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22 Jahre und kein bisschen “LEISE“ – Die Marketenderinnen von Rothenburg.

Jetzt sind es bald 22 Jahre seit der Gründung der Festspielgruppe „Die Marketenderinnen“. „Sie wurden beäugt… Sie wurden bemessen… und sie wurden für gut befunden!“

Historischer Rückblick: In den Heerzügen des Dreißigjährigen Krieges folgte den militärischen Abteilungen der Tross zur Verpflegung und Betreuung der Soldaten. Was der Soldat nicht verzehrt, genommen oder verwüstet hatte, das zehrte, nahm und vernichtete der Tross. Daran schlossen sich zu Fuß oder zu Pferd die Soldatenweiber an. Es waren die Frauen oder Dirnen der Söldner, die sich bei der Rast um deren Kleidung kümmerten und die Kinder betreuten.
Mit seiner Frau wohnte der Soldat unter dem engen Strohdach des Lagers oder im Quartier. In jeder Abstufung von Alter und Ansprüchen begleiteten Dirnen das Regiment: von der Mätresse des Obersten, die mit ihrem Hofstaat unter besonderer Bedeckung reiste, bis zur Dirne des Pikeniers, die, ihr Kind auf dem Rücken, mit wunden Füßen über das Schlachtfeld laufen musste. Der Tross jedes Regiments unterstand dem Dirnenwaibel, meist ein altgedienter Soldat, der vom Oberst eingesetzt wurde.

 

Marketenderwagen von Adolf Hosse

Leise waren sie nie – die knapp 30 „Frau“ starke Frauenpowergruppe der „Marketenderinnen“ mit ihren zwei „Schnallentreibern“, eine der 25 historischen Gruppen des Vereins „Historisches Festspiel – Der Meistertrunk“. Bei Gründung der Gruppe wurde sie durch umfangreiche Bemühungen als Frauengruppe in die Männerdomäne Festspiel integriert und man freut sich im Verein sichtlich über den Erfolg und die Anerkennung um die Leistungen der Marketenderinnen.

Erinnerungen aus den letzten 20 Jahren: Sie haben nicht nur den Verein und die Stadt bei Veranstaltungen, wie z.B. „WETTEN DASS…“ oder auch im „ZDF Sommergarten“ mehr als erfolgreich vertreten, sondern noch viele andere Events gemeinsam über die Jahre hin besucht.

Die Marketenderinnen haben ein Repertoire von über 20 Liedern verschiedenster Herkunft. Vom süßen Liebes- und Sehnsuchtslied bis hin zum deftigen Sauf- und derben Gassenlied. Auch Kriegslieder aus der Zeit des dreißigjährigen Krieges, die den Alltag von damals spiegeln, verschiedene Kanons und mehrstimmige Lieder wie z.B. Stücke aus Carl Orff’s „Carmina Burana“ gehören dazu. Besondere Eyecatcher der Gruppe sind natürlich auch die alten Flöten in Form von 2 Krummhörnern und Klanghölzern, einer Laute sowie Schellenkränze und einem Kazoo. Mit zum Teil dreistimmigen Gesängen warten die Damen bei ihren Auftritten auf, dann auch mit gehörigem Applaus belohnt.

So bleiben sie den Gästen der romantischen Stadt Rothenburg ob der Tauber und des Historischen Festspiels, das in wenigen Tagen wieder seine Türen und Tore öffnet, stets in guter Erinnerung.

Über die Pfingstfeiertage vom 22. bis 25. Mai 2015 ziehen die Marketenderinnen täglich durch die malerischen Gassen der Altstadt in Rothenburg ob der Tauber.

Benjamin Babel

Mein Name ist Benjamin Babel. Ich wurde 1962 in Rothenburg ob der Tauber geboren. Nach der Schulzeit und der Ausbildung führten mich meine Wege als Journalist in alle Welt. Doch das Herz schlägt nun mal in der Heimat und so blieb ich mit meinem Rothenburg auch in der Ferne stets verbunden. Seit 2011 lebe ich wieder in Rothenburg ob der Tauber, direkt am Marktplatz. Vielleicht hat mich der ein oder andere Besucher übrigens schon einmal in den Medien gesehen.

