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Rothenburg ob der Tauber – Staatsbesuch bei Asylantenfamilie

Rothenburg ob der Tauber – die Weihnachtsstadt

Rothenburger Reiterlesmarkt

Rothenburger Reiterlesmarkt

Unsere Stadt ganz im Westen Bayerns gilt als eine der besonders schönen Weihnachts-Städte in Deutschland. Der Weihnachtsmarkt, auch „Reiterlesmarkt“ genannt, ist nicht nur ein Anziehungspunkt  für Gäste aus aller Welt, sondern auch eine gute Möglichkeit, die Rothenburger selbst kennenzulernen, die bei einem Becher Glühwein gerne über Gott und die Welt ins Gespräch kommen. Wegen des Weihnachtsmuseums und der Weihnachtsgeschäfte von Käthe Wohlfahrt, die das ganze Jahr über geöffnet sind, ist Rothenburg wohl für viele Menschen die Weihnachts-Stadt schlechthin. Zu sehen und zu kaufen gibt es allerorten Nussknacker und Christbaumschmuck, Laternen und Bratwürste – alles schöne Dinge. Mir persönlich scheint es aber oft so zu sein, als ob der ganze Rummel um Advent und Weihnachten den Blick auf die ursprüngliche Botschaft verstellt!

 

Der Weihnachts-Altar von Friedrich Herlin

Zwölf-Boten-Altar 1466

Zwölf-Boten-Altar 1466

Ganz anders empfinde ich es, wenn ich vor dem gotischen Hochaltar in der St.-Jakobs-Kirche stehe – das ist die doppeltürmige gotische Basilika mitten in der Stadt Rothenburg ob der Tauber. Auf den sichtbaren Altarflügeln besitzt der Altar sechs farbige gotische Tafelbilder mit biblischen Weihnachtsmotiven. Gemalt hat diese Bilder der aus Rothenburg ob der Tauber stammende Maler Friedrich Herlin (14.30–ca. 1500), ein Schüler des berühmten Rogier van der Weyden. Eines dieser Bilder besitzt für mich an diesem Weihnachtsfest eine besondere Ausstrahlungskraft: Es ist das Bild von den Heiligen Drei Königen, wie sie kommen und das Jesuskind verehren. Man sieht es am rechten Altarflügel links oben.

Die Drei Weisen aus dem Morgenland

Die Heiligen Drei Könige

Die Heiligen Drei Könige

Auf goldenem Hintergrund zeichnet sich die Silhouette eines offenen Stalles ab. Maria, die Mutter Jesu, sitzt davor in einem nachtblauen Gewand wie auf einem Thron. Josef, der irdische Vater Jesu, blickt von hinten über ihre Schulter, die Hände erhebt er gerade zum Gebet. Auf ihrem Schoß hält Maria den Jesusknaben, der für sein Säuglingsalter schon sehr erwachsen aussieht. Er wendet sich ganz dem ältesten König zu und reicht ihm die kleine Hand. Dieser König hat sein goldenes Gefäß abgestellt, den edlen Hut vom Haupt genommen, ist in die Knie gegangen – und Jesus legt seine kleine Hand in die große Hand des Königs. Beide blicken sich tief in die Augen, der alte König und das Jesuskind. Eine anrührende Szene, in der für einen Moment die Zeit vollkommen still stehen zu scheint! Genau diesen kleinen Augenblick einer gegenseitigen tiefen Wahrnehmung hat Friedrich Herlin in seinem Bild festgehalten. Ein Blick, der gegenseitige Verbundenheit und Liebe aussendet, Achtung vor der Weisheit des alten Königs und Achtung vor der Würde des Jesuskindes. Dabei scheinen sich noch mehrere Blickwechsel unsichtbar in der Mitte zu kreuzen: Maria blickt zu dem König. Josef blickt zum Jesuskind. Das Jesuskind und der König blicken sich gegenseitig an.

Blicke kreuzen sich

Blicke kreuzen sich

Etwas zur linken Seite stehen die anderen beiden Könige, die auch von weither gekommen sind, um dem neugeborenen König ihre Ehre zu erweisen. Die Könige bringen etwas mit von ihrem Vermögen, sie teilen es: Gold, Weihrauch und Myrrhe, was wohl heißen mag, sie geben als Begrüßungsgeschenke Vermögen, Verehrung und Gesundheit. Seit Beda Venerabilis (um 700 n. Chr.) hat man die Drei Könige gerne so gemalt, dass sie nicht etwa aus dem Osten kommen, aus dem Orient, sondern aus den drei damals bekannten Kontinenten. Dahinter steht der Gedanke der Verbreitung des Glaubens über die ganze Welt: „Die Heiden werden zu deinem Lichte ziehen und die Könige zum Glanz, der über dir aufgeht …“ (Jesaja 60,3). Außerdem repräsentieren sie drei verschiedene Lebensalter. Und man hat ihnen Namen gegeben: Der junge König Caspar mit dunkler Hautfarbe kommt aus Afrika. Balthasar, im besten Mannesalter, im grünen Gewand und mit Turban, vertritt Asien. Der Älteste, der vor dem Kinde kniet, ist Melchior. Er steht für den Kontinent Europa.

