, Pferde treten nicht mit dem hornigen Teil ihrer Füße, der Tragewand auf, sondern vielmehr mit dem weichen Ballen, der auch als Gefühlsteil bezeichnet wird. Da in der Altstadt Rothenburg alle Gasse gepflastert sind, ist dies für die Pferde eine hohe Belastung. Manche Pferde vertragen es nicht 2-3 Tagen auf dem Gefühlsteil zu laufen und müssen daher beschlagen werden. Nach Pfingsten können dann die Hufeisen wieder entfernt werden.

Pflege der Pferde

Pflege der Pferde

Am Pfingstfreitag steht dann ganztägig Pferdewaschen auf dem Programm. Alle Mitglieder der Gruppe müssen hier mithelfen. Dieses Mithelfen aller Kroaten geht am nächsten Tag weiter und der Tag beginnt für alle am frühen Morgen um 5.00 Uhr, denn bevor die Pferde am Pfingstsamstag auf die Pferdeanhänger verladen werden, müssen sie alle nochmals nachgepflegt werden. Dazu zählt auch das Herrichten und das Nachfetten des Sattelzeugs. Die Trensen und die Hufe werden mit einem speziellen Balsam eingestrichen, die Hufe selbst müssen nochmals gründlich ausgekratzt werden. Und natürlich werden die Pferde gestriegelt.

Anschließend werden alle Tiere in die Anhänger verladen und nach Rothenburg gefahren.

Der Pfingstsonntag:

Bereits um 3 Uhr in der Nacht beginnen die ersten Vorbereitungen mit dem Säubern und Herrichten der Pferde. Dann um 6 Uhr werden die Tiere, nebst dem gesamten Zaumzeug, den Sätteln und allem was sonst noch nötig ist, in die Anhänger verladen.

Unmittelbar nach der Ankunft in Rothenburg müssen zunächst alle Pferde von einem Tierarzt untersucht werden. Das ist sehr wichtig, denn am Pfingstsonntag werden insgesamt über 130 Pferde angeliefert, die beim Heereszug mit dabei sind. Bei dieser Untersuchung soll festgestellt werden, ob die Tiere gesund sind, oder sie eventuell an einer ansteckenden Krankheit leiden. Sollte dies der Fall sein, dürfen sie unter keinen Umständen mit anderen Pferden aus anderen Stallung in Verbindung kommen und können an der Veranstaltung nicht teilnehmen, um eine Übertragung der Krankheit zu verhindern.

Bei der Untersuchung wird aber auch die äußere Form des Pferd betrachtet. Es wird, wie die Tierärzte sagen, ein klinischer Blick auf die Tiere geworfen. Diese klinische Einschätzung soll dem Arzt Aufschluss darüber geben, ob ein Pferd die entsprechende körperliche und psychische Konstitution besitzt, an so einem anstrengenden Tag auch teilnehmen zu können. Die richtige Beurteilung der Psyche eines Tieres ist äußerst wichtig, denn bei der Teilnahme an so einem Tag muss ein Pferd die zahlreichen Menschen sowie die anderen Tiere verkraften können, ohne dadurch Schaden zu nehmen oder durch unkontrollierte Kurzschlusshandlungen seinen Reiter, die Zuschauer oder auch andere Tiere zu gefährden.

Die Kroaten auf dem Rothenburger Marktplatz

Die Kroaten auf dem Rothenburger Marktplatz

Nach der Untersuchung gegen 7.30 Uhr bis ca. 16 Uhr ist dann die gesamte Gruppe der Kroaten in der Stadt unterwegs. Mit ihren farbenprächtigen Uniformen, mit ihren Knabstruppern, mit ihren Kunststücken auf den Pferden begeistern sie die Zuschauer. Sie hinterlassen bei vielen den Eindruck einer wilden, Angst einflößenden Horde aus längst vergangenen Zeiten.

Erst nach dem Heereszug werden die Pferde wieder verladen und in die heimatlichen Stallungen zurückgebracht. Ein Großteil der Gruppe muss bei diesem Rücktransport dabei sein, denn vor Ort müssen die Pferde und das gesamte Zaumzeug, die Sättel ausgeladen, die Tiere versorgt werden. Erst nach verrichteter Arbeit können dann diese Kroaten auch ins historische Feldlager zurückkehren, wo ihre Kollegen in der Zwischenzeit schon für Speis und Trank gesorgt haben.

Wie man gesehen hat ist also sehr viel Fleiß und Engagement erforderlich um dieses Pfingstwochenende dabei zu sein. Der Verein jedenfalls ist stolz auf diese tolle Gruppierung. Die Kroaten sind eine Attraktivität unseres Festspiels, sie sind ein Aushängeschild unseres Vereins.

Die Kroaten auf dem historischen Umzug

Die Kroaten auf dem historischen Umzug

Harald Krasser

Ich bin in Rothenburg geboren und lebe auch hier. Ich liebe diese Stadt und das sie umgebende Frankenland. Besonders freut mich der weltweite Bekanntheitsgrad dieses mittelalterlichen Kleinods. Sagen zu können, hier in meiner Heimatstadt ist die Welt zu Gast, macht mich auch ein klein wenig stolz. Ich bin seit 1968 Mitglied im Historischen Festspiel „Der Meistertrunk“ und leite nun diesen Verein seit 1992 als 1. Vorsitzender. Natürlich möchte ich mich in einigen meiner Themen mit diesem Verein, seinen Aktivitäten und seiner reichhaltigen Geschichte beschäftigen.

Weitere Beiträge

Luther und die Hexen: einfach magisch

Geschichte wird geschrieben…

450px-Wittenberg_Schlosskirche_Thesentuer

Hier sollen die 95 Thesen angenagelt worden sein: Das Tor der Schlosskirche zu Wittenberg.

1517. Eine junge Universitätsstadt im heutigen Sachsen-Anhalt. Eine aufgeregte Menge auf dem Schlossplatz. Ein nicht mehr ganz junger Doktor der Theologie nähert sich entschlossen dem großen Tor der Schlosskirche. Die Menge hält den Atem an. Lautes Hämmern. Dann bricht lauter Jubel aus.

Martin Luther hat soeben mit dem Anschlag der 95 Thesen an der Wittenberger Schlosskirche den unaufhaltsamen Beginn der Reformation initiiert.

Ob es tatsächlich einen solchen Thesenanschlag gegeben hat? Aus heutiger Sicht ist dies mehr als zweifelhaft. Trotzdem gilt das Bild des Thesenanschlags bis heute als das Symbol der Reformation.

Am 31. Oktober 2017 wird sich der Beginn der Reformation zum 500. Mal jähren. In Erwartung des großen Jubiläums begann schon 2008 die sogenannte Lutherdekade mit den verschiedensten Veranstaltungen und Feiern.

 

Die Reformation schlägt Wellen… bis nach Rothenburg

Auch Rothenburg hat eine bewegte reformatorische Vergangenheit. Schon in den 1520ern, wenige Jahre nach dem Thesenanschlag Martin Luthers, gab es erste Reformationsversuche in Rothenburg, die mit dem Bauernkrieg aber (zum Teil blutig) niedergeschlagen wurden.

Hornburg

Johannes Hornburg wurde 1539 erstmals Bürgermeister von Rothenburg.

1544 gelang es dann dem Ratsherren Johannes Hornburg mit Hilfe anderer Ratsmitglieder, die Reformation in Rothenburg zu initiieren und durchzuführen. Hornburg hatte in Wittenberg studiert und dort auch Luther persönlich kennengelernt und dessen Vorlesungen gehört.

Rothenburg kann also als Stadt mit langer evangelisch-lutherischer Geschichte betrachtet werden. Daher ist es nicht verwunderlich, dass auch Rothenburg verschiedene Beiträge zur Lutherdekade bietet.

So erinnert das Mittelalterliche Kriminalmuseum Rothenburg an den Reformator und das Jubiläum der Reformation mit einer Sonderausstellung.

 

 

Martin Luthers Leben und Wirken aus rechtshistorischer Sicht

„Mit dem Schwert oder festem Glauben – Luther und die Hexen“, so der Titel der großen, dreijährigen Sonderausstellung des Kriminalmuseums zur Lutherdekade. Entsprechend der Ausrichtung des Museums fällt ein besonderer Fokus auf das Gebiet der Rechtsgeschichte: das düstere Kapitel des Hexenwahns wird aufgeschlagen. Bei der Hexenthematik handelt es sich um einen Aspekt, der mit Leben und Wirken Luthers untrennbar verknüpft ist. Martin Luther lebte zu einer Zeit wachsender Hexenangst. Für Luther bestand wie für die meisten seiner Zeitgenossen kein Zweifel an der Existenz von Hexen und deren (schändlichem) Einfluss auf Land und Leute. Daher ist es nicht verwunderlich, dass sich Luther auch zu diesem Thema äußerte. Jedoch war sein Umgang mit den Hexen von Widersprüchen geprägt. Forderte er an einem Tag noch die strikte Verfolgung und Bestrafung, rief er am anderen schon dazu auf, mit Hexen und deren Taten milde umzugehen, sie im christlichen Sinne hinzunehmen. Wollte er einmal „Der Erste sein, der Feuer an sie legt“, riet er beim anderen Mal zu Milde bei einem Einzelfall.

