Startseite » Beitrag verschlagwortet mit 'historisch'

Schlagwort-Archive: historisch

Zwischenspiel 45 Jahre städtische Musikmeister-Geschichte 1873-1918

Wilhelm Simon Melchior Fürst - städtischer Musikmeister

Wilhelm Simon Melchior Fürst – städtischer Musikmeister

Anfang 1873 wurde Wilhelm Fürst die Stelle des Stadtmusikus in Rothenburg ob der Tauber verliehen und er zog von Feuchtwangen nach Rothenburg in die Paradeisgasse. Von nun an bis zu seinem Ableben im Juni 1911 leitete er die Städtische Musikkapelle mit ihren vielseitigen Aufgaben rund um das reichhaltige musikalische Angebot vom Turmblasen bis zum Empfang von Gästen der Stadt, von kirchlichen Festen bis zu Vereins- und Unterhaltungsveranstaltungen aller Art, von Standkonzerten bis zur Trauermusik. In seinem Hause hatte er neben seiner Musikalienhandlung auch einen Ausbildungsbetrieb und bildete Lehrlinge / Musikernachwuchs im Geschäft der Musik aus. Im weiteren Zuge seiner musikalischen Tätigkeit auch für die Veranstaltungen des Historischen Festspiels „Der Meistertrunk“ wurde er zum Ehrenmitglied des selben sowie im Militär-Verein. Nachfolger seines Amtes wurde darauf sein Sohn Fürst Hans Johann Lorenz, Stadtmusikus, städtischer Musikmeister,*27.02.1887 ✠07.07.1918 der nach der Ausbildung durch seinen Vater auch die königliche Musikschule in Würzburg besuchte. Nicht nur die Leistungen als Dirigent der städtischen Kapelle, auch seine „bezaubernden Geigenklänge“ fanden großen Anklang beim Publikum. Mit ihm endeten im Jahre 1918 das 45 Jahre andauernde „Zwischenspiel“ der städtischen Musikgeschichte unter der Leitung Fürst in Rothenburg.

Im Lauf der Zeit kamen und gingen viele Leiter der städtischen Musikkapelle in Rothenburg ob der Tauber.

1872 erscheint mehrfach eine Amtliche Bekanntmachung der Stadt Rothenburg ob der Tauber im Fränkischen Anzeiger: „Die Stelle eines hiesigen Stadtmusikus und Thürmers soll wieder besetzt werden.“

26.10.1872

Bekanntmachung im Fränkischen Anzeiger 26.10.1872

Im August 1872 wurde die Stelle des Stadtmusikus von der des Thürmers / der Thurmwache oder auch Feuerwache auf dem Rathausturm getrennt und so wurde die Stelle des Stadtmusikus im Oktober des Jahres neu ausgeschrieben mit der Ergänzung: Außerdem steht dem Stadtmusikus entsprechender Verdienst aus Conzerten, Gesellschaftsproduktionen, Tanzmusiken ec. in und außerhalb der Stadt in Aussicht.

Auf diese Stelle bewarb sich am 10.11.1872 Wilhelm Simon Melchior Fürst als ein weiterer Vertreter der weit verzweigten Musikerdynastie „Fürst“ aus Feuchtwangen (*26.10.1848 in Feuchtwangen als Sohn des Stadtmusikus und Stiftstürmers, Georg Gustav Adolf Fürst).

Hier das Bewerbungsschreiben aus Feuchtwangen:

Wohllöblicher Stadtmagistrat!

Ergebenste Bitte des Musikus Wilhelm Fürst aus Feuchtwangen

Betreff: Günstige Verteilung der Stelle eines Stadtmusikus in Rothenburg.

In der Beilage No 101 zum kgl. bäyer. Kreis Amtsblatte von Mittelfranken vom 16. Novbr. ist durch eine Bekanntmachung des wohllöblichen Stadtmagistraths Rothenburg die Stelle eines Stadtmusikers daselbst zur Bewerbung ausgeschrieben.