König Balthasar mit Turban

König Balthasar mit Turban

Eigentlich ist erst am 6. Januar, „ihr Tag“. Der Tag der Weisen aus dem Morgenland am Epiphaniasfest: In der Bibel sind die Weisen Astrologen aus der Gegend des heutigen Iran und Irak, die aus Sternbildern politische Machtveränderungen herauslesen. Doch sie gehören untrennbar zur Weihnachtsgeschichte im Matthäusevangelium 2,1–12 hinzu und sie besitzen in diesem Jahr 2015 eine ungeahnte Aktualität: In einem zugigen Stall, in dem die schwangere Maria und Josef Asyl erhalten haben, wird das Flüchtlingskind Jesus geboren. Fern von der Heimat. Die Könige und Weisen der heutigen Zeit, die Ministerpräsidenten und Universitätspräsidenten, machen ihm ihre Aufwartung, ja, knien vor ihm, dem Heiland der Welt in der Flüchtlingsunterkunft. Einer der drei Könige der Gegenwart ist für mich Mark Zuckerberg, ein König des Kapitals zwar und Atheist, aber ein Philanthrop, wenn er nach amerikanischer Wohltätigkeitstradition sogar 99 Prozent seines Vermögens Bildungs- und Gesundheitsinitiativen zukommen lässt. Anlässlich der Geburt seiner Tochter – warum nicht? Mich überrascht freilich der Neid darüber, der sich in vielen Kommentaren in unseren Zeitungen niederschlägt.

Mark Zuckerberg

Mark Zuckerberg

 

Rothenburg ob der Tauber an Weihnachten

St.-Jakobs-Kirche im Schnee

St.-Jakobs-Kirche im Schnee

Das Christfest am 25. Dezember steht unmittelbar bevor. Viele Besucherinnen und Besucher verbinden Weihnachten mit einem Kurzurlaub in Rothenburg ob der Tauber, um einige Tage hier in unserer schönen alten Stadt zu verbringen. Die St.-Jakobs-Kirche lädt zu einem Besuch ein. (Im Dezember ist das möglich von 10–16.45 Uhr, danach von 10–12 und von 14–16 Uhr). Man kann in diesen Tagen dort das Weihnachtsevangelium hören oder bei einem Spaziergang den Krippenweg erleben. Der von Pfarrer Dersch geführte Krippenweg beginnt jeweils um 14 Uhr an St. Wolfgang (Klingentor) am 26.12.2015, 1.1., 3.1. und 6.1.2016. Zu den evangelischen und katholischen Gottesdiensten können alle kommen, egal, ob man glaubt oder nicht glaubt, und egal, welcher Konfession oder Religion man angehört. Auch wenn man nur Zaungast sein möchte. Die Kerzen am Heiligen Abend (24. Dezember um 15, 17 und 22 Uhr) werden in allen Kirchen durch das Friedenslicht von Bethlehem entzündet, das vom Heiligen Land bis zu uns gebracht worden ist und das man auch bei einem spontanen Besuch bei einem Nachbarn oder einer Verwandten weiterschenken und miteinander teilen kann. Vielleicht begegnen sich dann die Blicke  so respektvoll und so tief wie sie auf dem Dreikönigsbild von Friedrich Herlin ihren Ursprung haben.

Ein gesegnetes Christfest!

Oliver Gußmann, Touristenpfarrer an St. Jakob

 

Oliver Gußmann

In Rothenburg bin ich Touristen- und Pilgerpfarrer an St. Jakob. Das ist die große, an Kunstschätzen reiche evangelische Kirche mit den Doppeltürmen mitten in Rothenburg! Meine Aufgabe ist es, die Kirchen Rothenburgs Gästen und Touristen aus der ganzen Welt bekannt zu machen. Die zahlreichen Gotteshäuser des gotischen Rothenburgs erzählen mit Bildern und Symbolen vom Glauben, der Liebe und der Hoffnung unserer Vorfahren; sie berichten vom Sterben und Auferstehen, von Hingabe und Erlösung. Bei meiner Arbeit hilft mir ein Kirchenführer-Team. Außerdem traue ich Hochzeitspaare, mache Nachtkirchenführungen und vieles mehr. Gerne führe ich durch das jüdische Rothenburg oder biete für Kinder und Jugendliche kirchenpädagogische Führungen an. Für die Jakobuswege, von denen sich einige in Rothenburg kreuzen, bin ich der Ansprechpartner. Mir liegt eine gesunde Umwelt am Herzen. Darum fahre ich ein "Velomobil" - eine Mischung zwischen Seifenkiste und Rennauto. Wenn Sie so etwas in Rothenburg stehen sehen, bin ich sicher nicht weit entfernt! Mehr über meine Arbeit: www.rothenburgtauber-evangelisch.de/tourismus

Weitere Beiträge

Rothenburger Sehenswürdigkeiten für Fortgeschrittene – Die Altstadt auf den zweiten Blick

Die Fortsetzung von Rothenburg auf die Schnelle.

Nachdem ich mich in einem meiner letzten Beiträge darauf konzentriert habe, was während eines kurzen Aufenthaltes in der mittelalterlichen Altstadt in 3-4 Stunden zu schaffen ist, möchte ich nun tiefer einsteigen und hier etwas zeitintensivere Sehenswürdigkeiten vorstellen. Von dem Motto „In der Kürze liegt die Würze“ hin zu „Eile mit Weile“.

Bietet diese fränkische Kleinstadt genug für einen Tagesausflug oder gar eine mehrtägige Städtereise?

Die Antwort ist eindeutig „JA“, denn für die folgenden Sehenswürdigkeiten sollten Sie jeweils 1-2 Stunden, oder im Falle der Museen bei großem Interesse sogar mehr einplanen.

Ob Regen oder Sonnenschein, diese Attraktionen können Sie bei jedem Wetter besuchen. Allerdings gilt es die Öffnungszeiten bzw. Führungszeiten zu beachten. Diese finden Sie auf den jeweiligen Internetseiten, die ich im Text verlinkt habe.