LindaFinal

Als Francisco de Goya 1799 seine Linda Maestra schuf, hatte der Hexenwahn bereits ein Ende gefunden.

Luther zeigte sich die Hexenfrage betreffend also auffällig doppelgesichtig. Um diesen Charakterzug Martin Luthers und auch viele andere seiner Aussagen und Taten nachvollziehen zu können, ist es unerlässlich, seine bewegte Biographie zu betrachten. Zugleich sollte man sich auch die Welt vor Augen halten, in der Martin Luther lebte, und die Schauplatz schwerwiegender Erschütterungen war.

Deswegen wird in der Ausstellung nicht nur Luthers Leben geschildert, sondern auch ein Blick auf das damalige Zeitgeschehen geworfen. Es werden die Bedingungen beleuchtet, unter denen die Menschen gelebt haben. Faktoren wie (Religions-)kriege, Epidemien wie die Pest und sogar eine „kleine Eiszeit“ helfen zu erklären, wie der Hexenaberglaube derart gewaltige Ausmaße annehmen konnte.

 

Rothenburg: das Hexenparadies?

Die Sonderausstellung widmet sich auch der Reformation und Hexenverfolgung in Franken und Rothenburg. Tatsächlich gab es in Rothenburg insgesamt nur drei Hexereiprozesse, von denen auch nur zwei zu einer Todesstrafe führten. Diese Anzahl ist erstaunlich gering verglichen mit den hohen Zahlen an Hexenprozessen und Hinrichtungen in nur wenig entfernten Städten wie Würzburg oder Bamberg. Diese erlangten mit der Verbrennung tausender Menschen traurige Berühmtheit als Hochburgen der Hexenverfolgung.

Womit lässt sich dies erklären? Die Antwort gibt es ab dem 1. Mai 2016 im Kriminalmuseum, wo es heißen wird: „Mit dem Schwert oder festem Glauben – Martin Luther und die Hexen.“

 

20150318_MartinLutherunddieHexen 2 Kopie

Martin Luther lebte in einer bewegten Zeit.

 

Markus Hirte / Charlotte Kätzel

Markus Hirte

Ich heiße Dr. Markus Hirte. Geboren wurde ich 1977 in Weimar. Ich habe Rechtswissenschaft studiert und wurde an der Friedrich-Schiller-Universität Jena zum Dr. iur. promoviert. Meinen Abschluss zum Magister Legum bestritt ich an der Fernuniversität Hagen. Ein Studienaufenthalt führte mich auch an die Cambridge University nach England. Knapp sieben Jahre arbeitete ich als Rechtsanwalt in Stuttgart, Berlin und London. Mein Herz schlug jedoch immer schon vor allem auch für die Strafrechtsgeschichte, meine Publikationsliste wurde länger und länger. Seit 2013 bin ich nun geschäftsführender Direktor des Mittelalterlichen Kriminalmuseums in Rothenburg und kann mich noch intensiver der Historie widmen. Meine Forschungs- und Interessenschwerpunkte: ältere und neuere Strafrechtsgeschichte, insbesondere mittelalterliches Kirchenstrafrecht, Inquisitionsverfahren, Hexenverfolgungen und die Entwicklung der Todesstrafe. http://www.kriminalmuseum.rothenburg.de/

Weitere Beiträge

Frühlingsradtour ab Rothenburg ob der Tauber

Wenn jetzt im Frühling die Wiesen blühen, gibt es kein Halten mehr. Dann geht es raus in die Natur. Da kann die romantische Altstadt von Rothenburg ob der Tauber noch so schön sein. Die erste Radtour steht auf dem Programm. Diese kleine Rundtour bietet traumhaft schöne Naturerlebnisse!
Der Start ist am einfachsten am Bahnhof. Von dort aus führen die Schilder Richtung Colmberg aus der Stadt heraus. Kurz vor Neusitz wählt man die Route nach Colmberg über die Altmühlquelle bei Hornau und folgt damit dem Altmühltalradweg.

Ursprung der Altmühl

Der Hornauer Weiher, Ursprung der Altmühl

Bühende Wiesen

Blühende Wiesen auf der ganzen Strecke

Der Berg hinauf auf die Frankenhöhe sieht bedrohlich aus, aber keine Angst davor! Die kleine Mühe dauert etwa eine Viertelstunde und lohnt sich. Nach der letzten Schiebestrecke ist man in Wachsenberg auf der Höhe angekommen.  Von hier ab kann man die Weiterfahrt entspannt genießen und hier beginnt auch bereits das Gefühl, der hektischen Welt ein wenig entflogen zu sein. Kleine Dörfer und vor allem sehr viel Landschaft stehen jetzt auf der Tagesordnung. Auf der Waldstrecke hinüber nach Linden leuchten die frischen Blätter der Buchen in hellem Grün. Entlang der kleinen Landstraße zum Hornauer Weiher blühen die Wiesen in voller Pracht und wetteifern mit den vielen Obstbäumen am Wegesrand.
Wer bisher noch nicht gehalten hat, sollte das spätestens am Hornauer Weiher tun. An beiden Seiten laden hier Bänke zum Verweilen ein.
Auch wenn ein anderer Bach bereits in den Weiher fließt und der Hirschteich bei Burgbernheim ebenfalls als Altmühlquelle bezeichnet wird, der Hornauer Weiher gilt als Ursprung der Altmühl. Ein schöner Stein am Südufer markiert dies und das kleine Bächlein, das hier den Weiher verlässt, ist zweifellos die Altmühl.

Alte Eiche

Eine gewaltige Eiche kurz vor Colmberg, Naturdenkmal

 

Colmberg

Colmberg, Burgblick auf dem Altmühltalradweg am Golfplatz

Durch die flache Landschaft der Altmühlwiesen fährt man gemütlich weiter. Man kommt durch kleine Orte und sollte ein Auge für die schönen Fachwerkhäuser haben. In Binzwangen wähnt man sich kurz im falschen Teil Bayerns, denn der Zwiebelturm der  St. Sebastian-Cornelius-Cybrian Barockkirche ist ein ungewöhnlicher Anblick in fränkischen Dörfern. Kurz vor dem Ort kann es passieren, dass man einem Golfer auf der Straße begegnet, der zum Abschlag eins des Colmberger Golfplatzes unterwegs ist. Der Platz liegt zu Füßen der Burg und wird derzeit auf eine 18 Loch Anlage erweitert.

 

Der nächste Stopp sieht verlockend aus, will aber erst erobert werden. Die besagte Burg Colmberg ist schon von Weitem zu sehen. Leider liegt sie, wie es sich eben für eine anständige Burg gehört, auf der Anhöhe der Frankenhöhe. Also noch mal durchatmen und rauf geht’s.  Das letzte Stück zu schieben ist keine Schande!

Dafür wird man mit einem herrlichen Ausblick auf das gesamte obere Altmühltal belohnt. Selbstverständlich darf man sich nach der Anstrengung dann auch eine kleine Einkehr gönnen. Je nach Wetter bieten sowohl der Burginnenhof mit Biergarten als auch die Innenräume mit echtem Burgambiente dazu Gelegenheit.

Zum Übernachten war die erste Etappe dann doch zu kurz und so geht die Fahrt in flottem Tempo weiter bergab. Wer will,  dreht in Colmberg noch eine  Runde durch den Ort und wirft einen Blick auf die Störche, die in der Nähe der Kirche ihr luftiges Domizil erbaut haben. Im Informationszentrum Frankenhöhe, gleich gegenüber der Kirche, kann man sich in der Ausstellung über den Naturpark Frankenhöhe auf dem Landschaftsrelief die Radrunde ansehen, die man bereits gefahren ist.
In der Tourist Information Romantisches Franken gibt es viele tolle Tipps für Radler und Sehenswertes in der ganzen Region.

Wie es sich für einen Ort mit Burg gehört, liegt Colmberg an der Burgenstraße von Mannheim nach Prag. Entlang dieser Route, die in diesem Gebiet von Ansbach nach Rothenburg führt, verläuft auch eine Radroute. Diese kann man nun für den Rückweg nach Rothenburg ob der Tauber nutzen.
Die Strecke von Colmberg zurück nach Rothenburg ob der Tauber führt am zweiten Teil des Golfplatzes vorbei. Über kleine Straßen und Wirtschaftswege, durch Wiesen, auf denen Pferden und Angusrinder weiden,  rollt man durch das obere Altmühltal. Bei Aidenau führt dann eine kleine, aber heftige Steigung wieder hinauf auf den Höhenzug der Wasserscheide. Die Fahrt durch den Wald ist erfrischend wohltuend. Kurz vor Neusitz kreuzt der Wanderweg „Europäische Wasserscheide“ den Radweg Burgenstraße.