Als Sohn des hiesigen (*1)Stadtmusikus hatte ich von frühester Jugend an Gelegenheit mich im Musikfache auszubilden. Ich habe mich demselben auch mit Neigung und Eifer gewidmet und erhielt Musikunterricht bei dem jetzigen Stadt Musikus in Weißenburg a/S (am Sand; heute Weißenburg in Bayern), (*2)Ludwig Fürst, früherer Zeit in Gunzenhausen. Um mich noch weiterzu im Musikfache auszubilden begab ich mich auf längere Zeit nach München und erhielt dort hauptsächlich Unterricht im Violinspiel von dem Hofmusiker Walther und in der Kompositionslehre von (*4)Sachs. Auf diese Weise ist es mir gelungen auf der Violine und der Klarinette ziemliche Fertigkeiten zu erhalten, sowie überhaupt mit den anderen Streich Instrumenten, allzu Blas Instrumenten, ins Besondere Trompete gut vertraut zu werden, so daß ich die Stelle meines Vaters, der durch ein Augenleiden öfters an der Ausübung seines Geschäftes verhindert war, vollständig, wie beiliegendes Zeugnis bestätigt, versah. Das ich der Militair Pflicht genügt, beweist beiliegender Freischein. Im Vertrauen auf die Güte des wohllöblichen Magistrats der Stadt Rothenburg erlaube ich mir an denselben die gehorsamste Bitte zu stellen: „Es möge deraselben belieben,“mir die Stelle eines Stadtmusikers zu Rothenburg“ günstigst zu verleihen. Ich gebe mich der Hoffnung hin, daß es dem wohllöblichen Magistrate gefallen möge, meiner Bitte Berücksichtigung angedeihen zu lassen.

Hochachtungsvoll des wohllöblichen Stadtmagistrats Rothenburg

gehorsamster Wilhelm Fürst Musikus

1872.11.10 -001

Bewerbungsschreiben vom 10.11.1872 an den Stadtmagistrat Rothenburg ob der Tauber

1872.11.10 -005

 

Fürst Wilhelm Simon Melchior, städtischer Musikmeister Rothenburg o.d.T.

Wilhelm Fürst, städtischer Musikmeister in Rothenburg ob der Tauber, komponierte das Festspiel Melodram, dirigierte Melodram und Festspiel Ouvertüre für das historische Festspiel „Der Meistertrunk“

 

Aufnahme um 1886 Wilhelm Fürst, städtischer Musikmeister in Rothenburg ob der Tauber, komponierte das Festspiel Melodram, dirigierte Melodram und Festspiel Ouvertüre für das historische Festspiel "Der Meistertrunk" - Wilhelm Fürst erste Reihe von vorn ganz Rechts sitzend - der spätere Obermusikmeister Georg Fürt (u.a. - Komponist des Badonviller-Marsches) 3te Reihe von vorne 2ter von Rechts

Aufnahme um 1886 – Wilhelm Fürst erste Reihe von vorn ganz Rechts sitzend – der spätere Obermusikmeister Georg Fürst (u.a. – Komponist des Badonviller-Marsches) 3te Reihe von vorne 2ter von Rechts

Erläuterungen:

(*2) Fürst Ludwig,*25.08.1831 †10.05.1893, Alter: 61 Jahre, Städtischer Musikmeister in Gunzenhausen – Weißenburg in Bayern

(*1) Fürst Georg Gustav Adolf (genannt: Adolf Fürst), *13.03.1816 †28.12.1900 , Alter: 84 Jahre alt, Stiftsmusikmeister in Feuchtwangen, Stadtmusikus

(*4) Sachs, Melchior Ernst (Ernst Melchior, Johann Melchior Ernst). *28.02.1843 Mittelsinn, letztmals erwähnt 1910 Komponist, Chorleiter, Musikpädagoge, Kompositionslehrer, Gesangslehrer, Musikforscher

 

 

 

Benjamin Babel

Mein Name ist Benjamin Babel. Ich wurde 1962 in Rothenburg ob der Tauber geboren. Nach der Schulzeit und der Ausbildung führten mich meine Wege als Journalist in alle Welt. Doch das Herz schlägt nun mal in der Heimat und so blieb ich mit meinem Rothenburg auch in der Ferne stets verbunden. Seit 2011 lebe ich wieder in Rothenburg ob der Tauber, direkt am Marktplatz. Vielleicht hat mich der ein oder andere Besucher übrigens schon einmal in den Medien gesehen.

