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Rothenburg ob der Tauber 1631: Ein Sackpfeifer und die Totengräber

Ecke Hafengasse - Obere Schmiedgasse

Ecke Hafengasse – Obere Schmiedgasse

1955: Die Stadt Rothenburg ob der Tauber erwirbt Anfang Oktober aus einem Privatbesitz ein handgeschriebenes Buch, besser gesagt, eine bis dahin wohl unbekannte Chronik. Diese unscheinbare Chronik liegt bis heute gut verwahrt im Archiv der Stadt Rothenburg ob der Tauber. Der Titel: Chronica des Heiligen Römischen Reichs Stadt Rothenburg ob der Tauber. In dieser Chronik geht es um die Geschichte der Stadt Rothenburg, niedergeschrieben durch Georg Heinrich Schaffert in den Jahren 1771-1772 und 1773.

Chronik des Georg Heinrich Schaffert

Chronik des Georg Heinrich Schaffert

Neben vielen Berichten und Geschichten finden sich auch sehr interessante Seiten über das für die Stadt heute noch denkwürdige Jahr 1631, im Dreißigjährigen Krieg. Hier berichtet der Chronist Schaffert über die Begebenheit um die Belagerung und Erstürmung der stolzen protestantischen Stadt Rothenburg durch den katholischen Feldherrn Tilly, sowie deren Ausgang und Rettung; die aber auch unzählige Menschen aus allen Herren Ländern der Welt durch die Erzählung des historischen Festspiels „Der Meistertrunk“ kennen. Interessant wird es dann noch im Anschluß daran. So ist eine weitere kleine zeitgenössische und heutzutage mit dem gebührenden Abstand zu den damaligen Umständen betrachtet, schon fast eine humoristisch anmutende Gruselgeschichte festgehalten.

Da sie aber wohl nie im Urtext öffentlich gemacht wurde, möchte ich unseren Lesern diese kleine Geschichte im Original aufgezeichneten Wortlaut wiedergegeben.

"Sackpfeifer" der Gruppe Mummenschanz"

„Sackpfeifer“ der Gruppe Mummenschanz“

Ein Sackpfeifer und die Totengräber

Beim Abmarsch der Kaiserlichen Armee geschah folgendes:

3. Regimenter Kayserlicher Soldaten und ein großer Haufe Kroaten zur Besatzung der Stadt zurückgelassen, die bey ihrem 10. wöchigen Aufenthalt allhier, der Bürgerschaft Geld und Geschmeide Flügel gemacht, auch noch über dies die ungarische hitzig (*1) Kopfkrankheit mit in die Stadt gebracht, daß von allen Häusern und Gassen der Stadt die Toden herbeygetragen, und durch den Todenkarren dessen Räder mit Lumpen bebunden gewesen, geführt wurden, und der (*2) Judenkirchhof weil mann auf den (*3) Gottesacker nicht kommen können, nicht groß und weit genug war, dieselben zu begraben.“ Während des Sterbens nun begab sich folgende Geschichte: Ein gewisser (*4) Sackpfeifer der wenig Tage vergehen lies ohne sich einen dichten Rausch zu trinken war eines Tages bey dem Hirschenwirth, wo er sich recht sehr im Brandtenwein übernahm, und als er nun bey Nachtzeit nacher Haus gehen wolte, und kaum etliche Schritte vom Wirtshaus war, stürtzte er vom Brandwein übermeistert, zu Boden, und lag als vor Tod auf der Gassen : Indeme kamen die Todengräber mit ihrem Karren und sahen den betrunckenen Sackpfeifer liegen, giengen hin, rüttelten und schüttelten denselben, als er sich nun nicht regete, hielten sie ihn vor Todt, luden ihn dahero auf ihren Karren, und führten ihn auf den Juden-Kirchhof, daselbst stürtzten sie ihn in eine große Grube zu andern vielen Toden, und fuhren wieder ihres Weges um noch mehrere zu hollen; Indessen thät der Sackpfeifer einen Schlaf aus ehe sie wieder zurück kamen, und erwachte endlich; aber wie bestürtzt war er nicht, als er nichts unter noch neben sich spührte und fand, dann lauter Tode und erstarrte Menschen, und aus dem Loch von ihnen nicht entfliehen konte, ob er schon es versuchte; ein heftiger Schauer vertrieb ihme in dieser Finsterniß allen Rausch, er rufte und schrie, aber da war keine Antwort, in solcher Angst und weilen er glaubte im Reiche der Toden zu seyn, ergrief er seine Sackpfeifen, und stimte darauf das Lied an: Es ist gewißlich an der Zeit ff. unterdessen kamen die Todengräber wieder zurück, und bey anhörung dieses gepfeifes erschracken sie heftig und meinten es wäre ein Gespenst, traueten dahero anfangs nicht hin zur Grube, endlich nahmen sie sich doch das Herz, weil es allerweits anfieng starcke zu Tagen, und giengen hin, und fragten wer darinnen, worauf sich der Sackpfeifer zu erkennen geben, und von ihnen aus der Gruben gezogen worden. Er hat auch ob er schon bey den Toden gelegen, doch diese Krankheit nicht bekommen. Diese Krankheit dauerte weit in das 1632. Jahr da sie sich erst geendet.

