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Rothenburg ob der Tauber als Stadt der Stille

In den Tagen bis Ostern kitzelt die Frühjahrssonne Rothenburg wach. Ich schiebe mein Rad durch die Rödergasse. Autos gibt es hier kaum. Der Storch hat sein  Nest bezogen. Heute habe ich etwas Zeit und kann der Internetgemeinde meine Lieblingsplätze in Rothenburg zeigen. An manchen Orten in Rothenburg fühle ich mich besonders wohl. Dort geht mein Blick ins Weite und ich kann die Stille besonders genießen, und aufatmen.

Der Burggarten

Die grüne Lunge Rothenburgs ist der Burggarten. Jetzt, Mitte März, schaut noch kaum Grün hervor. Beide Seiten des Bergsporns, auf dem die alte Stauferburg einmal stand, gewähren einen weiten Blick ins Taubertal nach Süden und nach Norden. Einige genießen die ersten Sonnenstrahlen im Garten der Natur.

Frühjahr im Burggarten

Inspirierende Orte

Wenn man den südlichen Ausgang des Burggartens wählt und ein paar Schritte dem Muschelzeichen in Richtung Jakobsweg nach Tübingen/Rottenburg oder Speyer geht, kommt man durch parkähnliche Anlagen und durch den Weinberg der Familie Thürauf an der sogenannten „Riviera“ mit stillen verwunschenen Wegen. Gleich zu Beginn, an der Georg-Pirner-Anlage, taucht ein winziges kleines gelbes Sommerhäuschen auf.

Häuschen

Auch wenn es mir natürlich nicht gehört, stellt es für mich doch ein schönes und stilles Refugium dar mit nur wenig Quadratmetern Fläche und einem phänomenalen Blick über das Taubertal hinweg. Es steht in einem grünen Garten voller Schneeglöckchen. Ich stelle mir vor, dass ein Schriftsteller, fern abgeschieden von aller Welt, hier seine Inspirationen zu Papier bringt.

Die Sonne malt Bilder in  der Franziskanerkirche

Zurück in der Altstadt, in die Herrngasse: Eine der schönsten Kirche mit einem Innenraum von geradezu faszinierender Ausstrahlung ist die Franziskanerkirche. Ich mag es gerne, hier still zu sitzen und der Sonne zuzusehen, wie sie die Wände mit Licht bemalt. Doch davon habe ich schon in einem anderen Blogbeitrag geschrieben. Leider ist die Kirche bis kurz vor Ostern wegen Renovierungsarbeiten geschlossen, aber dann öffnet sie ihre Geheimnisse wieder.

Franziskanerkirche Engel

Am höchsten  Punkt der Stadt Rothenburg

Auch ein schöner Ort, aber nicht öffentlich zugänglich: die Türme der St.-Jakobs-Kirche. Wenn schönes Wetter ist, sitze ich manchmal hoch dort oben auf dem Südturm. All die Geräusche der Stadt, Unterhaltungen, Rufen, Hupen, Musik – all das bleibt ferne und leise unter mir als ob mich diese Welt nichts anginge. Dort oben komme ich auf die besten Gedanken.

Blick auf Franziskanerkirche

Den romantischen englischen Maler Arthur Wasse hat die pittoreske Weltabgeschiedenheit der Jakobstürme dazu inspiriert, seine Frau Fanny zu malen, wie sie dort Dohlen füttert. Im Hintergrund ist das Dorf Detwang zu sehen – und alles sieht heute fast genauso aus wie damals, obwohl über hundert Jahre seitdem verstrichen sind. Das mystisch anmutende Gemälde kann man übrigens noch bei einem Besuch des Reichsstadtmuseums im Original betrachten und dann noch viel mehr Details entdecken.

wasse St  St. Jakob Südturm

 

Die Nacht in  Rothenburg. Ein Wispern

Etwas ganz Besonderes aber ist die Stille in der Rothenburger Altstadt, wenn die Nacht angebrochen ist. Die Geräusche sind dann nämlich völlig andere als am Tag. Ruhe ist eingekehrt, die Stadt birgt sich in der Stille. Bisweilen hört man den gedämpften Glockenschlag eines Uhrwerkes. Ein Käuzchen ruft aus dem Taubertal. Mir kommen Verse aus Matthias Claudius’ Abendlied in den Sinn:

Wie ist die Welt so stille,
Und in der Dämmrung Hülle
So traulich und so hold!
Als eine stille Kammer,
Wo ihr des Tages Jammer
Verschlafen und vergessen sollt.