Weitere Beiträge

Rothenburg ob der Tauber 1631: Ein Sackpfeifer und die Totengräber

Ecke Hafengasse - Obere Schmiedgasse

Ecke Hafengasse – Obere Schmiedgasse

1955: Die Stadt Rothenburg ob der Tauber erwirbt Anfang Oktober aus einem Privatbesitz ein handgeschriebenes Buch, besser gesagt, eine bis dahin wohl unbekannte Chronik. Diese unscheinbare Chronik liegt bis heute gut verwahrt im Archiv der Stadt Rothenburg ob der Tauber. Der Titel: Chronica des Heiligen Römischen Reichs Stadt Rothenburg ob der Tauber. In dieser Chronik geht es um die Geschichte der Stadt Rothenburg, niedergeschrieben durch Georg Heinrich Schaffert in den Jahren 1771-1772 und 1773.

Chronik des Georg Heinrich Schaffert

Chronik des Georg Heinrich Schaffert

Neben vielen Berichten und Geschichten finden sich auch sehr interessante Seiten über das für die Stadt heute noch denkwürdige Jahr 1631, im Dreißigjährigen Krieg. Hier berichtet der Chronist Schaffert über die Begebenheit um die Belagerung und Erstürmung der stolzen protestantischen Stadt Rothenburg durch den katholischen Feldherrn Tilly, sowie deren Ausgang und Rettung; die aber auch unzählige Menschen aus allen Herren Ländern der Welt durch die Erzählung des historischen Festspiels „Der Meistertrunk“ kennen. Interessant wird es dann noch im Anschluß daran. So ist eine weitere kleine zeitgenössische und heutzutage mit dem gebührenden Abstand zu den damaligen Umständen betrachtet, schon fast eine humoristisch anmutende Gruselgeschichte festgehalten.

Da sie aber wohl nie im Urtext öffentlich gemacht wurde, möchte ich unseren Lesern diese kleine Geschichte im Original aufgezeichneten Wortlaut wiedergegeben.

"Sackpfeifer" der Gruppe Mummenschanz"

„Sackpfeifer“ der Gruppe Mummenschanz“

Ein Sackpfeifer und die Totengräber

Beim Abmarsch der Kaiserlichen Armee geschah folgendes:

3. Regimenter Kayserlicher Soldaten und ein großer Haufe Kroaten zur Besatzung der Stadt zurückgelassen, die bey ihrem 10. wöchigen Aufenthalt allhier, der Bürgerschaft Geld und Geschmeide Flügel gemacht, auch noch über dies die ungarische hitzig (*1) Kopfkrankheit mit in die Stadt gebracht, daß von allen Häusern und Gassen der Stadt die Toden herbeygetragen, und durch den Todenkarren dessen Räder mit Lumpen bebunden gewesen, geführt wurden, und der (*2) Judenkirchhof weil mann auf den (*3) Gottesacker nicht kommen können, nicht groß und weit genug war, dieselben zu begraben.“ Während des Sterbens nun begab sich folgende Geschichte: Ein gewisser (*4) Sackpfeifer der wenig Tage vergehen lies ohne sich einen dichten Rausch zu trinken war eines Tages bey dem Hirschenwirth, wo er sich recht sehr im Brandtenwein übernahm, und als er nun bey Nachtzeit nacher Haus gehen wolte, und kaum etliche Schritte vom Wirtshaus war, stürtzte er vom Brandwein übermeistert, zu Boden, und lag als vor Tod auf der Gassen : Indeme kamen die Todengräber mit ihrem Karren und sahen den betrunckenen Sackpfeifer liegen, giengen hin, rüttelten und schüttelten denselben, als er sich nun nicht regete, hielten sie ihn vor Todt, luden ihn dahero auf ihren Karren, und führten ihn auf den Juden-Kirchhof, daselbst stürtzten sie ihn in eine große Grube zu andern vielen Toden, und fuhren wieder ihres Weges um noch mehrere zu hollen; Indessen thät der Sackpfeifer einen Schlaf aus ehe sie wieder zurück kamen, und erwachte endlich; aber wie bestürtzt war er nicht, als er nichts unter noch neben sich spührte und fand, dann lauter Tode und erstarrte Menschen, und aus dem Loch von ihnen nicht entfliehen konte, ob er schon es versuchte; ein heftiger Schauer vertrieb ihme in dieser Finsterniß allen Rausch, er rufte und schrie, aber da war keine Antwort, in solcher Angst und weilen er glaubte im Reiche der Toden zu seyn, ergrief er seine Sackpfeifen, und stimte darauf das Lied an: Es ist gewißlich an der Zeit ff. unterdessen kamen die Todengräber wieder zurück, und bey anhörung dieses gepfeifes erschracken sie heftig und meinten es wäre ein Gespenst, traueten dahero anfangs nicht hin zur Grube, endlich nahmen sie sich doch das Herz, weil es allerweits anfieng starcke zu Tagen, und giengen hin, und fragten wer darinnen, worauf sich der Sackpfeifer zu erkennen geben, und von ihnen aus der Gruben gezogen worden. Er hat auch ob er schon bey den Toden gelegen, doch diese Krankheit nicht bekommen. Diese Krankheit dauerte weit in das 1632. Jahr da sie sich erst geendet.