Hier enden die Berichte über das Jahr 1631. Quelle: Archiv der Stadt Rothenburg ob der Tauber 2015.

Worterklärung ~: 

(*1) ungarische hitzig Kopfkrankheit = eine eingeschleppte Art von Sumpffieber;

(*2) Judenkirchhof = der heutige Schrannenplatz in Rothenburg;

 (*3) Gottesacker = Rothenburger Friedhof;

(*4) Sackpfeifer = Dudelsackpfeifer

Kupferstich aus dem Jahr 1762 in der Chronik des Georg Heinrich Schaffert

Kupferstich aus dem Jahr 1762 in der Chronik des Georg Heinrich Schaffert

In wenigen Tagen werden im romantischen Rothenburg ob der Tauber die alljährlich stattfindenden Reichsstadttage abgehalten. Hier kann man erleben, wie sich die kleine, mittelalterliche Stadt Rothenburg ob der Tauber verwandelt und man an allen Ecken der Stadt die verschiedensten Epochen entdecken kann. Dabei ergibt sich vielleicht auch die Möglichkeit, Euch diese „Geschichte“ von der Gruppe Mummenschanz vortragen zu lassen.

Die Gruppe Mummenschanz

Die Gruppe Mummenschanz

Benjamin Babel

Mein Name ist Benjamin Babel. Ich wurde 1962 in Rothenburg ob der Tauber geboren. Nach der Schulzeit und der Ausbildung führten mich meine Wege als Journalist in alle Welt. Doch das Herz schlägt nun mal in der Heimat und so blieb ich mit meinem Rothenburg auch in der Ferne stets verbunden. Seit 2011 lebe ich wieder in Rothenburg ob der Tauber, direkt am Marktplatz. Vielleicht hat mich der ein oder andere Besucher übrigens schon einmal in den Medien gesehen.

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„Gottes Wort im Glockenturm – Die Glocken von Sankt Jakob“

Wer kennt schon die Inschriften der „Großen“ auch „Wetter“ – Glocke genannt oder der „Predigtglocke“ im Südturm der Sankt Jakobs Kirche in Rothenburg ob der Tauber? Was macht die Glocken so besonders?

Sankt Jakob

Sankt Jakob

Wir schreiben das Jahr 1626 im September. Der 30 jährige Krieg tobt seit 8 Jahren. Auf dem Judenkirchhof (dem heutigen Schrannenplatz) bewegt sich was.

Jede Menge Holz und Baumaterial wird durch Tagelöhner herbei geschafft, Gruben gegraben und ein Ofen errichtet. Was geschieht hier?
Zwei Wanderglockengießer Petrus Bulevilius und Caspar Delson von Haute-Cour in Lothringen wurden vom Rat der Stadt und den Bürgermeistern Johann Bezold und Johann Staudt (diese waren wahrhaft gesegnete Pfleger dieses Gotteshauses) beauftragt 6 Glocken für die Türme der Sankt Jakobs Kirche zu gießen.

Dazu wird ein großes Loch tief ins Erdreich gegraben, darüber der Gießofen und eine Bauhütte errichtet. Dort verrichten die Gießer ihre Arbeit. Für die Arbeiten werden ihnen etliche Taglöhner zur Seite gestellt, die viele Hilfsarbeiten wie Wasser-tragen, Lehm-schlagen usw. verrichten.

