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Luther und die Hexen: einfach magisch

Geschichte wird geschrieben…

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Hier sollen die 95 Thesen angenagelt worden sein: Das Tor der Schlosskirche zu Wittenberg.

1517. Eine junge Universitätsstadt im heutigen Sachsen-Anhalt. Eine aufgeregte Menge auf dem Schlossplatz. Ein nicht mehr ganz junger Doktor der Theologie nähert sich entschlossen dem großen Tor der Schlosskirche. Die Menge hält den Atem an. Lautes Hämmern. Dann bricht lauter Jubel aus.

Martin Luther hat soeben mit dem Anschlag der 95 Thesen an der Wittenberger Schlosskirche den unaufhaltsamen Beginn der Reformation initiiert.

Ob es tatsächlich einen solchen Thesenanschlag gegeben hat? Aus heutiger Sicht ist dies mehr als zweifelhaft. Trotzdem gilt das Bild des Thesenanschlags bis heute als das Symbol der Reformation.

Am 31. Oktober 2017 wird sich der Beginn der Reformation zum 500. Mal jähren. In Erwartung des großen Jubiläums begann schon 2008 die sogenannte Lutherdekade mit den verschiedensten Veranstaltungen und Feiern.

 

Die Reformation schlägt Wellen… bis nach Rothenburg

Auch Rothenburg hat eine bewegte reformatorische Vergangenheit. Schon in den 1520ern, wenige Jahre nach dem Thesenanschlag Martin Luthers, gab es erste Reformationsversuche in Rothenburg, die mit dem Bauernkrieg aber (zum Teil blutig) niedergeschlagen wurden.

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Johannes Hornburg wurde 1539 erstmals Bürgermeister von Rothenburg.

1544 gelang es dann dem Ratsherren Johannes Hornburg mit Hilfe anderer Ratsmitglieder, die Reformation in Rothenburg zu initiieren und durchzuführen. Hornburg hatte in Wittenberg studiert und dort auch Luther persönlich kennengelernt und dessen Vorlesungen gehört.

Rothenburg kann also als Stadt mit langer evangelisch-lutherischer Geschichte betrachtet werden. Daher ist es nicht verwunderlich, dass auch Rothenburg verschiedene Beiträge zur Lutherdekade bietet.

So erinnert das Mittelalterliche Kriminalmuseum Rothenburg an den Reformator und das Jubiläum der Reformation mit einer Sonderausstellung.

 

 

Martin Luthers Leben und Wirken aus rechtshistorischer Sicht

„Mit dem Schwert oder festem Glauben – Luther und die Hexen“, so der Titel der großen, dreijährigen Sonderausstellung des Kriminalmuseums zur Lutherdekade. Entsprechend der Ausrichtung des Museums fällt ein besonderer Fokus auf das Gebiet der Rechtsgeschichte: das düstere Kapitel des Hexenwahns wird aufgeschlagen. Bei der Hexenthematik handelt es sich um einen Aspekt, der mit Leben und Wirken Luthers untrennbar verknüpft ist. Martin Luther lebte zu einer Zeit wachsender Hexenangst. Für Luther bestand wie für die meisten seiner Zeitgenossen kein Zweifel an der Existenz von Hexen und deren (schändlichem) Einfluss auf Land und Leute. Daher ist es nicht verwunderlich, dass sich Luther auch zu diesem Thema äußerte. Jedoch war sein Umgang mit den Hexen von Widersprüchen geprägt. Forderte er an einem Tag noch die strikte Verfolgung und Bestrafung, rief er am anderen schon dazu auf, mit Hexen und deren Taten milde umzugehen, sie im christlichen Sinne hinzunehmen. Wollte er einmal „Der Erste sein, der Feuer an sie legt“, riet er beim anderen Mal zu Milde bei einem Einzelfall.

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Als Francisco de Goya 1799 seine Linda Maestra schuf, hatte der Hexenwahn bereits ein Ende gefunden.

Luther zeigte sich die Hexenfrage betreffend also auffällig doppelgesichtig. Um diesen Charakterzug Martin Luthers und auch viele andere seiner Aussagen und Taten nachvollziehen zu können, ist es unerlässlich, seine bewegte Biographie zu betrachten. Zugleich sollte man sich auch die Welt vor Augen halten, in der Martin Luther lebte, und die Schauplatz schwerwiegender Erschütterungen war.

Deswegen wird in der Ausstellung nicht nur Luthers Leben geschildert, sondern auch ein Blick auf das damalige Zeitgeschehen geworfen. Es werden die Bedingungen beleuchtet, unter denen die Menschen gelebt haben. Faktoren wie (Religions-)kriege, Epidemien wie die Pest und sogar eine „kleine Eiszeit“ helfen zu erklären, wie der Hexenaberglaube derart gewaltige Ausmaße annehmen konnte.

 

Rothenburg: das Hexenparadies?

Die Sonderausstellung widmet sich auch der Reformation und Hexenverfolgung in Franken und Rothenburg. Tatsächlich gab es in Rothenburg insgesamt nur drei Hexereiprozesse, von denen auch nur zwei zu einer Todesstrafe führten. Diese Anzahl ist erstaunlich gering verglichen mit den hohen Zahlen an Hexenprozessen und Hinrichtungen in nur wenig entfernten Städten wie Würzburg oder Bamberg. Diese erlangten mit der Verbrennung tausender Menschen traurige Berühmtheit als Hochburgen der Hexenverfolgung.

Womit lässt sich dies erklären? Die Antwort gibt es ab dem 1. Mai 2016 im Kriminalmuseum, wo es heißen wird: „Mit dem Schwert oder festem Glauben – Martin Luther und die Hexen.“

 

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Martin Luther lebte in einer bewegten Zeit.

 

Markus Hirte / Charlotte Kätzel

Markus Hirte

Ich heiße Dr. Markus Hirte. Geboren wurde ich 1977 in Weimar. Ich habe Rechtswissenschaft studiert und wurde an der Friedrich-Schiller-Universität Jena zum Dr. iur. promoviert. Meinen Abschluss zum Magister Legum bestritt ich an der Fernuniversität Hagen. Ein Studienaufenthalt führte mich auch an die Cambridge University nach England. Knapp sieben Jahre arbeitete ich als Rechtsanwalt in Stuttgart, Berlin und London. Mein Herz schlug jedoch immer schon vor allem auch für die Strafrechtsgeschichte, meine Publikationsliste wurde länger und länger. Seit 2013 bin ich nun geschäftsführender Direktor des Mittelalterlichen Kriminalmuseums in Rothenburg und kann mich noch intensiver der Historie widmen. Meine Forschungs- und Interessenschwerpunkte: ältere und neuere Strafrechtsgeschichte, insbesondere mittelalterliches Kirchenstrafrecht, Inquisitionsverfahren, Hexenverfolgungen und die Entwicklung der Todesstrafe. http://www.kriminalmuseum.rothenburg.de/

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Zwischenspiel 45 Jahre städtische Musikmeister-Geschichte 1873-1918

Wilhelm Simon Melchior Fürst - städtischer Musikmeister

Wilhelm Simon Melchior Fürst – städtischer Musikmeister

Anfang 1873 wurde Wilhelm Fürst die Stelle des Stadtmusikus in Rothenburg ob der Tauber verliehen und er zog von Feuchtwangen nach Rothenburg in die Paradeisgasse. Von nun an bis zu seinem Ableben im Juni 1911 leitete er die Städtische Musikkapelle mit ihren vielseitigen Aufgaben rund um das reichhaltige musikalische Angebot vom Turmblasen bis zum Empfang von Gästen der Stadt, von kirchlichen Festen bis zu Vereins- und Unterhaltungsveranstaltungen aller Art, von Standkonzerten bis zur Trauermusik. In seinem Hause hatte er neben seiner Musikalienhandlung auch einen Ausbildungsbetrieb und bildete Lehrlinge / Musikernachwuchs im Geschäft der Musik aus. Im weiteren Zuge seiner musikalischen Tätigkeit auch für die Veranstaltungen des Historischen Festspiels „Der Meistertrunk“ wurde er zum Ehrenmitglied des selben sowie im Militär-Verein. Nachfolger seines Amtes wurde darauf sein Sohn Fürst Hans Johann Lorenz, Stadtmusikus, städtischer Musikmeister,*27.02.1887 ✠07.07.1918 der nach der Ausbildung durch seinen Vater auch die königliche Musikschule in Würzburg besuchte. Nicht nur die Leistungen als Dirigent der städtischen Kapelle, auch seine „bezaubernden Geigenklänge“ fanden großen Anklang beim Publikum. Mit ihm endeten im Jahre 1918 das 45 Jahre andauernde „Zwischenspiel“ der städtischen Musikgeschichte unter der Leitung Fürst in Rothenburg.

