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Das Geheimnis der Heilig-Blut-Reliquie in St. Jakob Rothenburg ob der Tauber

Am Heilig-Blut-Altar

Schwer keucht ein Besucher als er die 32 Stufen zum Westflügel der St.-Jakobs-Kirche erklommen hat. Schnaufend lässt er sich auf einen der Stühle dort nieder. Endlich ist er in der Heilig-Blut-Kapelle angelangt. Sein Atem wird ruhiger. Er sieht sich um in dem gotischen Gewölbe. Die hohen Fenster tauchen den hohen Raum in ein mildes Licht Vor ihm erhebt sich der mächtige und zugleich zierliche Holzaltar von Tilman Riemenschneider. Vor gut einem halben Jahrtausend hat der Meister der Hochgotik die Figuren für eine noch viel ältere Heilig-Blut-Reliquie angefertigt. Zwei Lindenholz-Engel umfassen den Schaft eines goldenen Schmuckkreuzes.

Heilig-Blut-Kapelle

 Netzgewölbe in der Heilig-Blut-Kapelle

Was die Heilig-Blut-Reliquie bedeutet

Im Mittelpunkt des Kreuzes wölbt sich eine geheimnisvolle Kristallkugel. Das Sonnenlicht bricht sich im Kristall. Nur schemenhaft lässt sich erahnen, dass sich etwas darin verbirgt. 1672 soll ein neugieriger Mesner von St. Jakob zu dem Kreuz emporgestiegen sein und die Kapsel des Bergkristalls geöffnet haben. Er fand darin Baumwolle und einen Zettel mit einem Hinweis auf die Messweinreliquie. Das „Heilige Blut“ hat überhaupt nichts mit dem Heiligen Gral oder mit Kreuzrittergeschichten zu tun, auch wenn man das in manchen Rothenburger Stadtführern noch so lesen kann. Man bezeichnet mit „Blut Christi“ in der katholischen Kirche den Messwein nach der sogenannten „Wandlung“ bei der Eucharistie. Im Mittelalter soll ein Priester um das Jahr 1270 bei der Einsetzung des Abendmahls vom Messwein verschüttet haben. Aus Ehrfurcht vor dem Heiligen Blut Christi hat man die verschütteten Tropfen hier aufbewahrt und ihnen alsbald Wundertätigkeit zugeschrieben. Viele Menschen hörten davon und machten sich auf den Weg nach Rothenburg, um hier zu beten und gesund zu werden. Sie brachten ihre Sorgen und Nöte mit und ihre Wunden: Augenleiden, eiternde Kriegsverletzungen, Blutungen, schlecht heilende Wunden. Ein Gebet an diesem Altar versprach nicht nur das Heil der Seele, sondern eben auch körperliches Heil.

Das Reliquienkreuz im Heilig-Blut-Altar

Das Reliquienkreuz im Heilig-Blut-Altar

Der einzige Heilig-Blut-Altar in einer evangelischen Kirche

Und es waren dermaßen viele Menschen, die kamen, dass man im Jahr 1453 die Klingengasse mit dem erweiterten Westchor von St. Jakob überbaute und mit zwei Treppen den Aufstieg zur und den Abstieg von der Heilig-Blut-Kapelle ermöglichte. So ist der Heilig-Blut-Altar wohl der einzige Riemenschneider-Altar, der hoch über einer Straße steht. Überhaupt besitzt dieser Altar viele Besonderheiten: Neben dem Marienaltar in der Herrgottskirche von Creglingen und dem Heilig-Kreuz-Altar von Detwang, auch ganz in der Nähe Rothenburgs, ist er einer der wenigen Riemenschneideraltäre, die noch zwei Altarflügel besitzen und vollständig sind. Die Evangelischen haben es eigentlich nicht so mit wundertätigen Reliquien und mit der Verehrung von Reliquien. Trotzdem ist der Heilig-Blut-Altar wohl der einzige Reliquien-Altar, der sich in einem protestantischen Kirchenraum befindet. Ein schönes ökumenisches Zeichen, wie ich meine.

