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Der Liebling der Pilger und Touristen – die Jakobusstatue vor dem Eingang von St. Jakob

jakobusMeist stehen Heiligenfiguren auf hohen Säulen und Podesten, unerreichbar. Nicht so die bronzene Statue vor dem Eingang von St. Jakob! Sie ist der Liebling der Besucherinnen und Besucher aus aller Welt geworden: Viele posieren für ein Foto mit ihm. Manche scheint der Bronze-Jakobus zu umarmen oder sie legen selbst den Arm um ihn. Der Finger seiner linken Hand ist von den unzähligen Berührungen schon blank gerieben, so dass er jetzt einen goldenen Zeigefinger hat. Besonders Kecke lassen sich von dem goldenen Finger die verspannten Rückenmuskeln massieren. Alles macht er mit, der Heilige. Alles lässt er sich gefallen, ein Jakobus zum Knuddeln und Anfassen.

Finger des Jakobus

Der Künstler Ernst Steinacker

Dabei wollte man ihn anfangs gar nicht hier haben. Der Bildhauer Ernst Steinacker (1919–2008) schuf diese Jakobusfigur. Und er erzählte, er habe einen Traum gehabt, die Figur solle vor der St.-Jakobs-Kirche stehen und den Vorübergehenden den Weg zur Kirche weisen. Noch nicht alle waren davon überzeugt und so stellte man den Jakobus am 31. März 2001 erst einmal probeweise vor der Jakobskirche in Rothenburg ob der Tauber auf bis mit einer Spendensammelaktion die Figur vollends bezahlt war.

Der Künstler Steinacker übrigens lebte und arbeitete bis zu seinem Tod auf dem Schloss Spielberg, etwa eine Autostunde von Rothenburg entfernt. In der historischen Schlossanlage ist noch heute seine fränkische Kunst zu bewundern. Weitere Jakobusfiguren von Steinacker gibt es in Oettingen und Gunzenhausen. Man erkennt sie leicht, weil sie allesamt etwas lang geraten sind und – ein Franke würde sagen: weil sie „Glubschaugen“ haben.

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Rothenburg am Knotenpunkt von Jakobswegen

Unsere Stadt ist bekannt dafür, dass es eine große Zahl von Touristen aus dem In-und Ausland willkommen heißt. Weniger bekannt ist, dass die Stadt an einem Knotenpunkt von Jakobs-Pilgerwegen liegt. Etwa tausend Pilger im Jahr kommen von Nürnberg, Würzburg oder Bamberg und gehen nach dem Besuch Rothenburgs weiter nach Ulm, Rottenburg oder Speyer und schließlich vielleicht auch bis Santiago de Compostela. Viele von ihnen suchen nach Ruhe und nach dem Sinn des Lebens auf dem Pilgerweg. Weil unser Rothenburg eine kleine Stadt mit vielen Gästen ist, schaffen wir es natürlich nicht, allen Besucherinnen und Besuchern und auch nicht allen Pilgerinnen und Pilgern persönlich die Hand zu schütteln. Diese Aufgabe hat schon die bronzene Jakobusfigur von Steinacker übernommen.

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Ein Segen für die Pilgerinnen und Pilger

Wenn ich Pilgerinnen und Pilgern vor der St.-Jakobs-Kirche einen Wegsegen zuspreche, mache ich das häufig an dieser Jakobus-Figur.

Jakobus

Natürlich hat die Jakobusfigur auch eine Botschaft. Sie ist ihm geradezu auf den Leib geschrieben: „Lobet Gott“ steht da unter einem Dreieckszeichen. Das Dreieck mit Auge symbolisiert seit alters her den Dreieinigen Gott, der „nicht schläft noch schlummert“, sondern wacht und behütet, wie es in dem biblischen Pilgerpsalm 121 heißt.

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Mit dem linken, dem „Goldfinger“ zeigt Jakobus auf die Passanten. Die rechte Hand der Jakobus-Figur umschließt den Pilgerstab. Der Zeigefinger dieser Hand weist dabei nach oben in den Himmel. Mit dem rechten Finger zeigt er nach oben zu Gott. So als wolle er die Gäste, Wanderer und Touristen in der Stadt auffordern, doch Pilger zu werden und auf ihrer Reise Gott ein Danklied zu singen.

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Die Körpersprache des Jakobus

Noch ein paar andere Besonderheiten hat die Jakobsfigur: Die Figur ist mit leichtem Gepäck unterwegs. Gerade mal eine kleine Wasserflasche hat Jakobus mitgenommen, doch weder Tasche noch Rucksack. Auf dem Rücken, da wo man umgangssprachlich das „Kreuz“ hat, trägt er ein kleines Kreuz, das wie ein Lebensbaum gestaltet ist.

Statue

Und wer die Körperhaltung der Jakobusfigur mit dem eigenen Körper nachzuahmen versucht, bemerkt plötzlich, dass dieser Jakobus nicht einfach nur still dasteht, sondern selbst ein Pilger oder Tourist ist: das rechte Bein holt nach vorne aus, das linke Bein streckt sich nach hinten, so, als wolle er aufbrechen und unter die Leute gehen. Er ist eben kein Heiliger, unser Jakobus, sondern einer zum Anfassen!

Jakobus mit Schulklasse

Pfarrer Oliver Gussmann, Pilgerbeauftragter der Evangelischen Landeskirche in Bayern, Rothenburg ob der Tauber

Fotos: Willi Pfitzinger, Harald Ernst, Konrad Nieberle, Oliver Gußmann

Oliver Gußmann

In Rothenburg bin ich Touristen- und Pilgerpfarrer an St. Jakob. Das ist die große, an Kunstschätzen reiche evangelische Kirche mit den Doppeltürmen mitten in Rothenburg! Meine Aufgabe ist es, die Kirchen Rothenburgs Gästen und Touristen aus der ganzen Welt bekannt zu machen. Die zahlreichen Gotteshäuser des gotischen Rothenburgs erzählen mit Bildern und Symbolen vom Glauben, der Liebe und der Hoffnung unserer Vorfahren; sie berichten vom Sterben und Auferstehen, von Hingabe und Erlösung. Bei meiner Arbeit hilft mir ein Kirchenführer-Team. Außerdem traue ich Hochzeitspaare, mache Nachtkirchenführungen und vieles mehr. Gerne führe ich durch das jüdische Rothenburg oder biete für Kinder und Jugendliche kirchenpädagogische Führungen an. Für die Jakobuswege, von denen sich einige in Rothenburg kreuzen, bin ich der Ansprechpartner. Mir liegt eine gesunde Umwelt am Herzen. Darum fahre ich ein "Velomobil" - eine Mischung zwischen Seifenkiste und Rennauto. Wenn Sie so etwas in Rothenburg stehen sehen, bin ich sicher nicht weit entfernt! Mehr über meine Arbeit: www.rothenburgtauber-evangelisch.de/tourismus

Weitere Beiträge

Rothenburg – fast schon absurd pittoresk

Rothenburg gilt gemeinhin als eine der romantischsten Städte Deutschlands. Das „romantische Taubertal“ zu Füßen, durch welches sich die ebenso „romantische Straße“ (nebenbei bemerkt: Deutschlands bekannteste und beliebteste Ferienstraße) schlängelt und geradewegs durch die Stadt hindurch, weiter Richtung Alpen führt.

Die Stadt selbst, speziell natürlich die geradezu absurd pittoreske Altstadt (eine Formulierung, die ich übrigens erst heute Vormittag als Kommentar auf folgendes Instagram von mir geerntet hatte ;-)), IMG_2411 blogmit verwinkelten Gassen und Gässchen, Nischen und Nischchen, Fachwerkhäusern und -häuschen, Plätzen und Plätzchen, Brunnen und Brünnchen. Eben all diesen großen und kleinen Dingen, die es sich in dieser schönen Stadt zu entdecken lohnt.

rothenburg - sonnenuntergang vom burggarten aus gesehen

Zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Prächtiger Sonnenuntergang vom Burggarten aus gesehen.

Beste Voraussetzungen auch für einen romantischen Kurztrip. Noch dazu, wenn dieser abseits der touristischen Hochsaison und dem ganzen damit verbundenen Trubel erlebt werden kann.

Das dachten sich vor drei Jahren auch ein paar kreative Köpfe unter der Regie des Stadtmarketing. Auf der Suche nach Ideen, wie die „stade“ Zeit, wie das im Bayerischen eben so heißt, belebt werden könnte, fiel der Blick auf den 14. Februar. Valentinstag. Ein Termin, genau in der Mitte dieser – für Rothenburger Verhältnisse – recht ruhigen Zeit.

Gastronomen, Hoteliers, Einzelhändler und Dienstleister entwickelten die Idee der „Romanze an Valentin“, jenem kleinen und feinen touristischen Package, aus speziellen Übernachtungsangeboten, Veranstaltungen, Verwöhnprogramm, kulinarischen Highlights. So wie man sich das eben für ein kuscheliges Wochenende zu zweit wünscht.

Auf den Spuren der Liebe

Speziell für Verliebte: Stadtführung mit Schwerpunkt auf Liebe und Romantik.

Seit dieser Zeit wird das Paket jedes Jahr aufs neue geschnürt. Mit nach wie vor steigender Resonanz.

Neben einer bewährten „Kernmannschaft“ der Romanze, aus Gastronomie, Hotellerie und Handel, sind in diesem Jahr auch wieder drei neue Teilnehmer mit speziellen Angeboten dabei. Hierüber freuen wir uns vom Stadtmarketing ganz besonders!

So geht dieses Wochenende voller Highlights für verliebte Paare, an dem wohl jeder seine ganz persönliche „Romanze an Valentin“ erleben kann, in diesem Jahr in die dritte Runde.

Mehr über die „Romanze an Valentin“ finden Sie auf der offiziellen Rothenburg-Website, den Flyer zum Angebot können Sie hier herunterladen.

Alexander Baß

Ich bin gebürtiger Rothenburger und habe nach dem Besuch des Reichsstadt-Gymnasiums an einer Außenstelle der Hochschule Offenburg, untergebracht im ehemaligen Benediktinerkloster im schönen Gengenbach, zunächst Wirtschaftsingenieurwesen und dann technische Betriebswirtschaft studiert. Das Studium und der damit verbundene erste Kontakt mit dem damals noch sehr jungen Internet, führte mich unmittelbar in die Selbständigkeit mit einer Agentur für Internet, Multimedia und Werbung, die ich seit nunmehr 20 Jahren betreibe. Wieder hier in Rothenburg. Die Verbundenheit zu unserer schönen Stadt, sowie mein unternehmerischer Hintergrund, haben mich 2011 dazu bewegt, mich mit einigen Mitstreitern der Gründung des Stadtmarketing Rothenburg ob der Tauber e.V. zu widmen, dessen Geschicke ich auch bis heute aktiv begleite. Momentan sitze ich als 2. Vorsitzender im Vorstand und in dieser Funktion möchte ich hier von Zeit zu Zeit über die Aktivitäten des Stadtmarketing berichten.

Weitere Beiträge

Rothenburger Sehenswürdigkeiten für Fortgeschrittene – Die Altstadt auf den zweiten Blick

Die Fortsetzung von Rothenburg auf die Schnelle.

Nachdem ich mich in einem meiner letzten Beiträge darauf konzentriert habe, was während eines kurzen Aufenthaltes in der mittelalterlichen Altstadt in 3-4 Stunden zu schaffen ist, möchte ich nun tiefer einsteigen und hier etwas zeitintensivere Sehenswürdigkeiten vorstellen. Von dem Motto „In der Kürze liegt die Würze“ hin zu „Eile mit Weile“.

Bietet diese fränkische Kleinstadt genug für einen Tagesausflug oder gar eine mehrtägige Städtereise?

Die Antwort ist eindeutig „JA“, denn für die folgenden Sehenswürdigkeiten sollten Sie jeweils 1-2 Stunden, oder im Falle der Museen bei großem Interesse sogar mehr einplanen.