Im Lauf der Zeit kamen und gingen viele Leiter der städtischen Musikkapelle in Rothenburg ob der Tauber.

1872 erscheint mehrfach eine Amtliche Bekanntmachung der Stadt Rothenburg ob der Tauber im Fränkischen Anzeiger: „Die Stelle eines hiesigen Stadtmusikus und Thürmers soll wieder besetzt werden.“

26.10.1872

Bekanntmachung im Fränkischen Anzeiger 26.10.1872

Im August 1872 wurde die Stelle des Stadtmusikus von der des Thürmers / der Thurmwache oder auch Feuerwache auf dem Rathausturm getrennt und so wurde die Stelle des Stadtmusikus im Oktober des Jahres neu ausgeschrieben mit der Ergänzung: Außerdem steht dem Stadtmusikus entsprechender Verdienst aus Conzerten, Gesellschaftsproduktionen, Tanzmusiken ec. in und außerhalb der Stadt in Aussicht.

Auf diese Stelle bewarb sich am 10.11.1872 Wilhelm Simon Melchior Fürst als ein weiterer Vertreter der weit verzweigten Musikerdynastie „Fürst“ aus Feuchtwangen (*26.10.1848 in Feuchtwangen als Sohn des Stadtmusikus und Stiftstürmers, Georg Gustav Adolf Fürst).

Hier das Bewerbungsschreiben aus Feuchtwangen:

Wohllöblicher Stadtmagistrat!

Ergebenste Bitte des Musikus Wilhelm Fürst aus Feuchtwangen

Betreff: Günstige Verteilung der Stelle eines Stadtmusikus in Rothenburg.

In der Beilage No 101 zum kgl. bäyer. Kreis Amtsblatte von Mittelfranken vom 16. Novbr. ist durch eine Bekanntmachung des wohllöblichen Stadtmagistraths Rothenburg die Stelle eines Stadtmusikers daselbst zur Bewerbung ausgeschrieben.

Als Sohn des hiesigen (*1)Stadtmusikus hatte ich von frühester Jugend an Gelegenheit mich im Musikfache auszubilden. Ich habe mich demselben auch mit Neigung und Eifer gewidmet und erhielt Musikunterricht bei dem jetzigen Stadt Musikus in Weißenburg a/S (am Sand; heute Weißenburg in Bayern), (*2)Ludwig Fürst, früherer Zeit in Gunzenhausen. Um mich noch weiterzu im Musikfache auszubilden begab ich mich auf längere Zeit nach München und erhielt dort hauptsächlich Unterricht im Violinspiel von dem Hofmusiker Walther und in der Kompositionslehre von (*4)Sachs. Auf diese Weise ist es mir gelungen auf der Violine und der Klarinette ziemliche Fertigkeiten zu erhalten, sowie überhaupt mit den anderen Streich Instrumenten, allzu Blas Instrumenten, ins Besondere Trompete gut vertraut zu werden, so daß ich die Stelle meines Vaters, der durch ein Augenleiden öfters an der Ausübung seines Geschäftes verhindert war, vollständig, wie beiliegendes Zeugnis bestätigt, versah. Das ich der Militair Pflicht genügt, beweist beiliegender Freischein. Im Vertrauen auf die Güte des wohllöblichen Magistrats der Stadt Rothenburg erlaube ich mir an denselben die gehorsamste Bitte zu stellen: „Es möge deraselben belieben,“mir die Stelle eines Stadtmusikers zu Rothenburg“ günstigst zu verleihen. Ich gebe mich der Hoffnung hin, daß es dem wohllöblichen Magistrate gefallen möge, meiner Bitte Berücksichtigung angedeihen zu lassen.

Hochachtungsvoll des wohllöblichen Stadtmagistrats Rothenburg

gehorsamster Wilhelm Fürst Musikus

1872.11.10 -001

Bewerbungsschreiben vom 10.11.1872 an den Stadtmagistrat Rothenburg ob der Tauber

1872.11.10 -005

 

Fürst Wilhelm Simon Melchior, städtischer Musikmeister Rothenburg o.d.T.

Wilhelm Fürst, städtischer Musikmeister in Rothenburg ob der Tauber, komponierte das Festspiel Melodram, dirigierte Melodram und Festspiel Ouvertüre für das historische Festspiel „Der Meistertrunk“

 

Aufnahme um 1886 Wilhelm Fürst, städtischer Musikmeister in Rothenburg ob der Tauber, komponierte das Festspiel Melodram, dirigierte Melodram und Festspiel Ouvertüre für das historische Festspiel "Der Meistertrunk" - Wilhelm Fürst erste Reihe von vorn ganz Rechts sitzend - der spätere Obermusikmeister Georg Fürt (u.a. - Komponist des Badonviller-Marsches) 3te Reihe von vorne 2ter von Rechts

Aufnahme um 1886 – Wilhelm Fürst erste Reihe von vorn ganz Rechts sitzend – der spätere Obermusikmeister Georg Fürst (u.a. – Komponist des Badonviller-Marsches) 3te Reihe von vorne 2ter von Rechts

Erläuterungen:

(*2) Fürst Ludwig,*25.08.1831 †10.05.1893, Alter: 61 Jahre, Städtischer Musikmeister in Gunzenhausen – Weißenburg in Bayern

(*1) Fürst Georg Gustav Adolf (genannt: Adolf Fürst), *13.03.1816 †28.12.1900 , Alter: 84 Jahre alt, Stiftsmusikmeister in Feuchtwangen, Stadtmusikus

(*4) Sachs, Melchior Ernst (Ernst Melchior, Johann Melchior Ernst). *28.02.1843 Mittelsinn, letztmals erwähnt 1910 Komponist, Chorleiter, Musikpädagoge, Kompositionslehrer, Gesangslehrer, Musikforscher

 

 

 

Benjamin Babel

Mein Name ist Benjamin Babel. Ich wurde 1962 in Rothenburg ob der Tauber geboren. Nach der Schulzeit und der Ausbildung führten mich meine Wege als Journalist in alle Welt. Doch das Herz schlägt nun mal in der Heimat und so blieb ich mit meinem Rothenburg auch in der Ferne stets verbunden. Seit 2011 lebe ich wieder in Rothenburg ob der Tauber, direkt am Marktplatz. Vielleicht hat mich der ein oder andere Besucher übrigens schon einmal in den Medien gesehen.

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Der „Eisenhut“: Das wirklich Kostbare

Begeben wir uns in Gedanken in das „Erste Haus“ in einer beliebigen Stadt in Deutschland. Werden wir in diesem Hotelzimmer, auf den Fluren dieses Hauses, im Frühstücksraum oder in der Halle erkennen können, in welcher Stadt wir sind? Auch die sogenannten großen Hotels in unseren Städten sind so austauschbar geworden, wie die Filialgeschäfte in ihren Fußgängerzonen. Viele Vier-Sterne-Hotels sind in Ihrer Anmutung einem IKEA-Einrichtungshaus bedrohlich nahe.

Die Reise nach Rothenburg ob der Tauber hingegen ist stets auch eine Zeitreise in die Vergangenheit. Und diese Zeitreise wird von einem ganz besonderen Hotel in unvergleichbarer Weise unterstützt. Der „Eisenhut“ ist das Erste Haus in dieser Stadt. Als Einheimischer betrachtet man das Haus mit Hochachtung und Ehrfurcht. Es gibt alte Rothenburger, die davon erzählen, dass ihre Eltern oder Großeltern aus Respekt vor dem Eingangsbereich und den hochnoblen Gästen des Eisenhuts in der Herrngasse stets die Straßenseite gewechselt haben. Solchen Respekt kennen wir heute nicht mehr, Schwellenangst ist uns fremd und auch Erste Häuser werden demokratisiert. Und so wird die Halle des „Eisenhuts“ von Rothenburgbesuchern ebenso begutachtet wie die im „Adlon“ in Berlin oder im „Bayerischen Hof“ in München.