Seht ihr den Mond dort stehen?
Er ist nur halb zu sehen,
Und ist doch rund und schön!
So sind wohl manche Sachen,
Die wir getrost belachen,
Weil unsre Augen sie nicht sehn.

Wenn ich bei Dunkelheit auf den Gassen der Rothenburger Altstadt unterwegs bin, unterhalte ich mich gerne nur mit gedämpfter Stimme, nur um diese Stille nicht zu stören, und ich möchte mich am Liebsten nur auf Zehenspitzen fortbewegen.

Mit etwas Glück kann man dann auch hören, dass es an manchen Stellen eine zweite Welt hinter diesen ehrwürdigen Steinen gibt! Dann hört man es nämlich ganz leise rascheln und piepsen. Zum Beispiel am Treppenaufgang im Norden von St. Jakob. Dort zwischen den Steinritzen erzählen sich die Kirchenmäuse ihre Gutenacht-Geschichten. Doch um sie zu verstehen, muss man selbst ganz, ganz still sein. Nur lauschen.

Stufen St

Oliver Gußmann

In Rothenburg bin ich Touristen- und Pilgerpfarrer an St. Jakob. Das ist die große, an Kunstschätzen reiche evangelische Kirche mit den Doppeltürmen mitten in Rothenburg! Meine Aufgabe ist es, die Kirchen Rothenburgs Gästen und Touristen aus der ganzen Welt bekannt zu machen. Die zahlreichen Gotteshäuser des gotischen Rothenburgs erzählen mit Bildern und Symbolen vom Glauben, der Liebe und der Hoffnung unserer Vorfahren; sie berichten vom Sterben und Auferstehen, von Hingabe und Erlösung. Bei meiner Arbeit hilft mir ein Kirchenführer-Team. Außerdem traue ich Hochzeitspaare, mache Nachtkirchenführungen und vieles mehr. Gerne führe ich durch das jüdische Rothenburg oder biete für Kinder und Jugendliche kirchenpädagogische Führungen an. Für die Jakobuswege, von denen sich einige in Rothenburg kreuzen, bin ich der Ansprechpartner. Mir liegt eine gesunde Umwelt am Herzen. Darum fahre ich ein "Velomobil" - eine Mischung zwischen Seifenkiste und Rennauto. Wenn Sie so etwas in Rothenburg stehen sehen, bin ich sicher nicht weit entfernt! Mehr über meine Arbeit: www.rothenburgtauber-evangelisch.de/tourismus

Weitere Beiträge

Der Liebling der Pilger und Touristen – die Jakobusstatue vor dem Eingang von St. Jakob

jakobusMeist stehen Heiligenfiguren auf hohen Säulen und Podesten, unerreichbar. Nicht so die bronzene Statue vor dem Eingang von St. Jakob! Sie ist der Liebling der Besucherinnen und Besucher aus aller Welt geworden: Viele posieren für ein Foto mit ihm. Manche scheint der Bronze-Jakobus zu umarmen oder sie legen selbst den Arm um ihn. Der Finger seiner linken Hand ist von den unzähligen Berührungen schon blank gerieben, so dass er jetzt einen goldenen Zeigefinger hat. Besonders Kecke lassen sich von dem goldenen Finger die verspannten Rückenmuskeln massieren. Alles macht er mit, der Heilige. Alles lässt er sich gefallen, ein Jakobus zum Knuddeln und Anfassen.

Finger des Jakobus

Der Künstler Ernst Steinacker

Dabei wollte man ihn anfangs gar nicht hier haben. Der Bildhauer Ernst Steinacker (1919–2008) schuf diese Jakobusfigur. Und er erzählte, er habe einen Traum gehabt, die Figur solle vor der St.-Jakobs-Kirche stehen und den Vorübergehenden den Weg zur Kirche weisen. Noch nicht alle waren davon überzeugt und so stellte man den Jakobus am 31. März 2001 erst einmal probeweise vor der Jakobskirche in Rothenburg ob der Tauber auf bis mit einer Spendensammelaktion die Figur vollends bezahlt war.