Es sollten Glocken werden, die schön und mächtig, bis über das weit sich erstreckende Umland hinaus, ihren Klang erschallen lassen. – – „Gott soll man bis in die Ewigkeit hören“

Als am 7. Oktober die erste Glocke – die Predigtglocke – gegossen und von Lehm und Erde befreit und gesäubert war, wurde die Predigtglocke mit einem Durchmesser von 97 cm durch den Einsatz von 6 Spitalpferden (Kaltblüter) in den Südturm hinauf gezogen und in die Halterung eingehängt.

Die Inschrift der Predigtglocke lautet:

IN DOMINO SPES FIXA PIO NOSTRAE UNICA VITAE‘
GEORGIO ZIRLINO PASTORE ET SUPERINTENDENTE
P.L.C. (=poeta laureato caesareo) FUSA 1626

Zu deutsch: Die einzige bleibende Hoffnung unseres Lebens (beruht) auf dem heiligen Gott — gegossen unter dem Pfarrer und Superintendenten Georg Zierlein, dem vom Kaiser lorbeerbekränzten Dichter 1626.

Es nahmen also später mit Sicherheit an den Glockenweihen Johann Bezold, Johann Staudt, und Georg Zierlein, sowie alle Ratsherrn teil. So verstehen wir auch die Worte Bezold’s: „Der Glocken Weihetöne hallen von den Jakobstürmen glückverheißend nieder.“

Oben: Predigtglocke Unten: Vesperglocke

Oben: Predigtglocke
Unten: Vesperglocke

Die „Große“ – die „Wetter“ – Glocke mit einem Durchmesser von 140 cm und einem Gewicht von 36 Zentnern (~ 1.800 Kilogramm) wurde am 12. Oktober mit 8 Spitalpferden hinauf auf den Südturm gezogen.

Die große Glocke trägt die Inschrift:

FUSA ROTENMBURGI CAMPANA EST! PONDERE SUMPTU AERE SONO RELIQUIAS,
EXUPERANSQUE NOLAS.ANO DNI MDCXXVI MENSE SEPTEMBRI
JOHANNE STAUDIO ET JOHANNE BEZOLTO CONSULIBUS,
AEDISQUE HUIHUS CURATORIBUS , VERE FELICIBUS
Petrus Bulsvilius et Casparus Delsno de Huliecorius in Lotharigi fecerunt.

Zu deutsch: Die Glocke wurde in Rothenburg gegossen, an Gewicht und Aufwand in ehernem Klange auch die übrigen Glocken übertreffend, fertigten sie anno domini 1626 im Monat September unter den Bürgermeistern Johann Staud und Johann Bezolt, desgleichen auch unter ihren Ratsherrn zu ihrem wahrhaftigen Glück (= glückverheißend) Peter Bouleville und Caspar Delson…..

Wetterglocke

Wetterglocke

Die "Große" "Wetter - Glocke"

Die „Große“
„Wetter – Glocke“

Die insgesamt 6 Glocken der Rothenburger St.-Jakobs-Kirche sind eines der ganz wenigen in Deutschland komplett erhaltenen Geläute aus der Zeit des 30 jährigen Krieges und des 17. Jahrhunderts mit einer eigenwilligen Klangstruktur und damit von geschichtlich und kultureller überregionaler Bedeutung. Im Laufe der Geschichte seit 1626 bis in das letzte Jahrhundert hinein entgingen sie immer wieder dem gnadenlosen Schicksal so vieler anderer Glocken, nämlich zur Metallgewinnung „zum Heil des Vaterlandes“ oder anders gesagt für „Kriegszwecke“ herhalten zu müssen und auf Glockenfriedhöfen mit dem Endziel Schmelzofen zu landen.

So sind wir hier seit vielen Generationen in Folge, in dem kleinen romantischen Tauberstädtchen Rothenburg, in der glücklichen Lage immer wiederkehrend aufs neue beim Erwachen des Geläuts Erinnerungen an frohe, friedliche und festliche Tage vergangener Jahre und Jahrzehnte zu haben.

Wenn dann 389 Jahre, nach der Errichtung des Geläuts, die Glocken der Sankt Jakobskirche alljährlich während des Volksschauspiels „Das Historische Festspiel – Der Meistertrunk“ im Kaisersaal zu hören sind, so spiegelt sich darin die Rothenburger Geschichte um die Wirren des 30 jährigen Krieges und der Errettung der Stadt wieder. (www.meistertrunk.de) Jeder Besucher des an Pfingsten stattfindenden Festspiels wird so selbst zu einem Zeitzeugen.