Hier enden die Berichte über das Jahr 1631. Quelle: Archiv der Stadt Rothenburg ob der Tauber 2015.

Worterklärung ~: 

(*1) ungarische hitzig Kopfkrankheit = eine eingeschleppte Art von Sumpffieber;

(*2) Judenkirchhof = der heutige Schrannenplatz in Rothenburg;

 (*3) Gottesacker = Rothenburger Friedhof;

(*4) Sackpfeifer = Dudelsackpfeifer

Kupferstich aus dem Jahr 1762 in der Chronik des Georg Heinrich Schaffert

Kupferstich aus dem Jahr 1762 in der Chronik des Georg Heinrich Schaffert

In wenigen Tagen werden im romantischen Rothenburg ob der Tauber die alljährlich stattfindenden Reichsstadttage abgehalten. Hier kann man erleben, wie sich die kleine, mittelalterliche Stadt Rothenburg ob der Tauber verwandelt und man an allen Ecken der Stadt die verschiedensten Epochen entdecken kann. Dabei ergibt sich vielleicht auch die Möglichkeit, Euch diese „Geschichte“ von der Gruppe Mummenschanz vortragen zu lassen.

Die Gruppe Mummenschanz

Die Gruppe Mummenschanz

Benjamin Babel

Mein Name ist Benjamin Babel. Ich wurde 1962 in Rothenburg ob der Tauber geboren. Nach der Schulzeit und der Ausbildung führten mich meine Wege als Journalist in alle Welt. Doch das Herz schlägt nun mal in der Heimat und so blieb ich mit meinem Rothenburg auch in der Ferne stets verbunden. Seit 2011 lebe ich wieder in Rothenburg ob der Tauber, direkt am Marktplatz. Vielleicht hat mich der ein oder andere Besucher übrigens schon einmal in den Medien gesehen.

Weitere Beiträge

22 Jahre und kein bisschen “LEISE“ – Die Marketenderinnen von Rothenburg.

Jetzt sind es bald 22 Jahre seit der Gründung der Festspielgruppe „Die Marketenderinnen“. „Sie wurden beäugt… Sie wurden bemessen… und sie wurden für gut befunden!“

Historischer Rückblick: In den Heerzügen des Dreißigjährigen Krieges folgte den militärischen Abteilungen der Tross zur Verpflegung und Betreuung der Soldaten. Was der Soldat nicht verzehrt, genommen oder verwüstet hatte, das zehrte, nahm und vernichtete der Tross. Daran schlossen sich zu Fuß oder zu Pferd die Soldatenweiber an. Es waren die Frauen oder Dirnen der Söldner, die sich bei der Rast um deren Kleidung kümmerten und die Kinder betreuten.
Mit seiner Frau wohnte der Soldat unter dem engen Strohdach des Lagers oder im Quartier. In jeder Abstufung von Alter und Ansprüchen begleiteten Dirnen das Regiment: von der Mätresse des Obersten, die mit ihrem Hofstaat unter besonderer Bedeckung reiste, bis zur Dirne des Pikeniers, die, ihr Kind auf dem Rücken, mit wunden Füßen über das Schlachtfeld laufen musste. Der Tross jedes Regiments unterstand dem Dirnenwaibel, meist ein altgedienter Soldat, der vom Oberst eingesetzt wurde.