Der Künstler Steinacker übrigens lebte und arbeitete bis zu seinem Tod auf dem Schloss Spielberg, etwa eine Autostunde von Rothenburg entfernt. In der historischen Schlossanlage ist noch heute seine fränkische Kunst zu bewundern. Weitere Jakobusfiguren von Steinacker gibt es in Oettingen und Gunzenhausen. Man erkennt sie leicht, weil sie allesamt etwas lang geraten sind und – ein Franke würde sagen: weil sie „Glubschaugen“ haben.

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Rothenburg am Knotenpunkt von Jakobswegen

Unsere Stadt ist bekannt dafür, dass es eine große Zahl von Touristen aus dem In-und Ausland willkommen heißt. Weniger bekannt ist, dass die Stadt an einem Knotenpunkt von Jakobs-Pilgerwegen liegt. Etwa tausend Pilger im Jahr kommen von Nürnberg, Würzburg oder Bamberg und gehen nach dem Besuch Rothenburgs weiter nach Ulm, Rottenburg oder Speyer und schließlich vielleicht auch bis Santiago de Compostela. Viele von ihnen suchen nach Ruhe und nach dem Sinn des Lebens auf dem Pilgerweg. Weil unser Rothenburg eine kleine Stadt mit vielen Gästen ist, schaffen wir es natürlich nicht, allen Besucherinnen und Besuchern und auch nicht allen Pilgerinnen und Pilgern persönlich die Hand zu schütteln. Diese Aufgabe hat schon die bronzene Jakobusfigur von Steinacker übernommen.

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Ein Segen für die Pilgerinnen und Pilger

Wenn ich Pilgerinnen und Pilgern vor der St.-Jakobs-Kirche einen Wegsegen zuspreche, mache ich das häufig an dieser Jakobus-Figur.

Jakobus

Natürlich hat die Jakobusfigur auch eine Botschaft. Sie ist ihm geradezu auf den Leib geschrieben: „Lobet Gott“ steht da unter einem Dreieckszeichen. Das Dreieck mit Auge symbolisiert seit alters her den Dreieinigen Gott, der „nicht schläft noch schlummert“, sondern wacht und behütet, wie es in dem biblischen Pilgerpsalm 121 heißt.

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Mit dem linken, dem „Goldfinger“ zeigt Jakobus auf die Passanten. Die rechte Hand der Jakobus-Figur umschließt den Pilgerstab. Der Zeigefinger dieser Hand weist dabei nach oben in den Himmel. Mit dem rechten Finger zeigt er nach oben zu Gott. So als wolle er die Gäste, Wanderer und Touristen in der Stadt auffordern, doch Pilger zu werden und auf ihrer Reise Gott ein Danklied zu singen.

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Die Körpersprache des Jakobus

Noch ein paar andere Besonderheiten hat die Jakobsfigur: Die Figur ist mit leichtem Gepäck unterwegs. Gerade mal eine kleine Wasserflasche hat Jakobus mitgenommen, doch weder Tasche noch Rucksack. Auf dem Rücken, da wo man umgangssprachlich das „Kreuz“ hat, trägt er ein kleines Kreuz, das wie ein Lebensbaum gestaltet ist.

Statue

Und wer die Körperhaltung der Jakobusfigur mit dem eigenen Körper nachzuahmen versucht, bemerkt plötzlich, dass dieser Jakobus nicht einfach nur still dasteht, sondern selbst ein Pilger oder Tourist ist: das rechte Bein holt nach vorne aus, das linke Bein streckt sich nach hinten, so, als wolle er aufbrechen und unter die Leute gehen. Er ist eben kein Heiliger, unser Jakobus, sondern einer zum Anfassen!