Glocken im Südturm der Sankt Jakobs Kirche:
Große oder Wetterglocke Durchmesser 140 cm;
Predigtglocke Durchmesser 97 cm;
Vesperglocke Durchmesser 69 cm

im Nordturm:
Eins-gen-Nacht oder Torglocke Durchmesser 127 cm;
Mittags- oder Horenglocke Durchmesser 80 cm;
Totenglocke Durchmesser 80 cm

Hier findet Ihr das Zwölfuhrleuten des Sankt Jakobs Kirche: http://br.de/s/1VvCOvC

Danke an:
Gästepfarrer Dr. Oliver Gußmann.
das Stadtarchiv Rothenburg

Sankt Jakob Ostseite Kirchenschiff mit Hochaltar

Sankt Jakob
Ostseite Kirchenschiff mit
Hochaltar

Rechts im Bild: Gästepfarrer Dr. Oliver Gußmann

Rechts im Bild: Gästepfarrer Dr. Oliver Gußmann

Blick vom Süd zum Nordturm auf Sankt Jakob

Blick vom Süd zum Nordturm auf Sankt Jakob

HiTek im Glockenturm

HiTek im Glockenturm

Benjamin Babel

Mein Name ist Benjamin Babel. Ich wurde 1962 in Rothenburg ob der Tauber geboren. Nach der Schulzeit und der Ausbildung führten mich meine Wege als Journalist in alle Welt. Doch das Herz schlägt nun mal in der Heimat und so blieb ich mit meinem Rothenburg auch in der Ferne stets verbunden. Seit 2011 lebe ich wieder in Rothenburg ob der Tauber, direkt am Marktplatz. Vielleicht hat mich der ein oder andere Besucher übrigens schon einmal in den Medien gesehen.

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Ab König Rudolf v. Habsburg 1274 – Napoleon 1803 „Eine freie Reichsstadt im Wandel der Zeiten“

Verkündung der Reichsstadtprivilegien für die Stadt Rothenburg - 1274

Erleben Sie die historischen Reichsstadt-Festtage zu ihrem 40. Jubiläum in Rothenburg ob der Tauber
vom 05. September bis 07. September 2014.

Historische Stadtfeste gibt es wie Sand am Meer. Jedes Jahr kommen Neue dazu. Meist sind sie eher von schlichter Natur und nach wenigen Jahren schon wieder Geschichte. Anders die “Reichsstadt-Festtage“ der weltberühmten Stadt Rothenburg ob der Tauber: Vierzig Jahre erleben Touristen und Freunde des Mittelalters aus Nah und Fern, wie sich – seit 1974 immer Anfang September – die kleine, romantische Stadt Rothenburg ob der Tauber verwandelt und man an allen Ecken der Stadt die verschiedensten Epochen entdecken kann. Die Reichsstadt-Festtage finden in diesem Jahr vom 05. bis 07. September statt und warten wieder mit einem umfangreichen Programm auf.

Viele Einheimische Familien mit Kind und Kegel haben dieses Fest 1974 aus der Taufe gehoben und sind zum Teil bis heute aktiv als Ritter, Soldaten, bei der Stadtpfeyfferey, bei dem Historischen Festspiel “Der Meistertrunk“, dem Schäfertanz oder anderen Gruppen und stellen in historischer Gewandung acht Epochen von der Zeit um 1274 bis zum Biedermeier eindrucksvoll dar.

Fassaden-Brillant-Feuerwerk

Fackelzug

Geschichtlicher Hintergrund der Reichsstadt-Festtage:

Rothenburg ob der Tauber war von 1274 bis 1802 eine der weithin bekanntesten Städte des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Der Grundstein für die selbstständige und freie Entwicklung des Rothenburger Gemeinwesens wurde nach den Wirren der letzten Stauferzeit und insbesondere nach der Verpfändung der Stadt an die Hohenlohe durch kaiserliche Sanktion gelegt. Im ersten Regierungsjahr des Königs Rudolf von Habsburg wurde Rothenburg zur „Freien Reichsstadt“ erhoben. Mit der Ernennung zur freien Reichsstadt waren erhebliche Privilegien verbunden. Rothenburg wurde zu einem bedeutenden Machtzentrum durch den gewonnenen politischen Einfluss. Der Handel florierte. Mit 6000 Einwohnern war Rothenburg in wenigen Jahren eine der größten Städte im Reich geworden. Die Entwicklungen der Stadt von 1274 bis 1802 u.a. beeinflusst durch den Dreißigjährigen Krieg und 1803 die Übergabe Rothenburgs an das Bayerische Königreich durch einen Beschluss Napoleons, werden seit 1974 mit den jährlich stattfindenden “Reichsstadt-Festtagen“ gefeiert.

