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Rothenburger Sehenswürdigkeiten für Fortgeschrittene – Die Altstadt auf den zweiten Blick

Die Fortsetzung von Rothenburg auf die Schnelle.

Nachdem ich mich in einem meiner letzten Beiträge darauf konzentriert habe, was während eines kurzen Aufenthaltes in der mittelalterlichen Altstadt in 3-4 Stunden zu schaffen ist, möchte ich nun tiefer einsteigen und hier etwas zeitintensivere Sehenswürdigkeiten vorstellen. Von dem Motto „In der Kürze liegt die Würze“ hin zu „Eile mit Weile“.

Bietet diese fränkische Kleinstadt genug für einen Tagesausflug oder gar eine mehrtägige Städtereise?

Die Antwort ist eindeutig „JA“, denn für die folgenden Sehenswürdigkeiten sollten Sie jeweils 1-2 Stunden, oder im Falle der Museen bei großem Interesse sogar mehr einplanen.

Ob Regen oder Sonnenschein, diese Attraktionen können Sie bei jedem Wetter besuchen. Allerdings gilt es die Öffnungszeiten bzw. Führungszeiten zu beachten. Diese finden Sie auf den jeweiligen Internetseiten, die ich im Text verlinkt habe.

Die größte Sehenswürdigkeit – Nicht nur was für Kirchgänger!

St.-Jakobs-Kirche und Rathausturm - ©Rothenburg Tourismus Service

St.-Jakobs-Kirche und Rathausturm – ©Rothenburg Tourismus Service

Die St.-Jakobs-Kirche befindet sich mitten in der Altstadt, in direkter Nachbarschaft zum Marktplatz mit dem Rathaus und dessen markantem schlanken weißen Turm. Die mächtigen Kirchtürme, mit den elegant durchbrochenen Turmspitzen, sind nicht zu übersehen und prägen nun schon seit über 600 Jahren das Erscheinungsbild des Fränkischen Jerusalems, wie Rothenburg ob der Tauber auch genannt wurde.  Im Mittelalter war diese Kirche, mit der darin befindlichen Heiligblut-Reliquie, von großer Bedeutung für unzählige Pilger. Heute ziehen eher der Bau selbst und der für die Reliquie geschaffene Heilig-Blut-Altar von Tilman Riemenschneider die Besucher an.

Heilig-Blut-Altar in der St.-Jakobs-Kirche

Heilig-Blut-Altar in der St.-Jakobs-Kirche

Diese komplett im gotischen Baustil errichtete Kathedrale ist für mich auch immer wieder sehr beeindruckend und nicht allein der Ausmaße wegen eine der Sehenswürdigkeiten der Stadt, vielleicht auch die Größte. Alleine die blanken Zahlen flößen mir tiefen Respekt ein.

Bauzeit: Baubeginn 1311 / Weihe 1485 = 174 Jahre

Höhe der Türme: 58,20 (Nordturm) / 55,80 (Südturm) Meter – Länge: 80,75 Meter – Breite: 22 Meter

Zahlende Besucher pro Jahr: ca. 140.000 (Stand 2014)

Ja, Sie haben richtig gelesen. „Zahlende Besucher“. Die Besichtigung kostet Eintritt. Dieser Umstand, übrigens seit 1906, ist für viele erst einmal irritierend und leider häufig auch Grund genug, sich die Sankt Jakobs Kirche nicht genauer anzusehen. Allerdings sind die Unterhaltskosten enorm hoch und die Zahl der Gemeindemitglieder sowie die finanziellen Mittel im Vergleich dazu recht überschaubar. Daher diese ungewöhnliche Entscheidung der Kirchengemeinde eine Besichtigungsgebühr zu verlangen. Doch Sie bekommen auch jede Menge für Ihr Geld. Nicht nur jede Menge Kultur, sondern auch noch während der Saison täglich zwei Kirchenführungen.

