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Rothenburg ob der Tauber: Die Märchenstadt

 

Als Stadt an der „Romantischen Straße“ wirbt Rothenburg, das fränkisch mittelalterliche Kleinod, seit langem für Romantik als etwas Wunderbares.

Rothenburg liegt zwar fernab der deutschen Märchenstraße, aber die neu eingeführte Veranstaltungsreihe Rothenburger Märchenzauber gewinnt immer mehr Zuspruch. Für meine Begriffe zu Recht, kann man sich so manches Märchen doch in den Rothenburger Gassen authentisch vorstellen, auch weil viele Märchen im Mittelalter ihren Ursprung haben. So wundere ich mich, dass meine zauberhafte Stadt oberhalb der Tauber nicht viel früher das Thema Märchen aufgegriffen hat.

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Gerade die oft mystische Novemberstimmung vermittelt in den kopfsteingepflasterten Gassen und Gässlein mit den vielen Türmen und Türmchen und der prächtig erhaltenen Stadtmauer ein eindrucksvolles Märchengefühl. Die Bezeichnung Märchenfeeling verkneife ich mir an dieser Stelle.

Seit nunmehr drei Jahren wird immer Anfang November für etwa zehn Tage ein bunter Märchenreigen inszeniert. So gibt es tägliche Märchen“ver“führungen zum Beispiel in die Kellerräume des Reichstadtmuseum oder in die Heiltumskammer der Jakobskirche. Neben der Märchenstube im Hegereiterhaus darf man sich über märchenhafte Familienführungen freuen ebenso wie über musikalische Lesungen oder Märchenstunden für Kindergartengruppen oder Schulklassen. Gespensterbackaktionen, Schattentheater, Dichterwettstreite (Poetry Slam) und Stummfilmmärchen mit Live Musikbegleitung ergänzen den Märchenzauber.

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Die Rothenburger Gastronomiebetriebe, der Einzelhandel und der Stadtmarketingverein runden den Märchenbummel durch Märchenrätselgewinnspiele und kulinarische Stadtrundgänge ab.

So wird Rothenburg als Märchenstadt zu Recht immer mehr zum Erlebnis für die ganze Familie: nicht nur für Besucher, nicht nur an Weihnachten, sondern auch für die einheimische Bevölkerung, wer es mag das ganze Jahr über, besonders intensiv und märchenhaft immer in der ersten Novemberdekade.

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Märchenstadt Rothenburg bei Youtube

Georg Reifferscheid

Mein Name ist Georg Reifferscheid. Ich bin passionierter Ballonfahrer und veranstalte in Rothenburg ob der Tauber tägliche Ballonstarts aus dem Taubertal. Seit 1987 bin ich Hobbyballonfahrer, seit 1991 Ballonlehrer und seit 1993 hauptberuflicher Ballonpilot. Im Jahr zuvor, Ende 1992, gründete ich mit „Happy Ballooning“ das erste Luftfahrtunternehmen mit Ballonen in Nordbayern. Unser Startplatz in Rothenburg befindet sich direkt unterhalb der Altstadt an der Tauber. Bevor ich mein Hobby zum Beruf machte, war ich nach Abschluss meines Studiums an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung als Kriminalbeamter bei einer Spezialeinheit, einem Mobilem Einsatzkommando in Köln tätig. Anschließend als Sachbearbeiter für Raub und Fahndung bei der Kripo in Bonn. Am Ballonfahren reizt mich vor allem, im Luftmeer lautlos einem unbekannten Ziel entgegen zu gleiten. Mich fasziniert die Freiheit, über den Dingen zu schweben. Am liebsten bin ich ganz nah dran an der Altstadt von Rothenburg und der abwechslungsreichen Landschaft des Taubertals, der Frankenhöhe, der Hohenloher Ebene, des Aischtals, des Vorbachs oder des Jagst- und Kochertals. In jeder Himmelsrichtung ein neues Abenteuer! Dabei hat jede Jahreszeit ihren eigenen Reiz und lädt zum Fotografieren ein.

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Märchenverführung im Gewölbe der St.-Jakobs-Kirche

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In Rothenburg ob der Tauber ist Märchenwoche. Jeden Abend, kurz nach Sonnenuntergang treffen sich die Märchensüchtigen auf dem Marktplatz. Auch der „Märchenverführer“ kommt und entführt die Gruppe aus Einheimischen und Touristen an einen geheimnisvollen oder nur selten aufgesuchten Ort in Rothenburg. Am Dienstag durfte ich, der Touristenpfarrer, in die Rolle des Märchenverführers schlüpfen. Wir zogen zur Klingengasse, der Gasse, die unter der St.-Jakobs-Kirche durchführt.
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Wenn der nächtliche Wind durch diese Gasse pfeift, versuchen die meisten, diesem „Windkanal“ zu entkommen. Heute aber stand eines der beiden Portale offen und Kerzenschein fiel auf die Straße. Vor uns öffnete sich ein hoher Raum, erhellt von flackernen Kerzen. An den Wänden bis hoch hinauf Bilder. Auf dem Boden: steinerne Maßwerke, Fialtürmchen und Skulpturen – die Schatzkammer von St. Jakob! In längst vergangenen Tagen hüteten die Deutschherren-Mönche von St. Jakob hier noch das „Heiltum“, den Reliquienschatz der Kirche.