Ob Regen oder Sonnenschein, diese Attraktionen können Sie bei jedem Wetter besuchen. Allerdings gilt es die Öffnungszeiten bzw. Führungszeiten zu beachten. Diese finden Sie auf den jeweiligen Internetseiten, die ich im Text verlinkt habe.

Die größte Sehenswürdigkeit – Nicht nur was für Kirchgänger!

St.-Jakobs-Kirche und Rathausturm - ©Rothenburg Tourismus Service

St.-Jakobs-Kirche und Rathausturm – ©Rothenburg Tourismus Service

Die St.-Jakobs-Kirche befindet sich mitten in der Altstadt, in direkter Nachbarschaft zum Marktplatz mit dem Rathaus und dessen markantem schlanken weißen Turm. Die mächtigen Kirchtürme, mit den elegant durchbrochenen Turmspitzen, sind nicht zu übersehen und prägen nun schon seit über 600 Jahren das Erscheinungsbild des Fränkischen Jerusalems, wie Rothenburg ob der Tauber auch genannt wurde.  Im Mittelalter war diese Kirche, mit der darin befindlichen Heiligblut-Reliquie, von großer Bedeutung für unzählige Pilger. Heute ziehen eher der Bau selbst und der für die Reliquie geschaffene Heilig-Blut-Altar von Tilman Riemenschneider die Besucher an.

Heilig-Blut-Altar in der St.-Jakobs-Kirche

Heilig-Blut-Altar in der St.-Jakobs-Kirche

Diese komplett im gotischen Baustil errichtete Kathedrale ist für mich auch immer wieder sehr beeindruckend und nicht allein der Ausmaße wegen eine der Sehenswürdigkeiten der Stadt, vielleicht auch die Größte. Alleine die blanken Zahlen flößen mir tiefen Respekt ein.

Bauzeit: Baubeginn 1311 / Weihe 1485 = 174 Jahre

Höhe der Türme: 58,20 (Nordturm) / 55,80 (Südturm) Meter – Länge: 80,75 Meter – Breite: 22 Meter

Zahlende Besucher pro Jahr: ca. 140.000 (Stand 2014)

Ja, Sie haben richtig gelesen. „Zahlende Besucher“. Die Besichtigung kostet Eintritt. Dieser Umstand, übrigens seit 1906, ist für viele erst einmal irritierend und leider häufig auch Grund genug, sich die Sankt Jakobs Kirche nicht genauer anzusehen. Allerdings sind die Unterhaltskosten enorm hoch und die Zahl der Gemeindemitglieder sowie die finanziellen Mittel im Vergleich dazu recht überschaubar. Daher diese ungewöhnliche Entscheidung der Kirchengemeinde eine Besichtigungsgebühr zu verlangen. Doch Sie bekommen auch jede Menge für Ihr Geld. Nicht nur jede Menge Kultur, sondern auch noch während der Saison täglich zwei Kirchenführungen.

Herlin Altar in der St. Jakobs Kriche ©Rothenburg-Tourismus-Service

Herlin Altar in der St. Jakobs Kriche ©Rothenburg-Tourismus-Service

Um 11:00 und 14:30 werden die verschiedenen Sehenswürdigkeiten während der ca. einstündigen Führung kompetent erklärt. Das ist absolut empfehlenswert, denn sonst entgehen einem leicht die vielen Details und Hintergründe. Es gibt einfach viel zu erzählen und auch Anekdoten zu schreiben. So hat einer meiner Kollegen seine Erlebnisse als Kirchenführer in einem Buch mit dem Titel „Wo geht es denn hier zum Romy Schneider Altar“ veröffentlicht. Kaum zu glauben, aber wahr. Da hat mal jemand Tilman Riemenschneider mit der Schauspielerin verwechselt. Außerhalb der Führungszeiten können Sie sich einen Audioguide an der Kasse leihen und sich intensiv mit St. Jakob beschäftigen. Für die ganz Eiligen gibt es einen kostenlosen Kurzführer, doch wird Ihnen dann wahrscheinlich eine der ältesten Darstellungen nördlich der Alpen im Hauptalter ebenso entgehen wie der versteckte zwölfte Jünger im Heilig-Blut-Altar.

Etwas mehr Zeit sollten Sie einplanen wenn Sie beim Mittelalterlichen Kriminalmuseum vorbeischauen wollen.

„Rothenburger Folterkammer“ – Ganz weit vorn in Deutschland!

Innenhof des Mittelalterlichen Kriminalmuseums in Rothenburg

Innenhof des Mittelalterlichen Kriminalmuseums in Rothenburg

Da sind Sie in 30 Minuten nicht durch. Wie auch, wo es doch um einen umfassenden Einblick in die Entwicklung unseres Rechts- und Justizsystems geht. Mindestens eine Stunde empfehle ich als Besuchszeit, wenn Sie sich nur einen Überblick verschaffen wollen. Sie können aber auch viele Stunden in der Ausstellung zubringen. Schließlich handelt es sich um eines der bedeutendsten Rechtskundemuseen in ganz Europa. Manche nennen diese Sammlung mit ca. 50.000 Exponaten auch einfach nur kurz „Foltermuseum“.

Zeichnung der Nürnberger Folterkellerausstellung aus dem 19. Jh. - im Hintergrund die Eiserne Jungfrau

Zeichnung der Nürnberger Folterkellerausstellung aus dem 19. Jh. – im Hintergrund die Eiserne Jungfrau

Vielleicht, weil die Ausstellung der Folterinstrumente und die damit verbundene Vorstellung besonders einprägsam ist. So sehr, dass es ein unvergessliches Erlebnis wird, von dem viele noch Jahrzehnte später erzählen, wenn sie mal wieder nach Rothenburg kommen. Oder weil das Mittelalterliche Kriminalmuseum seinen Anfang als private Sammlung mit dem Namen „Rothenburger Folterkammer“ nahm. Damals befand sich die Ausstellung allerdings noch im heutigen Burghotel. Erst seit 1977 befindet es sich im ehemaligen Johanniterkloster in der Burggasse 3.

Ehemaliges Johanniterkloster - Garten und Außenanlagen - Copyright: Markus Hirte

Ehemaliges Johanniterkloster – Garten und Außenanlagen – Copyright: Markus Hirte

Zugegeben, dieses Thema und die Ausstellungsstücke sind keine leichte Kost, trotzdem ist es das meistbesuchte Museum in Rothenburg. Aber es gibt ja zum Glück genügend Alternativen für Gäste, die es lieber etwas romantischer mögen.

Es weihnachtet sehr – auch bei 30 Grad im Schatten!

Copyright:  Deutsches Weihnachtsmuseum Rothenburg ob der Tauber

Copyright: Deutsches Weihnachtsmuseum Rothenburg ob der Tauber

Eine dieser Alternativen befindet sich nur zwei Ecken weiter. In der Gunst des Publikums ist auch dieses Museum ganz weit oben und das ganz zu Recht. Wenn auch noch relativ neu in der Liste der Sehenswürdigkeiten der mittelalterlichen Stadt, so ist es doch seit seiner Eröffnung im Jahre 2000 zu einer festen Größe unter den Attraktionen geworden. Nicht nur während der Adventszeit, sondern das ganze Jahr hindurch ist Weihnachten ein Thema in Rothenburg ob der Tauber. Dafür hat die Firma Käthe Wohlfahrt mit ihren weltberühmten Weihnachtsläden gesorgt. In einem dieser Weihnachtsläden und zwar dem größten, dem Weihnachtsdorf in der Herrngasse, befindet sich im Obergeschoss das Deutsche Weihnachtsmuseum.

 Der Museumseingang - Copyright: : Deutsches Weihnachtsmuseum

Der Museumseingang – Copyright: : Deutsches Weihnachtsmuseum

Der Eingang zum Museum befindet sich innerhalb des Weihnachtsdorfes und ist sehr leicht zu finden, wenn man denn will. Allerdings vermute ich, dass einige die nach dem Museum fragen gar nicht ins Museum wollen, sondern es eher um den Laden geht. „Ich möchte unbedingt noch ins Weihnachtsmuseum.“ hört sich einfach besser an als „Ich möchte unbedingt noch in den Weihnachtsladen“.

Das halte ich jedoch für einen Fehler, denn um das „Fest der Liebe“, das Christkind, den Weihnachtsmann, Sankt Nikolaus, den Weihnachtsbaum samt des gesamten Schmucks und Brauchtums gibt es so viel Wissenswertes. Schon allein die Frage seit wann wir Weihnachten Ende Dezember feiern und warum, können wahrscheinlich die wenigsten beantworten. Diese und noch viele andere Fragen werden im Museum beantwortet. Übrigens ist ein Besuch im Deutschen Weihnachtsmuseum bei 30 Grad im Schatten gar keine so schlechte Idee wie es sich vielleicht anhört. Denn erstens gibt es natürlich eine Klimaanlage und zweitens ist es bei weitem nicht so voll wie während der Adventszeit. Es ist also zu jeder Jahreszeit einen Besuch wert.

Weihnachtsmann - Copyright: Deutsches Weihnachtsmuseum

Weihnachtsmann – Copyright: Deutsches Weihnachtsmuseum

Übrigens hat das Museum den Antrag gestellt, die Weihnachtlichen Gabenbringer als immaterielles Kulturerbe in Deutschland in das Verzeichnis der UNESCO aufzunehmen. Bei Interesse können Sie den Antrag auf der Internetseite www.weihnachtsmuseum.de unterstützen.

 

Wenn Sie jetzt denken, „Das ist ja alles an einem Tag gar nicht zu schaffen“ haben Sie absolut Recht. Aber auch dafür ist gesorgt und gibt es in Rothenburg natürlich jede Menge ausgezeichnete Hotels, Pensionen, Ferienwohnungen, eine Jugendherberge und ein Online-Buchungssystem der Stadt. Übrigens liegen nicht nur sehr viele dieser Unterkünfte in bzw. um die Altstadt, sondern haben auch ausgezeichnete Bewertungen auf den verschiedenen Buchungsportalen.

Nun hat unsere romantische mittelalterliche Altstadt nicht annähernd eine solche Bar- und Nachtclubdichte wie Ibiza oder Ballermann zu bieten, trotzdem ist natürlich auch am Abend etwas in der Stadt geboten.

Ein Grund etwas länger zu bleiben!

Eine der Institutionen in unserer schönen Stadt ist der Rothenburger NachtwächterRothenburger Nachtwächter, Portrait An (fast) jedem Abend findet ein öffentlicher Rundgang statt, bei dem sich jeder anschließen darf. Natürlich wird dafür ein kleiner Obolus (6,- Euro) fällig, denn auch Nachtwächter leben nicht von Luft und Liebe alleine. Am besten findet man sich bis um 21:30 (auf Englisch um 20:00) Uhr am Marktplatz ein, denn dort beginnt der Rundgang. Auf unterhaltsame und gleichzeitig informative Art wird sowohl die Stadtgeschichte, als auch dieser unehrbare Beruf vorgestellt. Wie in der (nicht so) guten alten Zeit geht der Nachtwächter seine Runde bei jedem Wind & Wetter. Dann allerdings mit weit weniger Gästen als an schönen Abenden. Da sind es nicht selten 100 Gäste oder mehr die dem nächtlichen Rufer lauschen. Das funktioniert übrigens erstaunlich gut, denn der Lärm und Verkehr ist dann fast gänzlich verschwunden. Ein gemütlicher Spaziergang durch die stimmungsvoll beleuchteten Gassen der Altstadt sind für mich die schönsten Stunden, die man in Rothenburg verbringen kann. So ist es auch nicht verwunderlich, dass diese Aktivität bei Tripadvisor direkt nach Altstadt und Stadtmauer an dritter Stelle kommt (Stand: Sep. 2015).

Nachtwächter - ©Rothenburg Tourismus Service, W. Pfitzinger, Exkl

Nachtwächter – ©Rothenburg Tourismus Service, W. Pfitzinger, Exkl

Das Ganze noch garniert mit einem Gläschen Frankenwein in einer unserer gemütlichen Weinstuben krönt den Besuch und schon fühlt man sich wie Gott in FRANKEN.

Klein kann ganz schön groß sein!