Die größte Sehenswürdigkeit – Nicht nur was für Kirchgänger!

St.-Jakobs-Kirche und Rathausturm - ©Rothenburg Tourismus Service

St.-Jakobs-Kirche und Rathausturm – ©Rothenburg Tourismus Service

Die St.-Jakobs-Kirche befindet sich mitten in der Altstadt, in direkter Nachbarschaft zum Marktplatz mit dem Rathaus und dessen markantem schlanken weißen Turm. Die mächtigen Kirchtürme, mit den elegant durchbrochenen Turmspitzen, sind nicht zu übersehen und prägen nun schon seit über 600 Jahren das Erscheinungsbild des Fränkischen Jerusalems, wie Rothenburg ob der Tauber auch genannt wurde.  Im Mittelalter war diese Kirche, mit der darin befindlichen Heiligblut-Reliquie, von großer Bedeutung für unzählige Pilger. Heute ziehen eher der Bau selbst und der für die Reliquie geschaffene Heilig-Blut-Altar von Tilman Riemenschneider die Besucher an.

Heilig-Blut-Altar in der St.-Jakobs-Kirche

Heilig-Blut-Altar in der St.-Jakobs-Kirche

Diese komplett im gotischen Baustil errichtete Kathedrale ist für mich auch immer wieder sehr beeindruckend und nicht allein der Ausmaße wegen eine der Sehenswürdigkeiten der Stadt, vielleicht auch die Größte. Alleine die blanken Zahlen flößen mir tiefen Respekt ein.

Bauzeit: Baubeginn 1311 / Weihe 1485 = 174 Jahre

Höhe der Türme: 58,20 (Nordturm) / 55,80 (Südturm) Meter – Länge: 80,75 Meter – Breite: 22 Meter

Zahlende Besucher pro Jahr: ca. 140.000 (Stand 2014)

Ja, Sie haben richtig gelesen. „Zahlende Besucher“. Die Besichtigung kostet Eintritt. Dieser Umstand, übrigens seit 1906, ist für viele erst einmal irritierend und leider häufig auch Grund genug, sich die Sankt Jakobs Kirche nicht genauer anzusehen. Allerdings sind die Unterhaltskosten enorm hoch und die Zahl der Gemeindemitglieder sowie die finanziellen Mittel im Vergleich dazu recht überschaubar. Daher diese ungewöhnliche Entscheidung der Kirchengemeinde eine Besichtigungsgebühr zu verlangen. Doch Sie bekommen auch jede Menge für Ihr Geld. Nicht nur jede Menge Kultur, sondern auch noch während der Saison täglich zwei Kirchenführungen.

Herlin Altar in der St. Jakobs Kriche ©Rothenburg-Tourismus-Service

Herlin Altar in der St. Jakobs Kriche ©Rothenburg-Tourismus-Service

Um 11:00 und 14:30 werden die verschiedenen Sehenswürdigkeiten während der ca. einstündigen Führung kompetent erklärt. Das ist absolut empfehlenswert, denn sonst entgehen einem leicht die vielen Details und Hintergründe. Es gibt einfach viel zu erzählen und auch Anekdoten zu schreiben. So hat einer meiner Kollegen seine Erlebnisse als Kirchenführer in einem Buch mit dem Titel „Wo geht es denn hier zum Romy Schneider Altar“ veröffentlicht. Kaum zu glauben, aber wahr. Da hat mal jemand Tilman Riemenschneider mit der Schauspielerin verwechselt. Außerhalb der Führungszeiten können Sie sich einen Audioguide an der Kasse leihen und sich intensiv mit St. Jakob beschäftigen. Für die ganz Eiligen gibt es einen kostenlosen Kurzführer, doch wird Ihnen dann wahrscheinlich eine der ältesten Darstellungen nördlich der Alpen im Hauptalter ebenso entgehen wie der versteckte zwölfte Jünger im Heilig-Blut-Altar.

Etwas mehr Zeit sollten Sie einplanen wenn Sie beim Mittelalterlichen Kriminalmuseum vorbeischauen wollen.

„Rothenburger Folterkammer“ – Ganz weit vorn in Deutschland!

Innenhof des Mittelalterlichen Kriminalmuseums in Rothenburg

Innenhof des Mittelalterlichen Kriminalmuseums in Rothenburg

Da sind Sie in 30 Minuten nicht durch. Wie auch, wo es doch um einen umfassenden Einblick in die Entwicklung unseres Rechts- und Justizsystems geht. Mindestens eine Stunde empfehle ich als Besuchszeit, wenn Sie sich nur einen Überblick verschaffen wollen. Sie können aber auch viele Stunden in der Ausstellung zubringen. Schließlich handelt es sich um eines der bedeutendsten Rechtskundemuseen in ganz Europa. Manche nennen diese Sammlung mit ca. 50.000 Exponaten auch einfach nur kurz „Foltermuseum“.

Zeichnung der Nürnberger Folterkellerausstellung aus dem 19. Jh. - im Hintergrund die Eiserne Jungfrau

Zeichnung der Nürnberger Folterkellerausstellung aus dem 19. Jh. – im Hintergrund die Eiserne Jungfrau

Vielleicht, weil die Ausstellung der Folterinstrumente und die damit verbundene Vorstellung besonders einprägsam ist. So sehr, dass es ein unvergessliches Erlebnis wird, von dem viele noch Jahrzehnte später erzählen, wenn sie mal wieder nach Rothenburg kommen. Oder weil das Mittelalterliche Kriminalmuseum seinen Anfang als private Sammlung mit dem Namen „Rothenburger Folterkammer“ nahm. Damals befand sich die Ausstellung allerdings noch im heutigen Burghotel. Erst seit 1977 befindet es sich im ehemaligen Johanniterkloster in der Burggasse 3.