- Der Humpen - Der Trunk - ein ungewöhnlicher Handel - eine unglaubliche Tat - (Bühnenstück)

 

Die Stadt in Flammen

 

Hochfeuerwerk - Stadtbeschießung (Samstag Nacht)

 

Historisches Handwerk

 

Historische Bürgergruppe

 

Trommler der Jungen Schar - 1631

 

Benjamin Babel

Mein Name ist Benjamin Babel. Ich wurde 1962 in Rothenburg ob der Tauber geboren. Nach der Schulzeit und der Ausbildung führten mich meine Wege als Journalist in alle Welt. Doch das Herz schlägt nun mal in der Heimat und so blieb ich mit meinem Rothenburg auch in der Ferne stets verbunden. Seit 2011 lebe ich wieder in Rothenburg ob der Tauber, direkt am Marktplatz. Vielleicht hat mich der ein oder andere Besucher übrigens schon einmal in den Medien gesehen.

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Der „Rad’sherr“ im Taubergrund – Historie im Zeichen des Fortschritts.

Inmitten des Taubermühlenweges im Taubergrund und seiner Nebenbäche, der sich auf wenige Kilometer von Wettringen bis Tauberzell an der Grenze zu Baden-Württemberg gelegen erstreckt, kann man im mittleren Abschnitt des Rothenburger Mühlenwegs zwei Dutzend Mühlen wie die Roßmühle, die Steinmühle und die Herrnmühle entdecken.

Ich möchte Euch heute die Untere Walkmühle im romantischen Rothenburger Ortsteil Detwang etwas näher bringen. Deren Eigentümer und Betreiber ist Familie Uwe Schubert. Unsere Familie Schubert ist auch bekannt durch ihr langjähriges erfolgreiches Mitwirken in der historischen Gruppe “Die Feldschmiede“ im Rothenburger Verein das Historische Festspiel „Der Meistertrunk“.

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Bei dem Mühlengebäude handelt sich um ein anerkanntes Baudenkmal, welches im Kern im 15./16. Jahrhundert errichtet und im 18. Jahrhundert umgebaut wurde. Ursprünglich wurde sie tatsächlich als Walkmühle betrieben, was bedeutet, dass die Mühle bereits seit dem Hochmittelalter als Vorrichtung zur Bearbeitung, Verdichtung und Veredelung von Geweben eingesetzt wurde. Die Gewässerbenutzung ist dort somit bereits seit mehreren Jahrhunderten nachgewiesen.
Bei der Unteren Walkmühle handelt es sich um ein sogenanntes Ausleitungskraftwerk, d. h. die Tauber wird mittels einer Wehranlage aufgestaut. Von dieser Anlage zweigt dann der Mühlbach (teilweise durch Gewölbe getunnelt) ab, welcher das Kraftwerk mit Wasser versorgt, um anschließend wieder im ursprünglichen Flusslauf zu münden.

Heute wird die Mühle als Wasserkraftanlage für die sinnvolle und umweltverträgliche saubere Nutzung der natürlichen Wasserkraft betrieben. (Thema: Energiewende).

Uwe erzählt weiter dazu:
In „historischen Tagen“ war ein wichtiger Wirtschaftsfaktor Rothenburgs die damals bestehende Mühlendichte im Taubertal. Fast zeitgleich mit der Katastrophe in Fukushima, welche die deutsche Energiewende ja maßgeblich beschleunigt hat, hatten wir uns entschlossen, die Triebwerksanlage unserer Mühle grundlegend zu modernisieren und für das zeitgemäße Erzeugnis erneuerbarer Energie zu nutzen. Hierbei haben wir hauptsächlich in Eigenregie in einer 15monatigen Bauphase die traditionelle Mühlentechnik in Form eines “Wasserrads“ mit zeitgemäßen Materialien und modernster technischer Steuerung und Mechanik verbunden. Somit ist wie beim Festspiel die Traditionspflege und moderne Weiterentwicklung vereint.

Freundschaft unter Festspielern; Bezug zur Festspielgruppe:

Da das Wasserrad komplett in Metallbauweise errichtet wurde, besteht auch hier ein Zusammenhang zur Metallverarbeitung bei der Feldschmiede.