 

Marketenderwagen von Adolf Hosse

Leise waren sie nie – die knapp 30 „Frau“ starke Frauenpowergruppe der „Marketenderinnen“ mit ihren zwei „Schnallentreibern“, eine der 25 historischen Gruppen des Vereins „Historisches Festspiel – Der Meistertrunk“. Bei Gründung der Gruppe wurde sie durch umfangreiche Bemühungen als Frauengruppe in die Männerdomäne Festspiel integriert und man freut sich im Verein sichtlich über den Erfolg und die Anerkennung um die Leistungen der Marketenderinnen.

Erinnerungen aus den letzten 20 Jahren: Sie haben nicht nur den Verein und die Stadt bei Veranstaltungen, wie z.B. „WETTEN DASS…“ oder auch im „ZDF Sommergarten“ mehr als erfolgreich vertreten, sondern noch viele andere Events gemeinsam über die Jahre hin besucht.

Die Marketenderinnen haben ein Repertoire von über 20 Liedern verschiedenster Herkunft. Vom süßen Liebes- und Sehnsuchtslied bis hin zum deftigen Sauf- und derben Gassenlied. Auch Kriegslieder aus der Zeit des dreißigjährigen Krieges, die den Alltag von damals spiegeln, verschiedene Kanons und mehrstimmige Lieder wie z.B. Stücke aus Carl Orff’s „Carmina Burana“ gehören dazu. Besondere Eyecatcher der Gruppe sind natürlich auch die alten Flöten in Form von 2 Krummhörnern und Klanghölzern, einer Laute sowie Schellenkränze und einem Kazoo. Mit zum Teil dreistimmigen Gesängen warten die Damen bei ihren Auftritten auf, dann auch mit gehörigem Applaus belohnt.

So bleiben sie den Gästen der romantischen Stadt Rothenburg ob der Tauber und des Historischen Festspiels, das in wenigen Tagen wieder seine Türen und Tore öffnet, stets in guter Erinnerung.

Über die Pfingstfeiertage vom 22. bis 25. Mai 2015 ziehen die Marketenderinnen täglich durch die malerischen Gassen der Altstadt in Rothenburg ob der Tauber.

Benjamin Babel

Mein Name ist Benjamin Babel. Ich wurde 1962 in Rothenburg ob der Tauber geboren. Nach der Schulzeit und der Ausbildung führten mich meine Wege als Journalist in alle Welt. Doch das Herz schlägt nun mal in der Heimat und so blieb ich mit meinem Rothenburg auch in der Ferne stets verbunden. Seit 2011 lebe ich wieder in Rothenburg ob der Tauber, direkt am Marktplatz. Vielleicht hat mich der ein oder andere Besucher übrigens schon einmal in den Medien gesehen.

Weitere Beiträge

„Gottes Wort im Glockenturm – Die Glocken von Sankt Jakob“

Wer kennt schon die Inschriften der „Großen“ auch „Wetter“ – Glocke genannt oder der „Predigtglocke“ im Südturm der Sankt Jakobs Kirche in Rothenburg ob der Tauber? Was macht die Glocken so besonders?

Sankt Jakob

Sankt Jakob

Wir schreiben das Jahr 1626 im September. Der 30 jährige Krieg tobt seit 8 Jahren. Auf dem Judenkirchhof (dem heutigen Schrannenplatz) bewegt sich was.

Jede Menge Holz und Baumaterial wird durch Tagelöhner herbei geschafft, Gruben gegraben und ein Ofen errichtet. Was geschieht hier?
Zwei Wanderglockengießer Petrus Bulevilius und Caspar Delson von Haute-Cour in Lothringen wurden vom Rat der Stadt und den Bürgermeistern Johann Bezold und Johann Staudt (diese waren wahrhaft gesegnete Pfleger dieses Gotteshauses) beauftragt 6 Glocken für die Türme der Sankt Jakobs Kirche zu gießen.

Dazu wird ein großes Loch tief ins Erdreich gegraben, darüber der Gießofen und eine Bauhütte errichtet. Dort verrichten die Gießer ihre Arbeit. Für die Arbeiten werden ihnen etliche Taglöhner zur Seite gestellt, die viele Hilfsarbeiten wie Wasser-tragen, Lehm-schlagen usw. verrichten.