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Das Geheimnis der Heilig-Blut-Reliquie in St. Jakob Rothenburg ob der Tauber

Am Heilig-Blut-Altar

Schwer keucht ein Besucher als er die 32 Stufen zum Westflügel der St.-Jakobs-Kirche erklommen hat. Schnaufend lässt er sich auf einen der Stühle dort nieder. Endlich ist er in der Heilig-Blut-Kapelle angelangt. Sein Atem wird ruhiger. Er sieht sich um in dem gotischen Gewölbe. Die hohen Fenster tauchen den hohen Raum in ein mildes Licht Vor ihm erhebt sich der mächtige und zugleich zierliche Holzaltar von Tilman Riemenschneider. Vor gut einem halben Jahrtausend hat der Meister der Hochgotik die Figuren für eine noch viel ältere Heilig-Blut-Reliquie angefertigt. Zwei Lindenholz-Engel umfassen den Schaft eines goldenen Schmuckkreuzes.

Heilig-Blut-Kapelle

 Netzgewölbe in der Heilig-Blut-Kapelle

Was die Heilig-Blut-Reliquie bedeutet

Im Mittelpunkt des Kreuzes wölbt sich eine geheimnisvolle Kristallkugel. Das Sonnenlicht bricht sich im Kristall. Nur schemenhaft lässt sich erahnen, dass sich etwas darin verbirgt. 1672 soll ein neugieriger Mesner von St. Jakob zu dem Kreuz emporgestiegen sein und die Kapsel des Bergkristalls geöffnet haben. Er fand darin Baumwolle und einen Zettel mit einem Hinweis auf die Messweinreliquie. Das „Heilige Blut“ hat überhaupt nichts mit dem Heiligen Gral oder mit Kreuzrittergeschichten zu tun, auch wenn man das in manchen Rothenburger Stadtführern noch so lesen kann. Man bezeichnet mit „Blut Christi“ in der katholischen Kirche den Messwein nach der sogenannten „Wandlung“ bei der Eucharistie. Im Mittelalter soll ein Priester um das Jahr 1270 bei der Einsetzung des Abendmahls vom Messwein verschüttet haben. Aus Ehrfurcht vor dem Heiligen Blut Christi hat man die verschütteten Tropfen hier aufbewahrt und ihnen alsbald Wundertätigkeit zugeschrieben. Viele Menschen hörten davon und machten sich auf den Weg nach Rothenburg, um hier zu beten und gesund zu werden. Sie brachten ihre Sorgen und Nöte mit und ihre Wunden: Augenleiden, eiternde Kriegsverletzungen, Blutungen, schlecht heilende Wunden. Ein Gebet an diesem Altar versprach nicht nur das Heil der Seele, sondern eben auch körperliches Heil.

Das Reliquienkreuz im Heilig-Blut-Altar

Das Reliquienkreuz im Heilig-Blut-Altar

Der einzige Heilig-Blut-Altar in einer evangelischen Kirche

Und es waren dermaßen viele Menschen, die kamen, dass man im Jahr 1453 die Klingengasse mit dem erweiterten Westchor von St. Jakob überbaute und mit zwei Treppen den Aufstieg zur und den Abstieg von der Heilig-Blut-Kapelle ermöglichte. So ist der Heilig-Blut-Altar wohl der einzige Riemenschneider-Altar, der hoch über einer Straße steht. Überhaupt besitzt dieser Altar viele Besonderheiten: Neben dem Marienaltar in der Herrgottskirche von Creglingen und dem Heilig-Kreuz-Altar von Detwang, auch ganz in der Nähe Rothenburgs, ist er einer der wenigen Riemenschneideraltäre, die noch zwei Altarflügel besitzen und vollständig sind. Die Evangelischen haben es eigentlich nicht so mit wundertätigen Reliquien und mit der Verehrung von Reliquien. Trotzdem ist der Heilig-Blut-Altar wohl der einzige Reliquien-Altar, der sich in einem protestantischen Kirchenraum befindet. Ein schönes ökumenisches Zeichen, wie ich meine.