Das Projekt wäre ohne die Hilfe befreundeter Festspieler nicht möglich gewesen. Mein Schilligsfürster Schmiedekollege Volker Mahl und Andreas Kaiser aus Detwang (Spielmannszug) waren maßgeblich aus Verbundenheit zur Tradition und dem Erhalt der lebendigen Geschichte des Rothenburger Taubergrundes an den Arbeiten beteiligt. Somit: Festspiel vereint in Uniform und Zivil.

Das Wasserkraftwerk ist zwischenzeitlich fertiggestellt. Über die Homepage der Unteren Walkmühle, sowie Aufnahmen auf Youtube hat sich ein internationales Interesse an der Anlage ergeben. Familie Schubert hatte bisher Führungen für Ingenieure, Schulklassen und sogar Entwicklungshelfer.

Die Untere Walkmühle ein sehenswertes und interessantes Objekt im schönen Taubertal bei Rothenburg ob der Tauber. Schaut’s Euch an!

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Benjamin Babel

Mein Name ist Benjamin Babel. Ich wurde 1962 in Rothenburg ob der Tauber geboren. Nach der Schulzeit und der Ausbildung führten mich meine Wege als Journalist in alle Welt. Doch das Herz schlägt nun mal in der Heimat und so blieb ich mit meinem Rothenburg auch in der Ferne stets verbunden. Seit 2011 lebe ich wieder in Rothenburg ob der Tauber, direkt am Marktplatz. Vielleicht hat mich der ein oder andere Besucher übrigens schon einmal in den Medien gesehen.

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Lebendiger Unterricht im Museum!

Hinein durch ein riesiges Tor. Im Rathausinnenhof dem so genannten Lichthof des Rothenburger Rathauses weist ein Schild mit der Aufschrift “Museum“ auf eine offenstehende Türe hin. Man betritt einen Raum, in dem man sich sofort in eine andere Zeit und eine lebendig gewordene Geschichte begibt. Wir schreiben das Jahr 1631. Vor den Toren der Stadt Rothenburg ob der Tauber stehen die Truppen der katholischen Liga. General Graf Johann Tserclaes von Tilly ist im Begriff, die bis dahin als uneinnehmbar gegoltene Stadt Rothenburg ob der Tauber durch einen Verrat einzunehmen.

Wie darf man sich das vorstellen? Wie können die erlebte Szenerie der Belagerer und Belagerten und deren Eindrücke und Erlebnisse beispielhaft veranschaulicht werden? Zum 85. Geburtstag des Historischen Festspiels “Der Meistertrunk“ wurde 1966 mit der Eröffnung der Historiengewölbe samt Staatsverlies im Rathaus das Festspielmuseum Realität. Ein historisches Kabinett der besonderen Art, das bis zum heutigen Tag einen anschaulichen Einblick in die tragische Geschichtsepoche des Dreißigjährigen Krieges gibt.

Im Mittelpunkt: Die wundersame Errettung der Stadt Rothenburg ob der Tauber und seiner Einwohner durch den berühmten “Meistertrunk“ des damaligen Altbürgermeisters Nusch. Insgesamt 12 Gewölbe ermöglichen den Einblick in die lebendige Szene einer Wachstube mit würfelnden und trinkenden Landsknechten aber auch den Blick in die Befestigungsanlagen und die Wehrbereitschaft der Stadt, auf Waffen, Kanonen, Geschütze, Kriegsgeräte. Militärische Ausrüstungsgegenstände und die Originalfahnen der Rothenburger Truppen zieren nicht nur die Wände, sondern schweben über den Köpfen der Besucher und weisen den Weg durch die liebevoll eingerichteten Darstellungen in den einzelnen Gewölben. In den Räumen vernimmt man leise ein Trommeln und Schlagen zu den Melodien alter Landsknechtslieder wie sie damals vor den Toren der mittelfränkischen Stadt im Feldlager gespielt und gesungen wurden.
Auch finden Sie interessante Informationen über General Tilly und die katholische Liga, sowie über König Gustav II. Adolf von Schweden und die evangelische Union.

Von den Gewölben aus ist das Verlies unterhalb des Rathauses zu erreichen. Zum Verlies gehören eine Wachstube, ein Folterraum und drei Gefängniszellen. Die Gefängniszellen vermitteln einen Eindruck der damaligen Haftbedingungen.

Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

Öffnungszeiten:
Mai bis Oktober: 9.30 Uhr bis 17.30 Uhr
November bis April: siehe Info am Eingang

Der Eingang zum Museum befindet sich im Rathausinnenhof auch – Lichthof genannt, links neben dem Portal. Zugang von der Herrngasse direkt am Marktplatz Rothenburg gelegen erreichbar.
Telefon: 0 98 61 / 8 67 511624861_841704589188593_296090280_n

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Benjamin Babel

Mein Name ist Benjamin Babel. Ich wurde 1962 in Rothenburg ob der Tauber geboren. Nach der Schulzeit und der Ausbildung führten mich meine Wege als Journalist in alle Welt. Doch das Herz schlägt nun mal in der Heimat und so blieb ich mit meinem Rothenburg auch in der Ferne stets verbunden. Seit 2011 lebe ich wieder in Rothenburg ob der Tauber, direkt am Marktplatz. Vielleicht hat mich der ein oder andere Besucher übrigens schon einmal in den Medien gesehen.

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Die Bewerbung des historischen Festspiels “Der Meistertrunk” um Aufnahme in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes bei der Deutschen UNESCO Kommission e.V.

Rothenburg ob der Tauber
Anschließend an das Thema unseres letzten Blogs möchte ich Euch in aller Kürze etwas über die Bewerbung, ihre Ziele und Kriterien erläutern.

Das UNESCO-Übereinkommen zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes, dem die Bundesrepublik Deutschland am 9. Juli 2013 offiziell beigetreten ist, verfolgt die Ziele (Zitat):

– das immaterielle Kulturerbe zu erhalten,

– die Achtung vor dem immateriellen Kulturerbe der jeweiligen Gemeinschaften, Gruppen und Einzelpersonen zu gewährleisten,

– das Bewusstsein für die Bedeutung des immateriellen Kulturerbes und seine gegenseitige Wertschätzung auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene zu fördern sowie

– die internationale Zusammenarbeit und Unterstützung zu stärken

Das UNESCO-Übereinkommen bezieht sich auf lebendige Ausdrucksformen kulturellen Erbes. Diese finden ihren Ausdruck u.a. (Auszug) … in darstellenden Künsten (z.B. Tanz, Theater und Musik), in gesellschaftlichen Bräuchen, Ritualen und Festen, …

Mit diesen Grundgedanken und den vielen weiter zu beachtenden Hinweisen, Voraussetzungen und Ausschlusskriterien wie z.B. das Bewerbungen nur eingereicht werden können von Gemeinschaften, Gruppen und Einzelpersonen, die mit der Ausübung und Pflege des immateriellen Kulturerbes nachweislich nicht vorrangig kommerzielle Interessen verfolgen, haben wir uns guten Mutes an die Bewerbung gemacht.

 

Die nächste Aufgabe bestand darin die Bewerbung in meist begrenzter Wortzahl zu erstellen. Hier einige Beispiele aus dem Bewerbungsformular:

 

Kurzbeschreibung – Nicht mehr als 600 Wörter. Heutige Praxis – 300. Entstehung und Wandel – 300. Wirkung – 150. Eingebundene Gemeinschaften, Gruppen und Einzelpersonen sowie Art ihrer Beteiligung – 300. Risikofaktoren für die Bewahrung des Kulturerbes – 300 usw.

 

Einen weiteren Punkt der Bewerbung – Dokumentation der kulturellen Ausdrucksform – füllten wir mit einer kleinen Auswahl aus dem riesigen Spektrum des vorhandenen Archiv-Materials über eine Liste von 4 Seiten.

 

Es war wahrlich eine Herausforderung das historische Festspiel „Der Meistertrunk“ das mittlerweile in das 134 ’ste Jahr seines Bestehens geht und eine kaum zu fassende Vielzahl von Fassetten hat, in den Bewerbungsbogen zu fassen.

Aber das Ziel in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes der UNESCO aufgenommen zu werden und damit das Erbe des „Meistertrunk“ in der schönen mittelfränkischen Stadt Rothenburg ob der Tauber zu erhalten und zu bewahren, machte all die damit verbundene Arbeit zu einer gerne zu erfüllenden Aufgabe.