Es sollten Glocken werden, die schön und mächtig, bis über das weit sich erstreckende Umland hinaus, ihren Klang erschallen lassen. – – „Gott soll man bis in die Ewigkeit hören“

Als am 7. Oktober die erste Glocke – die Predigtglocke – gegossen und von Lehm und Erde befreit und gesäubert war, wurde die Predigtglocke mit einem Durchmesser von 97 cm durch den Einsatz von 6 Spitalpferden (Kaltblüter) in den Südturm hinauf gezogen und in die Halterung eingehängt.

Die Inschrift der Predigtglocke lautet:

IN DOMINO SPES FIXA PIO NOSTRAE UNICA VITAE‘
GEORGIO ZIRLINO PASTORE ET SUPERINTENDENTE
P.L.C. (=poeta laureato caesareo) FUSA 1626

Zu deutsch: Die einzige bleibende Hoffnung unseres Lebens (beruht) auf dem heiligen Gott — gegossen unter dem Pfarrer und Superintendenten Georg Zierlein, dem vom Kaiser lorbeerbekränzten Dichter 1626.

Es nahmen also später mit Sicherheit an den Glockenweihen Johann Bezold, Johann Staudt, und Georg Zierlein, sowie alle Ratsherrn teil. So verstehen wir auch die Worte Bezold’s: „Der Glocken Weihetöne hallen von den Jakobstürmen glückverheißend nieder.“

Oben: Predigtglocke Unten: Vesperglocke

Oben: Predigtglocke
Unten: Vesperglocke

Die „Große“ – die „Wetter“ – Glocke mit einem Durchmesser von 140 cm und einem Gewicht von 36 Zentnern (~ 1.800 Kilogramm) wurde am 12. Oktober mit 8 Spitalpferden hinauf auf den Südturm gezogen.

Die große Glocke trägt die Inschrift:

FUSA ROTENMBURGI CAMPANA EST! PONDERE SUMPTU AERE SONO RELIQUIAS,
EXUPERANSQUE NOLAS.ANO DNI MDCXXVI MENSE SEPTEMBRI
JOHANNE STAUDIO ET JOHANNE BEZOLTO CONSULIBUS,
AEDISQUE HUIHUS CURATORIBUS , VERE FELICIBUS
Petrus Bulsvilius et Casparus Delsno de Huliecorius in Lotharigi fecerunt.

Zu deutsch: Die Glocke wurde in Rothenburg gegossen, an Gewicht und Aufwand in ehernem Klange auch die übrigen Glocken übertreffend, fertigten sie anno domini 1626 im Monat September unter den Bürgermeistern Johann Staud und Johann Bezolt, desgleichen auch unter ihren Ratsherrn zu ihrem wahrhaftigen Glück (= glückverheißend) Peter Bouleville und Caspar Delson…..

Wetterglocke

Wetterglocke

Die "Große" "Wetter - Glocke"

Die „Große“
„Wetter – Glocke“

Die insgesamt 6 Glocken der Rothenburger St.-Jakobs-Kirche sind eines der ganz wenigen in Deutschland komplett erhaltenen Geläute aus der Zeit des 30 jährigen Krieges und des 17. Jahrhunderts mit einer eigenwilligen Klangstruktur und damit von geschichtlich und kultureller überregionaler Bedeutung. Im Laufe der Geschichte seit 1626 bis in das letzte Jahrhundert hinein entgingen sie immer wieder dem gnadenlosen Schicksal so vieler anderer Glocken, nämlich zur Metallgewinnung „zum Heil des Vaterlandes“ oder anders gesagt für „Kriegszwecke“ herhalten zu müssen und auf Glockenfriedhöfen mit dem Endziel Schmelzofen zu landen.

So sind wir hier seit vielen Generationen in Folge, in dem kleinen romantischen Tauberstädtchen Rothenburg, in der glücklichen Lage immer wiederkehrend aufs neue beim Erwachen des Geläuts Erinnerungen an frohe, friedliche und festliche Tage vergangener Jahre und Jahrzehnte zu haben.