Hinter dieser Fassade wartet ehrwürdige Behaglichkeit.

Hinter dieser Fassade wartet ehrwürdige Behaglichkeit.

Das Kostbare an diesem Hotel ist das, was nicht verändert wurde. Und doch wird es am ehesten in den 1990er Jahren wohl manche modernistisch orientierte Besucher gegeben haben, die den Mangel an Veränderung beklagt haben werden. Die vielen Winkel und Ecken und die unterschiedlich breiten Flure verbreiten ein nostalgisches Grundgefühl. Ganz persönliche Erinnerungen an die selbst erlebte Zeit, die heute als die „gute alte“ gilt, werden wach. Mit jedem Schritt erwacht noch mehr Lust am Überlieferten, Geschichtsträchtigen und Geheimnisvollen. In diesen dicken Mauern entsteht das wohlig-warme Gefühl von Beschütztsein. Bei diesem Ausflug in die Vergangenheit kann man sich in diesem Hotel, das vier Patrizierhäuser in sich vereint, schon auch einmal verlaufen. Auf dem Weg zu meinem Zimmer Nr. 349 im dritten Stock mit Blick auf die Herrngasse, nehme ich den Aufzug. Wenn ich hinuntergehe am liebsten die Treppe. Denn die verwinkelten Treppenhäuser mit ihren antiken Möbeln und dem dickflorigen Teppichboden mit dem Blumenmuster lassen einen an Alfred Hitchcock denken – der „Mord im Orient Express“ hätte doch auch ein „Mord im Eisenhut“ sein können. Na ja, wenigstens ein „Franken-Tatort“ könnte 2016 ja noch draus werden.

Eine besondere Begrüßung ist das handgeschriebene Willkommens-Kärtchen mit Unterschrift der Hoteldirektorin

Eine besondere Begrüßung ist das handgeschriebene Willkommens-Kärtchen mit Unterschrift der Hoteldirektorin (Foto: privat)

Wenn ich alleine reise, gönne ich mir gerne den kleinen Luxus eines „Doppelzimmer zur Einzelnutzung“. Und das Zimmer 349, wie auch die anderen Zimmer, die ich bisher kennenlernte, halten, was das Hotel mit seiner großen Geschichte verspricht. Da ist das Dreier-Sofa, das an die gehobene Adenauer-Bürgerlichkeit der 1960er Jahre erinnert und hochwertig neu aufgepolstert wurde. Es ist viel Platz in diesem Zimmer und die Badewanne erlaubt auch einem 1,95 Meter-Mann, sich plantschend hineinzulegen und nicht nur ein Sitzbad einzunehmen.

Zimmer Nr. 349

Zimmer Nr. 349 (Foto: privat)

Ich hoffe, dass die Hoteliers hier nicht davon träumen, mit viel Geld den sterilen Chic eines Hilton oder Hyatt zu installieren. Ich bitte darum, dass die vielen elektronischen Geräte und „smarten Technologien“ aus den neuzeitlichen Hotelzimmern der Metropolen den Eisenhutgästen noch lange erspart bleiben. Es ist einfach gut so, wie es ist. Und dass beim Hinuntergehen die Holztreppe unter dem Teppichboden knarzt, gehört dazu, wie die Patina auf den Büffelleder-Sesseln im Treppenhaus.

Der historischer Treppenaufgang im Eisenhut gefällt vielen Gästen besser als ein moderner Aufzug

Der historischer Treppenaufgang im Eisenhut gefällt vielen Gästen besser als ein moderner Aufzug (Foto: privat)

Unten gehe ich ins Restaurant. Meine Verabredung wartet schon auf mich. Wir wählen zuerst die Weine – ich entscheide mich für den fränkischen Weißburgunder. Der Kellner serviert den Wein in einer Karaffe, lässt mich probieren. „Ich mag Weißburgunder“, antworte ich dem erwartungsvollen Blick des Servicemitarbeiters und füge hinzu „Weißburgunder trinke ich sonst immer im Speisewagen der Bahn. Dieser hier schmeckt auch gut“. Darauf der Kellner freundlich grinsend: „Das ehrt uns aber, dass wir da mithalten können“. Gast und Kellner lachen. Das „Eis“ war gebrochen, ohne dass es deshalb zur Verbrüderung kommt. Es bleibt die gehobene Restaurantkultur, die Korrektheit im Service. Und doch ist das hier nie steif, das ist die ungezwungene Vornehmheit der Moderne. Die Kellnerinnen und Kellner im Eisenhut bleiben bei ihrer Arbeit vornehm zurückhaltend. Der klassischen Eleganz eines vornehmen Restaurants entspricht auch das Anrichten meines Tellergerichts – Rehmedaillons mit verschiedenen Gemüsen. „So wunderschön können Gemüse sein!“, entfährt es mir beim ersten Anblick. Die zwei großen Stücke vom Rehrücken sind perfekt gebraten, der Kellner reicht nach einigen Minuten zusätzliche Soße. Wildfleisch in Deutschland stammt meist aus Neuseeland – dort werden riesige Herden in großen Gehegen gehalten, geschlachtet und in alle Welt verkauft. Doch dieses Reh wurde vom Jäger Bernhard Moll in den Wäldern um Rothenburg geschossen und vom Küchenchef Christian Weinhold gekonnt zubereitet.

Das Reh wurde in den Wäldern um Rothenburg geschossen

Das Reh wurde in den Wäldern um Rothenburg geschossen (Foto: privat)

Ich finde die 32 Euro für dieses Gericht angemessen, die 9,50 Euro für das Dessert aus warmen Schokoladenkuchen mit Kirschenkompott geradezu günstig. Wir bestellen zum Abschluss zwei doppelte Espressi, mit denen auf einer kleinen Etagere vier Pralinen geliefert werden.

Ich hätte mich reinlegen können - warmer Schokoladenkuchen und Kirschenkompott

Ich hätte mich reinlegen können – warmer Schokoladenkuchen und Kirschenkompott (Foto: privat)

Etwas später erwarte ich noch einen Besucher zu einer Besprechung. Wir setzen uns auf die Sonnenterasse und bestellen je einen Cappuccino. Bei dieser kleinen Zeche bleibt es trotz einer langen Unterredung. Das Warmgetränk soll hier nicht gewürdigt werden; dass es liebenswürdigen Service schon bei einer Bestellung mit einem Gesamtwert von 5,80 Euro und für Gäste gibt, die sich zwei Stunden an einem Getränke „festhalten“, aber sehr wohl.

Der Aufenthalt im Eisenhut ist das ideale Umfeld für ein ungetrübtes Rothenburg-Erlebnis. Eisenhut bedeutet Rothenburg „Ton in Ton“ zu erleben – da passt dann einfach alles zusammen. Dieses Haus erfüllt die teils sehr hohe Erwartungshaltung, die viele Gäste an dieses altehrwürdige Hotel richten. Neben der Anerkennung durch die Gäste gibt es auch eine offizielle: Der Eisenhut wurde als „Sightsleeping-Hotel“ durch die Bayern Tourismus Marketing GmbH anerkannt.

Bei der Abreise blicke ich aus dem Taxifenster zurück zum Eingangsportal. Jetzt ist es nicht der Glanz der Hotelsterne oder Auszeichnungen, der wirkt. Es ist der leicht wehmütige Blick auf die Dinge, die wirklich kostbar sind.

 

Fritz Gempel

Mein Name ist Fritz Gempel, ich wurde 1963 in Ansbach geboren und entdeckte Rothenburg früh als Lieblingsstadt in meiner fränkischen Heimat. Seit 20 Jahren bin ich selbständig als Unternehmensberater und Fachbuchautor tätig; die meisten meiner Kunden haben mit Lebensmitteln zu tun. Rothenburg sehe ich nicht nur als kulturelle, sondern auch als kulinarische Destination.