Heilig-Blut-Altar in der St.-Jakobs-Kirche

Heilig-Blut-Altar in der St.-Jakobs-Kirche

Judas – eine tragische Gestalt

Im Mittelpunkt der Abendmahlsszene, die Riemenschneider und seine Werkstatt geschnitzt haben, befindet sich nicht etwa Jesus, sondern sein Verräter Judas. In anderen Abendmahlsbildern wird dieser Jünger ausgegrenzt, als hässlicher Mensch dargestellt und an den Rand gedrängt. Hier nicht! Er steht in der Mitte. Er ist einer von uns, oder, besser, wir Menschen sind oft wie er. Trotz dass Judas Jesus verraten hat, reicht Jesus ihm das Abendmahl. Seinen Leib und sein Leben. Freundschaft bis jenseits der Grenze von Verrat und Trug, und bis jenseits von Endlichkeit und Tod. „Liebe Deine Feinde“ ist hier als Bild zu sehen.
Unser Besucher verweilt noch eine geraume Zeit fasziniert vor dem Altar. Schießt noch einige Fotos und geht die Treppe beschwingt wieder hinunter.

Jesus reicht Judas das heilige Brot

Jesus reicht Judas das heilige Brot

Oliver Gußmann

In Rothenburg bin ich Touristen- und Pilgerpfarrer an St. Jakob. Das ist die große, an Kunstschätzen reiche evangelische Kirche mit den Doppeltürmen mitten in Rothenburg! Meine Aufgabe ist es, die Kirchen Rothenburgs Gästen und Touristen aus der ganzen Welt bekannt zu machen. Die zahlreichen Gotteshäuser des gotischen Rothenburgs erzählen mit Bildern und Symbolen vom Glauben, der Liebe und der Hoffnung unserer Vorfahren; sie berichten vom Sterben und Auferstehen, von Hingabe und Erlösung. Bei meiner Arbeit hilft mir ein Kirchenführer-Team. Außerdem traue ich Hochzeitspaare, mache Nachtkirchenführungen und vieles mehr. Gerne führe ich durch das jüdische Rothenburg oder biete für Kinder und Jugendliche kirchenpädagogische Führungen an. Für die Jakobuswege, von denen sich einige in Rothenburg kreuzen, bin ich der Ansprechpartner. Mir liegt eine gesunde Umwelt am Herzen. Darum fahre ich ein "Velomobil" - eine Mischung zwischen Seifenkiste und Rennauto. Wenn Sie so etwas in Rothenburg stehen sehen, bin ich sicher nicht weit entfernt! Mehr über meine Arbeit: www.rothenburgtauber-evangelisch.de/tourismus

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Ab König Rudolf v. Habsburg 1274 – Napoleon 1803 „Eine freie Reichsstadt im Wandel der Zeiten“

Verkündung der Reichsstadtprivilegien für die Stadt Rothenburg - 1274

Erleben Sie die historischen Reichsstadt-Festtage zu ihrem 40. Jubiläum in Rothenburg ob der Tauber
vom 05. September bis 07. September 2014.

Historische Stadtfeste gibt es wie Sand am Meer. Jedes Jahr kommen Neue dazu. Meist sind sie eher von schlichter Natur und nach wenigen Jahren schon wieder Geschichte. Anders die “Reichsstadt-Festtage“ der weltberühmten Stadt Rothenburg ob der Tauber: Vierzig Jahre erleben Touristen und Freunde des Mittelalters aus Nah und Fern, wie sich – seit 1974 immer Anfang September – die kleine, romantische Stadt Rothenburg ob der Tauber verwandelt und man an allen Ecken der Stadt die verschiedensten Epochen entdecken kann. Die Reichsstadt-Festtage finden in diesem Jahr vom 05. bis 07. September statt und warten wieder mit einem umfangreichen Programm auf.

Viele Einheimische Familien mit Kind und Kegel haben dieses Fest 1974 aus der Taufe gehoben und sind zum Teil bis heute aktiv als Ritter, Soldaten, bei der Stadtpfeyfferey, bei dem Historischen Festspiel “Der Meistertrunk“, dem Schäfertanz oder anderen Gruppen und stellen in historischer Gewandung acht Epochen von der Zeit um 1274 bis zum Biedermeier eindrucksvoll dar.