Europäischer Wasserscheideweg

Der Europäische Wasserscheideweg ist gut beschildert.

Aber dann geht die Radtour mit einer flotten Bergabfahrt ihrem Ende entgegen. Rothenburg ob der Tauber ist bald erreicht und war der Ausgangspunkt einer wunderschönen Frühlingsfahrt.
Ach ja, diese Tour ist etwa 52 km lang und damit eine schöne Tagestour.

 

 

Regina Bremm

Gemeinsam mit meiner Familie wohne ich in Colmberg im Romantischen Franken. Für dieses schöne Gebiet, zu dem auch Rothenburg ob der Tauber gehört, bin ich beruflich beim gleichnamigen Tourismusverband tätig. Die Freizeit gehört der Familie und sportlichen Aktivitäten, allen voran dem Golfspielen. Mit einem Golfplatz am Wohnort ist das eine wunderbare Form der Bewegung, die niemals langweilig wird und bei fast allen Wetterlagen möglich ist. Auch mit dem Rad oder zu Fuß sind wir gerne in der Umgebung unterwegs. Rothenburg ob der Tauber mit seiner schönen Altstadt gefällt mir immer wieder aufs Neue - egal, ob bei einem Ausflug mit Besuchern in die Altstadt, beim Lichterlauf oder während des Weihnachtsmarkts. Auch zu einem Spaziergang durch die Weinberge oder in das zauberhafte Wildbad sage ich nicht Nein! www.romantisches-franken.de/

Weitere Beiträge

Rothenburger Stolpersteine – Ein ganz besonderes Pflaster oder Auf diese Steine sollten Sie schauen!

Die eher unbekannte Seite unserer wunderschönen fränkischen Kleinstadt.

Zum Schwan in der Oberen Schmiedgasse 15 / Foto: H.Ernst

Zum Schwan in der Oberen Schmiedgasse 15 / Foto: H.Ernst

Wenn ich vom Plönlein in Richtung Marktplatz auf der Unteren und Oberen Schmiedgasse gehe, erfreue ich mich nicht nur an den Geschäften und dem erst vor wenigen Jahren neu gemachten Pflaster, sondern vor allem an dem einen, kleinen Pflasterstein vor dem Gasthof Zum Schwan. Er fällt kaum auf und doch schaue ich immer mal wieder drauf. Denn ich war dabei als genau dieser Stein dort seinen Platz und seine Bestimmung fand. Leuchten und funkeln sollte er, wie ein Ewiges Licht zum Gedenken an was mal war.

Ach wenn diese Mauern doch sprechen könnten! Was hätten sie nicht alles zu erzählen.

GZSZ – Gute Zeiten / Schlechte Zeiten

Heute schlendern Menschen aus allen Herren Ländern friedlich durch die beschaulichen Gassen. Es ist aber noch gar nicht so lange her, da hämmerten schwere Stiefelsohlen über das Pflaster und zerrten Menschen aus ihren Häusern. Plötzlich wurden aus Mitbürgern Menschen zweiter Klasse. Nachbarn, im besten Fall hilflose Freunde, meist stumme Zeugen, manchmal sogar Täter.

Franken war ganz schön „Braun“. Die NSDAP konnte auch hier große Wahlerfolge verzeichnen und unser schönes mittelalterliches Städtchen war auch schon damals sehr beliebt. Die ganzen großen Namen, sie waren alle da.

Zum Glück vorbei!

Rudolf Hess, Hermann Göring, Heinrich Himmler und Adolf Hitler standen alle schon mal auf unserem Marktplatz. Sind vermutlich auch am Schwanen vorbei gekommen. Was würden die Besucher von damals heute wohl zu Rothenburg sagen? Diese heute so weltoffene Stadt, die sich immer mehr der braunen Flecken ihrer Geschichte erinnert und auch deutliche Zeichen dagegen setzt.

(weitere Infos: Rothenburg unterm Hakenkreuz)

Steine gegen das Vergessen

Wenn ich auf Führungen auf dieses Thema zu sprechen komme, leite ich es gerne mit einem Zitat aus dem Talmud ein, das der Erfinder der Stolpersteine auch auf seiner Internetseite www.stolpersteine.de verwendet. „Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist“. Es geht um Steine gegen das Vergessen. Es geht darum zumindest mal für einen Moment im Geistigen Sinne zu stolpern und aus dem Tritt des Alltags zu geraten.

Seit 2013 gibt es sie nun auch bei uns in der Altstadt von Rothenburg ob der Tauber. Die immer wieder kontrovers diskutierten Stolpersteine.

Am 26. April war Gunter Demnig bei uns und hat an fünf Stellen insgesamt zehn seiner Steine selbst gesetzt, so wie er das bis auf wenige Ausnahmen immer tut.

Vier Stolpersteine befinden sich bei der Herrngasse 21. Hier war die Gebetsstube der letzten jüdischen Gemeinde von Rothenburg eingerichtet.

Jeweils zwei wurden bei der Judengasse 22 und der Neugasse 36 gesetzt. Die letzten beiden sind zum einen in der Kirchgasse vor dem Haus Nr. 1 und eben in der Oberen Schmiedgasse Nr. 15 zu finden.

Judengasse Nr. 24 / Foto: H. Ernst

Judengasse Nr. 22 / Foto: H. Ernst

Kirchgasse Nr. 1 / Foto: H.Ernst

Kirchgasse Nr. 1 / Foto: H.Ernst

Herrngasse Nr. 21 / Foto: H.Ernst

Herrngasse Nr. 21 / Foto: H.Ernst

Die Bedeutung der Stolpersteine

Wenn ich auf meinen Führungen auf diese 9,6 x 9,6 cm kleinen, mit einer Messingtafel versehenen Pflastersteine hinweise, hatte ich noch nie negative Reaktionen oder kontroverse Diskussionen. Ganz im Gegenteil. Inländische Gäste verbinden mit diesen Mahnmalen zwar meist den Holocaust, also nur die jüdischen Opfer, und da ergänze ich gerne das Wissen. Es geht hier um alle Opfer der Nationalsozialisten und die Liste ist lang. Sinti / Roma, Zeugen Jehovas, Behinderte, Homosexuelle, Kommunisten und so weiter und so fort. Es war nicht schwer ein Opfer zu werden!

2 Stolpersteine in der Neugasse

2 Stolpersteine in der Neugasse Nr. 36

Gerade Gäste aus dem Ausland sind dann ganz besonders interessierte Zuhörer. Nach meiner Erklärung, dass diese kleinen Gedenktafeln an das Schicksal der Menschen erinnern, die in der NS-Zeit verfolgt, ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden, wird von Gästen aus dem Ausland immer wieder die Kamera gezückt und darüber gesprochen.

Die Verbreitung der Stolpersteine

Länder mit verlegten und geplanten Stolper­steinen, Weißrussland und Litauen folgen 2016 - By Cirdan [CC BY-SA 4.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)], via Wikimedia Commons

Länder mit verlegten und geplanten Stolper­steinen, Weißrussland und Litauen folgen 2016 – By Cirdan [CC BY-SA 4.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)], via Wikimedia Commons

Aus dieser Reaktion schließe ich, dass dieses Kunstprojekt von Gunter Demnig im Ausland noch nicht so bekannt ist. Dabei sind die 57.000 Stolpersteine und inzwischen auch 17 Stolperschwellen (Foto: Wikipedia) bereits in 20 Nationen zu finden sind. In der Regel vor dem letzten frei gewählten Wohnhaus. Voraussichtlich in diesem Jahr wird mit Weissrussland noch ein weiteres Land dazu kommen. Die Tore ins Baltikum stehen dem mehrfach ausgezeichneten Künstler (zum Beispiel 2005 Bundesverdienstkreuz) auch auf. So hat er mir auf meine aktuelle Anfrage auch von Kontakten nach Litauen und Riga in Lettland berichtet.

Ein Ende mit Schrecken

Das Grauen kam zurück. Der Terror, von den Nazis in die Welt exportiert, hat am Ende nicht nur seine Geistigen Väter eingeholt, sondern ganz Deutschland.

Zerstörter Stadtteil 1945

Zerstörter Stadtteil 1945

Die Bilder sind allen bekannt und leider wurde auch unser mittelalterliches Kleinod nicht verschont. Am 31.März jährt sich der verheerende Bombenangriff auf Rothenburg zum 71. Mal.

Aber damit war es immer noch nicht vorbei. Es kam noch zu weiteren tragischen Vorfällen und gerade solche Einzelschicksale führen mir das Grauen besonders deutlich vor Augen.