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Rothenburg ob der Tauber 1631: Ein Sackpfeifer und die Totengräber

Ecke Hafengasse - Obere Schmiedgasse

Ecke Hafengasse – Obere Schmiedgasse

1955: Die Stadt Rothenburg ob der Tauber erwirbt Anfang Oktober aus einem Privatbesitz ein handgeschriebenes Buch, besser gesagt, eine bis dahin wohl unbekannte Chronik. Diese unscheinbare Chronik liegt bis heute gut verwahrt im Archiv der Stadt Rothenburg ob der Tauber. Der Titel: Chronica des Heiligen Römischen Reichs Stadt Rothenburg ob der Tauber. In dieser Chronik geht es um die Geschichte der Stadt Rothenburg, niedergeschrieben durch Georg Heinrich Schaffert in den Jahren 1771-1772 und 1773.

Chronik des Georg Heinrich Schaffert

Chronik des Georg Heinrich Schaffert

Neben vielen Berichten und Geschichten finden sich auch sehr interessante Seiten über das für die Stadt heute noch denkwürdige Jahr 1631, im Dreißigjährigen Krieg. Hier berichtet der Chronist Schaffert über die Begebenheit um die Belagerung und Erstürmung der stolzen protestantischen Stadt Rothenburg durch den katholischen Feldherrn Tilly, sowie deren Ausgang und Rettung; die aber auch unzählige Menschen aus allen Herren Ländern der Welt durch die Erzählung des historischen Festspiels „Der Meistertrunk“ kennen. Interessant wird es dann noch im Anschluß daran. So ist eine weitere kleine zeitgenössische und heutzutage mit dem gebührenden Abstand zu den damaligen Umständen betrachtet, schon fast eine humoristisch anmutende Gruselgeschichte festgehalten.

Da sie aber wohl nie im Urtext öffentlich gemacht wurde, möchte ich unseren Lesern diese kleine Geschichte im Original aufgezeichneten Wortlaut wiedergegeben.

"Sackpfeifer" der Gruppe Mummenschanz"

„Sackpfeifer“ der Gruppe Mummenschanz“

Ein Sackpfeifer und die Totengräber

Beim Abmarsch der Kaiserlichen Armee geschah folgendes:

3. Regimenter Kayserlicher Soldaten und ein großer Haufe Kroaten zur Besatzung der Stadt zurückgelassen, die bey ihrem 10. wöchigen Aufenthalt allhier, der Bürgerschaft Geld und Geschmeide Flügel gemacht, auch noch über dies die ungarische hitzig (*1) Kopfkrankheit mit in die Stadt gebracht, daß von allen Häusern und Gassen der Stadt die Toden herbeygetragen, und durch den Todenkarren dessen Räder mit Lumpen bebunden gewesen, geführt wurden, und der (*2) Judenkirchhof weil mann auf den (*3) Gottesacker nicht kommen können, nicht groß und weit genug war, dieselben zu begraben.“ Während des Sterbens nun begab sich folgende Geschichte: Ein gewisser (*4) Sackpfeifer der wenig Tage vergehen lies ohne sich einen dichten Rausch zu trinken war eines Tages bey dem Hirschenwirth, wo er sich recht sehr im Brandtenwein übernahm, und als er nun bey Nachtzeit nacher Haus gehen wolte, und kaum etliche Schritte vom Wirtshaus war, stürtzte er vom Brandwein übermeistert, zu Boden, und lag als vor Tod auf der Gassen : Indeme kamen die Todengräber mit ihrem Karren und sahen den betrunckenen Sackpfeifer liegen, giengen hin, rüttelten und schüttelten denselben, als er sich nun nicht regete, hielten sie ihn vor Todt, luden ihn dahero auf ihren Karren, und führten ihn auf den Juden-Kirchhof, daselbst stürtzten sie ihn in eine große Grube zu andern vielen Toden, und fuhren wieder ihres Weges um noch mehrere zu hollen; Indessen thät der Sackpfeifer einen Schlaf aus ehe sie wieder zurück kamen, und erwachte endlich; aber wie bestürtzt war er nicht, als er nichts unter noch neben sich spührte und fand, dann lauter Tode und erstarrte Menschen, und aus dem Loch von ihnen nicht entfliehen konte, ob er schon es versuchte; ein heftiger Schauer vertrieb ihme in dieser Finsterniß allen Rausch, er rufte und schrie, aber da war keine Antwort, in solcher Angst und weilen er glaubte im Reiche der Toden zu seyn, ergrief er seine Sackpfeifen, und stimte darauf das Lied an: Es ist gewißlich an der Zeit ff. unterdessen kamen die Todengräber wieder zurück, und bey anhörung dieses gepfeifes erschracken sie heftig und meinten es wäre ein Gespenst, traueten dahero anfangs nicht hin zur Grube, endlich nahmen sie sich doch das Herz, weil es allerweits anfieng starcke zu Tagen, und giengen hin, und fragten wer darinnen, worauf sich der Sackpfeifer zu erkennen geben, und von ihnen aus der Gruben gezogen worden. Er hat auch ob er schon bey den Toden gelegen, doch diese Krankheit nicht bekommen. Diese Krankheit dauerte weit in das 1632. Jahr da sie sich erst geendet.

Hier enden die Berichte über das Jahr 1631. Quelle: Archiv der Stadt Rothenburg ob der Tauber 2015.

Worterklärung ~: 

(*1) ungarische hitzig Kopfkrankheit = eine eingeschleppte Art von Sumpffieber;

(*2) Judenkirchhof = der heutige Schrannenplatz in Rothenburg;

 (*3) Gottesacker = Rothenburger Friedhof;

(*4) Sackpfeifer = Dudelsackpfeifer

Kupferstich aus dem Jahr 1762 in der Chronik des Georg Heinrich Schaffert

Kupferstich aus dem Jahr 1762 in der Chronik des Georg Heinrich Schaffert

In wenigen Tagen werden im romantischen Rothenburg ob der Tauber die alljährlich stattfindenden Reichsstadttage abgehalten. Hier kann man erleben, wie sich die kleine, mittelalterliche Stadt Rothenburg ob der Tauber verwandelt und man an allen Ecken der Stadt die verschiedensten Epochen entdecken kann. Dabei ergibt sich vielleicht auch die Möglichkeit, Euch diese „Geschichte“ von der Gruppe Mummenschanz vortragen zu lassen.

Die Gruppe Mummenschanz

Die Gruppe Mummenschanz

Benjamin Babel

Mein Name ist Benjamin Babel. Ich wurde 1962 in Rothenburg ob der Tauber geboren. Nach der Schulzeit und der Ausbildung führten mich meine Wege als Journalist in alle Welt. Doch das Herz schlägt nun mal in der Heimat und so blieb ich mit meinem Rothenburg auch in der Ferne stets verbunden. Seit 2011 lebe ich wieder in Rothenburg ob der Tauber, direkt am Marktplatz. Vielleicht hat mich der ein oder andere Besucher übrigens schon einmal in den Medien gesehen.

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Taubertal Festival 2015: bunt + wild + laut = wunderbar!

Zum 20. Mal öffnet am 6. August das Camping-Gelände für das diesjährige Taubertal-Festival. Die jungen Besucher werden bereits vor 9 Uhr vor  den Toren Schlange stehen, um den bestmöglichen Zeltplatz zu ergattern. Schon dann ist die Stimmung unter den Campern bestens, denn vor ihnen liegt ein Wochenende mit vielen jungen Leuten und guter Musik.

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Foto: KARO Konzert-Agentur-Rothenburg GmbH

„No sleep until Monday“ ist das Motto auf einem Festival und wird auf dem Campingplatz am Berg sicherlich von vielen Besuchern gelebt. Denn dort geht die Party oft die ganze Nacht und Festival wäre nicht Festival ohne diesen vielen nett-verrückten Besucher. Neben vielen Verkleideten findet man auf dem Campingplatz auch allerhand Ungewöhnliches. So legen manche Leute vor ihrem Zelt Vorbeete an, es werden Planschbecken, Trampoline oder Sofas mitgenommen oder ganze Dachterrassen über den Zelten aufgebaut. An einem Festival-Wochenende gibt es schon allein auf den Campingplätzen viele lustige Begegnungen.