Ehemaliges Johanniterkloster - Garten und Außenanlagen - Copyright: Markus Hirte

Ehemaliges Johanniterkloster – Garten und Außenanlagen – Copyright: Markus Hirte

Zugegeben, dieses Thema und die Ausstellungsstücke sind keine leichte Kost, trotzdem ist es das meistbesuchte Museum in Rothenburg. Aber es gibt ja zum Glück genügend Alternativen für Gäste, die es lieber etwas romantischer mögen.

Es weihnachtet sehr – auch bei 30 Grad im Schatten!

Copyright:  Deutsches Weihnachtsmuseum Rothenburg ob der Tauber

Copyright: Deutsches Weihnachtsmuseum Rothenburg ob der Tauber

Eine dieser Alternativen befindet sich nur zwei Ecken weiter. In der Gunst des Publikums ist auch dieses Museum ganz weit oben und das ganz zu Recht. Wenn auch noch relativ neu in der Liste der Sehenswürdigkeiten der mittelalterlichen Stadt, so ist es doch seit seiner Eröffnung im Jahre 2000 zu einer festen Größe unter den Attraktionen geworden. Nicht nur während der Adventszeit, sondern das ganze Jahr hindurch ist Weihnachten ein Thema in Rothenburg ob der Tauber. Dafür hat die Firma Käthe Wohlfahrt mit ihren weltberühmten Weihnachtsläden gesorgt. In einem dieser Weihnachtsläden und zwar dem größten, dem Weihnachtsdorf in der Herrngasse, befindet sich im Obergeschoss das Deutsche Weihnachtsmuseum.

 Der Museumseingang - Copyright: : Deutsches Weihnachtsmuseum

Der Museumseingang – Copyright: : Deutsches Weihnachtsmuseum

Der Eingang zum Museum befindet sich innerhalb des Weihnachtsdorfes und ist sehr leicht zu finden, wenn man denn will. Allerdings vermute ich, dass einige die nach dem Museum fragen gar nicht ins Museum wollen, sondern es eher um den Laden geht. „Ich möchte unbedingt noch ins Weihnachtsmuseum.“ hört sich einfach besser an als „Ich möchte unbedingt noch in den Weihnachtsladen“.

Das halte ich jedoch für einen Fehler, denn um das „Fest der Liebe“, das Christkind, den Weihnachtsmann, Sankt Nikolaus, den Weihnachtsbaum samt des gesamten Schmucks und Brauchtums gibt es so viel Wissenswertes. Schon allein die Frage seit wann wir Weihnachten Ende Dezember feiern und warum, können wahrscheinlich die wenigsten beantworten. Diese und noch viele andere Fragen werden im Museum beantwortet. Übrigens ist ein Besuch im Deutschen Weihnachtsmuseum bei 30 Grad im Schatten gar keine so schlechte Idee wie es sich vielleicht anhört. Denn erstens gibt es natürlich eine Klimaanlage und zweitens ist es bei weitem nicht so voll wie während der Adventszeit. Es ist also zu jeder Jahreszeit einen Besuch wert.

Weihnachtsmann - Copyright: Deutsches Weihnachtsmuseum

Weihnachtsmann – Copyright: Deutsches Weihnachtsmuseum

Übrigens hat das Museum den Antrag gestellt, die Weihnachtlichen Gabenbringer als immaterielles Kulturerbe in Deutschland in das Verzeichnis der UNESCO aufzunehmen. Bei Interesse können Sie den Antrag auf der Internetseite www.weihnachtsmuseum.de unterstützen.

 

Wenn Sie jetzt denken, „Das ist ja alles an einem Tag gar nicht zu schaffen“ haben Sie absolut Recht. Aber auch dafür ist gesorgt und gibt es in Rothenburg natürlich jede Menge ausgezeichnete Hotels, Pensionen, Ferienwohnungen, eine Jugendherberge und ein Online-Buchungssystem der Stadt. Übrigens liegen nicht nur sehr viele dieser Unterkünfte in bzw. um die Altstadt, sondern haben auch ausgezeichnete Bewertungen auf den verschiedenen Buchungsportalen.

Nun hat unsere romantische mittelalterliche Altstadt nicht annähernd eine solche Bar- und Nachtclubdichte wie Ibiza oder Ballermann zu bieten, trotzdem ist natürlich auch am Abend etwas in der Stadt geboten.

Ein Grund etwas länger zu bleiben!

Eine der Institutionen in unserer schönen Stadt ist der Rothenburger NachtwächterRothenburger Nachtwächter, Portrait An (fast) jedem Abend findet ein öffentlicher Rundgang statt, bei dem sich jeder anschließen darf. Natürlich wird dafür ein kleiner Obolus (6,- Euro) fällig, denn auch Nachtwächter leben nicht von Luft und Liebe alleine. Am besten findet man sich bis um 21:30 (auf Englisch um 20:00) Uhr am Marktplatz ein, denn dort beginnt der Rundgang. Auf unterhaltsame und gleichzeitig informative Art wird sowohl die Stadtgeschichte, als auch dieser unehrbare Beruf vorgestellt. Wie in der (nicht so) guten alten Zeit geht der Nachtwächter seine Runde bei jedem Wind & Wetter. Dann allerdings mit weit weniger Gästen als an schönen Abenden. Da sind es nicht selten 100 Gäste oder mehr die dem nächtlichen Rufer lauschen. Das funktioniert übrigens erstaunlich gut, denn der Lärm und Verkehr ist dann fast gänzlich verschwunden. Ein gemütlicher Spaziergang durch die stimmungsvoll beleuchteten Gassen der Altstadt sind für mich die schönsten Stunden, die man in Rothenburg verbringen kann. So ist es auch nicht verwunderlich, dass diese Aktivität bei Tripadvisor direkt nach Altstadt und Stadtmauer an dritter Stelle kommt (Stand: Sep. 2015).