Die Männer von Brettheim & Rothenburger Opfer

Mit der Geschichte aus meinem Heimatdorf im April ´45 bin ich groß geworden. Die Ereignisse sind ausgezeichnet dokumentiert und veröffentlicht, unter anderem in der Erinnerungsstätte im Brettheimer Rathaus.

Die Gräber der Opfer des Bombenangriffes sind mit anderen Opfern der letzten Kriegstage in einem speziellen Bereich unseres Friedhofes zu finden. Unweit davon entfernt hängt seit dem 7. April 2015 eine Tafel für den dort 70 Jahre zuvor exekutierten Johann Rößler.

Friedhof Rothenburg / Foto: H.Ernst

Friedhof Rothenburg / Foto: H.Ernst

Gedenktafel J. Rößler / Foto: H. Ernst

Gedenktafel J. Rößler / Foto: H. Ernst

Auf dessen Geschichte bin ich erst während meiner Recherche für diesen Blogbeitrag aufmerksam geworden. Ausführlichere Informationen finden sich auf der ausgezeichneten Internetseite „Rothenburg unterm Hakenkreuz“ Link. Hier gleich der Link zu dem Artikel über J. Rößler.

 

 

Vergangenheit – Gegenwart – ??? und was lernen wir daraus?

Bei all diesen Geschichten, die durch Projekte wie die Stolpersteine oder „Rothenburg unterm Hakenkreuz“ aus dem Nebel der Vergangenheit ins Licht der Gegenwart gehoben werden, stellen sich mir zwei Fragen.

  • Wie viele Tragödien haben sich im Laufe der Geschichte hinter diesen Mauern ereignet, von denen wir (noch) nichts wissen?
  • Was lernen wir daraus?

Diese Zeiten sind gute Zeiten zumindest hier und trotz aller aktuellen Herausforderungen ist dieses Land und diese Stadt ein sehr guter Ort zum Leben. Groß ist Rothenburg mit seinen 11.000 Einwohnern zwar nicht, aber definitiv international und kosmopolitisch. Das wäre auch ein gutes Thema für einen meiner nächsten Beiträge. Aber eines ist heute schon sicher.

Rothenburg ob der Tauber ist ebenso lebens- wie liebenswert und hier ist die Welt zu Gast!

Harald Ernst

Bin ich ein Rothenburger? JAIN! Meine Wurzeln liegen nur 15 km von Rothenburg entfernt. Brettheim, früher ein Teil des Stadtgebietes der Reichsstadt mit ca. 180 Dörfern, liegt heute in einem anderen Bundesland (BW). Das erklärt, weshalb ich mich als Rothenburger fühle, inzwischen auch in der Altstadt lebe, aber nicht wie ein Rothenburger klinge. Ich bin ein Hohenloher mit entsprechendem Dialekt (wenn ich will oder darf) und habe mich während meines Zivildienstes (1990/91) in der Jugendherberge in die Stadt verliebt. Außerdem habe ich mich durch die Gäste aus aller Welt inspirieren lassen und das Reisen für mich entdeckt. Menschen, Länder, Abenteuer lassen mich immer wieder meine Koffer packen. Doch genauso gerne kehre ich immer wieder zurück in diese besonders schöne Stadt. Aus Hobby wurde Beruf. Bereits 1993 kam ich zur Gästeführerei. Im Jahr 2000 habe ich mit einem Freund ein Reiseunternehmen gegründet und bin seit dem selbstständiger Stadtführer, Reiseleiter und Driverguide für Gäste aus aller Welt im In- und Ausland. Doch mein Schwerpunkt ist und bleibt Rothenburg ob der Tauber. Hier kenne ich mich am besten aus. Hier bin ich Zuhause.

Weitere Beiträge - Website

Zwischenspiel 45 Jahre städtische Musikmeister-Geschichte 1873-1918

Wilhelm Simon Melchior Fürst - städtischer Musikmeister

Wilhelm Simon Melchior Fürst – städtischer Musikmeister

Anfang 1873 wurde Wilhelm Fürst die Stelle des Stadtmusikus in Rothenburg ob der Tauber verliehen und er zog von Feuchtwangen nach Rothenburg in die Paradeisgasse. Von nun an bis zu seinem Ableben im Juni 1911 leitete er die Städtische Musikkapelle mit ihren vielseitigen Aufgaben rund um das reichhaltige musikalische Angebot vom Turmblasen bis zum Empfang von Gästen der Stadt, von kirchlichen Festen bis zu Vereins- und Unterhaltungsveranstaltungen aller Art, von Standkonzerten bis zur Trauermusik. In seinem Hause hatte er neben seiner Musikalienhandlung auch einen Ausbildungsbetrieb und bildete Lehrlinge / Musikernachwuchs im Geschäft der Musik aus. Im weiteren Zuge seiner musikalischen Tätigkeit auch für die Veranstaltungen des Historischen Festspiels „Der Meistertrunk“ wurde er zum Ehrenmitglied des selben sowie im Militär-Verein. Nachfolger seines Amtes wurde darauf sein Sohn Fürst Hans Johann Lorenz, Stadtmusikus, städtischer Musikmeister,*27.02.1887 ✠07.07.1918 der nach der Ausbildung durch seinen Vater auch die königliche Musikschule in Würzburg besuchte. Nicht nur die Leistungen als Dirigent der städtischen Kapelle, auch seine „bezaubernden Geigenklänge“ fanden großen Anklang beim Publikum. Mit ihm endeten im Jahre 1918 das 45 Jahre andauernde „Zwischenspiel“ der städtischen Musikgeschichte unter der Leitung Fürst in Rothenburg.

Im Lauf der Zeit kamen und gingen viele Leiter der städtischen Musikkapelle in Rothenburg ob der Tauber.

1872 erscheint mehrfach eine Amtliche Bekanntmachung der Stadt Rothenburg ob der Tauber im Fränkischen Anzeiger: „Die Stelle eines hiesigen Stadtmusikus und Thürmers soll wieder besetzt werden.“

26.10.1872

Bekanntmachung im Fränkischen Anzeiger 26.10.1872

Im August 1872 wurde die Stelle des Stadtmusikus von der des Thürmers / der Thurmwache oder auch Feuerwache auf dem Rathausturm getrennt und so wurde die Stelle des Stadtmusikus im Oktober des Jahres neu ausgeschrieben mit der Ergänzung: Außerdem steht dem Stadtmusikus entsprechender Verdienst aus Conzerten, Gesellschaftsproduktionen, Tanzmusiken ec. in und außerhalb der Stadt in Aussicht.

Auf diese Stelle bewarb sich am 10.11.1872 Wilhelm Simon Melchior Fürst als ein weiterer Vertreter der weit verzweigten Musikerdynastie „Fürst“ aus Feuchtwangen (*26.10.1848 in Feuchtwangen als Sohn des Stadtmusikus und Stiftstürmers, Georg Gustav Adolf Fürst).

Hier das Bewerbungsschreiben aus Feuchtwangen:

Wohllöblicher Stadtmagistrat!

Ergebenste Bitte des Musikus Wilhelm Fürst aus Feuchtwangen

Betreff: Günstige Verteilung der Stelle eines Stadtmusikus in Rothenburg.

In der Beilage No 101 zum kgl. bäyer. Kreis Amtsblatte von Mittelfranken vom 16. Novbr. ist durch eine Bekanntmachung des wohllöblichen Stadtmagistraths Rothenburg die Stelle eines Stadtmusikers daselbst zur Bewerbung ausgeschrieben.

Als Sohn des hiesigen (*1)Stadtmusikus hatte ich von frühester Jugend an Gelegenheit mich im Musikfache auszubilden. Ich habe mich demselben auch mit Neigung und Eifer gewidmet und erhielt Musikunterricht bei dem jetzigen Stadt Musikus in Weißenburg a/S (am Sand; heute Weißenburg in Bayern), (*2)Ludwig Fürst, früherer Zeit in Gunzenhausen. Um mich noch weiterzu im Musikfache auszubilden begab ich mich auf längere Zeit nach München und erhielt dort hauptsächlich Unterricht im Violinspiel von dem Hofmusiker Walther und in der Kompositionslehre von (*4)Sachs. Auf diese Weise ist es mir gelungen auf der Violine und der Klarinette ziemliche Fertigkeiten zu erhalten, sowie überhaupt mit den anderen Streich Instrumenten, allzu Blas Instrumenten, ins Besondere Trompete gut vertraut zu werden, so daß ich die Stelle meines Vaters, der durch ein Augenleiden öfters an der Ausübung seines Geschäftes verhindert war, vollständig, wie beiliegendes Zeugnis bestätigt, versah. Das ich der Militair Pflicht genügt, beweist beiliegender Freischein. Im Vertrauen auf die Güte des wohllöblichen Magistrats der Stadt Rothenburg erlaube ich mir an denselben die gehorsamste Bitte zu stellen: „Es möge deraselben belieben,“mir die Stelle eines Stadtmusikers zu Rothenburg“ günstigst zu verleihen. Ich gebe mich der Hoffnung hin, daß es dem wohllöblichen Magistrate gefallen möge, meiner Bitte Berücksichtigung angedeihen zu lassen.