Herlin Altar in der St. Jakobs Kriche ©Rothenburg-Tourismus-Service

Herlin Altar in der St. Jakobs Kriche ©Rothenburg-Tourismus-Service

Um 11:00 und 14:30 werden die verschiedenen Sehenswürdigkeiten während der ca. einstündigen Führung kompetent erklärt. Das ist absolut empfehlenswert, denn sonst entgehen einem leicht die vielen Details und Hintergründe. Es gibt einfach viel zu erzählen und auch Anekdoten zu schreiben. So hat einer meiner Kollegen seine Erlebnisse als Kirchenführer in einem Buch mit dem Titel „Wo geht es denn hier zum Romy Schneider Altar“ veröffentlicht. Kaum zu glauben, aber wahr. Da hat mal jemand Tilman Riemenschneider mit der Schauspielerin verwechselt. Außerhalb der Führungszeiten können Sie sich einen Audioguide an der Kasse leihen und sich intensiv mit St. Jakob beschäftigen. Für die ganz Eiligen gibt es einen kostenlosen Kurzführer, doch wird Ihnen dann wahrscheinlich eine der ältesten Darstellungen nördlich der Alpen im Hauptalter ebenso entgehen wie der versteckte zwölfte Jünger im Heilig-Blut-Altar.

Etwas mehr Zeit sollten Sie einplanen wenn Sie beim Mittelalterlichen Kriminalmuseum vorbeischauen wollen.

„Rothenburger Folterkammer“ – Ganz weit vorn in Deutschland!

Innenhof des Mittelalterlichen Kriminalmuseums in Rothenburg

Innenhof des Mittelalterlichen Kriminalmuseums in Rothenburg

Da sind Sie in 30 Minuten nicht durch. Wie auch, wo es doch um einen umfassenden Einblick in die Entwicklung unseres Rechts- und Justizsystems geht. Mindestens eine Stunde empfehle ich als Besuchszeit, wenn Sie sich nur einen Überblick verschaffen wollen. Sie können aber auch viele Stunden in der Ausstellung zubringen. Schließlich handelt es sich um eines der bedeutendsten Rechtskundemuseen in ganz Europa. Manche nennen diese Sammlung mit ca. 50.000 Exponaten auch einfach nur kurz „Foltermuseum“.

Zeichnung der Nürnberger Folterkellerausstellung aus dem 19. Jh. - im Hintergrund die Eiserne Jungfrau

Zeichnung der Nürnberger Folterkellerausstellung aus dem 19. Jh. – im Hintergrund die Eiserne Jungfrau

Vielleicht, weil die Ausstellung der Folterinstrumente und die damit verbundene Vorstellung besonders einprägsam ist. So sehr, dass es ein unvergessliches Erlebnis wird, von dem viele noch Jahrzehnte später erzählen, wenn sie mal wieder nach Rothenburg kommen. Oder weil das Mittelalterliche Kriminalmuseum seinen Anfang als private Sammlung mit dem Namen „Rothenburger Folterkammer“ nahm. Damals befand sich die Ausstellung allerdings noch im heutigen Burghotel. Erst seit 1977 befindet es sich im ehemaligen Johanniterkloster in der Burggasse 3.

Ehemaliges Johanniterkloster - Garten und Außenanlagen - Copyright: Markus Hirte

Ehemaliges Johanniterkloster – Garten und Außenanlagen – Copyright: Markus Hirte

Zugegeben, dieses Thema und die Ausstellungsstücke sind keine leichte Kost, trotzdem ist es das meistbesuchte Museum in Rothenburg. Aber es gibt ja zum Glück genügend Alternativen für Gäste, die es lieber etwas romantischer mögen.

Es weihnachtet sehr – auch bei 30 Grad im Schatten!

Copyright:  Deutsches Weihnachtsmuseum Rothenburg ob der Tauber

Copyright: Deutsches Weihnachtsmuseum Rothenburg ob der Tauber

Eine dieser Alternativen befindet sich nur zwei Ecken weiter. In der Gunst des Publikums ist auch dieses Museum ganz weit oben und das ganz zu Recht. Wenn auch noch relativ neu in der Liste der Sehenswürdigkeiten der mittelalterlichen Stadt, so ist es doch seit seiner Eröffnung im Jahre 2000 zu einer festen Größe unter den Attraktionen geworden. Nicht nur während der Adventszeit, sondern das ganze Jahr hindurch ist Weihnachten ein Thema in Rothenburg ob der Tauber. Dafür hat die Firma Käthe Wohlfahrt mit ihren weltberühmten Weihnachtsläden gesorgt. In einem dieser Weihnachtsläden und zwar dem größten, dem Weihnachtsdorf in der Herrngasse, befindet sich im Obergeschoss das Deutsche Weihnachtsmuseum.