Heilig-Blut-Altar in der St.-Jakobs-Kirche

Heilig-Blut-Altar in der St.-Jakobs-Kirche

Judas – eine tragische Gestalt

Im Mittelpunkt der Abendmahlsszene, die Riemenschneider und seine Werkstatt geschnitzt haben, befindet sich nicht etwa Jesus, sondern sein Verräter Judas. In anderen Abendmahlsbildern wird dieser Jünger ausgegrenzt, als hässlicher Mensch dargestellt und an den Rand gedrängt. Hier nicht! Er steht in der Mitte. Er ist einer von uns, oder, besser, wir Menschen sind oft wie er. Trotz dass Judas Jesus verraten hat, reicht Jesus ihm das Abendmahl. Seinen Leib und sein Leben. Freundschaft bis jenseits der Grenze von Verrat und Trug, und bis jenseits von Endlichkeit und Tod. „Liebe Deine Feinde“ ist hier als Bild zu sehen.
Unser Besucher verweilt noch eine geraume Zeit fasziniert vor dem Altar. Schießt noch einige Fotos und geht die Treppe beschwingt wieder hinunter.

Jesus reicht Judas das heilige Brot

Jesus reicht Judas das heilige Brot

Oliver Gußmann

In Rothenburg bin ich Touristen- und Pilgerpfarrer an St. Jakob. Das ist die große, an Kunstschätzen reiche evangelische Kirche mit den Doppeltürmen mitten in Rothenburg! Meine Aufgabe ist es, die Kirchen Rothenburgs Gästen und Touristen aus der ganzen Welt bekannt zu machen. Die zahlreichen Gotteshäuser des gotischen Rothenburgs erzählen mit Bildern und Symbolen vom Glauben, der Liebe und der Hoffnung unserer Vorfahren; sie berichten vom Sterben und Auferstehen, von Hingabe und Erlösung. Bei meiner Arbeit hilft mir ein Kirchenführer-Team. Außerdem traue ich Hochzeitspaare, mache Nachtkirchenführungen und vieles mehr. Gerne führe ich durch das jüdische Rothenburg oder biete für Kinder und Jugendliche kirchenpädagogische Führungen an. Für die Jakobuswege, von denen sich einige in Rothenburg kreuzen, bin ich der Ansprechpartner. Mir liegt eine gesunde Umwelt am Herzen. Darum fahre ich ein "Velomobil" - eine Mischung zwischen Seifenkiste und Rennauto. Wenn Sie so etwas in Rothenburg stehen sehen, bin ich sicher nicht weit entfernt! Mehr über meine Arbeit: www.rothenburgtauber-evangelisch.de/tourismus

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Der Rothenburger Krippenweg

Wohin in Rothenburg ob der Tauber zwischen den Jahren?

Seit zwei Jahren führt mein Kollege Pfarrer Herbert Dersch auf einen weihnachtlichen Krippenweg durch Rothenburg. Nun, am Sonntag nach Weihnachten fand ich endlich einmal die Zeit, mitzugehen. Zahlreiche Einheimische und Gäste freuten sich über dieses Angebot “Zwischen den Jahren”, bei dem man das Christfest bei einem Wochenendtrip ins fränkische Rothenburg ob der Tauber noch einmal nachklingen lassen konnte.

Eine Krippe aus Keramik

Der Krippenweg startete in der gotischen “Schäferkirche” im Norden Rothenburgs (Klingentor) und endete mit einer Einladung zum Kaffee in der evangelischen Tagungsstätte Wildbad ganz im Süden Rothenburgs. Kenntnisreich erläuterte Pfarrer Dersch an den verschiedenen Stationen die Entstehungsgeschichte der dort aufgestellten Krippe und erzählte allerlei Wissenswertes über die Geschichte des Christfestes.