„Der Schein trügt!“ zumindest im Falle von Rothenburg ob der Tauber. Unsere im Vergleich zu anderen Städten, so kleine Stadt mit gerademal ca. 11.000 Einwohnern hat viel mehr zu bieten als die Meisten denken. Es ist auch bei weitem nicht so überlaufen wie angenommen wird. Vor allem nicht abseits des Marktplatzes wie zum Beispiel entlang des Turmweges, an den Orten der Stille und am Abend. Was mich an dieser Stadt so begeistert ist, die enorme Dichte und Vielfalt von großen und kleinen Sehenswürdigkeiten auf einer relativ geringen Fläche. Klein kann manchmal ganz schön groß sein.

Vielleicht sehen wir uns ja mal auf einem meiner abendlichen Gänge durch die Stadt als Nachtwächter. Allerdings bin ich zumeist mit kleinen privaten Gruppen unterwegs, das ist romantischer. Kommen Sie doch mal vorbei, wenn Ihnen der Sinn danach steht.

Rothenburger Nachtwächter - H.Ernst Copyright: H.Ernst

Rothenburger Nachtwächter – H.Ernst
Copyright: H.Ernst

Harald Ernst

Bin ich ein Rothenburger? JAIN! Meine Wurzeln liegen nur 15 km von Rothenburg entfernt. Brettheim, früher ein Teil des Stadtgebietes der Reichsstadt mit ca. 180 Dörfern, liegt heute in einem anderen Bundesland (BW). Das erklärt, weshalb ich mich als Rothenburger fühle, inzwischen auch in der Altstadt lebe, aber nicht wie ein Rothenburger klinge. Ich bin ein Hohenloher mit entsprechendem Dialekt (wenn ich will oder darf) und habe mich während meines Zivildienstes (1990/91) in der Jugendherberge in die Stadt verliebt. Außerdem habe ich mich durch die Gäste aus aller Welt inspirieren lassen und das Reisen für mich entdeckt. Menschen, Länder, Abenteuer lassen mich immer wieder meine Koffer packen. Doch genauso gerne kehre ich immer wieder zurück in diese besonders schöne Stadt. Aus Hobby wurde Beruf. Bereits 1993 kam ich zur Gästeführerei. Im Jahr 2000 habe ich mit einem Freund ein Reiseunternehmen gegründet und bin seit dem selbstständiger Stadtführer, Reiseleiter und Driverguide für Gäste aus aller Welt im In- und Ausland. Doch mein Schwerpunkt ist und bleibt Rothenburg ob der Tauber. Hier kenne ich mich am besten aus. Hier bin ich Zuhause.

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Superstar Rabbi Meir ben Baruch von Rothenburg

Der „Maharam“ feiert 2015 seinen 800-jährigen Geburtstag!

Gäbe es in Rothenburg einen walk of fame berühmter Persönlichkeiten, dann würde meiner Meinung nach Rabbi Meir ben Baruch von Rothenburg sicherlich als Erster einen Stern dort verdienen. Sein Biograph Samuel Bäck schrieb: „Er ist der glänzendste Stern, der am Himmel der jüdischen Literatur in Deutschland aufgegangen ist und in finsterer Zeit helles Licht in die Hallen der jüdischen Lehrhäuser Deutschlands und weit darüber hinaus ausgestrahlt hat.“ Rabbi Meir wurde um das Jahr 1215 in Worms geboren. 800 Jahre ist das nun schon her. Nicht einmal das ganz genaue Datum kennt man. Deshalb könnten die Rothenburger ihn ein ganzes Jahr lang feiern – wenn sie wollten.

Gedenktafel Rabbi Meir am Kapellenplatz

Gedenktafel Rabbi Meir am Kapellenplatz

Rabbi Meirs Synagoge und Hochschule in Rothenburg ob der Tauber

Etwa vierzig Jahre, in den Jahren 1246 bis 1286, hat Rabbi Meir in Rothenburg gelebt. Gehen wir vom Marktplatz das Lammwirtsgässchen hinauf Richtung Osten, so gelangen wir schon nach ein paar Metern auf den Kapellenplatz. Vor dem Seelbrunnen erhob sich früher eine drei Stockwerke hohe romanische Synagoge.

Marienkapelle am Kapellenplatz

Marienkapelle am Kapellenplatz

Vielleicht war Rabbi Meir sogar selbst an der Planung des Gebäudes beteiligt. Es war etwa dreizehn Meter lang und zehn Meter breit. Später, im Jahr 1404, wurde die Synagoge in eine Marienkapelle umgewandelt, darum trägt der Platz heute noch den Namen „Kapellenplatz“. Eine Zeichnung von der Synagoge existiert nicht, aber von der Kapelle, in der sie aufgegangen ist. 1804 wurde die Kapelle jedoch abgerissen. All die Überreste, die aus Rabbi Meirs Zeiten noch auffindbar wären, liegen heute verborgen unter der Pflasterdecke oder in den alten Kellern unter den Häusern des Kapellenplatzes. Am Karsamstag 1945, also vor genau 70 Jahren, wurde dieser Teil der Stadt bei einem Fliegerbombenangriff in Schutt und Asche gelegt. Führte man heute am Kapellenplatz eine Ausgrabung durch, so würde man sicherlich auf die Fundamente von Rabbi Meirs Synagoge stoßen. Unweit des Kapellenplatzes liegt das so genannte Rabbi-Meir-Gärtchen, in dessen Mauer jüdische Grabsteine aus der Zeit Rabbi Meirs eingelassen sind.

Kriegszerstörungen am Kapellenplatz

Kriegszerstörungen am Kapellenplatz

Ganz in der Nähe der Synagoge stand wohl auch das Schulhaus des Rabbi Meir, mit über 21 Studenten-Zimmern. In dieser Schule oder „Jeshiva“ dachten der Meister und seine Studenten über den „Jewish way of life“ in einer mittelalterlichen Stadt wie Rothenburg ob der Tauber nach und diskutierten miteinander über die Bibel, über Gott und die Welt. Und über den Talmud. Offensichtlich machte der Rabbi seine Sache gut, denn man nannte ihn respektvoll bald nur noch den „Maharam“, was „unser Lehrer, der Rabbi Meir“ bedeutet.

Maharam: Unser Lehrer Rabbi Meir

Maharam: Unser Lehrer Rabbi Meir

Für Rothenburg erwies der Lehrer sich als Magnet: Während seines Wirkens wuchs die Bevölkerungszahl in Rothenburg um mehr als 470 Menschen an. – Auch derzeit plant die Stadt Rothenburg sich in die Reihe der Hochschulstädte einzufügen, um so die Stadt weiter zu entwickeln.

Fragen und Antworten zum jüdischen Leben im Mittelalter

Und wieso ist Rabbi Meir nun eigentlich so prominent? Meir besaß ein ganz außergewöhnliches Gedächtnis und in Diskussionen mit anderen Gelehrten überzeugte er mit den besten Argumenten. Außerdem dichtete er religiöse Lieder, sogenannte Pijutim. Seine Ausbildung erhielt Rabbi Meir in Paris bei den besten Lehrern seiner Zeit. Nach seinen Lehr- und Wanderjahren entschied sich Rabbi Meir sich in dem damals noch völlig unbekannten Städtchen Rothenburg ob der Tauber niederzulassen.

E-Mails oder Twitter-Botschaften erreichen heute in Sekundenschnelle das andere Ende der Erde. – Bereits vor über 700 Jahren gelang Rabbi Meir etwas Ähnliches, nur dauerte es etwas länger: Er pflegte eine internationale briefliche Korrespondenz mit Kollegen in Frankreich, Spanien, Italien, Böhmen, Österreich und sogar mit der israelischen Stadt Akko. Wenn ein jüdisches Gericht sich bei einem schwierigen Fall nicht einig wurde, so wandte man sich nach Rothenburg an Rabbi Meir. Dazu sandte man einen speziellen Boten mit der Anfrage nach Rothenburg. Rabbi Meir diskutierte die Anfragen mit seinen Schülern und ließ die Argumente und die Entscheidungen aufschreiben. Schon bald sandte er den Boten mit dem Gutachten wieder zurück. Rabbi Meirs Schüler haben mehr als tausend seiner „Responsa“ nach Themen geordnet und überliefert. Viele seiner Antworten werden auch heute noch zitiert:

Und für Historiker heute sind solche Antwortschreiben eine Fundgrube, denn sie gewähren Einblick in das Leben einer mittelalterlichen Stadt des 13. Jahrhunderts. Das Reichsstadt-Museum von Rothenburg hat eine eigene Judaica-Abteilung, die auch über das Leben Rabbi Meirs informiert.

Rabbi Meirs Grab in Worms

Gräber von Rabbi Meir und Alexander ben Salomo in Worms

Gräber von Rabbi Meir und Alexander ben Salomo in Worms

Rabbi Meirs Leben endete tragisch. Da er seine Steuern nicht mehr bezahlen konnte, brach er bei Nacht und Neben auf, um mit seiner ganzen Familie ins Gelobte Land nach Israel zu fliehen. Er kam jedoch nicht weit. Im Sommer 1286, nachdem er auf einem anstrengenden Marsch schon die Alpen überquert hatte, wurde der berühmte Gelehrte in einer Bergstadt in der Lombardei erkannt und ausgeliefert. König Rudolf I. von Habsburg kerkerte ihn ein und forderte für die Freilassung des Rabbi Meir ein immenses Lösegeld von den jüdischen Gemeinden. Doch Meir verbot seinen Anhängern, ihn freizukaufen. Seine Antwort wird heute noch zitiert, wenn es um die Frage von Lösegeldzahlungen für Entführte an Terroristen geht. – Übrigens drehte vor einigen Jahren der kanadische Regisseur Lewis Cohen den Dokumentarfilm „Jews & Money. Investigation of a Libel“, bei dem es auch um die Position Rabbi Meirs von Rothenburg geht und um Vorurteile gegenüber Juden und Geld. Allerdings ist es in der gekürzten Fernsehfassung bei einigen Rothenburg-Impressionen geblieben (Part 1: 24:45–25:30). Anlass für den Film war die Entführung und Ermordung des französichen Juden Ilan Halimi in Paris.

Rabbi Meir starb 1293 nach sieben Jahren Kerkerhaft in der Festung von Ensisheim im Elsass. Seine letzte Ruhe fand Rabbi Meir erst im Jahr 1307 auf dem „Heiligen Sand“, wie der jüdische Friedhof in Worms heißt. Seine sterblichen Überreste waren von einem Verehrer des großen Maharam, Alexander ben Salomo aus Wimpfen  (manchmal Süßkind Wimpfen genannt) für zwanzigtausend Mark Silber freigekauft worden, ein Vermögen. Zum Dank für seine großherzige Tat erhielt der Meir-Getreue sein Grab neben dem des berühmten Gelehrten. In einem Teil der Inschrift heißt es: „Nun ist das Glück ihm zuteil geworden, an seiner Rechten bestattet zu sein. Möge er auch im Jenseits unter den Seligen in Eden ihm zur Rechten weilen.“ Auf beiden Gräbern liegen viele kleine Steine, die dort nach jüdischer Sitte beim Besuch eines Grabes abgelegt werden. – Ein Zeichen dafür, dass man sich noch immer an den Glanz des Sternes aus Rothenburg erinnert.

 

Oliver Gußmann

In Rothenburg bin ich Touristen- und Pilgerpfarrer an St. Jakob. Das ist die große, an Kunstschätzen reiche evangelische Kirche mit den Doppeltürmen mitten in Rothenburg! Meine Aufgabe ist es, die Kirchen Rothenburgs Gästen und Touristen aus der ganzen Welt bekannt zu machen. Die zahlreichen Gotteshäuser des gotischen Rothenburgs erzählen mit Bildern und Symbolen vom Glauben, der Liebe und der Hoffnung unserer Vorfahren; sie berichten vom Sterben und Auferstehen, von Hingabe und Erlösung. Bei meiner Arbeit hilft mir ein Kirchenführer-Team. Außerdem traue ich Hochzeitspaare, mache Nachtkirchenführungen und vieles mehr. Gerne führe ich durch das jüdische Rothenburg oder biete für Kinder und Jugendliche kirchenpädagogische Führungen an. Für die Jakobuswege, von denen sich einige in Rothenburg kreuzen, bin ich der Ansprechpartner. Mir liegt eine gesunde Umwelt am Herzen. Darum fahre ich ein "Velomobil" - eine Mischung zwischen Seifenkiste und Rennauto. Wenn Sie so etwas in Rothenburg stehen sehen, bin ich sicher nicht weit entfernt! Mehr über meine Arbeit: www.rothenburgtauber-evangelisch.de/tourismus

Weitere Beiträge

In der ruhigen Zeit ist ganz schön was los im Fränkischen Kleinod.