 Der Museumseingang - Copyright: : Deutsches Weihnachtsmuseum

Der Museumseingang – Copyright: : Deutsches Weihnachtsmuseum

Der Eingang zum Museum befindet sich innerhalb des Weihnachtsdorfes und ist sehr leicht zu finden, wenn man denn will. Allerdings vermute ich, dass einige die nach dem Museum fragen gar nicht ins Museum wollen, sondern es eher um den Laden geht. „Ich möchte unbedingt noch ins Weihnachtsmuseum.“ hört sich einfach besser an als „Ich möchte unbedingt noch in den Weihnachtsladen“.

Das halte ich jedoch für einen Fehler, denn um das „Fest der Liebe“, das Christkind, den Weihnachtsmann, Sankt Nikolaus, den Weihnachtsbaum samt des gesamten Schmucks und Brauchtums gibt es so viel Wissenswertes. Schon allein die Frage seit wann wir Weihnachten Ende Dezember feiern und warum, können wahrscheinlich die wenigsten beantworten. Diese und noch viele andere Fragen werden im Museum beantwortet. Übrigens ist ein Besuch im Deutschen Weihnachtsmuseum bei 30 Grad im Schatten gar keine so schlechte Idee wie es sich vielleicht anhört. Denn erstens gibt es natürlich eine Klimaanlage und zweitens ist es bei weitem nicht so voll wie während der Adventszeit. Es ist also zu jeder Jahreszeit einen Besuch wert.

Weihnachtsmann - Copyright: Deutsches Weihnachtsmuseum

Weihnachtsmann – Copyright: Deutsches Weihnachtsmuseum

Übrigens hat das Museum den Antrag gestellt, die Weihnachtlichen Gabenbringer als immaterielles Kulturerbe in Deutschland in das Verzeichnis der UNESCO aufzunehmen. Bei Interesse können Sie den Antrag auf der Internetseite www.weihnachtsmuseum.de unterstützen.

 

Wenn Sie jetzt denken, „Das ist ja alles an einem Tag gar nicht zu schaffen“ haben Sie absolut Recht. Aber auch dafür ist gesorgt und gibt es in Rothenburg natürlich jede Menge ausgezeichnete Hotels, Pensionen, Ferienwohnungen, eine Jugendherberge und ein Online-Buchungssystem der Stadt. Übrigens liegen nicht nur sehr viele dieser Unterkünfte in bzw. um die Altstadt, sondern haben auch ausgezeichnete Bewertungen auf den verschiedenen Buchungsportalen.

Nun hat unsere romantische mittelalterliche Altstadt nicht annähernd eine solche Bar- und Nachtclubdichte wie Ibiza oder Ballermann zu bieten, trotzdem ist natürlich auch am Abend etwas in der Stadt geboten.

Ein Grund etwas länger zu bleiben!

Eine der Institutionen in unserer schönen Stadt ist der Rothenburger NachtwächterRothenburger Nachtwächter, Portrait An (fast) jedem Abend findet ein öffentlicher Rundgang statt, bei dem sich jeder anschließen darf. Natürlich wird dafür ein kleiner Obolus (6,- Euro) fällig, denn auch Nachtwächter leben nicht von Luft und Liebe alleine. Am besten findet man sich bis um 21:30 (auf Englisch um 20:00) Uhr am Marktplatz ein, denn dort beginnt der Rundgang. Auf unterhaltsame und gleichzeitig informative Art wird sowohl die Stadtgeschichte, als auch dieser unehrbare Beruf vorgestellt. Wie in der (nicht so) guten alten Zeit geht der Nachtwächter seine Runde bei jedem Wind & Wetter. Dann allerdings mit weit weniger Gästen als an schönen Abenden. Da sind es nicht selten 100 Gäste oder mehr die dem nächtlichen Rufer lauschen. Das funktioniert übrigens erstaunlich gut, denn der Lärm und Verkehr ist dann fast gänzlich verschwunden. Ein gemütlicher Spaziergang durch die stimmungsvoll beleuchteten Gassen der Altstadt sind für mich die schönsten Stunden, die man in Rothenburg verbringen kann. So ist es auch nicht verwunderlich, dass diese Aktivität bei Tripadvisor direkt nach Altstadt und Stadtmauer an dritter Stelle kommt (Stand: Sep. 2015).