Fassaden-Brillant-Feuerwerk

Fackelzug

Geschichtlicher Hintergrund der Reichsstadt-Festtage:

Rothenburg ob der Tauber war von 1274 bis 1802 eine der weithin bekanntesten Städte des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Der Grundstein für die selbstständige und freie Entwicklung des Rothenburger Gemeinwesens wurde nach den Wirren der letzten Stauferzeit und insbesondere nach der Verpfändung der Stadt an die Hohenlohe durch kaiserliche Sanktion gelegt. Im ersten Regierungsjahr des Königs Rudolf von Habsburg wurde Rothenburg zur „Freien Reichsstadt“ erhoben. Mit der Ernennung zur freien Reichsstadt waren erhebliche Privilegien verbunden. Rothenburg wurde zu einem bedeutenden Machtzentrum durch den gewonnenen politischen Einfluss. Der Handel florierte. Mit 6000 Einwohnern war Rothenburg in wenigen Jahren eine der größten Städte im Reich geworden. Die Entwicklungen der Stadt von 1274 bis 1802 u.a. beeinflusst durch den Dreißigjährigen Krieg und 1803 die Übergabe Rothenburgs an das Bayerische Königreich durch einen Beschluss Napoleons, werden seit 1974 mit den jährlich stattfindenden “Reichsstadt-Festtagen“ gefeiert.

- Der Humpen - Der Trunk - ein ungewöhnlicher Handel - eine unglaubliche Tat - (Bühnenstück)

 

Die Stadt in Flammen

 

Hochfeuerwerk - Stadtbeschießung (Samstag Nacht)

 

Historisches Handwerk

 

Historische Bürgergruppe

 

Trommler der Jungen Schar - 1631

 

Benjamin Babel

Mein Name ist Benjamin Babel. Ich wurde 1962 in Rothenburg ob der Tauber geboren. Nach der Schulzeit und der Ausbildung führten mich meine Wege als Journalist in alle Welt. Doch das Herz schlägt nun mal in der Heimat und so blieb ich mit meinem Rothenburg auch in der Ferne stets verbunden. Seit 2011 lebe ich wieder in Rothenburg ob der Tauber, direkt am Marktplatz. Vielleicht hat mich der ein oder andere Besucher übrigens schon einmal in den Medien gesehen.

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Die Heilige Lanze

Was haben die Beschreibung der Kreuzigung Jesu im Johannesevangelium (Joh. 19,34), die Schlacht auf dem Lechfeld (955 n.Chr.), Richard Wagners Parsifal und der Hollywoodfilm „Constantine“ (Keanu Reeves/Rachel Weisz, 2005) mit der Stadt Rothenburg ob der Tauber und dem dortigen Mittelalterlichen Kriminalmuseum gemeinsam? Nun …. in allen spielt ein geheimnisvolles Relikt eine Rolle, die sogenannte Heilige Lanze.

Replik der Heiligen Lanze im Mittelalterlichen Kriminalmuseum

Replik der Heiligen Lanze im Mittelalterlichen Kriminalmuseum

Das Mittelalterliche Kriminalmuseum im romantischen Rothenburg

Als ich 1990 das erste Mal das romantische Rothenburg besuchte, durfte ein Besuch des bekannten Mittelalterlichen Kriminalmuseums nicht fehlen. Im Museum staunte ich nicht schlecht. Erwartet hatte ich einige Foltergeräte, Daumenschrauben und Richtschwerter, wie in den vielen Foltermuseen und Gruselkabinetten, die sich der mittelalterlichen Strafrechtspflege anzunehmen versuchen. Während meines mehrstündigen Rundganges entdeckte ich im Kriminalmuseum jedoch weit mehr. Kupferstiche von Hans Baldung Grien und Albrecht Dürer, wertvolle Gesetzesbücher und Urkunden und … am Ende des Rundganges, gar originalgetreue Repliken der Reichsinsignien, die heute im Original in der Wiener Hofburg aufbewahrt werden.

Repliken der Reichsinsignien im Mittelalterlichen Kriminalmuseum; Photo: Sabine Ketzler

Repliken der Reichsinsignien im Mittelalterlichen Kriminalmuseum; Photo: Sabine Ketzler

Ich bestaunte die kunstvollen Goldschmiedearbeiten und sinnierte einen Moment … warum stellt ein Kriminalmuseum Kopien der Reichsinsignien aus? Dann erinnerte ich mich an die Stadtführung vom Vormittag. Die Stadtführerin verwies häufiger auf den Status Rothenburgs als freie Reichsstadt, über der nur der deutsche König und Kaiser stand. Und hatte ich im Museum nicht viele prächtige  Strafgesetzbücher gesehen, die den Namen von Kaisern trugen, etwa die „Carolina“ Kaiser Karls V. von 1532? So fernliegend waren die Reichsinsignien in Rothenburg und im Mittelalterlichen Kriminalmuseum, Deutschlands bedeutendstem Rechtskundemuseum, also nicht.