Jakobus mit Schulklasse

Pfarrer Oliver Gussmann, Pilgerbeauftragter der Evangelischen Landeskirche in Bayern, Rothenburg ob der Tauber

Fotos: Willi Pfitzinger, Harald Ernst, Konrad Nieberle, Oliver Gußmann

Oliver Gußmann

In Rothenburg bin ich Touristen- und Pilgerpfarrer an St. Jakob. Das ist die große, an Kunstschätzen reiche evangelische Kirche mit den Doppeltürmen mitten in Rothenburg! Meine Aufgabe ist es, die Kirchen Rothenburgs Gästen und Touristen aus der ganzen Welt bekannt zu machen. Die zahlreichen Gotteshäuser des gotischen Rothenburgs erzählen mit Bildern und Symbolen vom Glauben, der Liebe und der Hoffnung unserer Vorfahren; sie berichten vom Sterben und Auferstehen, von Hingabe und Erlösung. Bei meiner Arbeit hilft mir ein Kirchenführer-Team. Außerdem traue ich Hochzeitspaare, mache Nachtkirchenführungen und vieles mehr. Gerne führe ich durch das jüdische Rothenburg oder biete für Kinder und Jugendliche kirchenpädagogische Führungen an. Für die Jakobuswege, von denen sich einige in Rothenburg kreuzen, bin ich der Ansprechpartner. Mir liegt eine gesunde Umwelt am Herzen. Darum fahre ich ein "Velomobil" - eine Mischung zwischen Seifenkiste und Rennauto. Wenn Sie so etwas in Rothenburg stehen sehen, bin ich sicher nicht weit entfernt! Mehr über meine Arbeit: www.rothenburgtauber-evangelisch.de/tourismus

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„Gottes Wort im Glockenturm – Die Glocken von Sankt Jakob“

Wer kennt schon die Inschriften der „Großen“ auch „Wetter“ – Glocke genannt oder der „Predigtglocke“ im Südturm der Sankt Jakobs Kirche in Rothenburg ob der Tauber? Was macht die Glocken so besonders?

Sankt Jakob

Sankt Jakob

Wir schreiben das Jahr 1626 im September. Der 30 jährige Krieg tobt seit 8 Jahren. Auf dem Judenkirchhof (dem heutigen Schrannenplatz) bewegt sich was.

Jede Menge Holz und Baumaterial wird durch Tagelöhner herbei geschafft, Gruben gegraben und ein Ofen errichtet. Was geschieht hier?
Zwei Wanderglockengießer Petrus Bulevilius und Caspar Delson von Haute-Cour in Lothringen wurden vom Rat der Stadt und den Bürgermeistern Johann Bezold und Johann Staudt (diese waren wahrhaft gesegnete Pfleger dieses Gotteshauses) beauftragt 6 Glocken für die Türme der Sankt Jakobs Kirche zu gießen.

Dazu wird ein großes Loch tief ins Erdreich gegraben, darüber der Gießofen und eine Bauhütte errichtet. Dort verrichten die Gießer ihre Arbeit. Für die Arbeiten werden ihnen etliche Taglöhner zur Seite gestellt, die viele Hilfsarbeiten wie Wasser-tragen, Lehm-schlagen usw. verrichten.

Es sollten Glocken werden, die schön und mächtig, bis über das weit sich erstreckende Umland hinaus, ihren Klang erschallen lassen. – – „Gott soll man bis in die Ewigkeit hören“

Als am 7. Oktober die erste Glocke – die Predigtglocke – gegossen und von Lehm und Erde befreit und gesäubert war, wurde die Predigtglocke mit einem Durchmesser von 97 cm durch den Einsatz von 6 Spitalpferden (Kaltblüter) in den Südturm hinauf gezogen und in die Halterung eingehängt.

Die Inschrift der Predigtglocke lautet:

IN DOMINO SPES FIXA PIO NOSTRAE UNICA VITAE‘
GEORGIO ZIRLINO PASTORE ET SUPERINTENDENTE
P.L.C. (=poeta laureato caesareo) FUSA 1626

Zu deutsch: Die einzige bleibende Hoffnung unseres Lebens (beruht) auf dem heiligen Gott — gegossen unter dem Pfarrer und Superintendenten Georg Zierlein, dem vom Kaiser lorbeerbekränzten Dichter 1626.

Es nahmen also später mit Sicherheit an den Glockenweihen Johann Bezold, Johann Staudt, und Georg Zierlein, sowie alle Ratsherrn teil. So verstehen wir auch die Worte Bezold’s: „Der Glocken Weihetöne hallen von den Jakobstürmen glückverheißend nieder.“

Oben: Predigtglocke Unten: Vesperglocke

Oben: Predigtglocke
Unten: Vesperglocke

Die „Große“ – die „Wetter“ – Glocke mit einem Durchmesser von 140 cm und einem Gewicht von 36 Zentnern (~ 1.800 Kilogramm) wurde am 12. Oktober mit 8 Spitalpferden hinauf auf den Südturm gezogen.