Nachtwächter - ©Rothenburg Tourismus Service, W. Pfitzinger, Exkl

Nachtwächter – ©Rothenburg Tourismus Service, W. Pfitzinger, Exkl

Das Ganze noch garniert mit einem Gläschen Frankenwein in einer unserer gemütlichen Weinstuben krönt den Besuch und schon fühlt man sich wie Gott in FRANKEN.

Klein kann ganz schön groß sein!

„Der Schein trügt!“ zumindest im Falle von Rothenburg ob der Tauber. Unsere im Vergleich zu anderen Städten, so kleine Stadt mit gerademal ca. 11.000 Einwohnern hat viel mehr zu bieten als die Meisten denken. Es ist auch bei weitem nicht so überlaufen wie angenommen wird. Vor allem nicht abseits des Marktplatzes wie zum Beispiel entlang des Turmweges, an den Orten der Stille und am Abend. Was mich an dieser Stadt so begeistert ist, die enorme Dichte und Vielfalt von großen und kleinen Sehenswürdigkeiten auf einer relativ geringen Fläche. Klein kann manchmal ganz schön groß sein.

Vielleicht sehen wir uns ja mal auf einem meiner abendlichen Gänge durch die Stadt als Nachtwächter. Allerdings bin ich zumeist mit kleinen privaten Gruppen unterwegs, das ist romantischer. Kommen Sie doch mal vorbei, wenn Ihnen der Sinn danach steht.

Rothenburger Nachtwächter - H.Ernst Copyright: H.Ernst

Rothenburger Nachtwächter – H.Ernst
Copyright: H.Ernst

Harald Ernst

Bin ich ein Rothenburger? JAIN! Meine Wurzeln liegen nur 15 km von Rothenburg entfernt. Brettheim, früher ein Teil des Stadtgebietes der Reichsstadt mit ca. 180 Dörfern, liegt heute in einem anderen Bundesland (BW). Das erklärt, weshalb ich mich als Rothenburger fühle, inzwischen auch in der Altstadt lebe, aber nicht wie ein Rothenburger klinge. Ich bin ein Hohenloher mit entsprechendem Dialekt (wenn ich will oder darf) und habe mich während meines Zivildienstes (1990/91) in der Jugendherberge in die Stadt verliebt. Außerdem habe ich mich durch die Gäste aus aller Welt inspirieren lassen und das Reisen für mich entdeckt. Menschen, Länder, Abenteuer lassen mich immer wieder meine Koffer packen. Doch genauso gerne kehre ich immer wieder zurück in diese besonders schöne Stadt. Aus Hobby wurde Beruf. Bereits 1993 kam ich zur Gästeführerei. Im Jahr 2000 habe ich mit einem Freund ein Reiseunternehmen gegründet und bin seit dem selbstständiger Stadtführer, Reiseleiter und Driverguide für Gäste aus aller Welt im In- und Ausland. Doch mein Schwerpunkt ist und bleibt Rothenburg ob der Tauber. Hier kenne ich mich am besten aus. Hier bin ich Zuhause.

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WGFT 2014 – Sonderführungen zum Thema „Feuer und Flamme“