19 Sonderführungen zum Weltgästeführertag 2015 in Rothenburg ob der Tauber.

Am Wochenende 21. + 22. Februar ist es wieder soweit. Wir vom Verein der Rothenburger Gästeführer bieten zahlreiche einmalige Sonderführungen unter dem gemeinsamen Motto „Steine“ an. Die Angebote richten sich an Einheimische ebenso wie Besucher. Die Teilnahme ist kostenlos und jeder ist ohne Anmeldung herzlich willkommen. Auch in diesem Jahr ist es uns wieder gelungen nicht nur sehr interessante Themen zu finden, sondern auch Türen zu öffnen die sonst für die meisten verschlossen bleiben. Dazu mehr bei den einzelnen Programmpunkten.

Seit 2009 erfreut sich diese Veranstaltung einem ständig wachsenden Interesse. Auf bisher 83 Veranstaltungen wurden über 6200,- Euro gesammelt. So bitten wir auch in diesem Jahr wieder um Spenden für einen guten Zweck.

 

5 der Aktiven des WGFT 2015 in Rothenburg o.d.T.

5 der Aktiven des WGFT 2015 in Rothenburg o.d.T.

Das Programm

Die Auftaktveranstaltung

Bereits am Samstag, den 21. Februar um 14.00 Uhr findet als Auftaktveranstaltung eine Wanderung unter dem Motto „Stein und Wein“ im Rothenburger Weinberg durch die Familie Thürauf statt. Was haben Steine und der Boden für einen Einfluss auf den Wein?

Treffpunkt: Blasiuskapelle im Burggarten

Dauer: ca. 1 Stunde  Strecke: ca. 1 Kilometer

Gästeführer: Herr Thürauf

Der Weinbau in Rothenburg ob der Tauber kann auf eine sehr lange Geschichte zurückblicken – war doch der Wein in früheren Zeiten das einzige Getränk, das man unbedenklich zu sich nehmen konnte.

So wird berichtet, dass die Nonnen im Dominikanerinnenkloster täglich mehrere Liter tranken. Nach langer Pause und einem mühseligen Weg durch die Instanzen durfte die Winzerfamilie Thürauf  an der Riviera wieder Wein, als Hauptsorten Johanniter und Regent, anpflanzen. Nur ein paar Schritte vom Burggarten entfernt wandert man über einen Weinlehrpfad mit einer Vielzahl von Steinen und mit sehr seltenen Rebsorten – der richtige Einstieg, den guten Frankenwein später selbst zu kosten.

 

3,5 x 5 Führungen am Sonntag 22.02.

Die Hauptveranstaltung findet mit 3,5 x 5 Führungen am Sonntag statt.

Jeweils um 12:00; 13:00; 14:00 und 15:00 Uhr werden vier der fünf Führungen angeboten. Die Bauhütte der St. Jakobskirche wird um 14:00 und 15:00 zu besichtigen sein.

 

Der Mensch als Stein – Die Philosophie der Freimaurer

Treffpunkt:        Altes Spital, Eingang Spitalgasse 48

Gästeführer:     Herr Harald Ernst

Erfahren Sie, wie sich aus den mittelalterlichen Bauhütten in der Zeit der Aufklärung die Freimauerei entwickelte, was Freimauerei ist und was die Rothenburger Loge in der Gegenwart macht.
Dies und mehr erwartet Sie im Schäfersaal, einem der schönsten Säle Rothenburgs der sonst nicht öffentlich zugänglich ist. Dieser Saal ist der Ort, an dem sich die Brüder der Loge zu den 3 Türmen  regelmäßig für ihre rituellen Arbeiten versammeln.

 

 

Die steinernen Neidköpfe, Schutzgeister und Symbolfiguren

Treffpunkt:        Heilig Geist Kirche, Spitalgasse

Gästeführer:     Frau Ruth Pianka, Frau Marianne Gröschel

Die vielen in Rothenburg vorhandenen Neidköpfe sind Ihnen vielleicht noch gar nicht bewusst aufgefallen. Aber es gibt sie in allen Stadtteilen – Figuren, Köpfe und Masken auf den Gebäuden und an den Wänden. Was bedeuten die Neidköpfe und wo sind sie überall zu finden?

 

Steinreich

Treffpunkt:        Marktplatz Rathausportal

Gästeführer:     Frau Claudia Koller-Lindner

Rothenburg ist reich an Steinbauten. Was bedeutet „steinreich“? Was bedeutet dagegen „unter Dach und Fach“. Statussymbole früher und heute – was hat sich geändert – was ist gleich geblieben. Ein kurzer Weg entlang  steinerner Statussymbole in der Herrngasse bis zum WALTHERSCHEN HAUS – heute  Hotel Eisenhut. Auch dort werden sich Türen öffnen, um Einblicke hinter die Steinmauern in Wohnbereiche freizugeben, die sonst für die meisten verschlossen sind.

Stein + Reich = Steinreich

Stein + Reich = Steinreich

Die Geschichte der Vermessung und die Rolle der Grenzsteine

Treffpunkt:        Eingang Kriminalmuseum

Gästeführer:     Frau Karin Bierstedt, Herr Andreas Baur

Die Grenzsteinsetzung der Siebener war ein feierlicher Akt. Eine Ohrfeige zur Erinnerung an den Standort des Steines und andere Bräuche sind heute nicht mehr üblich. Wie wurde früher der Besitz „abgesteckt“? Wie hat sich das im Laufe der Zeit geändert. Ein interessanter Blick in die Geschichte und die Bayerischen Karten zeigt Details, die es heute teilweise nicht mehr gibt. Wie wird heute digital vermessen und was kann man mit geodätischen Messpunkten machen?

 

„Die Bauhütte der St. Jakobskirche“.

Zeiten:                Nur 14:00 und 15:00 Uhr!!!

Treffpunkt:        Eingang St.-Jakobs-Kirche

Gästeführer:     Herr Dr. Oliver Gußmann, Herr Thomas Ehrlinger

Die Bauhütten entwickelten sich aus dem romanischen Kirchenbau durch Mönche hin zum organisierten Bauablauf gotischer Kathedralen, der unterschiedlichste Handwerke umfasste. Eine Besonderheit bildete die Organisationsform der Steinmetze in der Steinmetzbruderschaft, weil sich die Meister der anderen Gewerke lediglich in den Zünften und die Gesellen gesondert organisierten. Deshalb ist grundsätzlich zwischen Bauhütte, Steinmetzbruderschaft und Zunft zu unterscheiden.

Von besonderer Bedeutung war die qualifizierte Ausbildung der gotischen Bauhütte, die in Lehrlinge, Gesellen und Wandergesellen, Kunstdiener, Laubhauer, Parliere, Steinbildhauer und Meister unterschied.

 

In der Bauhütte von St. Jakob.

In der Bauhütte von St. Jakob.

 

Zu schade, dass ich die Angebote am 22.02. verpassen werde. Bin ich doch selbst voll eingespannt. Deshalb steht es noch in den Sternen, ob ich danach über die Veranstaltung berichten werde. Meine Empfehlung ist also – selber teilnehmen. Allerdings ist da schon eine gute Kondition gefragt, denn in der ruhigen Zeit ist zumindest an diesem Wochenende ganz schön was los in dem romantischen Rothenburg ob der Tauber. Eine Stadt die mehr ist als nur schön anzuschauen.

Harald Ernst

Bin ich ein Rothenburger? JAIN! Meine Wurzeln liegen nur 15 km von Rothenburg entfernt. Brettheim, früher ein Teil des Stadtgebietes der Reichsstadt mit ca. 180 Dörfern, liegt heute in einem anderen Bundesland (BW). Das erklärt, weshalb ich mich als Rothenburger fühle, inzwischen auch in der Altstadt lebe, aber nicht wie ein Rothenburger klinge. Ich bin ein Hohenloher mit entsprechendem Dialekt (wenn ich will oder darf) und habe mich während meines Zivildienstes (1990/91) in der Jugendherberge in die Stadt verliebt. Außerdem habe ich mich durch die Gäste aus aller Welt inspirieren lassen und das Reisen für mich entdeckt. Menschen, Länder, Abenteuer lassen mich immer wieder meine Koffer packen. Doch genauso gerne kehre ich immer wieder zurück in diese besonders schöne Stadt. Aus Hobby wurde Beruf. Bereits 1993 kam ich zur Gästeführerei. Im Jahr 2000 habe ich mit einem Freund ein Reiseunternehmen gegründet und bin seit dem selbstständiger Stadtführer, Reiseleiter und Driverguide für Gäste aus aller Welt im In- und Ausland. Doch mein Schwerpunkt ist und bleibt Rothenburg ob der Tauber. Hier kenne ich mich am besten aus. Hier bin ich Zuhause.

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Rothenburg auf die Schnelle – Die größten Sehenswürdigkeiten

Top 1-4 in 3-4 Stunden

Ankunft um 11:00 – Abfahrt um 14:30

Ausfahrt Rothenburg ob der Tauber an der A 7. Mal eben einen Kaffee am Marktplatz, etwas die Beine vertreten und dann geht es wieder weiter.

Schwer zu sagen wie lange die durchschnittliche Aufenthaltsdauer unserer Gäste ist. Eines ist sicher. Vielen bleibt nicht viel Zeit. Immer wieder erlebe ich wie Gruppen die übliche Stadtführungsdauer von 90 – 120 Minuten kürzen um wenigsten noch etwas Freizeit zu haben bevor die Reise weiter geht. „Hop on – Hop off“ durch Europa. Doch was sollte man sehen um Rothenburg gesehen zu haben? In einer kleinen Serie von Blogbeiträgen möchte ich die verschiedenen Sehenswürdigkeiten meiner Stadt vorstellen. Stück für Stück immer tiefer in das Herz dieser Perle des Mittelalters, oder in die Zeitmaschine Mittelalter, so wie ich die Altstadt von Rothenburg bezeichne.

Eine Begegnung der besonderen Art!

Vor ca. 2 Wochen war es mal wieder soweit. Eine Begegnung der besonderen Art.

Für eine große Reisegruppe mit über 100 Gästen aus Südostasien waren 3 x 2-stündige Stadtführungen bestellt. Ein Besuch des mittelalterlichen Kleinods an der Romantischen Straße incl. Mittagessen und das auf dem Weg von Füssen / Schloss Neuschwanstein nach Frankfurt a. M. Solch eine Reiseplanung ist üblich, wenn auch ambitioniert. Oder anders gesagt, für Viehtransporte durch Europa herrschen strengere Vorschriften. Vor allem wer schon einmal mit Gästen aus Südostasien zu tun hatte, die Uhren gehen dort etwas anders, wird sich nicht wundern wenn ich sagen, dass die Gruppe ca. 1 Stunde zu spät kam. Zum Ausgleich dafür wollten Sie aber wieder früher los, denn es war Freitagnachmittag und entsprechend viel Verkehr auf deutschen Autobahnen. Oh Wunder 😉 wer hatte das gedacht. So kam der Zeitplan etwas durcheinander und es musste etwas schneller gehen.

Auf dem Programm stand ein Besuch der St. Jakobskirche mit Besichtigung des Heiligblutaltares und was im Reiseprogramm steht wird auch gemacht. Das Reiserecht kennt da keine Gnade. Durch Streichung der 20-minütigen Freizeit für die Gäste, blieben für die Führung durch Rothenburg incl. Fußweg zum Busparkplatz und Toilettenpause 40 Minuten. Das ist schon ein recht sportliches Vorhaben wenn man alleine in der Stadt unterwegs ist, aber mit 35 Asiaten im Schlepptau eine echte Herausforderung. Erschwerend kam hinzu, dass nur die Hälfte Englisch verstand und alles noch auf Chinesisch übersetzt werden musste. Da heißt es ruhig zu bleiben und nur nicht stressen lassen.