Wer sich im Voraus für das „Camp- Green“ registriert hat, kann Camping direkt an der Tauber genießen. Auf einer sauberen Wiese und mit ruhigeren Nächten als auf dem normalen Campingplatz am Berg. Denn wer green campt verpflichtet sich, zusätzlich zu den allgemeinen Regeln auf der Camping-Area seinen Müll nicht in die Landschaft zu werfen und ab 11 Uhr die Nachtruhe einzuhalten.

Natürlich sind es aber hauptsächlich die Bands, warum alle an diesem Wochenende ins Taubertal kommen. Schon am Donnerstagabend geht es im Steinbruch ab 21:30 Uhr los. Zur Einstimmung auf das Wochenende spielen hier zwei Bands und danach legen bis 2 Uhr nachts DJs auf.

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Foto: KARO Konzert-Agentur-Rothenburg GmbH

Am Freitag öffnen um 12:45 Uhr die „Sound of Nature“- Bühne und ab 16:15 Uhr die Hauptbühne. Die Bühnen sind fußläufig von den Campingplätzen entfernt, was einige Besucher allerdings nicht davon abhält, die Strecke mit Bobbycars oder anderen Gefährten zurück zu legen.
Zum 20. Jubiläum wird den Besuchern musikalisch einiges geboten. Headliner wie Kraftklub, Materia, die Beatsteaks, Farin Urlaub Racing Team, Madsen und Dropkick Murphys werden auf der Hauptbühne die Massen begeistern, aber auch auf der „Sound of Nature“- Bühne spielen viele gute noch etwas unbekanntere Bands. Am Freitag und Samstag gibt es zusätzlich noch eine Aftershow-Party im Steinbruch. Es wird für jeden Musikgeschmack etwas geboten. Das genaue Programm gibt es auch als Download auf der Homepage des Taubertal Festivals. http://www.taubertal-festival.de/

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Foto: W. Schmidt

Musikfans, die nicht vier Tage mit Ravioli aus der Dose, warmem Bier und einer Hand voll Schlaf auf dem Zeltplatz verbringen möchten, können sich im voraus eine Unterkunft in der Stadt suchen. Denn im Gegensatz zu anderen großen Festivals liegt das Taubertal Festival stadtnah. Zu Fuß ist das Gelände in ca. 15 Minuten zu erreichen. So kann auch der bequemere Festivalgänger alle Highlights mitnehmen und abends ins kuschelige Bett fallen.

Ein besonderer Geheimtipp unter Einheimischen ist auch der Biergarten „Unter den Linden“. Er befindet sich in direkter Nähe zu dem Festival-Gelände und so kann auch hier, entspannt an der Tauber sitzend,  in den Genuss der Live-Musik gekommen werden.

22 Jahre und kein bisschen “LEISE“ – Die Marketenderinnen von Rothenburg.

Jetzt sind es bald 22 Jahre seit der Gründung der Festspielgruppe „Die Marketenderinnen“. „Sie wurden beäugt… Sie wurden bemessen… und sie wurden für gut befunden!“

Historischer Rückblick: In den Heerzügen des Dreißigjährigen Krieges folgte den militärischen Abteilungen der Tross zur Verpflegung und Betreuung der Soldaten. Was der Soldat nicht verzehrt, genommen oder verwüstet hatte, das zehrte, nahm und vernichtete der Tross. Daran schlossen sich zu Fuß oder zu Pferd die Soldatenweiber an. Es waren die Frauen oder Dirnen der Söldner, die sich bei der Rast um deren Kleidung kümmerten und die Kinder betreuten.
Mit seiner Frau wohnte der Soldat unter dem engen Strohdach des Lagers oder im Quartier. In jeder Abstufung von Alter und Ansprüchen begleiteten Dirnen das Regiment: von der Mätresse des Obersten, die mit ihrem Hofstaat unter besonderer Bedeckung reiste, bis zur Dirne des Pikeniers, die, ihr Kind auf dem Rücken, mit wunden Füßen über das Schlachtfeld laufen musste. Der Tross jedes Regiments unterstand dem Dirnenwaibel, meist ein altgedienter Soldat, der vom Oberst eingesetzt wurde.

 

Marketenderwagen von Adolf Hosse

Leise waren sie nie – die knapp 30 „Frau“ starke Frauenpowergruppe der „Marketenderinnen“ mit ihren zwei „Schnallentreibern“, eine der 25 historischen Gruppen des Vereins „Historisches Festspiel – Der Meistertrunk“. Bei Gründung der Gruppe wurde sie durch umfangreiche Bemühungen als Frauengruppe in die Männerdomäne Festspiel integriert und man freut sich im Verein sichtlich über den Erfolg und die Anerkennung um die Leistungen der Marketenderinnen.

Erinnerungen aus den letzten 20 Jahren: Sie haben nicht nur den Verein und die Stadt bei Veranstaltungen, wie z.B. „WETTEN DASS…“ oder auch im „ZDF Sommergarten“ mehr als erfolgreich vertreten, sondern noch viele andere Events gemeinsam über die Jahre hin besucht.

Die Marketenderinnen haben ein Repertoire von über 20 Liedern verschiedenster Herkunft. Vom süßen Liebes- und Sehnsuchtslied bis hin zum deftigen Sauf- und derben Gassenlied. Auch Kriegslieder aus der Zeit des dreißigjährigen Krieges, die den Alltag von damals spiegeln, verschiedene Kanons und mehrstimmige Lieder wie z.B. Stücke aus Carl Orff’s „Carmina Burana“ gehören dazu. Besondere Eyecatcher der Gruppe sind natürlich auch die alten Flöten in Form von 2 Krummhörnern und Klanghölzern, einer Laute sowie Schellenkränze und einem Kazoo. Mit zum Teil dreistimmigen Gesängen warten die Damen bei ihren Auftritten auf, dann auch mit gehörigem Applaus belohnt.

So bleiben sie den Gästen der romantischen Stadt Rothenburg ob der Tauber und des Historischen Festspiels, das in wenigen Tagen wieder seine Türen und Tore öffnet, stets in guter Erinnerung.

Über die Pfingstfeiertage vom 22. bis 25. Mai 2015 ziehen die Marketenderinnen täglich durch die malerischen Gassen der Altstadt in Rothenburg ob der Tauber.

Benjamin Babel

Mein Name ist Benjamin Babel. Ich wurde 1962 in Rothenburg ob der Tauber geboren. Nach der Schulzeit und der Ausbildung führten mich meine Wege als Journalist in alle Welt. Doch das Herz schlägt nun mal in der Heimat und so blieb ich mit meinem Rothenburg auch in der Ferne stets verbunden. Seit 2011 lebe ich wieder in Rothenburg ob der Tauber, direkt am Marktplatz. Vielleicht hat mich der ein oder andere Besucher übrigens schon einmal in den Medien gesehen.

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Der „Franken“-Tatort, Sleepy Hollow und der Mörder von Rothenburg

„Der Franken“-Tatort

Kürzlich strahlte die ARD zur besten Sendezeit den ersten „Franken“-Tatort aus. Über 12 Millionen Menschen zog die Folge „Der Himmel ist ein Platz auf Erden“ in ihren Bann. Auch diesmal bildeten sich vor den Bildschirmen unzählige Mordkommissionen. Im Familienverbund oder Freundeskreis überwachten die Zuschauer akribisch jeden Schritt der Kommissare. Alternative Ansätze und noch zu verfolgende Spuren wurden debattiert. So trug die Schwarmintelligenz ihren gefühlten Teil bei zum Ermittlungserfolg. Ist es da ein Wunder, dass auch diesmal nach 90 Minuten das Verbrechen aufgeklärt war?

 

 

Was fasziniert uns an einem Tatort, an einem Krimi? In erster Linie ist es wohl die Ermittlungsarbeit der Kriminalpolizei, kurz Kripo. Wie gelingt es ihr, mit modernsten Methoden und detektivischer Raffinesse das Verbrechen aufzuklären?

Aber wie ermittelte die Kriminalpolizei vor den Zeiten von Fingerabdruck, DNA-Analyse und Handyortung? Wie arbeitete die Kripo im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit? Schauen wir zurück, stellen wir (überrascht?) fest, dass es Kriminalbeamte erst seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts gibt. Überdies dauerte es von da ab noch einmal gut 100 Jahre, bis alle großen deutschen Städte über eine Kriminalpolizei verfügten. Die Geschichte der Kriminalpolizei, Kriminaltechnik und der Kriminalistik schlechthin ist also noch vergleichsweise jung.