 

Wie man dem Bericht der Deutschen UNESCO-Kommission e.V. im Internet entnehmen kann, sind im ersten Bewerbungsverfahren für das bundesweite Verzeichnis bei den Kulturministerien der 16 Länder insgesamt 128 Bewerbungen eingegangen und bis April 2014 werden alle Bundesländer eine Vorauswahl für das Verzeichnis treffen. Jedes Land kann zwei Vorschläge an die Kultusministerkonferenz übermitteln. Sie erstellt aus den länderspezifischen Bewerbungen eine Vorschlagsliste, die an das Expertenkomitee Immaterielles Kulturerbe der Deutschen UNESCO-Kommission weitergeleitet wird. Das unabhängige Expertenkomitee evaluiert im September 2014 die Vorschläge aus den 16 Ländern und die länderübergreifenden Bewerbungen. Voraussichtlich im Dezember 2014 werden dann die ersten Einträge in dem bundesweiten Verzeichnis präsentiert.

 

In der Hoffnung auf Erfolg heißt es nun: Daumendrücken und abwarten.

Pressesprecher:
Benjamin Babel
Historisches Festspiel “Der Meistertrunk“

Bühnen Ensemble im Wandel der Zeit

Bühnen Ensemble im Wandel der Zeit

Großer historischer Festumzug Pfinstsonntag

Großer historischer Festumzug Pfinstsonntag

Historische Ein- und Ausblicke

Historische Ein- und Ausblicke

Neuzeitlich historischer Rückblick

Neuzeitlich historischer Rückblick

Benjamin Babel

Mein Name ist Benjamin Babel. Ich wurde 1962 in Rothenburg ob der Tauber geboren. Nach der Schulzeit und der Ausbildung führten mich meine Wege als Journalist in alle Welt. Doch das Herz schlägt nun mal in der Heimat und so blieb ich mit meinem Rothenburg auch in der Ferne stets verbunden. Seit 2011 lebe ich wieder in Rothenburg ob der Tauber, direkt am Marktplatz. Vielleicht hat mich der ein oder andere Besucher übrigens schon einmal in den Medien gesehen.

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Das historische Festspiel „Der Meistertrunk“ bewirbt sich um Aufnahme in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes bei der Deutschen UNESCO Kommission e.V.

Rothenburg ob der Tauber
Das Historische Festspiel “Der Meistertrunk“ hat sich im November 2013 zur Aufnahme in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes bei der Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur, Deutsche UNESCO-Kommission e.V. beworben.

Das „Festspiel“ wird seit 1881 von seinen derzeit über 100 aktiv teilnehmenden am Bühnenstück „Der Meistertrunk“ sowie in seiner gesamten Form durch die rund 900 Mitglieder des Vereins getragen.

Das Wissen und Können – der Ausdruck von Kreativität und Erfindergeist im Rahmen des „historischen Festspiels“ wird von Generation zu Generation weitergegeben und fortwährend neu gestaltet.

Der Humpen - Der Trunk -ein ungewöhnlicher Handel - eine unglaubliche Tat - das Bühnenstück

Der Humpen – Der Trunk -ein ungewöhnlicher Handel – eine unglaubliche Tat – das Bühnenstück

Wir bedanken uns an dieser Stelle bei allen die uns Unterstützung und Hilfe bei der Bewerbung zur Aufnahme in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes gewährt haben. So möchte ich insbesondere die Verfasser der Empfehlungsschreiben erwähnen: Walter Hartl, Oberbürgermeister der Stadt Rothenburg ob der Tauber, Karl Borchardt, Professor am Lehrstuhl für mittelalterliche Geschichte und historische Hilfswissenschaften, Institut für Geschichte, Universität Würzburg. Und nicht zuletzt bei all unseren aktiven Mitgliedern, die jährlich ihren Beitrag zur Erhaltung des Festspiels und somit die Bewerbung zur Aufnahme in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes ermöglichen.

Pressesprecher:
Benjamin Babel
Historisches Festspiel „Der Meistertrunk“

Benjamin Babel

Mein Name ist Benjamin Babel. Ich wurde 1962 in Rothenburg ob der Tauber geboren. Nach der Schulzeit und der Ausbildung führten mich meine Wege als Journalist in alle Welt. Doch das Herz schlägt nun mal in der Heimat und so blieb ich mit meinem Rothenburg auch in der Ferne stets verbunden. Seit 2011 lebe ich wieder in Rothenburg ob der Tauber, direkt am Marktplatz. Vielleicht hat mich der ein oder andere Besucher übrigens schon einmal in den Medien gesehen.

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