Hochachtungsvoll des wohllöblichen Stadtmagistrats Rothenburg

gehorsamster Wilhelm Fürst Musikus

1872.11.10 -001

Bewerbungsschreiben vom 10.11.1872 an den Stadtmagistrat Rothenburg ob der Tauber

1872.11.10 -005

 

Fürst Wilhelm Simon Melchior, städtischer Musikmeister Rothenburg o.d.T.

Wilhelm Fürst, städtischer Musikmeister in Rothenburg ob der Tauber, komponierte das Festspiel Melodram, dirigierte Melodram und Festspiel Ouvertüre für das historische Festspiel „Der Meistertrunk“

 

Aufnahme um 1886 Wilhelm Fürst, städtischer Musikmeister in Rothenburg ob der Tauber, komponierte das Festspiel Melodram, dirigierte Melodram und Festspiel Ouvertüre für das historische Festspiel "Der Meistertrunk" - Wilhelm Fürst erste Reihe von vorn ganz Rechts sitzend - der spätere Obermusikmeister Georg Fürt (u.a. - Komponist des Badonviller-Marsches) 3te Reihe von vorne 2ter von Rechts

Aufnahme um 1886 – Wilhelm Fürst erste Reihe von vorn ganz Rechts sitzend – der spätere Obermusikmeister Georg Fürst (u.a. – Komponist des Badonviller-Marsches) 3te Reihe von vorne 2ter von Rechts

Erläuterungen:

(*2) Fürst Ludwig,*25.08.1831 †10.05.1893, Alter: 61 Jahre, Städtischer Musikmeister in Gunzenhausen – Weißenburg in Bayern

(*1) Fürst Georg Gustav Adolf (genannt: Adolf Fürst), *13.03.1816 †28.12.1900 , Alter: 84 Jahre alt, Stiftsmusikmeister in Feuchtwangen, Stadtmusikus

(*4) Sachs, Melchior Ernst (Ernst Melchior, Johann Melchior Ernst). *28.02.1843 Mittelsinn, letztmals erwähnt 1910 Komponist, Chorleiter, Musikpädagoge, Kompositionslehrer, Gesangslehrer, Musikforscher

 

 

 

Benjamin Babel

Mein Name ist Benjamin Babel. Ich wurde 1962 in Rothenburg ob der Tauber geboren. Nach der Schulzeit und der Ausbildung führten mich meine Wege als Journalist in alle Welt. Doch das Herz schlägt nun mal in der Heimat und so blieb ich mit meinem Rothenburg auch in der Ferne stets verbunden. Seit 2011 lebe ich wieder in Rothenburg ob der Tauber, direkt am Marktplatz. Vielleicht hat mich der ein oder andere Besucher übrigens schon einmal in den Medien gesehen.

Weitere Beiträge

Rothenburg – fast schon absurd pittoresk

Rothenburg gilt gemeinhin als eine der romantischsten Städte Deutschlands. Das „romantische Taubertal“ zu Füßen, durch welches sich die ebenso „romantische Straße“ (nebenbei bemerkt: Deutschlands bekannteste und beliebteste Ferienstraße) schlängelt und geradewegs durch die Stadt hindurch, weiter Richtung Alpen führt.

Die Stadt selbst, speziell natürlich die geradezu absurd pittoreske Altstadt (eine Formulierung, die ich übrigens erst heute Vormittag als Kommentar auf folgendes Instagram von mir geerntet hatte ;-)), IMG_2411 blogmit verwinkelten Gassen und Gässchen, Nischen und Nischchen, Fachwerkhäusern und -häuschen, Plätzen und Plätzchen, Brunnen und Brünnchen. Eben all diesen großen und kleinen Dingen, die es sich in dieser schönen Stadt zu entdecken lohnt.

rothenburg - sonnenuntergang vom burggarten aus gesehen

Zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Prächtiger Sonnenuntergang vom Burggarten aus gesehen.

Beste Voraussetzungen auch für einen romantischen Kurztrip. Noch dazu, wenn dieser abseits der touristischen Hochsaison und dem ganzen damit verbundenen Trubel erlebt werden kann.

Das dachten sich vor drei Jahren auch ein paar kreative Köpfe unter der Regie des Stadtmarketing. Auf der Suche nach Ideen, wie die „stade“ Zeit, wie das im Bayerischen eben so heißt, belebt werden könnte, fiel der Blick auf den 14. Februar. Valentinstag. Ein Termin, genau in der Mitte dieser – für Rothenburger Verhältnisse – recht ruhigen Zeit.

Gastronomen, Hoteliers, Einzelhändler und Dienstleister entwickelten die Idee der „Romanze an Valentin“, jenem kleinen und feinen touristischen Package, aus speziellen Übernachtungsangeboten, Veranstaltungen, Verwöhnprogramm, kulinarischen Highlights. So wie man sich das eben für ein kuscheliges Wochenende zu zweit wünscht.

Auf den Spuren der Liebe

Speziell für Verliebte: Stadtführung mit Schwerpunkt auf Liebe und Romantik.

Seit dieser Zeit wird das Paket jedes Jahr aufs neue geschnürt. Mit nach wie vor steigender Resonanz.

Neben einer bewährten „Kernmannschaft“ der Romanze, aus Gastronomie, Hotellerie und Handel, sind in diesem Jahr auch wieder drei neue Teilnehmer mit speziellen Angeboten dabei. Hierüber freuen wir uns vom Stadtmarketing ganz besonders!

So geht dieses Wochenende voller Highlights für verliebte Paare, an dem wohl jeder seine ganz persönliche „Romanze an Valentin“ erleben kann, in diesem Jahr in die dritte Runde.

Mehr über die „Romanze an Valentin“ finden Sie auf der offiziellen Rothenburg-Website, den Flyer zum Angebot können Sie hier herunterladen.

Alexander Baß

Ich bin gebürtiger Rothenburger und habe nach dem Besuch des Reichsstadt-Gymnasiums an einer Außenstelle der Hochschule Offenburg, untergebracht im ehemaligen Benediktinerkloster im schönen Gengenbach, zunächst Wirtschaftsingenieurwesen und dann technische Betriebswirtschaft studiert. Das Studium und der damit verbundene erste Kontakt mit dem damals noch sehr jungen Internet, führte mich unmittelbar in die Selbständigkeit mit einer Agentur für Internet, Multimedia und Werbung, die ich seit nunmehr 20 Jahren betreibe. Wieder hier in Rothenburg. Die Verbundenheit zu unserer schönen Stadt, sowie mein unternehmerischer Hintergrund, haben mich 2011 dazu bewegt, mich mit einigen Mitstreitern der Gründung des Stadtmarketing Rothenburg ob der Tauber e.V. zu widmen, dessen Geschicke ich auch bis heute aktiv begleite. Momentan sitze ich als 2. Vorsitzender im Vorstand und in dieser Funktion möchte ich hier von Zeit zu Zeit über die Aktivitäten des Stadtmarketing berichten.

Weitere Beiträge

Tatort Rothenburg: Die kriminale Saison am Toppler Theater

In diesem Jahr ist alles ein wenig anders im kleinen Nordhof des ehemaligen Dominikanerinnenklosters. Das Motto lautet: „Die kriminale Saison“. Keine Beziehungskisten und Ehedramen, sondern Kriminalgroteske und kriminal-Komödie stehen im Mittelpunkt. Durchaus passend für eine mittelalterliche Stadt, die gerade mit einem Kriminalmuseum immer wieder Gäste von nah und fern anzieht und deren Nachtwächter mit Gruselgeschichten zu begeistern weiß. Während Kriminalmuseum und Co. aber einen realen, ernsten und zum Teil blutigen Hintergrund haben, bleibt es bei den Aufführungen am Toppler Theater unterhaltsam und harmlos. Das Publikum soll sich, wie 2012 bei den „39 Stufen“, amüsieren und einen heiteren Abend erleben. Und wer mit Kriminalstücken dann gar nichts anfangen kann, der findet bestimmt bei einem der wieder zahlreich stattfindenden Gastspiele gefallen.

 

Plakat: Die kriminale Saison am Toppler Theater

Plakatmotiv 2016: Die kriminale Saison am Toppler Theater

Ein Glücksfall

Die Planungen dieser kriminalen Saison laufen bereits seit Anfang letzten Jahres. Einmal etwas anderes, etwas Neues ausprobieren, war der Anfangsgedanke. Das Gastspiel „Oben bleiben“ mit Schauspielerin Gerit Kling im vergangenen März war dabei ganz entscheidend. Denn erst die bekannte Schauspielerin stellte einen Kontakt zwischen dem Kulturforum (mit Jürgen Klatte) und dem Autor Carsten Golbeck her. Und das war ein regelrechter Glücksfall. Wie sich herausstellte, arbeitete der Autor gerade an einem neuen Stück mit dem Namen „Drei Morde, Küche, Bad“. Wie gemacht für eine „kriminale Saison“ und das kleine Toppler Theater. Eine Uraufführung in Rothenburg, zweifelsfrei das i-Tüpfelchen für die Spielzeit 2016. Und das sorgt sicher auch für den ein oder anderen zusätzlichen Gast, der seinen Kurzurlaub nun in das mittelalterliche Städtchen Rothenburg ob der Tauber an der romantischen Straße verlegt.