Aber die Gäste waren in Rothenburg ob der Tauber!

Was muss man gesehen haben?

Wenn ich Menschen, die Rothenburg nicht kennen, die Empfehlung ausspreche, die Stadt einmal zu besuchen, dann kommt verständlicherweise die Frage was es dort zu sehen gibt. „Na die Stadt“ sage ich dann, auf was meist „Wie die Stadt?“ als irritierte Erwiderung folgt. Aber tatsächlich ist die Altstadt von Rothenburg bei Tripadvisor.de mit 1285 Topbewertungen die unangefochtene Nummer 1 von 37 Sehenswürdigkeiten in der Stadt. Auf Rang 2 kommt mit weniger als der Hälfte von Bewertungen die Stadtmauer. (Stand Nov. 2014) Die meisten anderen Sehenswürdigkeiten bringen es aktuell auf weniger als 100 Bewertungen. Wobei streng genommen würde ich die Stadtmauer als Teil der Altstadt sehen. Aber ich möchte hier nicht päpstlicher als der Papst sein und spreche deshalb die dringende Empfehlung aus. Nicht nur anschauen, sondern

Stadtmauer Stadtmauer_2

„Rauf auf die Mauer“!

Sich die Mauer nur anzuschauen ist keine Leistung, denn man kann unmöglich die Altstadt besuchen ohne die Mauer zu sehen. Schließlich geht diese auf einer Länge von ca. 3,5 Kilometer einmal komplett um die Stadt herum. Auf 60-70 % ist ein begehbarer Wehrgang, mit Zugängen an und zwischen den Stadttoren. Also ca. alle 200-300 Meter kommt man rauf oder runter. Der Aufstieg auf die Stadtmauer ist jederzeit kostenfrei möglich, erfolgt allerdings auf eigene Verantwortung. Die Mauer ist schließlich nicht für Touristen gebaut worden und auch nicht vom TÜV abgenommen. Seit diesem Jahr gibt es auch sehr gelungene Erklärungen entlang der Mauer. Der Turmweg ist im Frühjahr 2014 eröffnet worden und war bereits einmal Thema für einen Beitrag von mir. Siehe „Lohnende Umwege oder der neue Rothenburger Turmweg“

Stadtmauer am Dominikanerinnenkloster - Rothenburg o.d.T. - Foto: H. Ernst

Stadtmauer am Dominikanerinnenkloster – Rothenburg o.d.T. – Foto: H. Ernst

Alle Wege führen nach Rom!

So wie das Straßensystem im römischen Imperium auf das Zentrum ausgelegt war, funktionieren viele mittelalterliche Städte. Die Gassen von den Toren führen ins Zentrum.

In Rothenburg liegt zentral im Herzen der Altstadt der wunderschöne Marktplatz mit unserem beeindruckenden Rathaus. Übrigens ist dies an 4. Stelle der Sehenswürdigkeiten bei Tripadvisor. So viele Menschen können nicht irren. Wobei ich mich gerade frage, wie viele von denen, die das Rothenburger Rathaus als eine Topsehenswürdigkeit bewertet haben, wirklich in seiner gesamten Pracht und Vielfalt erfahren haben? Nicht nur, dass unser Rathaus schon alleine durch seine Größe für eine Stadt mit weniger als 11.000 Einwohnern sehr beeindruckend ist. Nein, es fügen sich auch noch drei bedeutende Baustiele zu einem Gesamtkunstwerk zusammen. Gotik – Renaissance – Barock.

Dieses Gebäude ist vielversprechend und hält noch mehr. So etwas findet man nicht so leicht.

Ein Gebäude das mehr hält als es verspricht!

Gerade wenn die Zeit knapp ist gibt es eine ausgezeichnete Möglichkeit die gesamte Altstadt zu sehen.

Rauf auf den Rathausturm!

Ein echtes Erlebnis, das mit einem fantastischen Blick über die Stadt, das Taubertal und weite Teile des Umlandes belohnt wird. Zugegeben, die ca. 220 Stufen setzen eine gewisse Fitness voraus und nicht nur das. Im oberen Teil geht es recht steil und eng zu, denn auch dieser Turm wurde ursprünglich nicht für Touristen gebaut. Sehr wohl aber als Aussichtsturm. Aus diesem Grund war er auch ständig von zwei Türmern besetzt. Die waren sicherlich sehr beweglich, denn es galt ja nicht nur auf den Turm zu kommen, sondern auch noch auf die umlaufende Plattform zu kommen und dazu sind schon leichte Gymnastische Übungen notwendig. Damit möchte ich sagen, dass der Rathausturm, so lohnend die Aussicht ist, nichts für Menschen mit Gehbehinderung oder Höhenangst ist. Für alle anderen schon. Allerdings gilt es zuvor den Zugang zum Turm zu finden. Dieser ist nicht wie man annehmen könnte direkt unter dem Turm, sondern im Dachstuhl des weißen gotischen Teils des Rathauses. Dort regelt ein Drehkreuz die Zahl der Turmbesteiger. Bevor dies vor ein paar Jahren angebracht wurde kam es regelmäßig zu Verstopfung. Es strebten ständig Menschen nach oben, ohne eine extra eingerichtete Ampelanlage zu beachten und behinderten damit den Abstieg der gehenden Gäste. Dann ging nichts mehr. In der Enge der Turmtreppe müssen sich verrückte Szenen abgespielt haben. Zum Glück sind diese Zeiten vorbei.

Stellt sich nur noch die Frage wie man bis zu diesem Drehkreuz kommt. Das ist relativ einfach. Über die wunderschöne Wendeltreppe des Renaissanceteils des Rathauses. Also einfach direkt vom Marktplatz den angesetzten Treppenturm betreten und dann bis ganz nach oben. Dann durch die einzige Tür und schon sieht man das Drehkreuz und hoffentlich sonst niemanden. Denn je mehr dort stehen umso länger ist die Wartezeit. 30 Minuten sollte man für die ganze Aktion mindestens einplanen. Also für die 100 Asiaten wäre das nichts gewesen.

Übrigens gibt es da noch zwei sinnvolle Dinge zu beachten bevor man den Gang nach oben antritt. Erstens empfehle ich mit einem Blick auf die Informationstafel am Beginn der Wendeltreppe zu prüfen, ob der Turm überhaupt geöffnet ist. Denn sonst ist nach der Hälfte des Weges Schluss und das wäre ärgerlich. Aber noch ärgerlicher und damit sind wir bei Zweitens, auf jeden Fall prüfen ob das Geld in der Tasche auch für den Eintritt reicht. Es ist nicht teuer, aber wird man kurz vor dem Ziel vom Türmer in seiner Turmstube wieder nach unten geschickt ohne auf die Aussichtsplattform zu kommen. Also ich würde mich über so etwas richtig ärgern.

Rathausturm Rothenburg o.d.T. ©Harald Ernst

Rathausturm Rothenburg o.d.T. ©Harald Ernst

Ein besonderer Anblick!

Nun noch zu etwas was Rothenburg-Kenner und Blogleser von den übrigen Besuchern unterscheidet. Ein Geheimtipp. Der Blick durch das Zentrum der Wendeltreppe ist wirklich etwas Besonderes. Es fasziniert mich immer wieder, mit welcher Genauigkeit die Steinmetze früher schon arbeiten konnten. Solch eine Demonstration der Kunstfertigkeit ist die Wendeltreppe des Rathauses. Wie das Innere eines perfekt geformten Schneckenhauses windet sich die Treppe Stufe für Stufe nach oben. Der Blick reicht bis hinauf zu der reich verzierten Decke des Treppenturms und zeigt dort das Zeichen der Macht. Wer Augen wie ein Adler hat kann es vielleicht schon von ganz unten erkennen, ansonsten empfehle ich einen Blick zur Decke wenn man oben angekommen ist.

Wendeltreppe Rathaus Rothenburg o.d.T. - Foto: H. Ernst

Wendeltreppe Rathaus Rothenburg o.d.T. – Foto: H. Ernst

Das Rathaus hat noch mehr zu bieten, aber wer Rothenburg nur mal auf die Schnelle besuchen möchte, hat eben nicht für alles Zeit.

Zum Abschluss!

Den Abschluss oder den Anfang, ganz wie man will, bildet der Burggarten. Auch hier gibt es einiges zu entdecken, mal ganz davon abgesehen, dass sich fantastische Ausblicke ins Taubertal und auf die Stadt bieten. Dieser Teil der Altstadt ist dann auch aktuell auf Platz 3 der Gästegunst bei Tripadvisor und damit ist ein erster Eindruck gelungen.

Anbieten würde sich natürlich auch noch etwas die besondere Atmosphäre innerhalb des Mauerrings auf sich wirken zu lassen. Dafür gibt es reichlich Gelegenheit in einem der Cafés am Marktplatz oder entlang der Hauptgassen. Eine Stimmung die weder hektisch noch ruhig zu nennen ist. Entspannt würde ich sagen, begegnen und bewegen sich die Menschen aus aller Welt an diesem so besonderen Ort. Irgendwie gehen die Uhren in Rothenburg ob der Tauber anders. Als würden die alten Gemäuer beruhigend auf die Menschen wirken und sich alles in einer anderen Geschwindigkeit innerhalb einer Zeitblase bewegt.

Wer etwas mehr Zeit als 2 Stunden zwischen Neuschwanstein und Frankfurt am Main mitbringt, sollte sich nicht wundern, wenn er etwas angerührt von diesem Hauch der Geschichte, für einen Moment zur Ruhe kommt und die Seele baumeln lassen kann.

Vielleicht sehen wir uns ja mal oder kommen bei einem Cappuccino im Cafe am Markt bzw. einer Feuerzangenbowle während des Weihnachtsmarktes ins Gespräch. Ich würde mich freuen zu hören, was Ihnen beim Anblick dieser schönen Häuser und Gassen so in den Sinn kommt.

Harald Ernst

Bin ich ein Rothenburger? JAIN! Meine Wurzeln liegen nur 15 km von Rothenburg entfernt. Brettheim, früher ein Teil des Stadtgebietes der Reichsstadt mit ca. 180 Dörfern, liegt heute in einem anderen Bundesland (BW). Das erklärt, weshalb ich mich als Rothenburger fühle, inzwischen auch in der Altstadt lebe, aber nicht wie ein Rothenburger klinge. Ich bin ein Hohenloher mit entsprechendem Dialekt (wenn ich will oder darf) und habe mich während meines Zivildienstes (1990/91) in der Jugendherberge in die Stadt verliebt. Außerdem habe ich mich durch die Gäste aus aller Welt inspirieren lassen und das Reisen für mich entdeckt. Menschen, Länder, Abenteuer lassen mich immer wieder meine Koffer packen. Doch genauso gerne kehre ich immer wieder zurück in diese besonders schöne Stadt. Aus Hobby wurde Beruf. Bereits 1993 kam ich zur Gästeführerei. Im Jahr 2000 habe ich mit einem Freund ein Reiseunternehmen gegründet und bin seit dem selbstständiger Stadtführer, Reiseleiter und Driverguide für Gäste aus aller Welt im In- und Ausland. Doch mein Schwerpunkt ist und bleibt Rothenburg ob der Tauber. Hier kenne ich mich am besten aus. Hier bin ich Zuhause.

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Das Geheimnis der Heilig-Blut-Reliquie in St. Jakob Rothenburg ob der Tauber

Am Heilig-Blut-Altar

Schwer keucht ein Besucher als er die 32 Stufen zum Westflügel der St.-Jakobs-Kirche erklommen hat. Schnaufend lässt er sich auf einen der Stühle dort nieder. Endlich ist er in der Heilig-Blut-Kapelle angelangt. Sein Atem wird ruhiger. Er sieht sich um in dem gotischen Gewölbe. Die hohen Fenster tauchen den hohen Raum in ein mildes Licht Vor ihm erhebt sich der mächtige und zugleich zierliche Holzaltar von Tilman Riemenschneider. Vor gut einem halben Jahrtausend hat der Meister der Hochgotik die Figuren für eine noch viel ältere Heilig-Blut-Reliquie angefertigt. Zwei Lindenholz-Engel umfassen den Schaft eines goldenen Schmuckkreuzes.