 

Kriminaldienstmarken aus Deutschland (1930er/40er Jahre) und Schweden (1980er Jahre) und Gedenkmünze 100 Jahre Hamburger Kripo

Kriminaldienstmarken aus Deutschland (1930er/40er Jahre) und Schweden (1980er Jahre) und Gedenkmünze 100 Jahre Hamburger Kripo

 

Sleepy Hollow

Die Wiegenzeit der modernen Kriminalistik um die Wende des 18. zum 19. Jahrhundert zeichnet besonders plastisch Tim Burtons Blockbuster „Sleepy Hollow“ (1999). Der Film spielt in dem – unweit von New York gelegenen – gleichnamigen Dorf. Der Ort wird von mysteriösen Morden heimgesucht. Zugeschrieben werden die Untaten einem kopflosen hessischen Reiter. Der nach Sleepy Hollow strafversetzte Police Constable Ichabod Crane (Johnny Depp) nimmt sich der Sache an. Er setzt auf wissenschaftliche Methoden, logische Erklärungen und bedient sich seinerzeit modernster Geräte.  Die Folter verabscheut er als ein mittelalterliches Beweisgewinnungsverfahren.

Zwar handelt es sich bei diesem Hollywood-Streifen um einen Märchenfilm mit einem intensiven Stimmungsbild finsterer Töne; eher Grusel- denn Historienfilm. Er vermittelt jedoch eine Gefühl, eine Stimmung zur Zeit des Beginns der modernen Kriminalistik.

 

 

Das „Moderne“ an Ichabods Vorgehen (und auch jenes seines englischen Kollegen, Sherlock Holmes) ist neben seinen Methoden auch der Ansatz, nämlich ein Verbrechen, eine Tat aufzuklären. Darum ging es bis in das 18. Jahrhundert hinein nämlich unseren Vorfahren weniger. Vielmehr versuchten sie, mehr oder weniger zufällig gefasste Verdächtige zu überführen oder eben vom Verdacht zu reinigen.

Die uns heute so faszinierenden umfassenden und teilweise sehr kostenintensiven modernen Ermittlungsmethoden waren seinerzeit noch (weitgehend) unbekannt. Überdies fehlte es vor allem auch an den finanziellen Ressourcen für solche umfangreichen Ermittlungen. Vornehmliche Beweismittel waren seinerzeit die Augenzeugen und das notfalls mittels Folter erpresste Geständnis.

 

Holzschnitt zur peinlichen Frage, ca. 1508 n.Chr., (c) Mittelalterliches Kriminalmuseum

Holzschnitt zur peinlichen Frage, ca. 1508 n.Chr., (c) Mittelalterliches Kriminalmuseum

 

Der Beschuldigte musste im frühneuzeitlichen Inquisitionsprozess an seiner eigenen Überführung mitwirken; er war faktisch ein „Prozess-Objekt“. Heute hingegen ist es ein allgemeiner Grundsatz des Strafverfahrens, dass sich niemand selbst belasten muss (nemo tenetur se ipsum accusare, vgl. auch §§ 136, 163a Strafprozessordnung [StPO]). Der Beschuldigte ist nicht mehr Objekt, sondern „Prozess-Subjekt“.

 

Der Mörder von Rothenburg

Wie bereits L.P. Hartley 1953 vollkommen zutreffend ausführte: “The past is a foreign country; they do things differently there.” So merkwürdig es uns heute erscheint; lange Zeit galt es weniger, ein Verbrechen en detail aufzuklären, als vielmehr greifbare Verdächtige zu überführen bzw. sie vom Verdacht zu reinigen. Deshalb hätten wohl dem „Tatort“ vergleichbare Kriminalfälle eher in Amts- und Gerichtsstuben gespielt und im Folterkeller.

Und mit Blick auf die Fokussierung auf Verdächtigen hätten sie auch andere Namen getragen; nicht „Tatort“ oder „CSI“ – sondern wohl eher „Die Brandstifter von Bettenfeld“ oder „Der Mörder von Rothenburg“.

Mörder_von_Rothenburg

G.Kraus, Rothenburg vom Herrnmüller-Wäldchen, ca. 1840

 

Markus Hirte

Ich heiße Dr. Markus Hirte. Geboren wurde ich 1977 in Weimar. Ich habe Rechtswissenschaft studiert und wurde an der Friedrich-Schiller-Universität Jena zum Dr. iur. promoviert. Meinen Abschluss zum Magister Legum bestritt ich an der Fernuniversität Hagen. Ein Studienaufenthalt führte mich auch an die Cambridge University nach England. Knapp sieben Jahre arbeitete ich als Rechtsanwalt in Stuttgart, Berlin und London. Mein Herz schlug jedoch immer schon vor allem auch für die Strafrechtsgeschichte, meine Publikationsliste wurde länger und länger. Seit 2013 bin ich nun geschäftsführender Direktor des Mittelalterlichen Kriminalmuseums in Rothenburg und kann mich noch intensiver der Historie widmen. Meine Forschungs- und Interessenschwerpunkte: ältere und neuere Strafrechtsgeschichte, insbesondere mittelalterliches Kirchenstrafrecht, Inquisitionsverfahren, Hexenverfolgungen und die Entwicklung der Todesstrafe. http://www.kriminalmuseum.rothenburg.de/

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Zehn Tage in Rothenburg ob der Tauber, oder das Warten auf eine Ballonfahrt

Wir, Marita und Lars aus Berlin haben im Februar 2015 zehn Tage Urlaub in Bayern, im romantischen Rothenburg ob der Tauber verbracht.
Uns faszinieren Städte, die ihre historische Substanz bewahrt haben. Das romantische Kleinod in Mittelfranken sollte dabei unsere Basis für Ausflüge und Wanderungen in die Region darstellen. Übernachtet und gefrühstückt haben wir im Hotel Rappen am Rand der mittelalterlichen Altstadt vor dem mächtigen Galgentor.

Detwang kurz nach dem Start
Unsere Anreise nach Franken erfolgte bewusst mit der Deutschen Bahn. Auch alle weiteren Sehenswürdigkeiten in Ansbach, Würzburg oder auch Röttingen im lieblichen Taubertal, hier wohnte lange eine Schwester von mir, haben wir bequem mit der Bundesbahn erreicht.
Neben den schönen Stadtansichten, geplanten Wanderungen und Stadtbesichtigungen fieberten wir einem für uns besonderen Event entgegen: Unserer ersten Fahrt mit einem Heißluftballon. Marita hatte beim Stöbern im Internet die Firma Happy Ballooning entdeckt. Begeistert fragte sie mich, ob das etwas für mich sein könnte.
Und ob! Aber im Winter? Also Kontakt zu Happy Ballooning Ballonfahrten aufgenommen.

Georg, der Firmeninhaber, sagte mir bei unserem ersten Telefonat, dass eine Ballonfahrt auch im Winter möglich ist, sofern das Wetter mitspielt. Durch unseren recht langen Aufenthalt im bayerischen Rothenburg sollte doch an einen Tag das Wetter für eine Ballonfahrt passen.

Blog -6- Ballonfahrt 14-02-2015
Nun hieß es warten. Die Wetterlage wurde fast täglich über einen Wetteranruf mit Georg besprochen. Aber irgendwie wollte der „Wettergott“ die erste Woche nicht so richtig mitmachen. Ständig herrschte Hochnebel, der in diesem Jahr besonders zäh zu sein schien. Aber warten heißt nicht untätig sein. So erkundeten wir die historische Schönheit der Stadt und Umgebung. Als Erstes türmten wir – nein, nicht aus der Stadt – sondern erkundeten auf dem Rothenburger Turmweg die faszinierende Stadtbefestigung Rothenburgs. Besonders empfehlenswert ist eine Besteigung des Rathausturmes. Die Mühe des Aufstiegs wird mit einer fantastischen Rundumsicht über die Stadt und das Umland belohnt. Ebenfalls grandios hat uns das Innere der St. Jakobs Kirche gefallen.
Am 13. Februar 2015 war die Wetterlage endlich geeignet für einen Ballonstart, so schien es zumindest. Der Hochnebel sollte sich gegen Mittag auflösen, also auf nach Detwang zur Startplatzwiese an der Tauber und mit dem Ballonaufbau begonnen. Leider blies der Wind nun aber doch so stark, dass an einen Start nicht zu denken war und wir nach dem „Anblasen“ enttäuscht wieder die Ballonhülle einpacken mussten. Es verblieben nur noch zwei Tage in Rothenburg. Sollte der Traum von der Freiheit über den Wolken unverwirklicht bleiben? Der Valentinstag verhieß uns Glück! Die fränkische Hochnebeldecke riss schon im Laufe des Vormittags auf und auch kein zu starker Wind störte heute die Vorbereitungen zum Ballonstart.