Wenn dann 389 Jahre, nach der Errichtung des Geläuts, die Glocken der Sankt Jakobskirche alljährlich während des Volksschauspiels „Das Historische Festspiel – Der Meistertrunk“ im Kaisersaal zu hören sind, so spiegelt sich darin die Rothenburger Geschichte um die Wirren des 30 jährigen Krieges und der Errettung der Stadt wieder. (www.meistertrunk.de) Jeder Besucher des an Pfingsten stattfindenden Festspiels wird so selbst zu einem Zeitzeugen.

Glocken im Südturm der Sankt Jakobs Kirche:
Große oder Wetterglocke Durchmesser 140 cm;
Predigtglocke Durchmesser 97 cm;
Vesperglocke Durchmesser 69 cm

im Nordturm:
Eins-gen-Nacht oder Torglocke Durchmesser 127 cm;
Mittags- oder Horenglocke Durchmesser 80 cm;
Totenglocke Durchmesser 80 cm

Hier findet Ihr das Zwölfuhrleuten des Sankt Jakobs Kirche: http://br.de/s/1VvCOvC

Danke an:
Gästepfarrer Dr. Oliver Gußmann.
das Stadtarchiv Rothenburg

Sankt Jakob Ostseite Kirchenschiff mit Hochaltar

Sankt Jakob
Ostseite Kirchenschiff mit
Hochaltar

Rechts im Bild: Gästepfarrer Dr. Oliver Gußmann

Rechts im Bild: Gästepfarrer Dr. Oliver Gußmann

Blick vom Süd zum Nordturm auf Sankt Jakob

Blick vom Süd zum Nordturm auf Sankt Jakob

HiTek im Glockenturm

HiTek im Glockenturm

Benjamin Babel

Mein Name ist Benjamin Babel. Ich wurde 1962 in Rothenburg ob der Tauber geboren. Nach der Schulzeit und der Ausbildung führten mich meine Wege als Journalist in alle Welt. Doch das Herz schlägt nun mal in der Heimat und so blieb ich mit meinem Rothenburg auch in der Ferne stets verbunden. Seit 2011 lebe ich wieder in Rothenburg ob der Tauber, direkt am Marktplatz. Vielleicht hat mich der ein oder andere Besucher übrigens schon einmal in den Medien gesehen.

Weitere Beiträge

Ab König Rudolf v. Habsburg 1274 – Napoleon 1803 „Eine freie Reichsstadt im Wandel der Zeiten“

Verkündung der Reichsstadtprivilegien für die Stadt Rothenburg - 1274

Erleben Sie die historischen Reichsstadt-Festtage zu ihrem 40. Jubiläum in Rothenburg ob der Tauber
vom 05. September bis 07. September 2014.

Historische Stadtfeste gibt es wie Sand am Meer. Jedes Jahr kommen Neue dazu. Meist sind sie eher von schlichter Natur und nach wenigen Jahren schon wieder Geschichte. Anders die “Reichsstadt-Festtage“ der weltberühmten Stadt Rothenburg ob der Tauber: Vierzig Jahre erleben Touristen und Freunde des Mittelalters aus Nah und Fern, wie sich – seit 1974 immer Anfang September – die kleine, romantische Stadt Rothenburg ob der Tauber verwandelt und man an allen Ecken der Stadt die verschiedensten Epochen entdecken kann. Die Reichsstadt-Festtage finden in diesem Jahr vom 05. bis 07. September statt und warten wieder mit einem umfangreichen Programm auf.

Viele Einheimische Familien mit Kind und Kegel haben dieses Fest 1974 aus der Taufe gehoben und sind zum Teil bis heute aktiv als Ritter, Soldaten, bei der Stadtpfeyfferey, bei dem Historischen Festspiel “Der Meistertrunk“, dem Schäfertanz oder anderen Gruppen und stellen in historischer Gewandung acht Epochen von der Zeit um 1274 bis zum Biedermeier eindrucksvoll dar.