Heilig-Blut-Kapelle

 Netzgewölbe in der Heilig-Blut-Kapelle

Was die Heilig-Blut-Reliquie bedeutet

Im Mittelpunkt des Kreuzes wölbt sich eine geheimnisvolle Kristallkugel. Das Sonnenlicht bricht sich im Kristall. Nur schemenhaft lässt sich erahnen, dass sich etwas darin verbirgt. 1672 soll ein neugieriger Mesner von St. Jakob zu dem Kreuz emporgestiegen sein und die Kapsel des Bergkristalls geöffnet haben. Er fand darin Baumwolle und einen Zettel mit einem Hinweis auf die Messweinreliquie. Das „Heilige Blut“ hat überhaupt nichts mit dem Heiligen Gral oder mit Kreuzrittergeschichten zu tun, auch wenn man das in manchen Rothenburger Stadtführern noch so lesen kann. Man bezeichnet mit „Blut Christi“ in der katholischen Kirche den Messwein nach der sogenannten „Wandlung“ bei der Eucharistie. Im Mittelalter soll ein Priester um das Jahr 1270 bei der Einsetzung des Abendmahls vom Messwein verschüttet haben. Aus Ehrfurcht vor dem Heiligen Blut Christi hat man die verschütteten Tropfen hier aufbewahrt und ihnen alsbald Wundertätigkeit zugeschrieben. Viele Menschen hörten davon und machten sich auf den Weg nach Rothenburg, um hier zu beten und gesund zu werden. Sie brachten ihre Sorgen und Nöte mit und ihre Wunden: Augenleiden, eiternde Kriegsverletzungen, Blutungen, schlecht heilende Wunden. Ein Gebet an diesem Altar versprach nicht nur das Heil der Seele, sondern eben auch körperliches Heil.

Das Reliquienkreuz im Heilig-Blut-Altar

Das Reliquienkreuz im Heilig-Blut-Altar

Der einzige Heilig-Blut-Altar in einer evangelischen Kirche

Und es waren dermaßen viele Menschen, die kamen, dass man im Jahr 1453 die Klingengasse mit dem erweiterten Westchor von St. Jakob überbaute und mit zwei Treppen den Aufstieg zur und den Abstieg von der Heilig-Blut-Kapelle ermöglichte. So ist der Heilig-Blut-Altar wohl der einzige Riemenschneider-Altar, der hoch über einer Straße steht. Überhaupt besitzt dieser Altar viele Besonderheiten: Neben dem Marienaltar in der Herrgottskirche von Creglingen und dem Heilig-Kreuz-Altar von Detwang, auch ganz in der Nähe Rothenburgs, ist er einer der wenigen Riemenschneideraltäre, die noch zwei Altarflügel besitzen und vollständig sind. Die Evangelischen haben es eigentlich nicht so mit wundertätigen Reliquien und mit der Verehrung von Reliquien. Trotzdem ist der Heilig-Blut-Altar wohl der einzige Reliquien-Altar, der sich in einem protestantischen Kirchenraum befindet. Ein schönes ökumenisches Zeichen, wie ich meine.

Heilig-Blut-Altar in der St.-Jakobs-Kirche

Heilig-Blut-Altar in der St.-Jakobs-Kirche

Judas – eine tragische Gestalt

Im Mittelpunkt der Abendmahlsszene, die Riemenschneider und seine Werkstatt geschnitzt haben, befindet sich nicht etwa Jesus, sondern sein Verräter Judas. In anderen Abendmahlsbildern wird dieser Jünger ausgegrenzt, als hässlicher Mensch dargestellt und an den Rand gedrängt. Hier nicht! Er steht in der Mitte. Er ist einer von uns, oder, besser, wir Menschen sind oft wie er. Trotz dass Judas Jesus verraten hat, reicht Jesus ihm das Abendmahl. Seinen Leib und sein Leben. Freundschaft bis jenseits der Grenze von Verrat und Trug, und bis jenseits von Endlichkeit und Tod. „Liebe Deine Feinde“ ist hier als Bild zu sehen.
Unser Besucher verweilt noch eine geraume Zeit fasziniert vor dem Altar. Schießt noch einige Fotos und geht die Treppe beschwingt wieder hinunter.

Jesus reicht Judas das heilige Brot

Jesus reicht Judas das heilige Brot

Oliver Gußmann

In Rothenburg bin ich Touristen- und Pilgerpfarrer an St. Jakob. Das ist die große, an Kunstschätzen reiche evangelische Kirche mit den Doppeltürmen mitten in Rothenburg! Meine Aufgabe ist es, die Kirchen Rothenburgs Gästen und Touristen aus der ganzen Welt bekannt zu machen. Die zahlreichen Gotteshäuser des gotischen Rothenburgs erzählen mit Bildern und Symbolen vom Glauben, der Liebe und der Hoffnung unserer Vorfahren; sie berichten vom Sterben und Auferstehen, von Hingabe und Erlösung. Bei meiner Arbeit hilft mir ein Kirchenführer-Team. Außerdem traue ich Hochzeitspaare, mache Nachtkirchenführungen und vieles mehr. Gerne führe ich durch das jüdische Rothenburg oder biete für Kinder und Jugendliche kirchenpädagogische Führungen an. Für die Jakobuswege, von denen sich einige in Rothenburg kreuzen, bin ich der Ansprechpartner. Mir liegt eine gesunde Umwelt am Herzen. Darum fahre ich ein "Velomobil" - eine Mischung zwischen Seifenkiste und Rennauto. Wenn Sie so etwas in Rothenburg stehen sehen, bin ich sicher nicht weit entfernt! Mehr über meine Arbeit: www.rothenburgtauber-evangelisch.de/tourismus

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Der Jahrhundertrundgang an den Rothenburger Reichsstadttagen 2014

Der Klassiker

Das Oktoberfest gibt es seit 1810, die Reichsstadttage seit 1974 und den Jahrhundertrundgang seit 2007.  Alle drei Veranstaltungen können mit gutem Recht als Klassiker bezeichnet werden, auch wenn Geschichte und Besucherzahlen sich sehr unterscheiden. Während es von den zwei großen Veranstaltungen nur grobe Schätzungen bezüglich der Besucherzahlen gibt, ist die Teilnehmerzahl der Jahrhundertrundgänge 2014 absolut gesichert. Ich habe sie selbst gezählt. Mit 40 Teilnehmern am Samstag und der Hälfte am Sonntag waren es ideale Gruppengrößen für diese besondere Stadtführung. Es soll ja jeder alles sehen und hören können, sonst leidet die Qualität. Eine Qualität, die bisher offensichtlich immer gut war, sonst hätten nicht auch in diesem Jahr Gäste wiederholt teilgenommen. Das empfinde ich übrigens als ganz großes Kompliment und bin sehr dankbar dafür. Bei der Gelegenheit möchte ich mich ganz herzlich bei allen Teilnehmern bedanken, aber natürlich ganz besonders bei den Wiederholern.

Die Aufklärung

Die ganze Idee der Führung dreht sich um zwei wichtige Punkte. Unterhaltung und Wissen. Die Reichsstadttage sollen nicht nur ein Fest der Freude sein, sondern auch etwas über die Geschichte der Stadt Rothenburg vermitteln. Also etwas Aufklärung betreiben und dazu gilt es erst einmal Konzept und Begriffe zu erklären. Was ist überhaupt eine Reichsstadt, von wann bis wann waren wir eine solche und welche Bedeutung hatte das für die Stadt? Übrigens kann ich hier einen Bogen zum Oktoberfest schlagen. Die Hochzeitsfeier vom Bayrischen Kronprinzen Ludwig mit seiner Theresia (daher auch Theresienwiese) sollte unter anderem dazu dienen, ein Gemeinschaftsgefühl in dem neu entstandenen Königreich Bayern entstehen zu lassen, zu dem 1810 auch Rothenburg ob der Tauber seit kurzem gehörte. Aber das nur nebenbei.

Die Blütezeit

Wie reich und wohlhabend die Stadt einst war, lässt sich noch wunderbar an dem beeindruckenden Rathaus ersehen, vor dessen imposanten Giebeln wir den Rundgang durch die Jahrhunderte begannen. Wohlstand der sowohl von den Händlern kam, deren mächtige Häuser die Herrengasse säumen, als auch von den Bauern aus der Landwehr. Dieses städtische Gebiet, mit ca. 180 Dörfern auf etwa 400 Quadratkilometern, stellt(e) zumindest flächenmäßig solche Fürstentümer wie Lichtenstein mit seinen 160 qkm, locker in den Schatten. Von dieser Blütezeit, die vor allem die ersten Jahrhunderte (ca. 1300 – 1550) der Reichsfreiheit prägten, war die Rede und konnte sich jeder auf dem Weg vom Marktplatz über die Herrengasse bis zur 1. Gruppe ein Bild machen.

Die Reformation

Der Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit um 1500 brachte viele Veränderungen sowohl in der Welt, als auch in unserem damals noch großen Rothenburg. Als Martin Luther seine Thesen an die Wittenberger Schlosskirche nagelte, hallten die Schläge noch Jahre später in Form von Bauernaufständen durch das ganze Land. Auch die Landwehr wurde erfasst und unter der Führung von Männern wie Florian Geyer oder dem Götz von Berlichingen machten sich die Bauern unter dem Zeichen des Bundschuhs auf, um für ihre Rechte zu kämpfen. Viele der Bauern um Rothenburg erhoben sich und dafür stehen exemplarisch der Schillingsfürster Bauernhaufen sowie die Schwarze Schar aus Ohrenbach, die ihr Lager vor der Franziskanerkirche aufgeschlagen haben. Einfach ist die Kleidung, einfach das angebotene Essen. Aber alles sehr passend und lehrreich. Was da nicht alles stand. Ein transportabler Brotbackofen bei den Schillingsfürstern und jede Menge Werkzeuge bei den Ohrenbachern. So konnten wir einen Schmied bei seiner Arbeit beobachten und dann wurde auch noch extra für uns ein Seil gedreht. Zum Abschied gab es noch zwei Lieder aus der Zeit der Bauernkriege, denn mit Musik marschiert sich besser.

Der Niedergang

Die Kaiserpfalz, aus der Rothenburg einst entstanden ist, fiel den Jahrhunderten ebenso zum Opfer wie die verschiedenen Klöster der Stadt. Ob Zufall oder Absicht, Glück oder Unglück, Fakt ist, wo einst Burg und Klosterkirche stand ist jetzt Platz für Grünflächen und Geschichte. Eine Geschichte, die uns auf unserem Gang durch die Jahrhunderte, vorbei am Burggarten und dem Klostergarten des ehemaligen Dominikanerinnenklosters bis vor die imposante Kirche St. Jakob führte. Im Mittelalter gab es hier eine wahrscheinlich recht einträgliche Wallfahrt zum Heiligen Blut. Einer Reliquie vom Blute Jesu Christi, die aber die Kaiserliche-katholischen Truppen unter Führung von General Tilly im 30-jährigen Krieg ebenso wenig aufhalten konnte, wie unsere Stadtmauer. Das „Fränkische Jerusalem“, wie Rothenburg auch genannt wird, wurde eingenommen und obgleich vor der Zerstörung durch den Meistertrunk gerettet, in eine Zeit der Bedeutungslosigkeit katapultiert. Gerettet vor der Zerstörung und doch gebrochen, diesen Zwiespalt stellen die vielen Gruppen aus der Zeit um 1631, dem Jahr der 1. Einnahme der Stadt, dar. Eine dieser Gruppen liefen wir auf unserem Jahrhundertrundgang, rein zufällig ;-), vor St. Jakob über den Weg. Die „BeutelschneiderInnen“ gaben für uns zwei Lieder zum Besten. Denn, wie wir bereits wissen: Mit Musik, da marschiert sich besser!