Blog -5- Ballonfahrt 14-02-2015
Ballonfahren ist Teamarbeit. Das heißt also nicht einfach nur dastehen und zuschauen. Von allein füllt sich die 1300 Quadratmeter große Ballonhülle nicht mit kalter Luft und so durften wir die Ballonhülle mit aufhalten, was wir ja schon vom Vortag kannten. Nachdem der Ballon sich halb mit Kaltluft gefüllt hatte, lies Georg den Brenner fauchen. Nach weniger als zwei Minuten erhoben sich die 4000 Qubikmeter heiße Luft majestätisch über unsere Köpfe. Jetzt hieß es in den Ballonkorb klettern, noch schnell ein paar Bilder knipsen und dann Leinen los. Schon der Start in die Luft war unbeschreiblich schön. Man hat gleich ein Gefühl von grenzenloser Freiheit.

Blog -7- Ballonfahrt 14-02-2015
Die Fahrt führte uns aus dem Taubertal heraus von Rothenburg in Richtung Westen, also nach Baden Württemberg, über Dörfer, verschneite Felder und mit Raureif bedeckte Wälder. An der Inversion hatten wir gute Fernsicht, aber auch Nebelpatches waren noch erkennbar. Auf einem Feldweg bei Wolkersfelden endete unsere wunderschöne Ballonfahrt.

Blog -1- Ballonfahrt 14-02-2015

Nach der abschließenden Ballonfahrertaufe mit Sekt und Urkunde und unserer Erhebung in den Adelstand der Ballonfahrer, ging es zurück im Verfolgerfahrzeug von Happy-Ballooning nach Rothenburg zum Startplatz im Taubertal.
Am Sonntag, unserem letzten Tag in einer der schönsten Städte Deutschlands, wanderten wir zur Skisprung Naturschanze gegenüber der Stadt. Von dort aus genießt man auch einen grandiosen Blick auf das Stadtpanorama, beinahe so schön wie aus dem Ballonkorb, aber eben nur beinahe…
Eines ist gewiss: Diese Ballonfahrt wird nicht unsere Einzige bleiben.

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von Lars und Marita Molzberger aus Berlin

Georg Reifferscheid

Mein Name ist Georg Reifferscheid. Ich bin passionierter Ballonfahrer und veranstalte in Rothenburg ob der Tauber tägliche Ballonstarts aus dem Taubertal. Seit 1987 bin ich Hobbyballonfahrer, seit 1991 Ballonlehrer und seit 1993 hauptberuflicher Ballonpilot. Im Jahr zuvor, Ende 1992, gründete ich mit „Happy Ballooning“ das erste Luftfahrtunternehmen mit Ballonen in Nordbayern. Unser Startplatz in Rothenburg befindet sich direkt unterhalb der Altstadt an der Tauber. Bevor ich mein Hobby zum Beruf machte, war ich nach Abschluss meines Studiums an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung als Kriminalbeamter bei einer Spezialeinheit, einem Mobilem Einsatzkommando in Köln tätig. Anschließend als Sachbearbeiter für Raub und Fahndung bei der Kripo in Bonn. Am Ballonfahren reizt mich vor allem, im Luftmeer lautlos einem unbekannten Ziel entgegen zu gleiten. Mich fasziniert die Freiheit, über den Dingen zu schweben. Am liebsten bin ich ganz nah dran an der Altstadt von Rothenburg und der abwechslungsreichen Landschaft des Taubertals, der Frankenhöhe, der Hohenloher Ebene, des Aischtals, des Vorbachs oder des Jagst- und Kochertals. In jeder Himmelsrichtung ein neues Abenteuer! Dabei hat jede Jahreszeit ihren eigenen Reiz und lädt zum Fotografieren ein.

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„Gottes Wort im Glockenturm – Die Glocken von Sankt Jakob“

Wer kennt schon die Inschriften der „Großen“ auch „Wetter“ – Glocke genannt oder der „Predigtglocke“ im Südturm der Sankt Jakobs Kirche in Rothenburg ob der Tauber? Was macht die Glocken so besonders?

Sankt Jakob

Sankt Jakob

Wir schreiben das Jahr 1626 im September. Der 30 jährige Krieg tobt seit 8 Jahren. Auf dem Judenkirchhof (dem heutigen Schrannenplatz) bewegt sich was.

Jede Menge Holz und Baumaterial wird durch Tagelöhner herbei geschafft, Gruben gegraben und ein Ofen errichtet. Was geschieht hier?
Zwei Wanderglockengießer Petrus Bulevilius und Caspar Delson von Haute-Cour in Lothringen wurden vom Rat der Stadt und den Bürgermeistern Johann Bezold und Johann Staudt (diese waren wahrhaft gesegnete Pfleger dieses Gotteshauses) beauftragt 6 Glocken für die Türme der Sankt Jakobs Kirche zu gießen.

Dazu wird ein großes Loch tief ins Erdreich gegraben, darüber der Gießofen und eine Bauhütte errichtet. Dort verrichten die Gießer ihre Arbeit. Für die Arbeiten werden ihnen etliche Taglöhner zur Seite gestellt, die viele Hilfsarbeiten wie Wasser-tragen, Lehm-schlagen usw. verrichten.

Es sollten Glocken werden, die schön und mächtig, bis über das weit sich erstreckende Umland hinaus, ihren Klang erschallen lassen. – – „Gott soll man bis in die Ewigkeit hören“

Als am 7. Oktober die erste Glocke – die Predigtglocke – gegossen und von Lehm und Erde befreit und gesäubert war, wurde die Predigtglocke mit einem Durchmesser von 97 cm durch den Einsatz von 6 Spitalpferden (Kaltblüter) in den Südturm hinauf gezogen und in die Halterung eingehängt.

Die Inschrift der Predigtglocke lautet:

IN DOMINO SPES FIXA PIO NOSTRAE UNICA VITAE‘
GEORGIO ZIRLINO PASTORE ET SUPERINTENDENTE
P.L.C. (=poeta laureato caesareo) FUSA 1626

Zu deutsch: Die einzige bleibende Hoffnung unseres Lebens (beruht) auf dem heiligen Gott — gegossen unter dem Pfarrer und Superintendenten Georg Zierlein, dem vom Kaiser lorbeerbekränzten Dichter 1626.

Es nahmen also später mit Sicherheit an den Glockenweihen Johann Bezold, Johann Staudt, und Georg Zierlein, sowie alle Ratsherrn teil. So verstehen wir auch die Worte Bezold’s: „Der Glocken Weihetöne hallen von den Jakobstürmen glückverheißend nieder.“

Oben: Predigtglocke Unten: Vesperglocke

Oben: Predigtglocke
Unten: Vesperglocke

Die „Große“ – die „Wetter“ – Glocke mit einem Durchmesser von 140 cm und einem Gewicht von 36 Zentnern (~ 1.800 Kilogramm) wurde am 12. Oktober mit 8 Spitalpferden hinauf auf den Südturm gezogen.

Die große Glocke trägt die Inschrift:

FUSA ROTENMBURGI CAMPANA EST! PONDERE SUMPTU AERE SONO RELIQUIAS,
EXUPERANSQUE NOLAS.ANO DNI MDCXXVI MENSE SEPTEMBRI
JOHANNE STAUDIO ET JOHANNE BEZOLTO CONSULIBUS,
AEDISQUE HUIHUS CURATORIBUS , VERE FELICIBUS
Petrus Bulsvilius et Casparus Delsno de Huliecorius in Lotharigi fecerunt.