 

Bei Langeweile: Mord

Den Saisonauftakt macht aber zunächst die Kriminal-Komödie „Ein Sonntag zum Töten“ von Jack Jaquine. An verregneten Sonntagen kann schnell Langeweile aufkommen. Aber was macht man, wenn man über 190 Tage dieser gefühlten Sonntage hinter sich hat? Für Hélène und Clarissa ist die Antwort einfach: man schreibt sich einen Mord an der kürzlich verschwundenen Nachbarin „zugute“ und bittet den örtlichen Kommissar um einen Hausbesuch. Der Sonntag scheint gerettet, eine willkommene Abwechslung geschaffen. Doch der Fall um die verschwundene Nachbarin nimmt eine plötzliche Wendung an. „Ein Sonntag zum Töten“ ist eine schrille Kriminalkomödie, welche das Genre köstlich amüsant aufs Korn nimmt und seine Vorbilder, Kommissar Clouseau, Miss Marple oder Columbo lückenlos einarbeitet.

Plakatmotiv: Ein Sonntag zum Töten

Plakatmotiv: Ein Sonntag zum Töten

Regie bei diesem Drei-Personenstück führt Martin König, der im vergangenen Jahr mit der Inszenierung von „Der dressierte Mann“ einen großen Erfolg verbuchen konnte. Die einzelnen Schauspieler/innen stehen zum jetzigen Zeitpunkt allerdings noch nicht fest. Premierentermin ist Mittwoch, der 22. Juni 2016.

 

Streit um die eigenen vier Wände

Weiter geht es am Mittwoch, den 27. Juli 2016 mit der Premiere von „Drei Morde, Küche, Bad“ von Carsten Golbeck. In der Uraufführung treffen zwei Paare in einer leeren Wohnung aufeinander. Beide haben den gleichen Vorkaufvertrag in der Tasche. Aber vom Makler weit und breit keine Spur. Was als situationskomischer Schlagabtausch beginnt, beherrscht vom zivilisierten Umgang miteinander, gerät im Laufe des Abends aus den Fugen und endet in einer Schlacht um die „Festung“ Wohnung. Eine heiter-satirische Geschichte um die Themen „Wohnen heute“ und „Neid, Missgunst, Habenwollen“. Wie zugeschnitten auf die Toppler Bühne. Und natürlich mit drei Morden.

Plakatmotiv: "Drei Morde, Küche, Bad"

Plakatmotiv: „Drei Morde, Küche, Bad“

Das Vier-Personenstück inszeniert die deutschlandweit gerade sehr gefragte Regisseurin Katja Wolff. Zuletzt war ihre Arbeit an der Wuppertaler Oper mit der „West Side  Story“ zu sehen. Da sie schon häufiger mit dem Autor Carsten Golbeck zusammengearbeitet hat, dürfen wir uns auf eine erstklassige Inszenierung freuen. Die einzelnen Schauspieler/innen stehen zum jetzigen Zeitpunkt allerdings noch nicht fest.

 

Kunterbunt mit Gastspielen

Viele wird es freuen: dieses Jahr wird es wieder eine Vielzahl an Gastspiele geben, die den Spielplan auflockern. Neben dem Auftritt der Hans-Sachs-Gilde, die wie jedes Jahr auf der Bühne zu sehen sein wird, gibt es insgesamt 11 weitere Termine mit Alternativprogramm. Mit dabei ist Christian Klischat, der uns den „Schinder Hannes“ näher bringen wird. Ganz passend zu einer „kriminalen Saison“, wie wir finden. Auch das Danzig Baltik Quartett wird erneut mit von der Partie sein und mit dem Thema „Smooth criminal“ ebenfalls einen stimmigen Beitrag leisten.
Nicht ganz so kriminell geht es bei den drei Gastspielen von Gerit Kling zu. Die aus der TV-Serie „Hafenkante“ bekannte Schauspielerin zeigt ihr Solo-Stück „Oben bleiben“, das bereits vergangenes Jahr im Musiksaal großen Zuspruch erhielt. Richtig unterhaltsam, aber auch zum Nachdenken!
Mit meistenteils zu Klassikern gewordenen Kabarettsongs – mit einer Spannweite von virtuoser Komödie bis zur existenziellen Tragödie – kommt „Heute Abend: Lola Blau“ ins Programm. Ein Gastspiel des „E-Werk“ Freiburg (Leitung Jürgen Eick) mit Atischeh Hannah BraunHelmut Büchel und Klaus-Lothar Peters . Zu guter Letzt liefert auch das Theater Ansbach seinen Beitrag an zwei Spieltagen (Informationen dazu folgen in Kürze).

Alle Einzeltermine können auf der Webseite des Toppler Theaters (http://www.toppler-theater.de) eingesehen werden.

Wir freuen uns auf eine spannende und unterhaltsame Saison 2016!

Marian Jaworski

Mein Name ist Marian Jaworski. Geboren wurde ich 1981 in Rothenburg ob der Tauber und ging hier auch zur Schule. Nach meinem Hochschulabschluss der Neueren und Neuesten Geschichte, fränkischen Landesgeschichte und politischen Theorie und Philosophie an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg, zog es mich erneut in meine Heimat zurück. Seit 2010 arbeite ich für das Toppler Theater. Zunächst als Regieassistent tätig, bin ich mittlerweile auch für Teile der Organisation und des Marketings zuständig.

Weitere Beiträge - Website

Know-How Transfer von der Schwäbischen Alb

In Rothenburg ob der Tauber gründeten Gastronomen den Verein „Genießen ob der Tauber“. Das Ziel ist, mit Weinkulinarik und regionalen Speisen den Tourismus zusätzlich zu stärken. Zum Start besuchten die Vereinsgründer die Schwäbische Alb und lernten von „Biosphären-Gastgebern“ und „Schmeck den Süden“-Restaurants.

Das Ziel der gastronomischen Studienreise, die am Rothenburger Marktplatz startete, war die Schwäbische Alb. Der Grund für die Auswahl dieser Destination: Der touristische Erfolg der Alb stellte sich ein, als zu den Anziehungsmerkmalen Natur und Gesundheit die Kulinarik entwickelt wurde. In Rothenburg ob der Tauber kalkuliert man ähnlich und will zu den reichlich vorhandenen Kulturgütern und dem Taubertal-Naturerlebnis die Kulinarik stärker entwickeln. Die Frauen und Männer aus der Rothenburger Gastro-Szene, die gemeinsam Richtung Alb fahren, haben bisher schon ein gemeinsames geschäftliches Projekt: Das Rothenburger Weindorf – dabei steht jedes Jahr im August die historische Stadt eine Woche lang ganz im Zeichen des Weins aus Franken und von der Weinstraße Taubertal. Die Gastwirte bewerben dabei jeweils ihr Partner-Weingut oder sie nennen, wie Albert Thürauf, der Wirt der „Glocke“, ein eigenes Weingut vor den Toren der Stadt ihr Eigen.

Ihre Weinaffinität teilen die Wirte mit dem Tourismusdirektor ihrer Stadt. Dr. Jörg Christöphler war vor seiner Berufung nach Rothenburg unter anderem für das Sächsische Staatsweingut tätig. Seine Idee war es auch, den Verein „Genießen ob der Tauber“ zu gründen. Er formulierte schon am Anfang der einjährigen Beratungsphase das Ziel, die Gäste mit Weinkulinarik noch intensiver an Rothenburg zu binden. Den Gastronomen geht es dabei um ein qualitatives Wachstum. Man will nicht unbedingt die Gästezahl von heute schon über 2 Millionen jährlich steigern. Die Verweildauer zu erhöhen und auch den Durchschnittsumsatz pro Gast zu steigern, ist hingegen ganz im Sinne der Vereinsgründer.