Nachtwächter - ©Rothenburg Tourismus Service, W. Pfitzinger, Exkl

Nachtwächter – ©Rothenburg Tourismus Service, W. Pfitzinger, Exkl

Das Ganze noch garniert mit einem Gläschen Frankenwein in einer unserer gemütlichen Weinstuben krönt den Besuch und schon fühlt man sich wie Gott in FRANKEN.

Klein kann ganz schön groß sein!

„Der Schein trügt!“ zumindest im Falle von Rothenburg ob der Tauber. Unsere im Vergleich zu anderen Städten, so kleine Stadt mit gerademal ca. 11.000 Einwohnern hat viel mehr zu bieten als die Meisten denken. Es ist auch bei weitem nicht so überlaufen wie angenommen wird. Vor allem nicht abseits des Marktplatzes wie zum Beispiel entlang des Turmweges, an den Orten der Stille und am Abend. Was mich an dieser Stadt so begeistert ist, die enorme Dichte und Vielfalt von großen und kleinen Sehenswürdigkeiten auf einer relativ geringen Fläche. Klein kann manchmal ganz schön groß sein.

Vielleicht sehen wir uns ja mal auf einem meiner abendlichen Gänge durch die Stadt als Nachtwächter. Allerdings bin ich zumeist mit kleinen privaten Gruppen unterwegs, das ist romantischer. Kommen Sie doch mal vorbei, wenn Ihnen der Sinn danach steht.

Rothenburger Nachtwächter - H.Ernst Copyright: H.Ernst

Rothenburger Nachtwächter – H.Ernst
Copyright: H.Ernst

Harald Ernst

Bin ich ein Rothenburger? JAIN! Meine Wurzeln liegen nur 15 km von Rothenburg entfernt. Brettheim, früher ein Teil des Stadtgebietes der Reichsstadt mit ca. 180 Dörfern, liegt heute in einem anderen Bundesland (BW). Das erklärt, weshalb ich mich als Rothenburger fühle, inzwischen auch in der Altstadt lebe, aber nicht wie ein Rothenburger klinge. Ich bin ein Hohenloher mit entsprechendem Dialekt (wenn ich will oder darf) und habe mich während meines Zivildienstes (1990/91) in der Jugendherberge in die Stadt verliebt. Außerdem habe ich mich durch die Gäste aus aller Welt inspirieren lassen und das Reisen für mich entdeckt. Menschen, Länder, Abenteuer lassen mich immer wieder meine Koffer packen. Doch genauso gerne kehre ich immer wieder zurück in diese besonders schöne Stadt. Aus Hobby wurde Beruf. Bereits 1993 kam ich zur Gästeführerei. Im Jahr 2000 habe ich mit einem Freund ein Reiseunternehmen gegründet und bin seit dem selbstständiger Stadtführer, Reiseleiter und Driverguide für Gäste aus aller Welt im In- und Ausland. Doch mein Schwerpunkt ist und bleibt Rothenburg ob der Tauber. Hier kenne ich mich am besten aus. Hier bin ich Zuhause.

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Weihnachten … mit Kirchgang!

 

St. Jakob im 15. Jahrhundert

St. Jakob im 15. Jahrhundert

Die St.-Jakobs-Kirche, an der ich als Touristenseelsorger arbeite, besitzt einen sehr schönen Hochaltar mit farbigen, großflächigen Tafelbildern aus dem 15. Jahrhundert. Immer wieder bleiben die Besucherinnen und Besucher der St.-Jakobs-Kirche mit einem „Oh!“ oder „Ah!“ vor diesen Bildern stehen. Allein sechs Bilder drehen sich um die Geburt Christi und ihrer adventlichen Vorgeschichte, die auf den ehrwürdigen Texten am Anfang des Lukasevangeliums beruhen.

Friedrich Herlin: Geburt Christi

Friedrich Herlin: Geburt Christi

Jesu Geburt im Strahlenkranz

Kerze JosephAuf goldenem Hintergrund gemalt hat diese Bilder der gar nicht so unbekannte, aus Rothenburg ob der Tauber stammende Maler Friedrich Herlin (1430–ca. 1500). Natürlich hat er auch die Weihnachtsszene gemalt: Zu sehen ist der nach vorne offene Stall aus Stein und Holz mit einem dominanten und senkrechten Balken, der mit seinen Verwundungen an das spätere Leiden Christi erinnert. Der Himmel im Hintergrund ist nicht blau, sondern ganz in Gold getaucht. Maria trägt ein helles weißes Gewand und einen nachtblauen Mantel und sie schickt sich gerade an, vor ihrem Kind auf die Knie zu gehen und betend die Hände zu falten. Das Jesuskind liegt nicht, wie wir es gewohnt sind in der Futterkrippe, sondern nackt auf dem Erdboden auf einem vielzackigen strahlenden goldenen Stern. Der Maler will damit wohl sagen, dass Jesus ganz irdisch geworden ist und dass von ihm der Glanz Gottes ausgeht. Maria und Jesus blicken sich zum ersten Mal in die Augen und der Strahlenkranz des Jesuskindes scheint sich in dem Strahlenkranz hinter dem Kopf seiner Mutter Maria zu spiegeln. Zwei Engel knien auf dem Boden und kümmern sich auch um das Kind. Joseph in einem roten Gewand stützt sich mit der linken Hand auf einen Gehstock. In der Rechten hält er eine brennende Kerze zur Erinnerung für den Betrachter oder die Betrachterin, dass soeben Christus, das Licht der Welt geboren ist.