Die große Glocke trägt die Inschrift:

FUSA ROTENMBURGI CAMPANA EST! PONDERE SUMPTU AERE SONO RELIQUIAS,
EXUPERANSQUE NOLAS.ANO DNI MDCXXVI MENSE SEPTEMBRI
JOHANNE STAUDIO ET JOHANNE BEZOLTO CONSULIBUS,
AEDISQUE HUIHUS CURATORIBUS , VERE FELICIBUS
Petrus Bulsvilius et Casparus Delsno de Huliecorius in Lotharigi fecerunt.

Zu deutsch: Die Glocke wurde in Rothenburg gegossen, an Gewicht und Aufwand in ehernem Klange auch die übrigen Glocken übertreffend, fertigten sie anno domini 1626 im Monat September unter den Bürgermeistern Johann Staud und Johann Bezolt, desgleichen auch unter ihren Ratsherrn zu ihrem wahrhaftigen Glück (= glückverheißend) Peter Bouleville und Caspar Delson…..

Wetterglocke

Wetterglocke

Die "Große" "Wetter - Glocke"

Die „Große“
„Wetter – Glocke“

Die insgesamt 6 Glocken der Rothenburger St.-Jakobs-Kirche sind eines der ganz wenigen in Deutschland komplett erhaltenen Geläute aus der Zeit des 30 jährigen Krieges und des 17. Jahrhunderts mit einer eigenwilligen Klangstruktur und damit von geschichtlich und kultureller überregionaler Bedeutung. Im Laufe der Geschichte seit 1626 bis in das letzte Jahrhundert hinein entgingen sie immer wieder dem gnadenlosen Schicksal so vieler anderer Glocken, nämlich zur Metallgewinnung „zum Heil des Vaterlandes“ oder anders gesagt für „Kriegszwecke“ herhalten zu müssen und auf Glockenfriedhöfen mit dem Endziel Schmelzofen zu landen.

So sind wir hier seit vielen Generationen in Folge, in dem kleinen romantischen Tauberstädtchen Rothenburg, in der glücklichen Lage immer wiederkehrend aufs neue beim Erwachen des Geläuts Erinnerungen an frohe, friedliche und festliche Tage vergangener Jahre und Jahrzehnte zu haben.

Wenn dann 389 Jahre, nach der Errichtung des Geläuts, die Glocken der Sankt Jakobskirche alljährlich während des Volksschauspiels „Das Historische Festspiel – Der Meistertrunk“ im Kaisersaal zu hören sind, so spiegelt sich darin die Rothenburger Geschichte um die Wirren des 30 jährigen Krieges und der Errettung der Stadt wieder. (www.meistertrunk.de) Jeder Besucher des an Pfingsten stattfindenden Festspiels wird so selbst zu einem Zeitzeugen.

Glocken im Südturm der Sankt Jakobs Kirche:
Große oder Wetterglocke Durchmesser 140 cm;
Predigtglocke Durchmesser 97 cm;
Vesperglocke Durchmesser 69 cm

im Nordturm:
Eins-gen-Nacht oder Torglocke Durchmesser 127 cm;
Mittags- oder Horenglocke Durchmesser 80 cm;
Totenglocke Durchmesser 80 cm

Hier findet Ihr das Zwölfuhrleuten des Sankt Jakobs Kirche: http://br.de/s/1VvCOvC

Danke an:
Gästepfarrer Dr. Oliver Gußmann.
das Stadtarchiv Rothenburg

Sankt Jakob Ostseite Kirchenschiff mit Hochaltar

Sankt Jakob
Ostseite Kirchenschiff mit
Hochaltar

Rechts im Bild: Gästepfarrer Dr. Oliver Gußmann

Rechts im Bild: Gästepfarrer Dr. Oliver Gußmann

Blick vom Süd zum Nordturm auf Sankt Jakob

Blick vom Süd zum Nordturm auf Sankt Jakob

HiTek im Glockenturm

HiTek im Glockenturm

Benjamin Babel

Mein Name ist Benjamin Babel. Ich wurde 1962 in Rothenburg ob der Tauber geboren. Nach der Schulzeit und der Ausbildung führten mich meine Wege als Journalist in alle Welt. Doch das Herz schlägt nun mal in der Heimat und so blieb ich mit meinem Rothenburg auch in der Ferne stets verbunden. Seit 2011 lebe ich wieder in Rothenburg ob der Tauber, direkt am Marktplatz. Vielleicht hat mich der ein oder andere Besucher übrigens schon einmal in den Medien gesehen.