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Die „Heiltumskammer“ von St. Jakob

Der Raum ist praktisch nie zugänglich. Aber heute schon. Auf einem schwarzen Tuch lagen vor uns nun ein Herz aus rotem Stein und ein hölzerner Engels-Flügel. Sie beide haben mit dem Märchen zu tun, das ich für meine Gruppe erzählen wollte. Ich bestieg einen Säulenstumpf und erzählte Der glückliche Prinz von Oscar Wilde. Als Kind hatte ich dieses Märchen geliebt seit ich es zum ersten Mal  auf einer Märchenschallplatte gehört hatte.

Oscar Wilde: Der glückliche Prinz

Ich fasse es mal kurz zusammen, doch schöner ist es natürlich in voller Länge zu hören, weil irgendwie eine große Kraft von ihm ausgeht. Also:

Hoch über der Stadt thront der glückliche Prinz als goldene Statue, von allen geehrt und bewundert. Von seinem Platz aus sieht er alle Not der Stadt, die er zu Lebzeiten noch nicht wahrgenommen hat, weil er früher im Schloss hinter hohen Mauern nichts vom Unglück der Welt mitbekommen  hat. Doch jetzt kann er sich nicht mehr fortbewegen, weil seine Beine fest mit dem Sockel verbunden sind. Ein später Zugvogel rastet zu Füßen des glücklichen Prinzen. Da rinnen aus den Saphir-Augen der Statue Tränentropfen. Die Schwalbe und der glückliche Prinz freunden sich an und der Vogel wird nun zum Boten für den glücklichen Prinzen: Den Rubin des Schwertknaufs, die Saphire der Augen und das Blattgold der Statue bringt die Schwalbe zu der armen Näherin, zum Streichholzmädchen und zu dem armen Dichter. So können die Ärmsten der Armen durch den Winter kommen. Zuletzt bringt der Vogel sogar das Blattgold, das die Statue des glücklichen Prinzen bedeckt, zu hungernden Kindern. Der Winter zieht mit Eiseskälte in die Stadt. Am Ende ist es für die Schwalbe zu spät, nach Süden zu ziehen. Sie verabschiedet sich von ihrem Freund, dem „glücklichen Prinzen“, und stirbt zu seinen Füßen. Die unansehnlich gewordene Statue wird von den Stadtoberen eingeschmolzen. Doch das bleierne Herz des Prinzen will nicht schmelzen.

Das Märchen endet so: „Bring mir die beiden kostbarsten Dinge dieser Stadt!“ sagte Gott zu einem seiner Engel; und der Engel brachte ihm das Herz des glücklichen Prinzen und den toten Vogel. „Du hast recht gewählt“, sagte Gott, „denn in meinem Paradiesgarten soll der kleine Vogel singen für und für, und in meiner goldenen Stadt soll der glückliche Prinz mich lobpreisen.“

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Wir verließen die Heiltumskammer wieder und zogen ins Wirtshaus Zum Greifen. Die freundlichen Wirtsleute dort empfingen uns dort mit einem wärmenden Trunk, einem kleinen Schneeballen, dem Kultgebäck von Rothenburg und dann lösten wir zu guter Letzt ein Märchenrätsel. Da waren ein paar schöne Fragen dabei, zum Beispiel: Welches Märchen ist das? „Alte Dame möchte einen Jüngling vernaschen.“

Lösung des Märchenrätsels:

Hänsel und Gretel!

 

Oliver Gußmann

In Rothenburg bin ich Touristen- und Pilgerpfarrer an St. Jakob. Das ist die große, an Kunstschätzen reiche evangelische Kirche mit den Doppeltürmen mitten in Rothenburg! Meine Aufgabe ist es, die Kirchen Rothenburgs Gästen und Touristen aus der ganzen Welt bekannt zu machen. Die zahlreichen Gotteshäuser des gotischen Rothenburgs erzählen mit Bildern und Symbolen vom Glauben, der Liebe und der Hoffnung unserer Vorfahren; sie berichten vom Sterben und Auferstehen, von Hingabe und Erlösung. Bei meiner Arbeit hilft mir ein Kirchenführer-Team. Außerdem traue ich Hochzeitspaare, mache Nachtkirchenführungen und vieles mehr. Gerne führe ich durch das jüdische Rothenburg oder biete für Kinder und Jugendliche kirchenpädagogische Führungen an. Für die Jakobuswege, von denen sich einige in Rothenburg kreuzen, bin ich der Ansprechpartner. Mir liegt eine gesunde Umwelt am Herzen. Darum fahre ich ein "Velomobil" - eine Mischung zwischen Seifenkiste und Rennauto. Wenn Sie so etwas in Rothenburg stehen sehen, bin ich sicher nicht weit entfernt! Mehr über meine Arbeit: www.rothenburgtauber-evangelisch.de/tourismus

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