Der Weltgästeführertag (WGFT) ist immer am 21.2. jeden Jahres. Die Gästeführer in Deutschland (Bundesverband der Deutschen Gästeführer – BVGD) haben sich darauf geeinigt die Veranstaltungen in den einzelnen Städten unter ein wechselndes gemeinsames Motto zu stellen. So kam es, dass wir in Rothenburg dieses Jahr „Feuer und Flamme“ waren und 17 kostenlose Sonderführungen anboten. Den Auftakt machte ich mit einem Kollegen als Nachtwächter unter dem Titel. Vom Funke zur Flamme  – Fackelwanderung für Groß und Klein. So war es dann auch. Es fanden sich Große und auch viele Kleine (Junge) am Parkplatz Essigkrug ein. Ein wunderbarer Abend war es ohnehin, aber als dann auch noch ca. 50 Fackeln entzündet wurden, war es eine ganz besonders schöne Stimmung. Nach ein paar Worten erklärenden Worten zum Namen und Ort „Essigkrug“ und auf welch unterschiedliche Arten man Feuer machen bzw. wie Feuer entstehen kann, kam plötzlich ein 2 Nachtwächter des Weges. Stefan, mein Kollege hatte sich verlaufen. Zumindest tat er so, denn bei einer Fackelwanderung für Groß und Klein wollten wir nicht zu ernsthaft sein. Ich spielte also den alten erfahrenen Nachtwächter und Stefan den Jungnachtwächter. Auf unserem Weg über das Gelände der Tagungsstätte Wildbad, hinunter zur Tauber und dann, vorbei an der Doppelbrücke, zurück in die Altstadt, machten wir immer wieder halt und gaben die ein oder andere Geschichte und Info zum Besten. So zum Beispiel, dass die Doppelbrücke nicht Doppelbrücke heißt, weil jetzt der Nachtwächter gleich doppelt da ist, sondern weil die mächtige Steinbrücke von 1330 aus 2 Bogenreihen übereinander gebaut wurde. Also eine doppelte Bogenreihe. Diese ist eines der vielen markanten Bauwerke der Stadt. Dazu gibt es auch einen schönen alten Vers. Zwei Türme ohne Dach, eine Mühle ohne Bach, eine Brücke gegen den Rain (Abhang), muss das Wahrzeichen Rothenburgs sein. Zum Abschluss gingen wir noch in die Jugendherberge, wo uns der Herbergsvater Nico Mahn die Türen zu einer weiteren Sehenswürdigkeit öffnete, die sonst nicht so einfach zugänglich ist. Der alte Brotbackofen im ehemaligen Wirtschaftshaus des Spitals. Heute ein Teil der Jugendherberge. Dazu noch Glühwein und wer wollte konnte noch einen fantastischen Ausblick über die Dächer der Stadt vom Hauptgebäude der Jugendherberge, der alten Roßmühle, werfen. Ein gelungener Auftakt. JH Rothenburg Rossmühle

Am Sonntag ging es dann so richtig los. 4 Sonderführungen zum Motto „Feuer und Flamme“ und jede davon 4 mal. Also 16 kostenlose Sonderführungen wie auch im Jahr 2013. Super interessante Themen, wie die Geschichte der Brandbekämpfung, des Schmiedehandwerks, Feuer-Phänomene in der christlichen Kunst und nicht zuletzt Kochen am offenen Feuer. Das hörte sich so an, als ob es da etwas zu Essen gäbe und so war es dann auch. Ich also mitten drin und weil ich mich weder entscheiden konnte noch wollte, habe ich einfach an allen Führungen teilgenommen.

WGFT2014-Hr.Gussmann

Zuerst einmal in die Kirche und zwar gleich unsere Größte. St. Jakob. Es war ja schließlich Sonntag. Herr Gußmann machte eine tolle Führung und hatte die Aufmerksamkeit der Zuhörer gleich zu Anfang, als er sehr lebhaft schilderte, welch dramatische Wirkung es wohl noch heute auf die Menschen haben würde, wenn man wie damals brennende Feuerstücke durch das Heilig Geistloch in der Kirchendecke zu Pfingsten werfen würde. Die Sinnbildmachung des Pfingstwunders, bei dem der Heilige Geist die Apostel erleuchtet oder entflammt. Ein Wunder mit Feuer und Flamme. So sprechen wir noch heute vom „entflammt sein“ oder von der „Erleuchtung“. So spielt das Licht, auch in Form von Kerzen eine große Rolle in der christlichen Kirche. Eine Kerze gibt sich in Wärme und Licht hin. Wieder ein Sinnbild. So gibt es unglaublich viele Kerzen in der Kirche. Nicht nur zahlenmäßig, sondern auch von ihrem Namen bzw. Sinn wie zum Beispiel Osterkerzen, Taufkerzen, Adventskerzen. Kerzen wie wir sie kennen, gibt es übrigens seit ca. 1000 Jahren. Auch das wusste Herr Gußmann zu berichten. Nun hier noch kein kleines Rätsel zum Abschluss. Für was ist dieses seltsame Gerät? Oder besser was kann man damit machen?

Was ist das?

Was ist das?