In der Schäferkirche, die man auch Wolfgangskirche nennt, befindet sich am linken Seitenaltar eine von Rothenburger Berufsschülern liebevoll gestaltete Krippe mit Keramikfiguren. Hier war zu erfahren, dass die Schäfer zu Jesu Zeiten einen sehr schlecht bezahlten Job hatten. Vor Gericht galt ihr Wort nichts. Die Weihnachtsbotschaft galt zu erst ihnen, den kleinen Leuten.

Ein Stückchen weiter, in der Klingengasse, zeigt Krippenbauer Niphut den Vorübergehenden zwei Krippen in den Erdgeschossfenstern seines Wohnhauses. Der Stall einer Krippe ist der Scheune eines benachbarten Dorfes nachempfunden. Das Schwierigste beim Anfertigen einer Krippe, so hatte der Krippenbauer verraten, sei die Anfertigung des Jesuskindes gewesen.

 

 

Drei Krippen in St. Jakob

Unser Weg führte uns bald darauf zur St.-Jakobs-Kirche: Drei Krippen besitzt allein diese mittelelaterliche Hauptkirche von Rothenburg:

Hinckeldey-Krippe

Marta Hinckeldey-Wittke (1890–1978) war eine Rothenburger Künstlerin, die auf sehr einfühlsame Weise die Stille Nacht in Form einer neapolitanischen Krippe gestaltete. Die 22 Figuren sind aus Ton. Eine zweite Krippe gibt es in gemalter Form auf einem Altarbild von Friedrich Herlin (1466). Die dritte Krippe ist die Skulptur des “Weihnachtsbootes” in St. Jakob, ein Geschenk aus Tansania. Es zeigt die heilige Familie in einem Einbaum aus schwarzem Ebenholz.

Unsere nächste Station war eine schöne elsässische Krippe im Lichthof des Rathauses von Rothenburg. LichthofkrippeBesonders fielen mir hier die prächtigen Gewänder der Figuren auf. Hier war zu erfahren, dass zum ersten Mal in Aalen von Christbäumen im Jahr 1184 die Rede ist. Bereits 1550 waren Christbäume so beliebt, dass man das Fällen von Tannen verbot. Ab Anfang des 18. Jahrhunderts ist der Christbaum auch in Privathäusern zu finden.

Die Tansania-Krippe der Franziskanerkirche

Ein paar Schritte weiter, in der Franziskanerkirche, befindet sich eine besonders schöne tansanianische Ebenholzkrippe. Diese Krippe ist mein persönlicher Favorit.

Obwohl Krippen erst im 16. Jahrhundert entstanden, feierte schon 1223 Franz von Assisi eine Art Krippenspiel mit lebenden Tieren und Menschen. Mit seiner Weinachtspredigt ereichte Franziskus dabei die Herzen aller Menschen.FK

WohlfahrtAuf der Nordseite der Franziskanerkirche befindet sich heute ein privater Innenhof, dort, wo früher einmal die Franziskanermönche im Kloster wohnten. Der Eigentümer des Familienunternehmens Käthe Wohlfahrt erlaubt es den Besuchern Rothenburgs dort die große Krippe aus italienischer Hand zu bewundern. Hier erzählte unser Krippenwegführer von den “Magoi”, den Magiern, die dem Stern nach Bethlehem folgten. Obwohl in den Bibeltexten die exakte Zahl nicht angegeben ist, vermutet man, dass es drei Sterndeuter waren, weil sie dem Jesuskiund drei Geschenke überreichen: Gold für einen König, Weihrauch dem Gottessohn und Myrrhe als Symbolgeschenk für den am Kreuz leidenenden Messias. Ab dem 6. Jahundert hielt man die drei Sterndeuter auch für Könige und nannte sie Capar, Melchior und Balthasar. Ihre Gebeine sollen nach vielerlei Umwegen als Reliquien nach Köln in den Dom gebracht worden sein.

Zuhörer

Was war der Stern von Bethlehem?