Verwundert betrachtete ich die Heilige Lanze – ich hatte sie mir anders vorgestellt. Sollte dies nicht  die Lanze sein, mit der ein römischer Soldat den Tod Jesu geprüft hatte (Joh. 19,34)? Die vor mir liegende Replik einer Lanze sah jedoch ganz anders aus als die römischen Lanzen aus dem Geschichtsbuch oder den Asterix-Heften. Diese hier war eine Flügellanze, ca. 50 cm lang, mit einer breiten und mit einer lateinischen Inschrift verzierten Goldmanschette. Und auch einen in das Lanzenblatt eingearbeiteten Nagel hatte ich nicht erwartet. Die freundliche Museumsaufsicht musste meine Verwunderung bemerkt haben, denn sie kam auf mich zu. Von ihr erfuhr ich, dass die Heilige Lanze keine römische Lanze war, sondern eine langobardische Flügellanze aus dem 8. Jahrhundert. Die goldene Manschette wurde angebracht, da die Lanze in der Mitte zerbrochen war, und der eingelassene Nagel galt im Mittelalter als einer der heiligen Nägel, mit denen Jesus gekreuzigt worden war. Auch die lateinische Inschrift „LANCEA ET CLAVUS DOMINI“ wurde mir übersetzt: „Lanze und Nagel des Herrn“.  

 

Lateinische Inschrift auf der Replik der Heiligen Lanze

Lateinische Inschrift auf der Replik der Heiligen Lanze

Die Heilige Lanze als wichtigstes Herrschaftszeichen im Heiligen Römischen Reich

Mein Interesse war geweckt und ist bis heute nicht erloschen. Denn die Heilige Lanze ist viel mehr als ein beeindruckendes Relikt. Sie war das älteste und lange Zeit auch das wichtigste Herrschaftszeichen im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation, das in seiner Blütezeit fast das gesamte Gebiet des heutigen Mittel- und Teile Südeuropas umfasste. Als eine der Reichsinsignien war die Heilige Lanze für die Deutschen Könige und Kaiser des Heiligen Römischen Reiches von unschätzbarem Wert. Der Träger der Heiligen Lanze galt im Mittelalter als unbesiegbar und viele Schlachten sollen nur aufgrund der Anwesenheit der Lanze entschieden worden sein, so etwa die Schlacht auf dem Lechfeld am 10. August 955 zwischen dem ostfränkischen König und späteren Kaiser Otto dem Großen und den Ungarn. Die siegbringenden Kräfte der Lanze sind jedoch eher dem Bereich der Legenden zuzuordnen, denn oft genug verloren ihre Träger auch Schlachten und Kriege. Dennoch versuchte jeder Herrscher des Reiches in den Besitz der Lanze zu kommen. Im späten Mittelalter wurde die Lanze als bedeutendstes Herrschaftszeichen abgelöst von einem anderen prachtvollen Gegenstand, der oktagonalen Reichskrone, die ebenfalls als Replik im ganzjährig geöffneten Mittelalterlichen Kriminalmuseum (www.facebook.com/kriminalmuseum www.kriminalmuseum.rothenburg.de) in Rothenburg ob der Tauber in der Burggasse 3-5 zu sehen ist.

Replik der Reichskrone im Mittelalterlichen Kriminalmuseum; Photo: Sabine Ketzler

Replik der Reichskrone im Mittelalterlichen Kriminalmuseum; Photo: Sabine Ketzler

Faszination Heilige Lanze

Die Heilige Lanze und die ihr zugeschriebenen Eigenschaften bewegten die Menschen über die Jahrhunderte hinweg. Es entstanden Legenden, gewaltige Musikwerke und Hollywoodfilme, die sich um die Heilige Lanze rankten. So nahm sich etwa Richard Wagner in seiner Oper Parsifal des Lanzenthemas an und lässt Amfortas, den Sohn des Königs Titurel, mit der Heiligen Lanze bewaffnet in den Kampf gegen Klingsor ziehen. Selbst heute noch bewegt die Heilige Lanze die Phantasie der Menschen. In dem Hollywood-Mystery-Thriller Constantine ist die Heilige Lanze ein Gegenstand, mit dessen Hilfe der Sohn des Teufels, Mammon, einen Weg auf die Erde findet könnte, um eine Schreckensherrschaft zu errichten. Die Protagonisten im Film sind natürlich erfolgreich, die Welt wird gerettet und eine Reise in das mittelalterliche Rothenburg und Kriminalmuseum muss kein apokalyptisches Endzeitsetting passieren, sondern kann als erholsame Erlebnistour über die Romantische Straße oder das Liebliche Taubertal beginnen. 