Genau dieses Ziel verbindet nun die Rothenburger auch mit den Gastronomen und Tourismusmanagern von der Schwäbischen Alb. Der Bürgermeister von St. Johann, Florian Bauer, brachte es bei der Begrüßung der Studienreisegruppe gleich auf den Punkt: „Damit regionale Kulinarik zum touristischen Magneten wird, braucht es am Anfang eine Idee und den Willen“. Ein Musterbeispiel für gastronomische Ideen und unternehmerischen Willen von der Alb stand dabei neben ihm: Ludwig Failenschmid ist der Wirt des gleichnamigen Landgasthofs und Inhaber mehrerer Metzgereifilialen. Der Bürgermeister und der größte Arbeitgeber des Ortes berichteten den Rothenburgern, wie der touristische Erfolg auf der Alb entstanden ist: Mit der Auflösung des Truppenübungsplatzes Münsingen in den 1990er Jahren ergab sich die Frage: Was tun mit einem so großen Gelände, das seit rund 100 Jahren militärisch genutzt wurde? Zur gleichen Zeit habe sich das Ernährungsbewusstsein breiter Bevölkerungskreise entwickelt. Diesen Bewusstseinswandel haben Failenschmid und andere Gastwirte und Ernährungshandwerker zu ihrem Anliegen und ihrem Geschäft gemacht. Ludwig Failenschmid gab den Rothenburgern ein wichtige Antwort mit: „Ihr werdet ein Magnet für die kulinarisch verwöhnten Gäste, wenn ihr kooperiert. Ihr müsst euch gegenseitig fördern“.

Nach dem Mittagsmenü „Albbüffel trifft Alblinsenschwein“ war die nächste Station das „Biosphärenzentrum Schwäbische Alb“. Achim Nagel, der stellvertretende Leiter, erläuterte, wie Natur und Kulinarik sich als Bausteine eines erfolgreichen touristischen Konzepts ergänzen. Sein Ratschlag: Hohe Anforderungen stellen, die nicht jeder auf Anhieb erfüllt. So würden auch Gäste mit hoher Kennerschaft zu Lebensmitteln überzeugt. Entsprechend ist auf der Alb die Basiszertifizierung „Schmeck den Süden“ – dabei müssen in drei Kategorien die Lebensmittel in ansteigenden Anteilen aus Baden-Württemberg kommen. Die Hürde, „Biosphärengastgeber“ zu sein, erfüllen dann schon deutlich weniger Wirte. Denn hier müssen die verwendeten Erzeugnisse aus dem Biosphärengebiet stammen. Damit ist nicht alles ständig verfügbar, was die Wirte gerne auf die Karte schreiben möchten. Die Pflege der Lieferantenbeziehungen wird entsprechend für die Biosphärengastgeber zur wichtigen Aufgabe.

Die Chancen der Spezialisierung präsentierte an der nächsten Station der Studienreise Inge Tress, die Chefin des Biohotels „Rose“ in Hayingen-Ehestetten. Die „Rose“ ist Teil der Tress-Gastronomie und umfasst u. a. die „Biomanufaktur“ und die „Wimsener Höhle“. Mit dem Charme einer Gastgeberin aus Leib und Seele begeisterte Inge Tress für Biolebensmittel und die Verwendung aller Teile vom Tier. Entsprechend finden sich auf der Speisekarte ihres Biorestaurants auch Gerichte aus Innereinen oder weniger beliebten Teilstücken von Rind und Schwein, Kalb oder Lamm. Das Credo von Inge Tress, über das die Rothenburger noch bei der Heimfahrt im Bus sprachen: „Was es schon überall anders gibt, das muss es doch nicht auch noch bei mir geben“.

Am Abend eines langen Studientages empfing Rainer Authenrieth, Inhaber des Biosphärenhotels Hermann in Münsingen, die Kollegengruppe. Die schon im Biohotel Rose gelernte Philosophie setzte sich hier beim Menü „Spezialitäten aus dem Lamm vom Schäfer Stotz“ fort. Die rosa gebratene Lammleber in Kräuterkruste war der richtige Einstieg zu einem Fachgespräch darüber, wie man die Gäste auf dem gemeinsam für richtig erkannten Weg auch „mitnehmen“ kann. Die Devise „Schritt für Schritt“ war das Erfolgsrezept von Authenrieth und soll auch das der Vereinsmitglieder von „Genießen ob der Tauber sein“. Klaus Sackenreuther, der Vorsitzende des Vereins, sagt das so: „Wir werden die Geschäfte, die wir bisher schon erfolgreich machen, sichern und dann mit einer stärker regional und lokalen Prägung neue Kulinarik-Gäste gewinnen“.

Am zweiten Studientag ging es zunächst auf den Bauernhof. Auf dem Hof des aus Spielfilmen und Fernsehen bekannten Willi Wolf in Meidelstetten stehen 200 schwarze Albbüffel, wie sie von der Gruppe noch am gestrigen Tag in Bratenform verkostet wurden. Dass ein Bauernhof, der selbst touristischer Magnet ist, als Lieferant einen positiven Imagetransfer bewegt, stand für alle Teilnehmer außer Frage. Offen blieb da aber die Frage: „Wie gehen wir vor, wenn wir als Gastronomen den Bauern als Lieferanten haben wollen?“. Dieter Gallus, Kreisvorsitzender vom Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes DEHOGA Bayern e.V. und Wirt vom „Roten Hahn“ in Rothenburg, machte da Mut, dass es „Metzger wie Failenschmid auf der Alb auch in Franken als Partner für Schlachtung und Fleischverarbeitung gebe“.

Das letzte große Menü der Studienreise zeigte den Fisch in Mittelpunkt. Im Hotel „Forellenhof Rössle“ in Liechtenstein-Honau empfing die Inhaberfamilie Gumpper die Kollegengruppe. Hier wurde auch der gemeinsame Nenner aller Stationen dieser Studienreise deutlich: Regionale und lokale Lebensmittel, die zusätzlich einen ökologischen und kulinarischen Mehrwert geben, bieten eine starke Chance zur Alleinstellung und zum Mehrpreis.

Der Bauch war voll vom guten Essen und der Kopf war voll mit guten Gedanken und so ging es zurück nach Rothenburg. Dort wurde wenige Tage später in den Gasträumen und im Weinkeller der „Glocke“ der Verein „Genießen ob der Tauber“ gegründet. Die Vorstandschaft besteht aus Klaus Sackenreuther, Chef der „Sonne“ in Rothenburg, als Vorsitzenden. Seine Stellvertreterin ist Steffanie Schlag, Direktorin vom Hotel „Eisenhut“. Marco Moretti vom „Restaurant Italia“ wirkt als Kassier und Stefan Teutscher, Chef des „Restaurant Rödertor“ als Schriftführer.

In einer ersten Erklärung beschreiben die Gastronomen, wie die neue weinkulinarische Ausrichtung für den Gast erlebbar wird: „Die Gerichte entstammen der großen fränkischen und hohenlohischen Küche. Diese Speisen sind von alters her vom Wein geprägt und werden aus dem zubereitet, was die Natur in unserer Heimat bietet“. Als Beispiele dafür werden genannt: Der Wettringer Tauberapfel oder der fränkische Grünkern, das halbreife Korn des Dinkels. Ebenso die Produkte aus den Mühlen entlang der Tauber und „das gute Fleisch der Lämmer aus Franken und Hohenlohe oder das Reh und der Hirsch von unseren Jägern. Dabei wagen sich die Wirte auch an Spezielles, etwa die Tauberschnecken oder das Würzen mit dem fränkischen Safran.

Derzeit sind diese 11 Hotels und Restaurants Mitglied bei „Genießen ob der Tauber“: Hotel Sonne, Hotel Eisenhut, Hotel Glocke, Hotel Greifen, Restaurant Italia, Hotel Rappen, Restaurant Ratsstuben, Hotel Rödertor, Hotel Roter Hahn, Hotel Schranne und der kulinarische Event-Veranstalter CulinaRo.

Fritz Gempel

Mein Name ist Fritz Gempel, ich wurde 1963 in Ansbach geboren und entdeckte Rothenburg früh als Lieblingsstadt in meiner fränkischen Heimat. Seit 20 Jahren bin ich selbständig als Unternehmensberater und Fachbuchautor tätig; die meisten meiner Kunden haben mit Lebensmitteln zu tun. Rothenburg sehe ich nicht nur als kulturelle, sondern auch als kulinarische Destination.

Weitere Beiträge

Rothenburg ob der Tauber – Staatsbesuch bei Asylantenfamilie

Rothenburg ob der Tauber – die Weihnachtsstadt

Rothenburger Reiterlesmarkt

Rothenburger Reiterlesmarkt

Unsere Stadt ganz im Westen Bayerns gilt als eine der besonders schönen Weihnachts-Städte in Deutschland. Der Weihnachtsmarkt, auch „Reiterlesmarkt“ genannt, ist nicht nur ein Anziehungspunkt  für Gäste aus aller Welt, sondern auch eine gute Möglichkeit, die Rothenburger selbst kennenzulernen, die bei einem Becher Glühwein gerne über Gott und die Welt ins Gespräch kommen. Wegen des Weihnachtsmuseums und der Weihnachtsgeschäfte von Käthe Wohlfahrt, die das ganze Jahr über geöffnet sind, ist Rothenburg wohl für viele Menschen die Weihnachts-Stadt schlechthin. Zu sehen und zu kaufen gibt es allerorten Nussknacker und Christbaumschmuck, Laternen und Bratwürste – alles schöne Dinge. Mir persönlich scheint es aber oft so zu sein, als ob der ganze Rummel um Advent und Weihnachten den Blick auf die ursprüngliche Botschaft verstellt!