Der Abschluss

Es ging noch einmal zurück zum Marktplatz, denn die Rothenburger Münzer hatten dort einiges aufgeboten. Das Münzrecht war nur eines von vielen Privilegien, die sich in der wechselvollen Geschichte der Reichsstadt Rothenburg in unserem Besitz befanden. Während einer beeindruckenden Vorführung konnten wir so vieles über das Münzrecht erfahren und das hat sicher nicht nur bei mir einen prägenden Eindruck hinterlassen.

 

Vielleicht ebenso prägend wie die Erklärung der imposanten Verteidigungsanlagen an der nordöstlichen Seite der Altstadt, mit der Möglichkeit einen sonst verschlossenen Gang unter dem Stadtgraben hindurch zu begehen. Ein äußerst seltenes, wenn auch zweifelhaftes Vergnügen. Denn als komfortabel ist die Begehung eines mittelalterlichen Verteidigungsganges sicherlich nicht zu bezeichnen. Dafür aber umso anschaulicher und genau darum geht es ja auf dem Jahrhundertrundgang.

 

Nach dieser beeindruckenden Station machten wir uns auf den Weg die Runde im Ritterlager vor dem Rödertor zu beenden. Ein würdiger Abschluss, in dem größten Lager der Reichsstadttage, mit Besichtigung und kompetenter Erklärung der Waffen eines Ritters aus der Zeit um 1274. Dem Jahr, in dem Rothenburg ob der Tauber zur Reichsstadt wurde. Damit endete der Gang durch die Jahrhunderte nach über 2,5 Stunden in der Zeit, in der alles begann.

Eine runde Sache die auch für 2015 wieder geplant ist.

Ein ganz besonderer Dank gilt all den beteiligten Gruppen, die alle ehrenamtlich, mit viel Einsatz und Liebe zum Detail dieses wunderschöne Fest erst möglich machen.

Harald Ernst

Bin ich ein Rothenburger? JAIN! Meine Wurzeln liegen nur 15 km von Rothenburg entfernt. Brettheim, früher ein Teil des Stadtgebietes der Reichsstadt mit ca. 180 Dörfern, liegt heute in einem anderen Bundesland (BW). Das erklärt, weshalb ich mich als Rothenburger fühle, inzwischen auch in der Altstadt lebe, aber nicht wie ein Rothenburger klinge. Ich bin ein Hohenloher mit entsprechendem Dialekt (wenn ich will oder darf) und habe mich während meines Zivildienstes (1990/91) in der Jugendherberge in die Stadt verliebt. Außerdem habe ich mich durch die Gäste aus aller Welt inspirieren lassen und das Reisen für mich entdeckt. Menschen, Länder, Abenteuer lassen mich immer wieder meine Koffer packen. Doch genauso gerne kehre ich immer wieder zurück in diese besonders schöne Stadt. Aus Hobby wurde Beruf. Bereits 1993 kam ich zur Gästeführerei. Im Jahr 2000 habe ich mit einem Freund ein Reiseunternehmen gegründet und bin seit dem selbstständiger Stadtführer, Reiseleiter und Driverguide für Gäste aus aller Welt im In- und Ausland. Doch mein Schwerpunkt ist und bleibt Rothenburg ob der Tauber. Hier kenne ich mich am besten aus. Hier bin ich Zuhause.

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Fest und Freude – Die Rothenburger Reichsstadttage

Hochfeuerwerk - Stadtbeschießung (Samstag Nacht)

Oktoberfest – Cannstatter Wasen – Reichsstadttage

Der September ist der Monat der großen Feste. Ok, mit den beiden größten Volksfesten in Deutschland können unsere Reichstadttage nicht mithalten. Aber das wollen wir auch gar nicht.

Ursprünglich, 1974, war es als Fest von den Rothenburgern für die Rothenburger gedacht. Aber natürlich auch, um unseren Gästen aus aller Welt die spannende Geschichte der Stadt näher zu bringen.

Lange bevor Mittelaltermärkte wie Pilze aus dem Boden zu sprießen begannen, wurde in unserem mittelfränkischen Kleinod die Geschichte lebendig gemacht. Mit dem historischen Festspiel „Der Meistertrunk“ http://www.meistertrunk.de haben wir eines der ältesten historischen Spektakel in ganz Deutschland. Bereits seit über 130 Jahren wird unsere sehenswerte Stadt jedes Jahr zu Pfingsten zurück in die Zeit des 30-jährigen Krieges versetzt. Diese Festtage bekamen dann vor 40 Jahren eine Ergänzung.

500 Jahre Reichsstadt

Rothenburg war über 500 Jahre eine Reichsstadt. Also eine Stadt mit weitgehenden Freiheiten. Nicht ganz wie eine „Freie Stadt“, von denen es heute mit Hamburg und Bremen noch zwei gibt. Aber doch etwas Besonderes, denn es gab nur ca. 80 Freie und Reichsstädte im ganzen HRRDN (Heiligen Römischen Reich deutscher Nation). Ganz nebenbei: Wer also von einer Stadt als „Freier Reichsstadt“ spricht liegt damit zumindest historisch betrachtet Falsch. Denn entweder war eine Stadt eine Freie Stadt, oder eine Reichsstadt.

Aber was feiern wir denn nun genau, und vor allem wie?

Die Reichsstadttage

Unsere glorreiche Zeit als Reichsstadt ist nun schon über 200 Jahre Vergangenheit. Aber wir erinnern uns gerne daran und nur so kann man Rothenburg ob der Tauber verstehen. Die Jahre von 1274 bis 1802 hatten viel Gutes, aber auch Schattenseiten. Doch eines waren sie mit Sicherheit nicht: Langweilig. Wir möchten also an den Festtagen an jedem 1. Wochenende im September an all dies erinnern. So finden sich dieses Jahr wieder 25 Gruppen mit Hunderten von Teilnehmern zusammen, um an diesen Teil unserer Geschichte zu erinnern.

Das wird ein Fest!

Mit einem Fackelzug durch die historische Stadt und einem Fassadenfeuerwerk am Marktplatz geht es am Freitagabend los.

Über den gesamten Samstag und Sonntag gibt es an unzählige Stationen in und um die Altstadt historische Gruppen zu bestaunen sowie ein vielfältiges Programm zu erleben.

Da ich mir selber nicht alles merken kann, bin ich sehr froh über einen Prospekt, auf dem zumindest die wichtigsten Aktionen zusammen gefasst sind. Weitere Informationen finden sich auf der Internetseite des Rothenburger Tourismus Services.

Der Jahrhundertrundgang

All diese Angebote sind fantastisch, ABER da kann einem leicht der Überblick zwischen all den Jahrhunderten und Gruppen verloren gehen. Zum Glück gibt es seit Jahren den Jahrhundertrundgang. Eine Sonderführung durch die Stadt, ihre Geschichte und zu einzelnen Gruppen, die nur an den Reichsstadttagen angeboten wird. Auf dem 2-2,5 stündigen Gang wird die Geschichte nicht nur lebendig, sondern auch verständlich. Welche Gruppe stellt was genau dar, aus welcher Zeit stammt sie und für welchen Teil von Rothenburgs abwechslungsreicher Geschichte steht sie. Neben diesen Informationen bieten die Gruppen auch noch Aktionen.

Mit der Führung möchten wir das Eis zwischen Besuchern und Gruppen brechen. Sie sollen wenn möglich Teil unserer Geschichte werden und mit uns Rothenburgern feiern.

Der Stadtbote von Rothenburg o.d.T.

Der Stadtbote von Rothenburg o.d.T.

Der Klassiker und die Ritterrunde

Da der Jahrhundertrundgang bereits Stammgäste hat, quasi Wiederholungstäter, wird zum 40. Jubiläum der Reichsstadttage erstmals eine ganz neue Runde angeboten. Es gibt also zwei ganz unterschiedliche Rundgänge. Der Klassiker (die Zeiten entnehmen Sie bitte dem aktuellen Prospekt) geht eine bewährte Runde durch die nördliche und östliche Altstadt und stellt dabei ein umfassendes Bild der gesamten Reichsstädtischen Geschichte dar.

Der Neue ist  2014 dazu gekommen und konzentriert sich auf das ausgehende Mittelalter, die südliche Altstadt und die spannende Geschichte der Ritter. Aber natürlich erfährt jeder Teilnehmer auch auf diesem Rundgang alles Wesentliche zu Rothenburgs Entwicklung zu einer der besterhaltensten Historischen Städte Deutschlands.

Der Treffpunkt für diese beiden ganz besonderen Stadtführungen ist übrigens immer der Marktplatz. Einfach auf das entsprechende Schild achten.

Es würde mich sehr freuen Sie auf einem der Jahrhundertrundgänge begrüßen zu dürfen. Über meine Erfahrungen an dem Wochenende möchte ich dann in meinem nächsten Beitrag berichten.

Bis bald.

Harald Ernst

Bin ich ein Rothenburger? JAIN! Meine Wurzeln liegen nur 15 km von Rothenburg entfernt. Brettheim, früher ein Teil des Stadtgebietes der Reichsstadt mit ca. 180 Dörfern, liegt heute in einem anderen Bundesland (BW). Das erklärt, weshalb ich mich als Rothenburger fühle, inzwischen auch in der Altstadt lebe, aber nicht wie ein Rothenburger klinge. Ich bin ein Hohenloher mit entsprechendem Dialekt (wenn ich will oder darf) und habe mich während meines Zivildienstes (1990/91) in der Jugendherberge in die Stadt verliebt. Außerdem habe ich mich durch die Gäste aus aller Welt inspirieren lassen und das Reisen für mich entdeckt. Menschen, Länder, Abenteuer lassen mich immer wieder meine Koffer packen. Doch genauso gerne kehre ich immer wieder zurück in diese besonders schöne Stadt. Aus Hobby wurde Beruf. Bereits 1993 kam ich zur Gästeführerei. Im Jahr 2000 habe ich mit einem Freund ein Reiseunternehmen gegründet und bin seit dem selbstständiger Stadtführer, Reiseleiter und Driverguide für Gäste aus aller Welt im In- und Ausland. Doch mein Schwerpunkt ist und bleibt Rothenburg ob der Tauber. Hier kenne ich mich am besten aus. Hier bin ich Zuhause.