Markus Hirte

Ich heiße Dr. Markus Hirte. Geboren wurde ich 1977 in Weimar. Ich habe Rechtswissenschaft studiert und wurde an der Friedrich-Schiller-Universität Jena zum Dr. iur. promoviert. Meinen Abschluss zum Magister Legum bestritt ich an der Fernuniversität Hagen. Ein Studienaufenthalt führte mich auch an die Cambridge University nach England. Knapp sieben Jahre arbeitete ich als Rechtsanwalt in Stuttgart, Berlin und London. Mein Herz schlug jedoch immer schon vor allem auch für die Strafrechtsgeschichte, meine Publikationsliste wurde länger und länger. Seit 2013 bin ich nun geschäftsführender Direktor des Mittelalterlichen Kriminalmuseums in Rothenburg und kann mich noch intensiver der Historie widmen. Meine Forschungs- und Interessenschwerpunkte: ältere und neuere Strafrechtsgeschichte, insbesondere mittelalterliches Kirchenstrafrecht, Inquisitionsverfahren, Hexenverfolgungen und die Entwicklung der Todesstrafe. http://www.kriminalmuseum.rothenburg.de/

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Musikalische Adventsführung in der St.-Jakobs-Kirche Rothenburg.

Mystisches Dunkel am Rand des Weihnachtsmarktes

St. Jakob im Dunkel

St. Jakob im Dunkel

Die feierlichste Zeit, die ich im Advent erlebe, ist die während einer musikalischen Abendführung für Gäste und Touristen durch die mittelalterliche St.-Jakobs-Kirche. Wer freitags den Weihnachtsmarkt in Rothenburg ob der Tauber an der Romantischen Straße besucht, kann so den Tag in St. Jakob ab 17 Uhr noch besinnlich ausklingen lassen. Und so war es auch am letzten Freitag, als über 60 Besucherinnen und Besucher in die Kirche kamen. Das Lied Maria durch ein’ Dornwald ging war uns dabei Leitgedanke. Es ist ein Marienlied, das auch evangelische Christen schätzen. Die Strophen des Liedes nehmen den Gedanken auf, dass die schwangere Maria durch einen abgestorbenen, dornigen Wald geht. Das Lied wiederspiegelt mit den Dornen so manche der Sorgen und Nöte, in denen sich vielleicht manche befinden und dabei die Hoffnung hegen, an Weihnachten, dem Fest des Friedens möge doch alles anders werden. Im Lied geschieht das Unbegreifliche: Alle Dornen, an denen Jesus und Maria während der Liedstrophen vorübergehen, verwandeln sich, auch nach langen Jahren, und tragen Rosen. Die Welt blüht auf. Weihnachten kann kommen. Hier sind die ersten drei Strophen:

Maria durch ’nen Dornenwald ging

1. Maria durch ’nen Dornenwald ging

Kyrieleison.

Maria durch ’nen Dornenwald ging,

Der hat in sieben Jahren kein Laub getragen!

Jesus und Maria!

 

2. Was trug Maria unter ihrem Herzen?

Kyrieleison.

Ein kleines Kindlein ohne Schmerzen,

Das trug Maria unter ihrem Herzen!

Jesus und Maria!

 

3. Da haben die Dornen Rosen getragen,

Kyrieleison.

Als das Kindlein durch den Wald getragen! –

Da haben die Dornen Rosen getragen!

Jesus und Maria!

 

In der Bibel kommt er häufig vor, der Gedanke, dass Gott aus Totem Neues entstehen lässt, zum Beispiel das Symbol der Dornenkrone Christi, die sich in der Auferweckung in eine Siegeskrone verwandelt.

Bei der Vorbereitung auf die Führung wurde mir plötzlich bewusst, wo überall in unserer Kirche Rosen zusehen sind, manchmal mit, manchmal ohne Dornen: Eine Madonna ist mit Rosenkrone zu sehen oder Rosen in einer Vase im Zimmer der Maria.