Fassaden-Brillant-Feuerwerk

Fackelzug

Geschichtlicher Hintergrund der Reichsstadt-Festtage:

Rothenburg ob der Tauber war von 1274 bis 1802 eine der weithin bekanntesten Städte des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Der Grundstein für die selbstständige und freie Entwicklung des Rothenburger Gemeinwesens wurde nach den Wirren der letzten Stauferzeit und insbesondere nach der Verpfändung der Stadt an die Hohenlohe durch kaiserliche Sanktion gelegt. Im ersten Regierungsjahr des Königs Rudolf von Habsburg wurde Rothenburg zur „Freien Reichsstadt“ erhoben. Mit der Ernennung zur freien Reichsstadt waren erhebliche Privilegien verbunden. Rothenburg wurde zu einem bedeutenden Machtzentrum durch den gewonnenen politischen Einfluss. Der Handel florierte. Mit 6000 Einwohnern war Rothenburg in wenigen Jahren eine der größten Städte im Reich geworden. Die Entwicklungen der Stadt von 1274 bis 1802 u.a. beeinflusst durch den Dreißigjährigen Krieg und 1803 die Übergabe Rothenburgs an das Bayerische Königreich durch einen Beschluss Napoleons, werden seit 1974 mit den jährlich stattfindenden “Reichsstadt-Festtagen“ gefeiert.

- Der Humpen - Der Trunk - ein ungewöhnlicher Handel - eine unglaubliche Tat - (Bühnenstück)

 

Die Stadt in Flammen

 

Hochfeuerwerk - Stadtbeschießung (Samstag Nacht)

 

Historisches Handwerk

 

Historische Bürgergruppe

 

Trommler der Jungen Schar - 1631

 

Benjamin Babel

Mein Name ist Benjamin Babel. Ich wurde 1962 in Rothenburg ob der Tauber geboren. Nach der Schulzeit und der Ausbildung führten mich meine Wege als Journalist in alle Welt. Doch das Herz schlägt nun mal in der Heimat und so blieb ich mit meinem Rothenburg auch in der Ferne stets verbunden. Seit 2011 lebe ich wieder in Rothenburg ob der Tauber, direkt am Marktplatz. Vielleicht hat mich der ein oder andere Besucher übrigens schon einmal in den Medien gesehen.

Weitere Beiträge

Das historische Festspiel „Der Meistertrunk“ bewirbt sich um Aufnahme in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes bei der Deutschen UNESCO Kommission e.V.

Rothenburg ob der Tauber
Das Historische Festspiel “Der Meistertrunk“ hat sich im November 2013 zur Aufnahme in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes bei der Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur, Deutsche UNESCO-Kommission e.V. beworben.

Das „Festspiel“ wird seit 1881 von seinen derzeit über 100 aktiv teilnehmenden am Bühnenstück „Der Meistertrunk“ sowie in seiner gesamten Form durch die rund 900 Mitglieder des Vereins getragen.

Das Wissen und Können – der Ausdruck von Kreativität und Erfindergeist im Rahmen des „historischen Festspiels“ wird von Generation zu Generation weitergegeben und fortwährend neu gestaltet.

Der Humpen - Der Trunk -ein ungewöhnlicher Handel - eine unglaubliche Tat - das Bühnenstück

Der Humpen – Der Trunk -ein ungewöhnlicher Handel – eine unglaubliche Tat – das Bühnenstück

Wir bedanken uns an dieser Stelle bei allen die uns Unterstützung und Hilfe bei der Bewerbung zur Aufnahme in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes gewährt haben. So möchte ich insbesondere die Verfasser der Empfehlungsschreiben erwähnen: Walter Hartl, Oberbürgermeister der Stadt Rothenburg ob der Tauber, Karl Borchardt, Professor am Lehrstuhl für mittelalterliche Geschichte und historische Hilfswissenschaften, Institut für Geschichte, Universität Würzburg. Und nicht zuletzt bei all unseren aktiven Mitgliedern, die jährlich ihren Beitrag zur Erhaltung des Festspiels und somit die Bewerbung zur Aufnahme in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes ermöglichen.

Pressesprecher:
Benjamin Babel
Historisches Festspiel „Der Meistertrunk“

Benjamin Babel

Mein Name ist Benjamin Babel. Ich wurde 1962 in Rothenburg ob der Tauber geboren. Nach der Schulzeit und der Ausbildung führten mich meine Wege als Journalist in alle Welt. Doch das Herz schlägt nun mal in der Heimat und so blieb ich mit meinem Rothenburg auch in der Ferne stets verbunden. Seit 2011 lebe ich wieder in Rothenburg ob der Tauber, direkt am Marktplatz. Vielleicht hat mich der ein oder andere Besucher übrigens schon einmal in den Medien gesehen.

Weitere Beiträge