Nun aber schnell weiter. Inzwischen war es 13:00 Uhr und damit für mich die passende Zeit um vielleicht auf der Führung „Kochen am offenen Feuer“ etwas zu Essen zu bekommen. Passender weise hatten sich meine Kolleginnen Frau Däschner und Frau Rohn eine er ältesten Klosterküchen in Deutschland für ihr Thema ausgesucht. Diese befindet sich in unserem Reichsstadtmuseum und war einer der vielen Schätze von Rothenburg den ich heute noch intensiver kennen lernen durfte. So erfuhr ich zum Beispiel, dass früher nicht auf oder über dem Feuer gekocht wurde, sondern daneben. In Töpfen aus Ton, die neben das Feuer gestellt wurden, köchelte das Essen Stundenlang vor sich hin. Die Slowfoodbewegung gab es also bereits im Mittelalter, dachte ich mir. Ich machte auch noch weitere Entdeckungen. Es gab bereits im Mittelalter eine Wegwerfgesellschaft. So mussten diese Tontöpfe die zum Kochen verwendet wurden, bevor man diese in späterer Zeit innen glasierte, recht schnell ausgetauscht werden, da die Töpfe nicht ausgewaschen werden konnten. Also Wegwerftöpfe zu günstigen Preisen. Ein ähnliches Schicksal ereilte Teile des Essgeschirrs. Die zumeist aus Holz gefertigten Teller und Löffel wanderten wohl am Ende ihres Daseins als Brennmaterial direkt ins offene Feuer. Thermisches Recycling schon damals. Das war aber nicht die letzte Überraschung in der mittelalterlichen Küche. Technisch auf dem neusten Stand gab es wahrscheinlich auch in diesem Gourmettempel einen durch Warmluft betriebenen Drehspieß für das Brathähnchen. Unglaublich was es da alles zu erfahren gab. Zu guter Letzt gab es dann wirklich einige Kostproben nach uralten Rezepten und es wurde uns in speziellen Trinkbechern kein reiner Wein, sondern typischer warmer Gewürzwein, eingeschenkt.

Nach diesen leckeren Happen fühlte ich mich gestärkt und bereit für ein echt heißes Thema. Die Schmiedekunst. Karin Bierstedt und Ruth Pianka warteten am Eingang zum Kriminalmuseum. Was hätten all die Folterknechte wohl früher gemacht ohne die Schmiede. Glühende Zangen aus Holz?  Naja, irgendwie wäre es dann doch gegangen. Die Menschen war schon immer sehr einfallsreich wenn es darum ging anderen weh zu tun. Trotzdem, wo wie wir in einer Stadt überall Dinge aus Metall finden die von jemandem hergestellt wurden. Türangeln, Türklinken, Türglocken, Schuhabstreifer, Fensterladenhalter und nicht zuletzt die wunderschönen Schilder (Ausleger) an vielen Häusern, die heute noch ein Kunstschmied in Rothenburg auf Bestellung anfertigen kann. Seit ca. 5000 Jahren gibt es die Schmiedekunst, seit ca. 2500 Jahren stellen Schmiede Handwerkszeuge her und Ausleger wurden vor allem im Mittelalter genutzt. Der älteste Ausleger in Rothenburg ist ca. 300 Jahre alt und gehört der Gaststätte Butz. Wir haben aber auch noch eine andere Schmiedin in der Stadt und zwar in der Schmiedgasse. Frau Korn ist Meisterin der Goldschmiedekunst und nahm auch an der Führung teil. Anders als man vielleicht vermuten könnte findet sich kein Amboss im Zunftzeichen der Schmiede, sondern eine Zange, Hammer und eine Schlange bzw. Salamander. Wohl ein Feuersalamander, dachte ich mir, denn ohne Feuer geht bei einem Schmied gar nichts.