 

Der Weihnachts-Altar von Friedrich Herlin

Zwölf-Boten-Altar 1466

Zwölf-Boten-Altar 1466

Ganz anders empfinde ich es, wenn ich vor dem gotischen Hochaltar in der St.-Jakobs-Kirche stehe – das ist die doppeltürmige gotische Basilika mitten in der Stadt Rothenburg ob der Tauber. Auf den sichtbaren Altarflügeln besitzt der Altar sechs farbige gotische Tafelbilder mit biblischen Weihnachtsmotiven. Gemalt hat diese Bilder der aus Rothenburg ob der Tauber stammende Maler Friedrich Herlin (14.30–ca. 1500), ein Schüler des berühmten Rogier van der Weyden. Eines dieser Bilder besitzt für mich an diesem Weihnachtsfest eine besondere Ausstrahlungskraft: Es ist das Bild von den Heiligen Drei Königen, wie sie kommen und das Jesuskind verehren. Man sieht es am rechten Altarflügel links oben.

Die Drei Weisen aus dem Morgenland

Die Heiligen Drei Könige

Die Heiligen Drei Könige

Auf goldenem Hintergrund zeichnet sich die Silhouette eines offenen Stalles ab. Maria, die Mutter Jesu, sitzt davor in einem nachtblauen Gewand wie auf einem Thron. Josef, der irdische Vater Jesu, blickt von hinten über ihre Schulter, die Hände erhebt er gerade zum Gebet. Auf ihrem Schoß hält Maria den Jesusknaben, der für sein Säuglingsalter schon sehr erwachsen aussieht. Er wendet sich ganz dem ältesten König zu und reicht ihm die kleine Hand. Dieser König hat sein goldenes Gefäß abgestellt, den edlen Hut vom Haupt genommen, ist in die Knie gegangen – und Jesus legt seine kleine Hand in die große Hand des Königs. Beide blicken sich tief in die Augen, der alte König und das Jesuskind. Eine anrührende Szene, in der für einen Moment die Zeit vollkommen still stehen zu scheint! Genau diesen kleinen Augenblick einer gegenseitigen tiefen Wahrnehmung hat Friedrich Herlin in seinem Bild festgehalten. Ein Blick, der gegenseitige Verbundenheit und Liebe aussendet, Achtung vor der Weisheit des alten Königs und Achtung vor der Würde des Jesuskindes. Dabei scheinen sich noch mehrere Blickwechsel unsichtbar in der Mitte zu kreuzen: Maria blickt zu dem König. Josef blickt zum Jesuskind. Das Jesuskind und der König blicken sich gegenseitig an.

Blicke kreuzen sich

Blicke kreuzen sich

Etwas zur linken Seite stehen die anderen beiden Könige, die auch von weither gekommen sind, um dem neugeborenen König ihre Ehre zu erweisen. Die Könige bringen etwas mit von ihrem Vermögen, sie teilen es: Gold, Weihrauch und Myrrhe, was wohl heißen mag, sie geben als Begrüßungsgeschenke Vermögen, Verehrung und Gesundheit. Seit Beda Venerabilis (um 700 n. Chr.) hat man die Drei Könige gerne so gemalt, dass sie nicht etwa aus dem Osten kommen, aus dem Orient, sondern aus den drei damals bekannten Kontinenten. Dahinter steht der Gedanke der Verbreitung des Glaubens über die ganze Welt: „Die Heiden werden zu deinem Lichte ziehen und die Könige zum Glanz, der über dir aufgeht …“ (Jesaja 60,3). Außerdem repräsentieren sie drei verschiedene Lebensalter. Und man hat ihnen Namen gegeben: Der junge König Caspar mit dunkler Hautfarbe kommt aus Afrika. Balthasar, im besten Mannesalter, im grünen Gewand und mit Turban, vertritt Asien. Der Älteste, der vor dem Kinde kniet, ist Melchior. Er steht für den Kontinent Europa.

König Balthasar mit Turban

König Balthasar mit Turban

Eigentlich ist erst am 6. Januar, „ihr Tag“. Der Tag der Weisen aus dem Morgenland am Epiphaniasfest: In der Bibel sind die Weisen Astrologen aus der Gegend des heutigen Iran und Irak, die aus Sternbildern politische Machtveränderungen herauslesen. Doch sie gehören untrennbar zur Weihnachtsgeschichte im Matthäusevangelium 2,1–12 hinzu und sie besitzen in diesem Jahr 2015 eine ungeahnte Aktualität: In einem zugigen Stall, in dem die schwangere Maria und Josef Asyl erhalten haben, wird das Flüchtlingskind Jesus geboren. Fern von der Heimat. Die Könige und Weisen der heutigen Zeit, die Ministerpräsidenten und Universitätspräsidenten, machen ihm ihre Aufwartung, ja, knien vor ihm, dem Heiland der Welt in der Flüchtlingsunterkunft. Einer der drei Könige der Gegenwart ist für mich Mark Zuckerberg, ein König des Kapitals zwar und Atheist, aber ein Philanthrop, wenn er nach amerikanischer Wohltätigkeitstradition sogar 99 Prozent seines Vermögens Bildungs- und Gesundheitsinitiativen zukommen lässt. Anlässlich der Geburt seiner Tochter – warum nicht? Mich überrascht freilich der Neid darüber, der sich in vielen Kommentaren in unseren Zeitungen niederschlägt.

Mark Zuckerberg

Mark Zuckerberg

 

Rothenburg ob der Tauber an Weihnachten

St.-Jakobs-Kirche im Schnee

St.-Jakobs-Kirche im Schnee

Das Christfest am 25. Dezember steht unmittelbar bevor. Viele Besucherinnen und Besucher verbinden Weihnachten mit einem Kurzurlaub in Rothenburg ob der Tauber, um einige Tage hier in unserer schönen alten Stadt zu verbringen. Die St.-Jakobs-Kirche lädt zu einem Besuch ein. (Im Dezember ist das möglich von 10–16.45 Uhr, danach von 10–12 und von 14–16 Uhr). Man kann in diesen Tagen dort das Weihnachtsevangelium hören oder bei einem Spaziergang den Krippenweg erleben. Der von Pfarrer Dersch geführte Krippenweg beginnt jeweils um 14 Uhr an St. Wolfgang (Klingentor) am 26.12.2015, 1.1., 3.1. und 6.1.2016. Zu den evangelischen und katholischen Gottesdiensten können alle kommen, egal, ob man glaubt oder nicht glaubt, und egal, welcher Konfession oder Religion man angehört. Auch wenn man nur Zaungast sein möchte. Die Kerzen am Heiligen Abend (24. Dezember um 15, 17 und 22 Uhr) werden in allen Kirchen durch das Friedenslicht von Bethlehem entzündet, das vom Heiligen Land bis zu uns gebracht worden ist und das man auch bei einem spontanen Besuch bei einem Nachbarn oder einer Verwandten weiterschenken und miteinander teilen kann. Vielleicht begegnen sich dann die Blicke  so respektvoll und so tief wie sie auf dem Dreikönigsbild von Friedrich Herlin ihren Ursprung haben.

Ein gesegnetes Christfest!

Oliver Gußmann, Touristenpfarrer an St. Jakob

 

Oliver Gußmann

In Rothenburg bin ich Touristen- und Pilgerpfarrer an St. Jakob. Das ist die große, an Kunstschätzen reiche evangelische Kirche mit den Doppeltürmen mitten in Rothenburg! Meine Aufgabe ist es, die Kirchen Rothenburgs Gästen und Touristen aus der ganzen Welt bekannt zu machen. Die zahlreichen Gotteshäuser des gotischen Rothenburgs erzählen mit Bildern und Symbolen vom Glauben, der Liebe und der Hoffnung unserer Vorfahren; sie berichten vom Sterben und Auferstehen, von Hingabe und Erlösung. Bei meiner Arbeit hilft mir ein Kirchenführer-Team. Außerdem traue ich Hochzeitspaare, mache Nachtkirchenführungen und vieles mehr. Gerne führe ich durch das jüdische Rothenburg oder biete für Kinder und Jugendliche kirchenpädagogische Führungen an. Für die Jakobuswege, von denen sich einige in Rothenburg kreuzen, bin ich der Ansprechpartner. Mir liegt eine gesunde Umwelt am Herzen. Darum fahre ich ein "Velomobil" - eine Mischung zwischen Seifenkiste und Rennauto. Wenn Sie so etwas in Rothenburg stehen sehen, bin ich sicher nicht weit entfernt! Mehr über meine Arbeit: www.rothenburgtauber-evangelisch.de/tourismus

Weitere Beiträge

Rothenburg RSS Feed