Zu deutsch: Die Glocke wurde in Rothenburg gegossen, an Gewicht und Aufwand in ehernem Klange auch die übrigen Glocken übertreffend, fertigten sie anno domini 1626 im Monat September unter den Bürgermeistern Johann Staud und Johann Bezolt, desgleichen auch unter ihren Ratsherrn zu ihrem wahrhaftigen Glück (= glückverheißend) Peter Bouleville und Caspar Delson…..

Wetterglocke

Wetterglocke

Die "Große" "Wetter - Glocke"

Die „Große“
„Wetter – Glocke“

Die insgesamt 6 Glocken der Rothenburger St.-Jakobs-Kirche sind eines der ganz wenigen in Deutschland komplett erhaltenen Geläute aus der Zeit des 30 jährigen Krieges und des 17. Jahrhunderts mit einer eigenwilligen Klangstruktur und damit von geschichtlich und kultureller überregionaler Bedeutung. Im Laufe der Geschichte seit 1626 bis in das letzte Jahrhundert hinein entgingen sie immer wieder dem gnadenlosen Schicksal so vieler anderer Glocken, nämlich zur Metallgewinnung „zum Heil des Vaterlandes“ oder anders gesagt für „Kriegszwecke“ herhalten zu müssen und auf Glockenfriedhöfen mit dem Endziel Schmelzofen zu landen.

So sind wir hier seit vielen Generationen in Folge, in dem kleinen romantischen Tauberstädtchen Rothenburg, in der glücklichen Lage immer wiederkehrend aufs neue beim Erwachen des Geläuts Erinnerungen an frohe, friedliche und festliche Tage vergangener Jahre und Jahrzehnte zu haben.

Wenn dann 389 Jahre, nach der Errichtung des Geläuts, die Glocken der Sankt Jakobskirche alljährlich während des Volksschauspiels „Das Historische Festspiel – Der Meistertrunk“ im Kaisersaal zu hören sind, so spiegelt sich darin die Rothenburger Geschichte um die Wirren des 30 jährigen Krieges und der Errettung der Stadt wieder. (www.meistertrunk.de) Jeder Besucher des an Pfingsten stattfindenden Festspiels wird so selbst zu einem Zeitzeugen.

Glocken im Südturm der Sankt Jakobs Kirche:
Große oder Wetterglocke Durchmesser 140 cm;
Predigtglocke Durchmesser 97 cm;
Vesperglocke Durchmesser 69 cm

im Nordturm:
Eins-gen-Nacht oder Torglocke Durchmesser 127 cm;
Mittags- oder Horenglocke Durchmesser 80 cm;
Totenglocke Durchmesser 80 cm

Hier findet Ihr das Zwölfuhrleuten des Sankt Jakobs Kirche: http://br.de/s/1VvCOvC

Danke an:
Gästepfarrer Dr. Oliver Gußmann.
das Stadtarchiv Rothenburg

Sankt Jakob Ostseite Kirchenschiff mit Hochaltar

Sankt Jakob
Ostseite Kirchenschiff mit
Hochaltar

Rechts im Bild: Gästepfarrer Dr. Oliver Gußmann

Rechts im Bild: Gästepfarrer Dr. Oliver Gußmann

Blick vom Süd zum Nordturm auf Sankt Jakob

Blick vom Süd zum Nordturm auf Sankt Jakob

HiTek im Glockenturm

HiTek im Glockenturm

Benjamin Babel

Mein Name ist Benjamin Babel. Ich wurde 1962 in Rothenburg ob der Tauber geboren. Nach der Schulzeit und der Ausbildung führten mich meine Wege als Journalist in alle Welt. Doch das Herz schlägt nun mal in der Heimat und so blieb ich mit meinem Rothenburg auch in der Ferne stets verbunden. Seit 2011 lebe ich wieder in Rothenburg ob der Tauber, direkt am Marktplatz. Vielleicht hat mich der ein oder andere Besucher übrigens schon einmal in den Medien gesehen.

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„Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung“

Der Titel des phantastischen Theaterstücks von Christian Dietrich Grabbe aus dem Jahre 1822 könnte Motto sein für das Programm des Toppler Theaters in der Vergangenheit und auch wieder im kommenden Jahr.

Wir vom Theater bereiten die 8. Saison vor. Wieder mit Bedacht als unterhaltsames Sommertheater. Was man sonst vielfach als Besucher der Metropolen auf deren Bühnen findet, gibt es hier in Rothenburg. So wollen wir auch 2015 unserem Publikum wieder Scherz, Satire, Ironie – verbunden mit tieferer Bedeutung nahe bringen. Die Stücke „Wir lieben und wissen nichts“ und „Der dressierte Mann“, die auf dem neuen Spielplan stehen, folgen diesem Motto und haben erst kürzlich in Hamburg und Berlin und anderen Orten begeistert.

Doch wir haben im Unterschied zu vielen großen Theatern für das Publikum eine Dreingabe: Unsere einmalige, weil so schön historische Umgebung, die die Besucher empfängt und einstimmt, bevor das Spiel beginnt.

Dass wir uns als Theater bewiesen haben, wird seit zwei Jahren durch die staatliche Förderung anerkannt. Es ist aber Zeit, den Beispielen in unserer Nachbarschaft – Schwäbisch Hall sei genannt – und der Mehrzahl der nichtstaatlichen Theater in Deutschland zu folgen und einen Förderverein zu etablieren. Nachdem es bereits eine beträchtliche Zahl von namhaften Unterstützern gibt, sollte dieser Kreis und seine Hilfe ihren angemessenen Rahmen erhalten.

In der Präambel zur Vereinssatzung heißt es: „Am 25. Februar des Jahres 2015 schließt sich ein Kreis von Freundinnen und Freunden des Toppler Theaters aus Kultur, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft zusammen, um den Bestand des im Jahre 2008 … begründeten Toppler Theaters für die Zukunft zu sichern.“ Als wesentliches Ziel des Vereins wird genannt: „die Arbeit des Theaters ideell und materiell zu unterstützen. Darüber hinaus versteht er sich als Bindeglied zwischen dem Theater und der Öffentlichkeit.“

Es ist Ansporn und gibt uns bei unserer ehrenamtlichen Arbeit „Spielraum“ im Wortsinne, wenn wir finanziell gefördert werden. Doch die Möglichkeiten der Unterstützung sind vielfältig: Kostüme und Bühnenbild brauchen Sachbeiträge, unsere Akteure müssen untergebracht werden. Die Betreuung der Gäste vor und nach den Vorstellungen erhöht den Theatergenuss, macht aber viel Arbeit. Und eine riesige Hilfe ist es, wenn man Mitarbeiter, Kollegen und Freunde zu einem Besuch bei uns bewegt oder gar einlädt.

Interessiert, dem Förderverein beizutreten?

Gründungsversammlung ist am 25. Februar, 20 Uhr, Hotel Schranne, Rothenburg ob der Tauber.

Publikum (2)

Publikum vor dem Toppler Theater

Erich Landgraf

Ich bin ERICH LANDGRAF, in Münster/Westfalen geboren, in Weimar aufgewachsen, seit 1971 im westlichen Mittelfranken und seit 1988 gern in Rothenburg zu Hause. Studiert habe ich Bergbaukunde an der TH Bergakademie Freiberg/Sachsen und mit einem Ingenieurdiplom abgeschlossen. Mein beruflicher Weg hat mich mit Techniken der Baustoffherstellung und des Umweltschutzes vertraut gemacht. Als leitender Angestellter bin ich lange Zeit in Deutschland und im Ausland tätig gewesen und habe dabei große Teile der Welt kennengelernt. Die Organisation von Prozessen und Abläufen ist mir vertraut und macht mir - in der Regel, besonders wenn sie gelingt - viel Freude. Mit Beginn meines Ruhestandes habe ich mich meinen kulturellen Interessen gewidmet. So versuche ich die Erfahrungen des Berufes auf die Organisation des Toppler Theaters zu übertragen. Nachdem das Theater seit 2013 staatlich gefördert wird, scheint die Mühe von Erfolg gekrönt zu sein. Außer der mittelalterlichen Schönheit ROTHENBURG, spricht mich die Umgebung der Stadt besonders an. Die zum Teil unberührte und artenreiche Natur erinnert mich an meine frühere Heimat Weimar. Meine Familie und ich fühlen uns hier zu Hause.

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