Dieses war die 3 Führung und die 4. folgte sogleich. Thema: „Die Geschichte der Brände und Brandbekämpfung in Rothenburg“. Auf diese Führung war ich ganz besonders gespannt, denn ich wusste wie viele Stunden mein Kollege Daniel Weber dafür im Archiv gesessen ist. Dazu noch das Fachwissen von Claudia Koller-Lindner, die sehr gute Kontakte zur Rothenburger Freiwilligen Feuerwehr hat. Übrigens mit ihrer Gründung im Jahre 1854 eine der ältesten FFW in Bayern. Dass die Brandbekämpfung in einer mittelalterlichen Stadt auch heute noch eine große Rolle spielt dürfte jedem klar sein, der sich in der Stadt umschaut. Enge Gassen und immer noch sehr viele Fachwerkhäuser. Deutlich auch zu sehen, dass die Häuser früher immer mit einem kleinen Zwischenraum nebeneinander gebaut wurden. Somit war es möglich diese mit langen Stangen (ca. 5 Meter) im Brandfall abzureißen um eine Ausdehnung des Feuers zu verhindern. Es musste schnell gehen, deshalb gab es auch in jeder Stadt Türmer und Nachtwächter als Brandmelder. Zusätzlich genaue Vorschriften wer, wo und wie bei einem Feuer in der Stadt zum Einsatz kam. So waren die Bauhandwerker für das Niederlegen (Abreißen) des Hauses verantwortlich, jeder Bürger war verpflichtet 2 Ledereimer zu besitzen und es wurde bestimmt, wer mit Kutschen oder Karren und Fässern oder Ähnlichem für die Herbeischaffung des Wassers zu sorgen hatte. Ohne Wasser kein Löschen. So einfach war das Früher und so einfach ist das heute noch. Oder eben nicht. Denn woher kommt ausreichend Wasser. Früher gab es dazu so genannte Wethen. Diese findet der aufmerksame Beobachter heute noch in Gassennamen (Klosterweth, Schlegleinsweth) und ansatzweise in baulicher Form. So zum Beispiel im Spital. Auch heute noch hat die FFW von Rothenburg an 5 Stellen in der Altstadt unterirdische Wasserreservoirs. Die Gruppe staunte nicht schlecht, als ich für meinen Kollegen eines dieser Wassersammelbecken vor den Füssen der Zuhörer öffnete.

Ein echter Hingucker und ein voller Erfolg.  Genauso wie diese Führung und die gesamte Veranstaltung. Diese ganzen Führungen und dann auch noch eine tolle Ausstellung der Freiwilligen Feuerwehr im alten Feuerwehrgewölbe, dass übrigens von der Rothenburger FFW noch bis in die 70er Jahre genutzt wurde und zum Abschluss eine Übung auf dem Marktplatz.

Nicht nur ich habe wieder viel Neues erfahren und hinter sonst verschlossene Türen oder besser Gullideckel geschaut, sondern auch noch viele andere. Sowohl Einheimische wie auch Gäste haben das Angebot gern und reichlich angenommen. Insgesamt hatten wir an den verschiedenen Veranstaltungen 660 Teilnehmer die uns über 1000,- Euro für unser diesjähriges Projekt gespendet haben. Wir, der Verein der Rothenburger Gästeführer, möchten eine Informationstafel über die alte Stauferburg im Burggarten aufstellen und mit Hilfe der Stadt und dem Verkehrsverein wird uns das nun auch gelingen. Vielen vielen Dank an alle die dies möglich gemacht haben und ich freue mich schon auf 2015. Da wird es wahrscheinlich, hoffentlich wieder um den 21. Februar zum Weltgästeführertag interessante und einmalige kostenlose Sonderführungen geben.

Harald Ernst

Bin ich ein Rothenburger? JAIN! Meine Wurzeln liegen nur 15 km von Rothenburg entfernt. Brettheim, früher ein Teil des Stadtgebietes der Reichsstadt mit ca. 180 Dörfern, liegt heute in einem anderen Bundesland (BW). Das erklärt, weshalb ich mich als Rothenburger fühle, inzwischen auch in der Altstadt lebe, aber nicht wie ein Rothenburger klinge. Ich bin ein Hohenloher mit entsprechendem Dialekt (wenn ich will oder darf) und habe mich während meines Zivildienstes (1990/91) in der Jugendherberge in die Stadt verliebt. Außerdem habe ich mich durch die Gäste aus aller Welt inspirieren lassen und das Reisen für mich entdeckt. Menschen, Länder, Abenteuer lassen mich immer wieder meine Koffer packen. Doch genauso gerne kehre ich immer wieder zurück in diese besonders schöne Stadt. Aus Hobby wurde Beruf. Bereits 1993 kam ich zur Gästeführerei. Im Jahr 2000 habe ich mit einem Freund ein Reiseunternehmen gegründet und bin seit dem selbstständiger Stadtführer, Reiseleiter und Driverguide für Gäste aus aller Welt im In- und Ausland. Doch mein Schwerpunkt ist und bleibt Rothenburg ob der Tauber. Hier kenne ich mich am besten aus. Hier bin ich Zuhause.

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