Christi Geburt als mystische Geburt in der Seele

Für den Maler Friedrich Herlin ist die Geburt Christi ein mystisches Ereignis: Jesus ist nicht nur als Mensch zur „Zeitenwende“ geboren worden, sondern geboren werden will er auch tief drin in dem Menschen, der gerade das Bild betrachtet. Vielleicht hat der Maler die Christusvisionen der europäischen Heiligem Birgitta von Schweden (1303–1373) gekannt, die im hohen Alter von 69 Jahren mit ihrer Familie das Heilige Land besucht hat und dann ihre Traumvisionen von der Geburt Christi niedergeschrieben hat. Das Bild Herlins, gemalt nach ihren Texten, strahlt für mich Glanz und Ruhe aus und gibt einen Moment wieder, in dem alles heil und gut ist. Das, wonach sich die Welt auch heute sehnt.

Gerade in den Weihnachtstagen bleiben die Menschen meinem Gefühl nach länger vor den Altarflügeln des Zwölfboten-Altares mit der Weihnachtsgeschichte stehen. Länger als sonst.

St. Jakob im Schnee

St. Jakob im Schnee von Südwesten

Rothenburg ob der Tauber an Weihnachten

Das Christfest steht unmittelbar bevor. Und viele Besucherinnen und Besucher, die das Fest nicht zu Hause feiern wollen, kommen auf einen Kurzurlaub nach Rothenburg, um einige Tage hier zu verbringen. Die St.-Jakobs-Kirche lädt zu einem Besuch ein. Man kann in diesen Tagen dort das Weihnachtsevangelium hören. Alle Menschen sind eingeladen, den evangelischen Gottesdienst  zu besuchen, unabhängig von Konfession oder Religion. Die Kerzen in den Gottesdiensten werden an dem Friedenslicht von Bethlehem entzündet, das in einer Staffellauf vom Heiligen Land bis zu uns gebracht worden ist und das man auch jemandem weiterschenken kann. In diesem Jahr setzt das Motto “Friede sei mit dir – Shalom – Salam“ einen Schwerpunkt auf den interreligiösen Dialog. Oder, wenn gerade kein Gottesdienst ist, kann man zum Ansehen der Bilder und Altäre  die berühmte Kirche auch besuchen. Im Dezember ist das möglich von 10–16.45 Uhr. Wer will, kann sich die Bilder auch durch einen Audioguide erklären lassen.

Die Weihnachtsbilder der Kirche laden alle ein, sich ihre Gedanken zu machen. Auch ich stehe gerne davor und entdecke heute noch manches mir noch nicht bekannte Detail…

In den Tagen nach Weihnachten kann man bei einer Städtereise nach Rothenburg sich auf den Krippenweg führen lassen oder das Weihnachtsmuseum bei Käthe Wohlfahrt in der Herrngasse besuchen.

Gesegnetes Christfest!

Oliver Gußmann, Pfarrer an St. Jakob

 

 

Oliver Gußmann

In Rothenburg bin ich Touristen- und Pilgerpfarrer an St. Jakob. Das ist die große, an Kunstschätzen reiche evangelische Kirche mit den Doppeltürmen mitten in Rothenburg! Meine Aufgabe ist es, die Kirchen Rothenburgs Gästen und Touristen aus der ganzen Welt bekannt zu machen. Die zahlreichen Gotteshäuser des gotischen Rothenburgs erzählen mit Bildern und Symbolen vom Glauben, der Liebe und der Hoffnung unserer Vorfahren; sie berichten vom Sterben und Auferstehen, von Hingabe und Erlösung. Bei meiner Arbeit hilft mir ein Kirchenführer-Team. Außerdem traue ich Hochzeitspaare, mache Nachtkirchenführungen und vieles mehr. Gerne führe ich durch das jüdische Rothenburg oder biete für Kinder und Jugendliche kirchenpädagogische Führungen an. Für die Jakobuswege, von denen sich einige in Rothenburg kreuzen, bin ich der Ansprechpartner. Mir liegt eine gesunde Umwelt am Herzen. Darum fahre ich ein "Velomobil" - eine Mischung zwischen Seifenkiste und Rennauto. Wenn Sie so etwas in Rothenburg stehen sehen, bin ich sicher nicht weit entfernt! Mehr über meine Arbeit: www.rothenburgtauber-evangelisch.de/tourismus

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Adventskalender – Geschichte(n) im Deutschen Weihnachtsmuseum in Rothenburg ob der Tauber

Im romantischen Rothenburg gibt es immer wieder Gelegenheiten, um sich beim Bummeln durch die idyllischen Straßen der Stadt in ein wunderbares Märchenland zu träumen. Mir ging es dieser Tage wieder einmal so, als ich durch Rothenburg schlenderte. Dort, wo sich das Ensemble von Röderbogen, Teil der ersten Stadtbefestigung aus dem 12.Jh., und den ihn umgebenden attraktiven Bürgerhäusern am Markusturm befindet, sah ich auf einmal das Motiv meines diesjährigen Adventskalenders zum Leben erwacht.