Weitere Beiträge

Auf dem Jakobsweg durch Rothenburg ob der Tauber

Weg aufwärts

Brunhilde S. war ganz allein unterwegs. Ein kleiner Rucksack. Ein blaues Sweatshirt. Ein lächelndes Gesicht. Sie war eine ganz besondere Pilgerin, denn sie versuchte ihren Weg zu gehen, ohne einen Cent in der Tasche zu haben. „Verrückt“, dachte ich. Und: „Für mich käme das nicht in Frage, von den Wohltaten anderer abhängig zu sein.“ Brunhilde war für einen Tag in Rothenburg. Bei einer Tasse Kaffee erzählte sie mir aus ihrem Leben, in dem sie es nicht immer leicht hatte. Nun, als sie familiär ganz ungebunden war und nicht mehr ganz gesund, begab sie sich auf den Jakobsweg, um ihrem Leben Tiefe zu geben. Und um Abstand zu bekommen von einem bürgerlich gesicherten Leben. Das Tempo bestimmte sie selbst. Und sie hatte die Freiheit, das Experiment jederzeit abzubrechen und zurückzukehren. Beeindruckend, was alles sie zu erzählen hatte.

Begleitung von Pilgern

Als Pilgerpfarrer an der St.-Jakobs-Kirche in Rothenburg ob der Tauber komme ich oft mit Pilgern auf dem Jakobsweg ins Gespräch. Viele kommen allein, manche zu zweit, manche auch in Gruppen. Wer möchte, ruft mich vorher an, und lässt sich für den Weg segnen. Oder man bekommt eine kleine Kirchenführung, denn die Kirche weiß einiges von dem Jakobus-Jünger zu erzählen.

Jakobus im Herlinaltar

Seit einem Jahr führen wir in unserer Kirche eine Strichliste über die Anzahl der Pilger, die sich bei uns einen Pilgerstempel in ihren Pilgerausweis oder ihr Tagebuch geben lassen. Es sind etwa tausend Pilger, die durch Rothenburg ziehen, vielleicht sind es auch ein paar mehr.

Jakobsfrühling

Rothenburg am Knotenpunkt von Jakobswegen

Der persönliche Jakobsweg beginnt immer vor der eigenen Haustür. Ich nehme mir eine Auszeit. Packe den Rucksack. Nur das Nötigste. Ziehe gut eingelaufene Wanderschuhe an. Und los geht’s. Pilgern ist nicht nur einfach ein Wandern. Pilgern ist „Beten mit den Füßen“ wie einer mal sagte. Viele verschiedene mehr oder weniger historische Wege führen schließlich zum Ziel aller Jakobs-Pilgerwege, zur Kathedrale von Santiago de Compostela im äußersten Westen Spaniens. Dort, so sagen manche, befände sich das Grab des Jakobus des Älteren, einem Jünger und Schüler Jesu. Rothenburg hat das Glück, an einem Knotenpunkt der Wege zu liegen, die netzartig ganz Europa überziehen. Ein Weg führt von Würzburg hierher, ein anderer von Bamberg über Uffenheim nach Rothenburg, und der bekannteste, der „Fränkische Camino“, kommt von Nürnberg über Heilsbronn. Übernachten kann man in Rothenburg in verschiedenen pilgerfreundlichen Gasthäusern, zum Beispiel in der Gipsmühle an der Evangelischen Tagungsstätte Wildbad. Nur das Plätschern der Tauber wiegt einen dort in den Schlaf. Am nächsten Tag kann man sich entscheiden, ob man die Stadt noch einen Tag genießt, oder ob man weitergeht zum nächsten Knotenpunkt, also Richtung Ulm (und dann durch die Schweiz) oder Richtung Tübingen/Rottenburg oder Richtung Speyer, wenn man dann über den Rhein durch das Elsass weitergehen will.