Eine Kirche  im Kerzenschein

Adventsführung in  St. Jakob

Adventsführung in St. Jakob

Man muss selbst dabei gewesen sein, um die Stimmung einer solchen Abendführung zu erleben: Der weite Raum der St.-Jakobs-Kirche wurde auch am Freitagabend durch rund 350 Teelichter in ein stimmungsvolles Licht getaucht. Vielleicht konnten wir auf diese Weise wieder etwas von der Stimmung herbeiholen, die früher in einer Kirche herrschte, als es noch kein elektrisches Licht gab, und wie früher die Menschen den Kirchenraum empfanden. St. Jakob hat ja besonders schöne Pfeilerfiguren: Im flackernden Kerzenlicht scheinen sie sich zu bewegen als ob sie lebendig seien. Vier oder fünf Bilder ließen wir bei der Führung aus dem Halbdunkel mit einer besonderen Beleuchtung hervortreten, zum Beispiel dieses vom Besuch der Maria, der Mutter Jesu, bei Elisabeth:

Maria und Elisabeth

Nach einem langen Weg, begleitet von Joseph, kommt Maria bei ihrer Verwandten, Elisabeth an. Diese freut sich so sehr, dass sie ihr aus dem Haus entgegenläuft. Beide Frauen begrüßen einander. Wer es genauer nachlesen möchte, findet den Bibeltext im Lukasevangelium 1,39-45.

Orgelklänge aus dem Dunkel

Während der Führung erzählen wir die Botschaft der Altarbilder und verweben sie mit Poesie und Musik. Juliane Dehner war an diesem Tag Leserin. Ihre Stimme strahlt eine große Freude aus, wenn sie den Bibeltext, einen poetischen Text liest oder das Lied von Maria im Dornwald singt. Danach spielte unser Kirchenmusikdirektor Ulrich Knörr eine freie Improvisation auf der Orgel. Immer wieder einmal ließ er das Motiv des Liedes aufklingen. Während der Führung lassen wir alle uns ansprechen vom Kirchenraum, von der Klangvielfalt der Rieger-Orgel, von den Farben der Bilder und wir nehmen auch die Stimmung der Menschen auf.

 

Hauptschiff von St. Jakob

Hauptschiff von St. Jakob

An den kommenden Freitagen wird es wieder um 17 Uhr eine musikalische Führung zu Adventsliedern geben. Jede und jeder darf einer solchen Führung teilnehmen, egal was man glaubt und was einen bewegt. Man kann im Schutz des dunklen Kirchenschiffes sitzen bleiben oder umhergehen, früher wieder die Kirche verlassen oder länger bleiben. Manchmal ergeben sich noch Gespräche bevor wir die Kerzen wieder löschen.

Übrigens dürfen sich die musikalischen Nachführungen zu den hundert besonderen Zielen christlicher Reisen zählen. Christian Antz und Karin Bergemann haben darüber ein Buch veröffentlicht: 100 spirituelle Tankstellen. Reisen zu christlichen Zielen, Herder Verlag, Freiburg 2013.

 

Oliver Gußmann

In Rothenburg bin ich Touristen- und Pilgerpfarrer an St. Jakob. Das ist die große, an Kunstschätzen reiche evangelische Kirche mit den Doppeltürmen mitten in Rothenburg! Meine Aufgabe ist es, die Kirchen Rothenburgs Gästen und Touristen aus der ganzen Welt bekannt zu machen. Die zahlreichen Gotteshäuser des gotischen Rothenburgs erzählen mit Bildern und Symbolen vom Glauben, der Liebe und der Hoffnung unserer Vorfahren; sie berichten vom Sterben und Auferstehen, von Hingabe und Erlösung. Bei meiner Arbeit hilft mir ein Kirchenführer-Team. Außerdem traue ich Hochzeitspaare, mache Nachtkirchenführungen und vieles mehr. Gerne führe ich durch das jüdische Rothenburg oder biete für Kinder und Jugendliche kirchenpädagogische Führungen an. Für die Jakobuswege, von denen sich einige in Rothenburg kreuzen, bin ich der Ansprechpartner. Mir liegt eine gesunde Umwelt am Herzen. Darum fahre ich ein "Velomobil" - eine Mischung zwischen Seifenkiste und Rennauto. Wenn Sie so etwas in Rothenburg stehen sehen, bin ich sicher nicht weit entfernt! Mehr über meine Arbeit: www.rothenburgtauber-evangelisch.de/tourismus

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