Was ich nicht wusste ist, dass erstmals der Maler Giotto 1304 eine Geburtsdarstellung zum ersten Mal mit einem schönen Schweifstern gemalt hatte. Genau weiß man bis heute nicht, welche Art von Stern in der Weihnachtsgeschichte gemeint ist. Sollte es eine Konjunktion aus mehreren dicht am Himmel zusammenstehenden Sternen gewesen sein? Der Juppiter galt als Königsstern, der Saturn als Stern der Juden. Oder war der Schweifstern ein sogenanntes “Zodiakallicht”? Jedenfalls ist schon im 4. Buch Mose 24,17 davon die Rede, dass ein messianischer Stern aus dem Stamm Juda aufgehen werde.

JohannisNun ging es die Burggasse entlang zur Krippe der Johanniskirche. Die Krippenfiguren dort sind aus Draht gefertigt, so dass man die Köpfe und Glieder bewegen könnte. Vorsichtshalber hat man die Krippe in einen Glaskasten gestellt, damit niemand in Versuchung gerät, das einmal auszuprobieren.

Hier erfuhren wir einiges über das Datum des Christfestes: Im Jahr 325 n.Chr. legte man das Geburtsdatum Jesu auf den 25. Dezember gelegt, weil nach dem alten Kalender ab diesem Tag die Tage wieder länger wurden und man Jesu Kommen als die Geburt des Lichtes der Welt feierte. Vorher gab es das nichtchristliche Fest des unbesiegbaren Sonnengottes. Im Nationalsozialismus war man übrigens fälschlicherweise der Auffassung, das Christentum habe alte germanische Bräuche verdrängt. So wurde bei den Nazis aus dem Christbaum kurzerhand die “Jultanne” und Frau Holle brachte die Geschenke.

Die farbige Krippe der evangelischen Heilig-Geist-Gemeinde ist ebenfalls eine Hinckeldey-Krippe wie die von St. Jakob. Sie wurde vor einigen Jahren von einem Ruhestands-Pfarrer gestiftet.

HeiGei

Gastfreundliches Wildbad Rothenburg

Im Wildbad Rothenburg steht eine säulenartige Krippendarstellung aus Tansania, aber nicht in schwarz, sondern in hellem Braun gehalten. Hier erzählte Herbert Dersch, der auch der Leiter der Evangelischen Tagungsstätte Wildbad ist, vom gespaltenen Charakter des Herodes, dem judäischen König von Roms Gnaden, und von der Flucht des Jesuskindes nach Ägypten. Er erinnerte auch an die gegenwärtige Flüchtlingsproblematik vor den Grenzen Europas. “Keiner verlässt seine Hemat gern”, meinte er und hat recht damit. Die Führung rundete er ab mit einem witzigen Neujahrswunsch aus der Ukraine:

„Gott schicke den Tyrannen Läuse,

den Einsamen Hunde,

den Kindern Schmetterlinge,

den Frauen Nerze,

den Männern Wildschweine,

uns allen aber einen Adler, der uns auf seinen Fittichen davon trägt.“

Herbert Dersch

Anschließend genossen wir die Gastfreundlichkeit des Wildbades, denn alle waren wir zu Kaffee, Tee, Kuchen und Gesprächen eingeladen. Kann man einen Sonntagnachmittag zwischen den Jahren auf schönere Weise verbringen?

Wildbadkrippe

Anmerkung: Wer eine Krippenführung selbst miterleben möchte: Am 1. und 6. Januar 2014 wird noch einmal der Krippenweg stattfinden. Beginn ist um 14 Uhr an der Wolfgangskirche.