Rothenburg, Blick auf Röderbogen und Markusturm

Rothenburg, Blick auf Röderbogen und Markusturm

 

Advents- oder Weihnachtskalender – wer kennt sie nicht, aber was weiß man wirklich darüber? Spätestens ab Oktober sind sie im Handel omnipräsent und ihre (Bilder)Geschichten sind vermutlich so vielfältig wie es Sandkörner in der Welt gibt. Je mehr man sich mit den kleinen Kunstwerken aber beschäftigt umso spannender wird auch ihre Historie, weit hinaus über die farbigen Darstellungen und kleinen Geschenke die sich darin verbergen:

Vom Abreißkalender zum Bilderbuch

Vorläufer gab es schon Mitte des 19.Jhs. als man z.B. wie in einem Kinderbuch von 1851 beschrieben jeden Tag „ein Bildchen an die Tapete heftete“ , Kreidestriche an eine Türe gemalt oder papierne Weinblätter mit Bibelsprüchen an einem sogenannten Adventsbaum aufhing (erste Edition 1846) um den Kindern die unendlich lange und schlecht fassbare Wartezeit bis Weihnachten abzählbar zu machen.

 

Adventskalender wie wir sie heute kennen wurden erst Anfang des 20.Jh. erfunden. Gerhard Lang (geb. 1881, gest. 1974) hat 1903 in München den ersten käuflich erwerbbaren, in größerer Stückzahl gedruckten „Weihnachts-Kalender“ herausgegeben. Er hieß „Im Lande des Christkinds“ und bestand aus einem Blatt mit 24 Bildchen die man ausschneiden musste und einem farbigen, mit wunderschöner Grafik versehenen Karton mit weihnachtlichen Versen. Auf die Verse wurden täglich die passenden Bildchen aufgeklebt, so dass sich ein komplettes Bild ergab. Die Verse dieses Adventskalenders wurden übrigens um 1930 sogar im ersten Adventskalender für Blinde veröffentlicht.

Im Lande des Christkinds, komplett beklebt, RLM, Nachruck von 1915 (Erstauflage 1903)

Im Lande des Christkinds, komplett beklebt, RLM, Nachruck von 1915 (Erstauflage 1903)

Überhaupt scheinen Ausschneid- oder kalendarische Abreißbildchen und dazugehörige Bilderbücher zum Einkleben in der Anfangszeit sehr beliebt gewesen zu sein – die „Panini-Sammelalben“ des frühen 20. Jahrhunderts. Die dabei erzählten Geschichten in denen oft bekannte Märchengestalten in neuen Geschichten auftraten ( in „Peter & Liesel“ aus dem Jahr 1920 kommt z.B. Frau Holle vor) wurden von bekannten Kinderbuchautoren geschrieben und von namhaften Illustratoren gezeichnet. Es sind wirklich kleine Kunstwerke für´s Kinderzimmer, die da geschaffen wurden.

Etwas Spannendes zum Bestaunen, Lesen, Basteln, Spielen und zum Naschen

Fantasie und die Frage, wie man die Begeisterung und Neugier der Kinder über 24 Tage aufrecht erhält, spornten zu neuen Ideen an. So entstand um 1920 das erste „Türchenmodell“ („Christkindleins Haus“, 1920), bei dem man erst durch das Öffnen der mit Zahlen versehenen Fensterchen das dahinter stehende Bild entdecken kann. Jetzt war der Adventskalender auch spannend.

Ebenfalls in den 1920er Jahren wurden erstmals Schokoladenstückchen in einen Adventskalender eingelegt und bereits  Ende des Jahrzehnts galten Schokoladenadventskalender als die beliebtesten Modelle – und sind es bis heute geblieben.

Schnell geht die Entwicklung voran und Weihnachtskalender tauchen auf, deren einzelne Motivbestandteile man mittels eines Schiebers oder einer Drehscheibe bewegen und verändern konnte (z.B. „Christkindleins Festzug“, 1935; „Weihnachtsuhr“, 1925). Ebenfalls sehr beliebt waren Weihnachtsuhren, wo man durch tägliches weiterdrehen des Zeigers das „Warten auf´s Christkind“ schon fast wörtlich nimmt. Das ultimative Kinderspielzeug vor dem Überraschungsei war nun entwickelt.

 

Motive, aus Fantasie und echter Zeitgeschichte geboren

Je jünger die Weihnachtskalender sind, desto vielfältiger werden Stil und Inhalt ihrer Darstellungen. Traditionelle Motive wie Tätigkeiten bei der Vorbereitung auf Weihnachten, Weihnachtsmärkte, Christkind oder Weihnachtsmann beim Ausliefern der Geschenke, eine Wichtel- oder Weihnachtswerkstatt, die Tierweihnacht im Wald oder eine klassische Krippendarstellung waren und bleiben dabei immer aktuell.

Eine Entwicklung, die 1937 durch die Papierknappheit und des Verbots zur Herstellung grafischer Kalender gestoppt wurde. Auch innerhalb Deutschlands blieb während des Zweiten Weltkriegs einzig nur der Kalender „Vorweihnachten“ erlaubt, der 1941 erstmals erschien und zur „nationalsozialistischen Gestaltung der Vorweihnachtszeit“ gedacht war. Gestaltung und Inhalt sind hier gar nicht mehr „süß“ und kindlich, sondern im typischen Stil der Zeit und mit textlich starkem Kriegsbezug. Über die Kriegsjahre verändern sich die Ausgaben auch merklich: 1942 kocht die Mutter noch für das Weihnachtsfest, 1943 backt sie im gleichen Beitrag stattdessen für die Feldpostpäckchen und ab 1943 sind die vorgestellten Backrezepte ohne Fett und Ei oder es werden „Reste“ von Lebensmittelkarten zur Verwendung empfohlen.