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WGFT 2014 – Sonderführungen zum Thema „Feuer und Flamme“

Der Weltgästeführertag (WGFT) ist immer am 21.2. jeden Jahres. Die Gästeführer in Deutschland (Bundesverband der Deutschen Gästeführer – BVGD) haben sich darauf geeinigt die Veranstaltungen in den einzelnen Städten unter ein wechselndes gemeinsames Motto zu stellen. So kam es, dass wir in Rothenburg dieses Jahr „Feuer und Flamme“ waren und 17 kostenlose Sonderführungen anboten. Den Auftakt machte ich mit einem Kollegen als Nachtwächter unter dem Titel. Vom Funke zur Flamme  – Fackelwanderung für Groß und Klein. So war es dann auch. Es fanden sich Große und auch viele Kleine (Junge) am Parkplatz Essigkrug ein. Ein wunderbarer Abend war es ohnehin, aber als dann auch noch ca. 50 Fackeln entzündet wurden, war es eine ganz besonders schöne Stimmung. Nach ein paar Worten erklärenden Worten zum Namen und Ort „Essigkrug“ und auf welch unterschiedliche Arten man Feuer machen bzw. wie Feuer entstehen kann, kam plötzlich ein 2 Nachtwächter des Weges. Stefan, mein Kollege hatte sich verlaufen. Zumindest tat er so, denn bei einer Fackelwanderung für Groß und Klein wollten wir nicht zu ernsthaft sein. Ich spielte also den alten erfahrenen Nachtwächter und Stefan den Jungnachtwächter. Auf unserem Weg über das Gelände der Tagungsstätte Wildbad, hinunter zur Tauber und dann, vorbei an der Doppelbrücke, zurück in die Altstadt, machten wir immer wieder halt und gaben die ein oder andere Geschichte und Info zum Besten. So zum Beispiel, dass die Doppelbrücke nicht Doppelbrücke heißt, weil jetzt der Nachtwächter gleich doppelt da ist, sondern weil die mächtige Steinbrücke von 1330 aus 2 Bogenreihen übereinander gebaut wurde. Also eine doppelte Bogenreihe. Diese ist eines der vielen markanten Bauwerke der Stadt. Dazu gibt es auch einen schönen alten Vers. Zwei Türme ohne Dach, eine Mühle ohne Bach, eine Brücke gegen den Rain (Abhang), muss das Wahrzeichen Rothenburgs sein. Zum Abschluss gingen wir noch in die Jugendherberge, wo uns der Herbergsvater Nico Mahn die Türen zu einer weiteren Sehenswürdigkeit öffnete, die sonst nicht so einfach zugänglich ist. Der alte Brotbackofen im ehemaligen Wirtschaftshaus des Spitals. Heute ein Teil der Jugendherberge. Dazu noch Glühwein und wer wollte konnte noch einen fantastischen Ausblick über die Dächer der Stadt vom Hauptgebäude der Jugendherberge, der alten Roßmühle, werfen. Ein gelungener Auftakt. JH Rothenburg Rossmühle

Am Sonntag ging es dann so richtig los. 4 Sonderführungen zum Motto „Feuer und Flamme“ und jede davon 4 mal. Also 16 kostenlose Sonderführungen wie auch im Jahr 2013. Super interessante Themen, wie die Geschichte der Brandbekämpfung, des Schmiedehandwerks, Feuer-Phänomene in der christlichen Kunst und nicht zuletzt Kochen am offenen Feuer. Das hörte sich so an, als ob es da etwas zu Essen gäbe und so war es dann auch. Ich also mitten drin und weil ich mich weder entscheiden konnte noch wollte, habe ich einfach an allen Führungen teilgenommen.

WGFT2014-Hr.Gussmann

Zuerst einmal in die Kirche und zwar gleich unsere Größte. St. Jakob. Es war ja schließlich Sonntag. Herr Gußmann machte eine tolle Führung und hatte die Aufmerksamkeit der Zuhörer gleich zu Anfang, als er sehr lebhaft schilderte, welch dramatische Wirkung es wohl noch heute auf die Menschen haben würde, wenn man wie damals brennende Feuerstücke durch das Heilig Geistloch in der Kirchendecke zu Pfingsten werfen würde. Die Sinnbildmachung des Pfingstwunders, bei dem der Heilige Geist die Apostel erleuchtet oder entflammt. Ein Wunder mit Feuer und Flamme. So sprechen wir noch heute vom „entflammt sein“ oder von der „Erleuchtung“. So spielt das Licht, auch in Form von Kerzen eine große Rolle in der christlichen Kirche. Eine Kerze gibt sich in Wärme und Licht hin. Wieder ein Sinnbild. So gibt es unglaublich viele Kerzen in der Kirche. Nicht nur zahlenmäßig, sondern auch von ihrem Namen bzw. Sinn wie zum Beispiel Osterkerzen, Taufkerzen, Adventskerzen. Kerzen wie wir sie kennen, gibt es übrigens seit ca. 1000 Jahren. Auch das wusste Herr Gußmann zu berichten. Nun hier noch kein kleines Rätsel zum Abschluss. Für was ist dieses seltsame Gerät? Oder besser was kann man damit machen?

Was ist das?

Was ist das?

Nun aber schnell weiter. Inzwischen war es 13:00 Uhr und damit für mich die passende Zeit um vielleicht auf der Führung „Kochen am offenen Feuer“ etwas zu Essen zu bekommen. Passender weise hatten sich meine Kolleginnen Frau Däschner und Frau Rohn eine er ältesten Klosterküchen in Deutschland für ihr Thema ausgesucht. Diese befindet sich in unserem Reichsstadtmuseum und war einer der vielen Schätze von Rothenburg den ich heute noch intensiver kennen lernen durfte. So erfuhr ich zum Beispiel, dass früher nicht auf oder über dem Feuer gekocht wurde, sondern daneben. In Töpfen aus Ton, die neben das Feuer gestellt wurden, köchelte das Essen Stundenlang vor sich hin. Die Slowfoodbewegung gab es also bereits im Mittelalter, dachte ich mir. Ich machte auch noch weitere Entdeckungen. Es gab bereits im Mittelalter eine Wegwerfgesellschaft. So mussten diese Tontöpfe die zum Kochen verwendet wurden, bevor man diese in späterer Zeit innen glasierte, recht schnell ausgetauscht werden, da die Töpfe nicht ausgewaschen werden konnten. Also Wegwerftöpfe zu günstigen Preisen. Ein ähnliches Schicksal ereilte Teile des Essgeschirrs. Die zumeist aus Holz gefertigten Teller und Löffel wanderten wohl am Ende ihres Daseins als Brennmaterial direkt ins offene Feuer. Thermisches Recycling schon damals. Das war aber nicht die letzte Überraschung in der mittelalterlichen Küche. Technisch auf dem neusten Stand gab es wahrscheinlich auch in diesem Gourmettempel einen durch Warmluft betriebenen Drehspieß für das Brathähnchen. Unglaublich was es da alles zu erfahren gab. Zu guter Letzt gab es dann wirklich einige Kostproben nach uralten Rezepten und es wurde uns in speziellen Trinkbechern kein reiner Wein, sondern typischer warmer Gewürzwein, eingeschenkt.

Nach diesen leckeren Happen fühlte ich mich gestärkt und bereit für ein echt heißes Thema. Die Schmiedekunst. Karin Bierstedt und Ruth Pianka warteten am Eingang zum Kriminalmuseum. Was hätten all die Folterknechte wohl früher gemacht ohne die Schmiede. Glühende Zangen aus Holz?  Naja, irgendwie wäre es dann doch gegangen. Die Menschen war schon immer sehr einfallsreich wenn es darum ging anderen weh zu tun. Trotzdem, wo wie wir in einer Stadt überall Dinge aus Metall finden die von jemandem hergestellt wurden. Türangeln, Türklinken, Türglocken, Schuhabstreifer, Fensterladenhalter und nicht zuletzt die wunderschönen Schilder (Ausleger) an vielen Häusern, die heute noch ein Kunstschmied in Rothenburg auf Bestellung anfertigen kann. Seit ca. 5000 Jahren gibt es die Schmiedekunst, seit ca. 2500 Jahren stellen Schmiede Handwerkszeuge her und Ausleger wurden vor allem im Mittelalter genutzt. Der älteste Ausleger in Rothenburg ist ca. 300 Jahre alt und gehört der Gaststätte Butz. Wir haben aber auch noch eine andere Schmiedin in der Stadt und zwar in der Schmiedgasse. Frau Korn ist Meisterin der Goldschmiedekunst und nahm auch an der Führung teil. Anders als man vielleicht vermuten könnte findet sich kein Amboss im Zunftzeichen der Schmiede, sondern eine Zange, Hammer und eine Schlange bzw. Salamander. Wohl ein Feuersalamander, dachte ich mir, denn ohne Feuer geht bei einem Schmied gar nichts.

Dieses war die 3 Führung und die 4. folgte sogleich. Thema: „Die Geschichte der Brände und Brandbekämpfung in Rothenburg“. Auf diese Führung war ich ganz besonders gespannt, denn ich wusste wie viele Stunden mein Kollege Daniel Weber dafür im Archiv gesessen ist. Dazu noch das Fachwissen von Claudia Koller-Lindner, die sehr gute Kontakte zur Rothenburger Freiwilligen Feuerwehr hat. Übrigens mit ihrer Gründung im Jahre 1854 eine der ältesten FFW in Bayern. Dass die Brandbekämpfung in einer mittelalterlichen Stadt auch heute noch eine große Rolle spielt dürfte jedem klar sein, der sich in der Stadt umschaut. Enge Gassen und immer noch sehr viele Fachwerkhäuser. Deutlich auch zu sehen, dass die Häuser früher immer mit einem kleinen Zwischenraum nebeneinander gebaut wurden. Somit war es möglich diese mit langen Stangen (ca. 5 Meter) im Brandfall abzureißen um eine Ausdehnung des Feuers zu verhindern. Es musste schnell gehen, deshalb gab es auch in jeder Stadt Türmer und Nachtwächter als Brandmelder. Zusätzlich genaue Vorschriften wer, wo und wie bei einem Feuer in der Stadt zum Einsatz kam. So waren die Bauhandwerker für das Niederlegen (Abreißen) des Hauses verantwortlich, jeder Bürger war verpflichtet 2 Ledereimer zu besitzen und es wurde bestimmt, wer mit Kutschen oder Karren und Fässern oder Ähnlichem für die Herbeischaffung des Wassers zu sorgen hatte. Ohne Wasser kein Löschen. So einfach war das Früher und so einfach ist das heute noch. Oder eben nicht. Denn woher kommt ausreichend Wasser. Früher gab es dazu so genannte Wethen. Diese findet der aufmerksame Beobachter heute noch in Gassennamen (Klosterweth, Schlegleinsweth) und ansatzweise in baulicher Form. So zum Beispiel im Spital. Auch heute noch hat die FFW von Rothenburg an 5 Stellen in der Altstadt unterirdische Wasserreservoirs. Die Gruppe staunte nicht schlecht, als ich für meinen Kollegen eines dieser Wassersammelbecken vor den Füssen der Zuhörer öffnete.

Ein echter Hingucker und ein voller Erfolg.  Genauso wie diese Führung und die gesamte Veranstaltung. Diese ganzen Führungen und dann auch noch eine tolle Ausstellung der Freiwilligen Feuerwehr im alten Feuerwehrgewölbe, dass übrigens von der Rothenburger FFW noch bis in die 70er Jahre genutzt wurde und zum Abschluss eine Übung auf dem Marktplatz.

Nicht nur ich habe wieder viel Neues erfahren und hinter sonst verschlossene Türen oder besser Gullideckel geschaut, sondern auch noch viele andere. Sowohl Einheimische wie auch Gäste haben das Angebot gern und reichlich angenommen. Insgesamt hatten wir an den verschiedenen Veranstaltungen 660 Teilnehmer die uns über 1000,- Euro für unser diesjähriges Projekt gespendet haben. Wir, der Verein der Rothenburger Gästeführer, möchten eine Informationstafel über die alte Stauferburg im Burggarten aufstellen und mit Hilfe der Stadt und dem Verkehrsverein wird uns das nun auch gelingen. Vielen vielen Dank an alle die dies möglich gemacht haben und ich freue mich schon auf 2015. Da wird es wahrscheinlich, hoffentlich wieder um den 21. Februar zum Weltgästeführertag interessante und einmalige kostenlose Sonderführungen geben.

Harald Ernst

Bin ich ein Rothenburger? JAIN! Meine Wurzeln liegen nur 15 km von Rothenburg entfernt. Brettheim, früher ein Teil des Stadtgebietes der Reichsstadt mit ca. 180 Dörfern, liegt heute in einem anderen Bundesland (BW). Das erklärt, weshalb ich mich als Rothenburger fühle, inzwischen auch in der Altstadt lebe, aber nicht wie ein Rothenburger klinge. Ich bin ein Hohenloher mit entsprechendem Dialekt (wenn ich will oder darf) und habe mich während meines Zivildienstes (1990/91) in der Jugendherberge in die Stadt verliebt. Außerdem habe ich mich durch die Gäste aus aller Welt inspirieren lassen und das Reisen für mich entdeckt. Menschen, Länder, Abenteuer lassen mich immer wieder meine Koffer packen. Doch genauso gerne kehre ich immer wieder zurück in diese besonders schöne Stadt. Aus Hobby wurde Beruf. Bereits 1993 kam ich zur Gästeführerei. Im Jahr 2000 habe ich mit einem Freund ein Reiseunternehmen gegründet und bin seit dem selbstständiger Stadtführer, Reiseleiter und Driverguide für Gäste aus aller Welt im In- und Ausland. Doch mein Schwerpunkt ist und bleibt Rothenburg ob der Tauber. Hier kenne ich mich am besten aus. Hier bin ich Zuhause.

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