Jakobsweg nach Süwesten

Auf dem Drahtesel nach Santiago – auch das geht

Im  letzten Mai juckte es mich selber in den Beinen und mit einem Freund nahmen wir mit den Fahrrädern Kurs nach Santiago durch Frankreich über Cluny,  Narbonne, Toulouse, bei Hendaye/Irún über die französisch-spanische Grenze und dann über Pamplona und Burgos bis nach Santiago. Zwischendurch auch einmal mit der Bahn, weil es eben nicht anders ging. Noch heute zehre ich von den Erlebnissen und Begegnungen, die ich hatte.

Jakobsweg mit Fahrrad

Warum auf einen Pilgerweg?

Warum tun sich die Leute bloß solche Strapazen mit Regen, Hitze und Blasen an den Füßen an? – Es gibt die unterschiedlichsten Beweggründe, die einen aufbrechen lassen. Ich bin einem Familienvater begegnet, der sich etappenweise mit Frau und Kindern auf den Weg macht und immer wieder mal nach Hause zurückkehrt. Letzten November flatterte mir eine Postkarte aus Santiago ins Haus: Von einer frischgebackenen Abiturientin, die erst einmal die Lernstrapazen hinter sich gelassen hatte und im Juni in Rothenburg Rast gemacht hatte. Ich habe mit einem früher Krebskranken gesprochen, der aus Dankbarkeit über das wieder gewonnene Leben den Weg auf sich nahm. Und ich bin dem Finanzmanager einer Universität begegnet, der nach einem Burnout einfach ausgestiegen ist und nach einem Arbeitsleben rund um die Uhr nun entdeckt, was Freiheit von Terminen bedeuten kann.

Wer nach Südwesten geht, hat morgens immer seinen Schatten vor sich auf dem Weg. Für mich ist das Pilgern eine Begegnung und eine Auseinandersetzung mit sich selbst. Mit Schattenseiten eben und Sinnfragen. Und eine Auseinandersetzung mit Gott. Und ein Nachdenken über zwischenmenschliche Beziehungen. Der Weg bringt Menschen ins Gespräch, die sich vielleicht nie begegnet wären. Der Weg macht alle gleich. Und er ist ein Abenteuer voller Überraschungen, die in einem durchgeplanten Alltag so selten geworden sind.

Wer Lust auf Pilgern hat, kann am Ostermontag-Nachmittag ab 14 Uhr auch einmal einen Osterpilgerweg mit einer Gruppe mitgehen. Treffpunkt an der St.-Jakobs-Kirche. Infos unter Tel. 09861-700625.

Jakobusfigur vor St. Jakob

Oliver Gußmann

In Rothenburg bin ich Touristen- und Pilgerpfarrer an St. Jakob. Das ist die große, an Kunstschätzen reiche evangelische Kirche mit den Doppeltürmen mitten in Rothenburg! Meine Aufgabe ist es, die Kirchen Rothenburgs Gästen und Touristen aus der ganzen Welt bekannt zu machen. Die zahlreichen Gotteshäuser des gotischen Rothenburgs erzählen mit Bildern und Symbolen vom Glauben, der Liebe und der Hoffnung unserer Vorfahren; sie berichten vom Sterben und Auferstehen, von Hingabe und Erlösung. Bei meiner Arbeit hilft mir ein Kirchenführer-Team. Außerdem traue ich Hochzeitspaare, mache Nachtkirchenführungen und vieles mehr. Gerne führe ich durch das jüdische Rothenburg oder biete für Kinder und Jugendliche kirchenpädagogische Führungen an. Für die Jakobuswege, von denen sich einige in Rothenburg kreuzen, bin ich der Ansprechpartner. Mir liegt eine gesunde Umwelt am Herzen. Darum fahre ich ein "Velomobil" - eine Mischung zwischen Seifenkiste und Rennauto. Wenn Sie so etwas in Rothenburg stehen sehen, bin ich sicher nicht weit entfernt! Mehr über meine Arbeit: www.rothenburgtauber-evangelisch.de/tourismus

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