Oliver Gußmann

In Rothenburg bin ich Touristen- und Pilgerpfarrer an St. Jakob. Das ist die große, an Kunstschätzen reiche evangelische Kirche mit den Doppeltürmen mitten in Rothenburg! Meine Aufgabe ist es, die Kirchen Rothenburgs Gästen und Touristen aus der ganzen Welt bekannt zu machen. Die zahlreichen Gotteshäuser des gotischen Rothenburgs erzählen mit Bildern und Symbolen vom Glauben, der Liebe und der Hoffnung unserer Vorfahren; sie berichten vom Sterben und Auferstehen, von Hingabe und Erlösung. Bei meiner Arbeit hilft mir ein Kirchenführer-Team. Außerdem traue ich Hochzeitspaare, mache Nachtkirchenführungen und vieles mehr. Gerne führe ich durch das jüdische Rothenburg oder biete für Kinder und Jugendliche kirchenpädagogische Führungen an. Für die Jakobuswege, von denen sich einige in Rothenburg kreuzen, bin ich der Ansprechpartner. Mir liegt eine gesunde Umwelt am Herzen. Darum fahre ich ein "Velomobil" - eine Mischung zwischen Seifenkiste und Rennauto. Wenn Sie so etwas in Rothenburg stehen sehen, bin ich sicher nicht weit entfernt! Mehr über meine Arbeit: www.rothenburgtauber-evangelisch.de/tourismus

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Musikalische Adventsführung in der St.-Jakobs-Kirche Rothenburg.

Mystisches Dunkel am Rand des Weihnachtsmarktes

St. Jakob im Dunkel

St. Jakob im Dunkel

Die feierlichste Zeit, die ich im Advent erlebe, ist die während einer musikalischen Abendführung für Gäste und Touristen durch die mittelalterliche St.-Jakobs-Kirche. Wer freitags den Weihnachtsmarkt in Rothenburg ob der Tauber an der Romantischen Straße besucht, kann so den Tag in St. Jakob ab 17 Uhr noch besinnlich ausklingen lassen. Und so war es auch am letzten Freitag, als über 60 Besucherinnen und Besucher in die Kirche kamen. Das Lied Maria durch ein’ Dornwald ging war uns dabei Leitgedanke. Es ist ein Marienlied, das auch evangelische Christen schätzen. Die Strophen des Liedes nehmen den Gedanken auf, dass die schwangere Maria durch einen abgestorbenen, dornigen Wald geht. Das Lied wiederspiegelt mit den Dornen so manche der Sorgen und Nöte, in denen sich vielleicht manche befinden und dabei die Hoffnung hegen, an Weihnachten, dem Fest des Friedens möge doch alles anders werden. Im Lied geschieht das Unbegreifliche: Alle Dornen, an denen Jesus und Maria während der Liedstrophen vorübergehen, verwandeln sich, auch nach langen Jahren, und tragen Rosen. Die Welt blüht auf. Weihnachten kann kommen. Hier sind die ersten drei Strophen:

Maria durch ’nen Dornenwald ging

1. Maria durch ’nen Dornenwald ging

Kyrieleison.

Maria durch ’nen Dornenwald ging,

Der hat in sieben Jahren kein Laub getragen!

Jesus und Maria!

 

2. Was trug Maria unter ihrem Herzen?

Kyrieleison.

Ein kleines Kindlein ohne Schmerzen,

Das trug Maria unter ihrem Herzen!

Jesus und Maria!

 

3. Da haben die Dornen Rosen getragen,

Kyrieleison.

Als das Kindlein durch den Wald getragen! –

Da haben die Dornen Rosen getragen!

Jesus und Maria!

 

In der Bibel kommt er häufig vor, der Gedanke, dass Gott aus Totem Neues entstehen lässt, zum Beispiel das Symbol der Dornenkrone Christi, die sich in der Auferweckung in eine Siegeskrone verwandelt.

Bei der Vorbereitung auf die Führung wurde mir plötzlich bewusst, wo überall in unserer Kirche Rosen zusehen sind, manchmal mit, manchmal ohne Dornen: Eine Madonna ist mit Rosenkrone zu sehen oder Rosen in einer Vase im Zimmer der Maria.