Das Bedürfnis nach einer heilen Weihnachtwelt war nach dem zweiten Weltkrieg überall wieder besonders groß. Und so entstanden schon 1945 erneut Adventskalender in allen Besatzungszonen. Vor allem die in Deutschland stationierten US-Soldaten trugen zur Verbreitung der Adventskalender in den USA bei. Besonders stolz ist der Verlag Richard Sellmer darauf, dass es sein  Weihnachtskalender „Die kleine Stadt“ schon 1953 bis ins Weiße Haus zur Familie des US-Präsidenten Eisenhower geschafft hatte. Spätestens ab jetzt konnte die Kassen füllende Erfindung aus Deutschland als internationaler Exportschlager gelten.

 

Ein über die Grenzen von West- und Ostdeutschland gehandelter Weihnachtsartikel

West- und ostdeutsche Verlage gaben sich in der Folgezeit nichts bei der ideenreichen Gestaltung des beliebten Vorweihnachtsartikels. Mit einem Unterschied: Im ehemaligen Osten Deutschlands wurden christliche Darstellungen wie z.B. Engel oder die Hl. Familie an der Krippe nach Möglichkeit vermieden. Dafür kann man eine starke Hinwendung zu Märchenmotiven oder moderner Technik (z.B. Raumfahrt) erkennen. Ein Schelm der entsprechende Einflüsse angesichts der Tatsache vermutet, dass bei einem Nachdruck der „Märchentafel“ des Korsch Verlags, der sowohl in Ost- und Westdeutschland Lizenzen hatte,  die Flügel der zwei großen Engel die in der ersten (westdeutschen) Auflage noch vorhandenen waren fehlen.

Es gibt noch so viele spannende Fragen und Geschichten rund um die Welt der zauberhaften Begleiter unserer Kindheit von damals bis heute. Viele Antworten und reiches Bildmaterial gibt es in dem Buch „Adventskalender – Geschichte und Geschichten“ von Tina Peschel (2009), das sehr gut recherchiert ist und ich sehr empfehlen kann.

Adventskalender - Geschichte und Geschichten aus 100 Jahren, Tina Peschel, 2009

Adventskalender – Geschichte und Geschichten aus 100 Jahren, Tina Peschel, 2009

Einige origniale Adventskalender aus alter Zeit werden auch nahe des Rothenburger Marktplatzes in Herrngasse 1 in der Dauerausstellung des ganzjährig geöffneten „Deutschen Weihnachtsmuseums“ ausgestellt (www.weihnachtsmuseum.de)  – aktuell allerdings nur ein sehr kleiner Teil der ca. 500 Stück umfassenden Sammlung. Eingebettet in Tausende anderer historischer Weihnachtsdekorationen verleiten diese ausgesuchten  Exemplare aber allemal zum Entdecken, Staunen und Träumen.

Deutsches Weihnachtsmuseum und Weihnachtsdorf von Käthe Wohlfahrt im Dezember 2012

Deutsches Weihnachtsmuseum und Weihnachtsdorf von Käthe Wohlfahrt im Dezember 2012

Und hier ist das Prachtexemplar, an das ich mich bei meinem Spaziergang so sehr erinnert habe. Fast möchte man meinen, der Grafiker hat bei seiner Arbeit daran von Rothenburg geträumt.

Weihnachtsstadt, Richard Sellmer Verlag

Weihnachtsstadt, Richard Sellmer Verlag

Und abschließend sind hier noch zwei Adventskalender, bei denen man sich auch beim täglichen Öffnen eines der Fensterchen ins winterliche Rothenburg träumen kann. Dennoch: Träumen ist schön, das echte weihnachtlich verzauberte Rothenburg selbst erleben ist unschlagbar. Eine echte Empfehlung für einen kleinen romantischen Städtetrip!

Felicitas Höptner

Mein Name ist Felicitas Höptner, ich bin die Leiterin des „Deutschen Weihnachtsmuseums“ in Rothenburg ob der Tauber. An der Otto-Friedrich-Universität in Bamberg habe ich Volkskunde, Kunstgeschichte und Denkmalpflege studiert. Im Rahmen von Ausbildung und Beruf hinterließ ich meine Spuren in Museen und Kultureinrichtungen in Bamberg, Schwabach, Oldenburg, Cloppenburg und Hagen. Neben der Museumsleitung zeichne ich verantwortlich für die Leitung der Abteilungen „Werbung, Presse, Öffentlichkeitsarbeit“ sowie „Tourismus“ beim Unternehmen „Käthe Wohlfahrt GmbH&Co.OHG“ in Rothenburg. In meiner Freizeit verreise ich im In- und Ausland, koche gerne mit Freunden, besuche Musik-, Kunst- und Kulturveranstaltungen und lese viel. Mein Interesse für Kunst und Kultur begleitet mich im Alltag. Dabei fasziniert mich vor allem auch die Feinheit und Besonderheit im Kleinen und Alltäglichen: die verblasste Szene neben dem Hauptthema im Bild, das kleine Detail an der Skulptur, die Originalität von Festivitäten, Brauchtum und Sprache, die Geschichte hinter der Titelgeschichte.

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