Eine Kirche  im Kerzenschein

Adventsführung in  St. Jakob

Adventsführung in St. Jakob

Man muss selbst dabei gewesen sein, um die Stimmung einer solchen Abendführung zu erleben: Der weite Raum der St.-Jakobs-Kirche wurde auch am Freitagabend durch rund 350 Teelichter in ein stimmungsvolles Licht getaucht. Vielleicht konnten wir auf diese Weise wieder etwas von der Stimmung herbeiholen, die früher in einer Kirche herrschte, als es noch kein elektrisches Licht gab, und wie früher die Menschen den Kirchenraum empfanden. St. Jakob hat ja besonders schöne Pfeilerfiguren: Im flackernden Kerzenlicht scheinen sie sich zu bewegen als ob sie lebendig seien. Vier oder fünf Bilder ließen wir bei der Führung aus dem Halbdunkel mit einer besonderen Beleuchtung hervortreten, zum Beispiel dieses vom Besuch der Maria, der Mutter Jesu, bei Elisabeth:

Maria und Elisabeth

Nach einem langen Weg, begleitet von Joseph, kommt Maria bei ihrer Verwandten, Elisabeth an. Diese freut sich so sehr, dass sie ihr aus dem Haus entgegenläuft. Beide Frauen begrüßen einander. Wer es genauer nachlesen möchte, findet den Bibeltext im Lukasevangelium 1,39-45.

Orgelklänge aus dem Dunkel

Während der Führung erzählen wir die Botschaft der Altarbilder und verweben sie mit Poesie und Musik. Juliane Dehner war an diesem Tag Leserin. Ihre Stimme strahlt eine große Freude aus, wenn sie den Bibeltext, einen poetischen Text liest oder das Lied von Maria im Dornwald singt. Danach spielte unser Kirchenmusikdirektor Ulrich Knörr eine freie Improvisation auf der Orgel. Immer wieder einmal ließ er das Motiv des Liedes aufklingen. Während der Führung lassen wir alle uns ansprechen vom Kirchenraum, von der Klangvielfalt der Rieger-Orgel, von den Farben der Bilder und wir nehmen auch die Stimmung der Menschen auf.

 

Hauptschiff von St. Jakob

Hauptschiff von St. Jakob

An den kommenden Freitagen wird es wieder um 17 Uhr eine musikalische Führung zu Adventsliedern geben. Jede und jeder darf einer solchen Führung teilnehmen, egal was man glaubt und was einen bewegt. Man kann im Schutz des dunklen Kirchenschiffes sitzen bleiben oder umhergehen, früher wieder die Kirche verlassen oder länger bleiben. Manchmal ergeben sich noch Gespräche bevor wir die Kerzen wieder löschen.

Übrigens dürfen sich die musikalischen Nachführungen zu den hundert besonderen Zielen christlicher Reisen zählen. Christian Antz und Karin Bergemann haben darüber ein Buch veröffentlicht: 100 spirituelle Tankstellen. Reisen zu christlichen Zielen, Herder Verlag, Freiburg 2013.

 

Oliver Gußmann

In Rothenburg bin ich Touristen- und Pilgerpfarrer an St. Jakob. Das ist die große, an Kunstschätzen reiche evangelische Kirche mit den Doppeltürmen mitten in Rothenburg! Meine Aufgabe ist es, die Kirchen Rothenburgs Gästen und Touristen aus der ganzen Welt bekannt zu machen. Die zahlreichen Gotteshäuser des gotischen Rothenburgs erzählen mit Bildern und Symbolen vom Glauben, der Liebe und der Hoffnung unserer Vorfahren; sie berichten vom Sterben und Auferstehen, von Hingabe und Erlösung. Bei meiner Arbeit hilft mir ein Kirchenführer-Team. Außerdem traue ich Hochzeitspaare, mache Nachtkirchenführungen und vieles mehr. Gerne führe ich durch das jüdische Rothenburg oder biete für Kinder und Jugendliche kirchenpädagogische Führungen an. Für die Jakobuswege, von denen sich einige in Rothenburg kreuzen, bin ich der Ansprechpartner. Mir liegt eine gesunde Umwelt am Herzen. Darum fahre ich ein "Velomobil" - eine Mischung zwischen Seifenkiste und Rennauto. Wenn Sie so etwas in Rothenburg stehen sehen, bin ich sicher nicht weit entfernt! Mehr über meine Arbeit: www.rothenburgtauber-evangelisch.de/tourismus

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